Als Luisa Fischer erfährt, dass ihr Vater Bob nicht ihr leiblicher ist, und sie feststellen muss, dass die Zuneigung, die sie für ihn empfindet, über Familienliebe hinausgeht, verlässt sie die Heimat und die Familie. Nach unruhigen Jahren in verschiedenen Städten lässt sie sich in Hamburg nieder. Dort steht plötzlich ihr Stiefvater vor der Tür, auch er hat sich gegen die Familie und für ein Leben mit ihr entschieden. Bald darauf ziehen die beiden zurück in die österreichische Heimat, wo Bob den Verstrickungen in die Vergangenheit nicht entkommen kann. Verstrickt ist auch der alte Bekannte aus Kindheitstagen Ferdinand, der alleine mit seinem Sohn Anton lebt und dem sich Luisa annähert. Doch immer wieder bricht sich Zweifel an der Aufrichtigkeit des jeweils anderen Bahn, beide belauern sich – die Spannungen spitzen sich zu.
Lassen sich die Schatten und die Lasten der Vergangenheit ablegen? Und ist es möglich, sich selbst in jeder neuen Lebensphase neu zu erfinden? Wer sind wir, wenn wir uns von unserer Vorgeschichte lossagen? Luisas Antwort auf all diese Fragen ist der Entschluss, Schriftstellerin zu werden, und sie beginnt ihre eigene Geschichte zu erzählen.
is an Austrian writer who grew up in Hallwang, Eberstalzell, Upper Austria. From 2003 to 2007 he studied agriculture, history and international development in Vienna. In 2007 his debut novel Der lange Gang über die Stationen came out. The same here he received the literary award from the Jürgen-Ponto-Stiftung and a stipend from the Edenkoben estate. In 2009 he was a juror at the German-language Slovakian Prešover short story competition.
Kurzmeinung: Reinhard Kaiser-Mühlecker ist einer der bedeutendsten Autoren der Zeit. DORFIDYLL - DAS WAR EINMAL Reinhard Kaiser-Mühlecker schreibt bereits den dritten Roman über „Rosental“. Nach „Fremde Seele, dunkler Wald“, und „Wilderer“, Romane, in denen der Autor nacheinander die Kinder von Robert Fischer, nämlich Alexander und Jakob ins Visier nahm, ist nun in "Brennende Felder" der jüngste Spross der Familie Fischer, die Tochter dran. Ihr Leben nimmt der Autor unter die Lupe. Luisa, um die 40, lebte freilich schon lange nicht mehr in Rosental. Sie ertrug es nicht in der engen muffigen Welt eines Dorfes, das ihr nichts zu bieten hatte. Mit einem Arsenal an multiplen Talenten gesegnet, zog sie in die große weite Welt hinaus, diese zu erobern. Die Familie Fischer, die nicht das beste Verhältnis zur Tochter bzw. Schwester hatte, ist nicht entzückt als Luisa plötzlich wieder da ist und sich im Nachbardorf niederlässt, wo sie eine Villa kauft und mit ihrem wesentlich älteren Lebenspartner logiert. Das Dorf beäugt sie ein wenig argwöhnisch, ist ansonsten aber freundlich abwartend. Argwöhnisch, denn Luisa und ihr Partner machen nichts an dem Haus, die Fassade ist nur halbfertig, Dörfler finden das wahrscheinlich faul, zumindest strange, Luisa und Bob jedoch machen sich nichts aus den Meinungen der anderen, sie sind exzentrische Künstlernaturen und keine banausigen Bauern wie die anderen. Luisa und Bob sind anders. Das kann man wohl sagen. Schon ihre Verbindung untereinander ist besonders. Die junge Frau - der viel ältere Mann. Er könnte ihr Vater sein! Es ist nicht Luisas erste längere Beziehung. Sie hat einen Mann in Kopenhagen zurückgelassen und einen in Göteborg. Mit jedem dieser Männer, erfolgreiche Männer sind das gewesen, war sie verheiratet und hat sie jeweils ein Kind. Von Zeit zu Zeit besucht sie ihre Kinder und verbringt Qualitätstime mit ihnen. Qualität ist immer besser als Quantität. Luisa bietet ihren Kindern etwas! Die Kinder haben eine tolle Mutter, hätte sie selber doch auch so eine tolle Mutter gehabt. Zu ihrer eigenen Mutter ist die Verbindung abgebrochen, was Luisa manchmal bedauert, vor allem in prekären Situationen. Und sie weiß nicht warum, aber Luisa gerät immer wieder in prekäre Situationen. Und das obwohl sie Expertin auf verschiedenen Gebieten ist, sie kann Singen und Schauspielern, versteht etwas von der Welt und von Pädagogik, schließlich hat sie von den in Erziehungsfragen führenden skandinavischen Ländern einiges abgucken können, diese Erfahrungen kommen ihr auch in ihrer neuen Beziehung zugute, weil Ferdinand Goldberger einen halbwüchsigen Sohn mit autistischen Zügen hat, und sie Anton bei den Hausaufgaben hilft und überhaupt auf dem Hof aushilft, der eine ordnende Hand nötig hat: sie macht den Haushalt, betreut Ferdinand, der mit seinen vielen Ämtern (Landrat?) kaum weiß, wo ihm der Kopf steht und schreibt nebenbei einen Roman. Das soll ihr erst mal einer nachmachen! Und außerdem ist Luisa the sexiest woman alive. Ja, tatsächlich - der Lebenspartner, mit dem sie in die Dorfvilla gezogen war, ist ihr inzwischen abhanden gekommen. Aber Männer gibt es ja so viele! Luisa versteht nicht, warum manche Frauen sich so schwer tun mit der Partnersuche!
