Dass Schwarze Menschen sind, wird von manchen bis heute noch angezweifelt – gleiches gilt für Frauen. Ist es daher nicht Zeit, die Kategorie ›Mensch‹ hinter uns zu lassen und ein neues, ganzheitlicheres Verhältnis zu all dem Lebendigen um uns herum zu finden? Die Soziologin Akwugo Emejulu hat ein ganz persönliches Manifest vorgelegt, das überraschende Perspektiven auf das Dasein als schwarze Frau eröffnet.
Post-Humanismus. Intersektionalität. Kritische Rassenlehre. Feminismus. Dieser von Reclam veröffentlichte Essay greift gleich mehrere der ganz heißen Eisen unserer Zeit auf und anstatt irgend eines dieser großen Wörter aufzubauschen, schafft es Akwugo Emejulu, zwischen wissenschaftlicher Nüchternheit und emotionaler Betroffenheit ihre Gedanken greifbar und nahbar zu machen.
Der Grundgedanke ist unangenehm: was, wenn die 'westlichen' Ideale von Menschlichkeit, Menschenwürde, Brüderlichkeit, mich nicht als Teil der Gleichung ansehen? Da kann man mit noch so viel 'Ode an die Freude', kantianischen Maximen und 'wir leben in einem Rechtsstaat!' kommen, es nützt nichts, wenn man nicht das Menschsein erfüllt. Ich hab in dem Buch neben viel intellektueller Anregung auch Trost gefunden. Einen Trost, von dem ich gar nicht wusste, dass ich das zugehörige Leiden hatte.
Deshalb empfehle ich dieses Buch allen. Denn ich glaube, dieser Schmerz des Menschseins, den kann man auch dann empfinden, wenn man keiner sozial unterdrückten Minderheit angehört. Aber, was dieses Buch dann doch unterscheidet von anderen 'literally me'-Büchern, ist, dass nicht nur Schmerz kunstvoll ausgedrückt wird, sondern eine nachhaltige Lösung angeboten wird. Es braucht mehr solcher Bücher.