Der Kommentar und das Leseerlebnis: Der Autor wagt mit dieser Figur etwas. Man ist hin- und hergerissen, während man tief in Luisas Gefühls- und Gedankenwelt eintaucht. Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung klaffen auseinander. Was ist Luisa für ein Mensch? Damit hat man sich zu beschäftigen. Der Stil Kaiser-Mühleckers ist, ja, wie soll man sagen, der Kerl kann einfach schreiben! Jahreszeiten und Dorfschauen spielen nicht die Hauptrolle, bieten aber eine wunderbare Kulisse. Die Farben sind noch da. Aber das idyllische Dorf von anno dunno ist dabei, zu verschwinden. Rote Laster, beladen mit was ?? Kaiser-Mühlecker verrät es nicht, lässt sie aber unheildrohend schwer beladen hin und fahren: irgendein Raubbau an der Landschaft ist im Gange; überall werden seelenlose Neubauten hochgezogen, die Landwirte kämpfen schwer verzweifelt und erfolglos ums Überleben. Die Felder brennen.
Im Prinzip bin ich von Kaiser-Mühleckers Roman genau so begeistert wie von dem ersten Roman, den ich von ihm las, nämlich „Wilderer“, während der Roman „Fremde Seele, dunkler Wald“ noch auf mich wartet – gäbe es da nicht diese Unwägbarkeiten. In zwei Schlüsselszenen lässt der Autor mich im Regen stehen, ist vage, diffus, unscharf. Das hat seinen Reiz. Man kann raten, was passiert ist. Es ist mir aber doch zu vage, doch zu diffus. Ein paar Hinweise mehr hätte ich gebraucht, um mich pudelwohl in Rosental zu fühlen. Der entstehende Lesesog und eine Menge Humor zwischen den Zeilen machen das Manko wett. Kaiser-Mühlecker ist einfach zu gut, um unter 5 Sterne zu gehen. Kaiser-Mühlecker ist einer der bedeutenden Autoren der Zeit.
Fazit: Bleibt Luisa in Rosental? Was wird aus diesem Dorf? Die roten hin-und herfahrenden Laster deuten auf einen weiteren Roman in der Pipeline des Autors hin. Den muss ich haben! Jeder Roman kann übrigens sehr gut für sich allein gelesen werden, ich bin ja auch erst im zweiten eingestiegen.
Wie nach Landregen oder Sturm sah der Himmel aus; er war hoch und weit und von einem einheitlich frischen, hellen Blau...
- Brennende Felder, S. 1
Brennende Felder ist Gewinner des österreichischen Buchpreises 2024!
Alleine fürs Shaming von österreichischen Bahnhofsgebäuden, die im allgemeinen ähnlich grässlich wie Wels sind, gebührt ihm der österreichische Buchpreis!
Fand ich es anfangs etwas schwierig mich hineinzufinden, hatte ich nach einer Weile das Gefühl in Luisas Heimatdorf angekommen zu sein. Einer typisch österreichisches Idylle wird hinter die Fassade geblickt. Da dies eines meiner liebsten Genres ist, fand ich das Buch schon alleine deshalb gut.
Die Beziehung zwischen Luisa und ihrem Stiefvater (von dem sie die ganze Kindheit über dachte er wäre ihr richtiger Vater und aufgezogen wurde) fand ich furchtbar kompliziert... Mit anderen Worten: sie Daten jetzt den Ex ihrer Mutter 😬 Idk, this gives me the ick... Zusätzlich schwierig für mich, dass mir die Protagonistin so unsympathisch war. Bestenfalls fand ich sie langweilig. Meist war sie mühsam und rücksichtslos. Deshalb habe ich ein paar Mal Seiten überblättert - sie hat mich einfach zu sehr genervt.
Ewig lange Sätze, aber wunderschöne! Ein Buch zum genüsslich langsam lesen.
Luisa Fischer, die Schwester von Alex und Jakob in „Fremde Seele, dunkler Wald“ und „Wilderer“, hatte die größtmögliche Distanz zum elterlichen Hof in Oberösterreich geschaffen, als sie zum Studium nach Hamburg ging. Die Dauer zweier Ehen verbrachte sie in skandinavischen Ländern; ihre Kinder Eric und Marie blieben nach der Trennung, einander entfremdet, bei ihren Vätern. Durch die Eröffnung, dass Robert nicht ihr leiblicher Vater ist, waren vor 20 Jahren Luisas Brüder zu Halbbrüdern geworden, auch meinte sie, nun ihre Großeltern verloren zu haben. Mit Robert/Bert, den sie als Kind für ihren leiblichen Vater gehalten hatte, kehrt sie in der Gegenwart nach Österreich zurück. Nach prägenden Jahren in Skandinavien mag die Begegnung mit Sitten und Werten ihres Heimatdorfs bei der Trauerfeier für den Nachbarn für die Heimkehrerin besonders befremdlich gewesen sein. Geld scheint keine Rolle zu spielen, als Luisa beschließt, sich als Autorin vor der Kulisse ihres Heimatdorfes eine neue Heimat zu erschreiben. Wundern könnte man sich allerdings, warum sie einen Schauplatz wählt, von dem ihr bewusst ist, dass er sie kaum interessiert.
Luisa nimmt, offiziell für ihr Romanprojekt, die Spur zu Ferdinand Goldberg auf, einem erfahrenen Landwirt, Hofbesitzer und Wissenschaftler im Landwirtschafts-Ministerium. Goldberg scheint eine ergiebige Quelle zu sein - und eine gute Partie. Luisa zeigt sich, wie abzusehen war, in der Beziehung zu ihm als ichbezogene, oberflächliche Person, die über Dinge klagt, die sie sich selbst zuzuschreiben hat. Ihre Zyklen aus Flucht, Vereinsamung und Suche nach Zugehörigkeit scheinen sich auch nach ihrer Rückkehr fortzusetzen.
Fazit „Brennende Felder“ vervollständigt den Zyklus über drei Bauernkinder der Gegenwart mit einem eher diffusen Bild von Landwirtschaft und Landflucht. Luisa Fischer macht es Reinhard Kaiser-Mühleckers Leser:innen nicht gerade leicht, ihrem verschlungenen Lebenslauf und ihren Motiven zu folgen. „Wer ist Luisa und was will sie?“ nimmt, sprachlich wie gewohnt auf hohem Niveau, für meinen Geschmack jedoch einen zu breiten Raum ein.
4.5 Sterne - eigentlich richtig gut. Was mich beim Lesen die ganze Zeit irritiert hat, ist, dass das Buch im tiefsten Oberösterreich spielt, aber die Leute klarstes Hochdeutsch miteinander reden. Aber irgendwie mochte ich das auch; das hat dem Ganzen so was Surreales gegeben, es hat gleichzeitig in Oberösterreich gespielt und woanders. Ich glaube, ich muss jetzt auch die Bücher über Alexander und Jakob lesen; um rauszufinden, ob Luisa eine unzuverlässige Erzählerin war, LMAO
Reinhard Kaiser-Mühlecker lässt mich ein bisschen ratlos zurück: Ich habe ehrlich keine Ahnung, was er mit diesem Buch genau sagen wollte. Ich habe nicht in den Roman reingefunden, an manchen Stellen hatte ich sogar das Gefühl, ich hätte für Plot oder Charakterentwicklung wichtige Kapitel ausgelassen. Die Handlung war für mich undurchsichtig, das Handeln der Figuren erst recht.
Auch wurde das ländliche Milieu meiner Meinung nach schon von vielen wesentlich besser portraitiert. Stilistisch absolut in Ordnung, aber auch nicht besonders ansprechend. Insgesamt ok, aber auch nicht mehr. Vom besten österreichischen Buch des Jahres 2024 habe ich mehr erwartet.
Ein bisschen problematisch fand ich auch gewisse Formulierungen und Denkweisen der Protagonistin: Da hat man einfach gespürt, dass diese Frau von einem Mann erschrieben wurde.
Der neue Roman von Reinhard Kaiser-Mühlecker schreibt die Geschichte der Geschweister Fischer weiter (zu Ende?). Im Zentrum steht diesmal Luisa, Halbschwester von Alexander und Jakob.
Luisa sagt sich früh von zu Hause los, lebt und führt gescheiterte Beziehungen in Wien, Göteborg und Kopenhagen, bevor sie allein nach Hamburg geht. Ihre Kinder bleiben bei den Vätern im Ausland zurück. Nachdem ihr Stiefvater "Bob", in den sie seit ihrer Kindheit verliebt war, sie besucht, gehen beide eine Beziehung ein, die sie schlussendlich zurück in die Heimat nach Oberösterreich führt. Die Beziehung zu ihm ist jedoch auch zum Scheitern verurteilt, es kommt zu großen und kleinen Katastrophen. Als Ablenkung und Ausweg wendet sich Luisa dem Schreiben eines Romans zu.
Eine sehr unzuverlässige Erzählerin schreitet von Katastrophe zu Katastrophe, ohne je Anschluss oder wirkliche Nähe zu finden. Im Verlauf des Textes wird klar, dass es nicht nur an den anderen liegen kann, sondern zu großen Teilen auch an Luisa selbst.
"Niemand hier war ihr je nahe gewesen ... und ihm Grunde war ihr auch nirgendwo sonst je einer nahe gewesen oder nicht länger als für einen Moment, ... , auch keiner der Männer, mit denen sie gelebt hatte, auch nicht die Väter ihrer Kinder, und manchmal dachte sie: nicht einmal die Kinder selbst."
Es werden einige interessante Verknüpfungen zu den Büchern über Jakob und Alexander gezogen. Dadurch werden Details in deren Handlung noch einmal aus einem anderen Blockwinkel beleuchtet. Gelesen haben muss man die anderen Bücher jedoch nicht, "Brennende Felder" funktioniert auch ganz gut für sich. Die Sprache ist toll, die Erzählform in der dritten Person, jedoch mit Luisas Gedanken schafft eine interessante Perspektive, die mir wieder gut gefällt.
Während "Wilderer" eins meiner Highlights in 2022 war, fällt "Brennende Felder" im Vergleich etwas ab. Jakobs Geschichte hatte mehr Ambivalenzen und Schattierungen, seine Sehnsüchte und Handlungen waren zumindest teilweise nachvollziehbar, sein Scheitern tragisch. Luisas Gedanken sind sehr sprunghaft, ihre Tun wirkt oft etwas kurzschlusshaft, schwer nachvollziehbar. Ihr Drang, zu schreiben und mit einem Roman berühmt zu werden, wirkt auch von Anfang an überambitioniert. Man denkt sich die ganze Zeit, dass sie mit ihren Vorstellungen und Ansprüchen ja eigentlich nur scheitern kann, und wenn es dann passiert, ist man kaum überrascht.
Ein solides Werk, auch wenn ich den vorherigen Bücher den Vorzug gebe.
Ugh this was honestly a pain to read. Like at first i could not understand the writing style, i had to reread most sentences, but i felt like i could relate to the main character, which was annoying. And the more i read, the less i understood. The style did not grow on me, and main girly is insane, and i don't honestly understand why. A lot of the background story is left unsaid, and you have to piece it together with tiny hints and allusions, but it's never complete. Like wtf.
Unzuverlässige Erzählerin schön und gut, aber den Alltag viel zu detailliert zu beschreiben (besonders die Reisekapitel), um dann an den entscheidenden Stellen äußerst vage zu bleiben, hat nicht dazu geführt, dass ich das Buch gern gelesen habe. Immerhin baut sich auf den letzten hundert Seiten so etwas wie Spannung auf.
Reinhard Kaiser-Mühlecker, österreichischer Bio-Bauer und Schriftsteller, legt mit "Brennende Felder" nach "Fremde Seele, dunkler Wald" und "Wilderer" den dritten Roman vor, der um eine Bauernfamilie in Oberösterreich kreist. "Brennende Felder" funktionniert dabei aus sich heraus, die Vorgängerromane muss man nicht gelesen haben.
Für mich findet sich bereits auf Seite 31 ein Schlüsselsatz dieses Romans: "Nähe. Mein Gott, wie viel Zeit hatte sie in ihrem Leben damit verbracht, darüber nachzudenken, weshalb sie sie nicht empfinden konnte. Wie fern andere waren." "Sie", das ist Luisa, die mit zwei Brüdern auf einem Hof in Oberösterreich aufgewachsen ist. Sie erfährt im Alter von 15 Jahren, dass sie ein Kuckuckskind ist, verläßt die Familie, in der sie aufgewachsen ist, dann das Dorf, lebt u. a. in Städten in Dänemark und Schweden, geht zwei Ehen ein, die scheitern, hat zwei Kinder, die bei den Exmännern leben.
Nach 20 Jahren trifft sie, mittlerweile alleinlebend in Hamburg, den Mann wieder, der sie aufgezogen hat und geht mit ihm eine Liebesbeziehung ein. Es ist der Mann, den sie 15 Jahre lang für ihren Erzeuger hielt, der der leibliche Vater ihrer Brüder ist und kehrt mit ihm in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Luisa ist eine nicht mehr ganz junge, attraktive Frau. Der Typ Frau, der, sobald sie den Raum betritt, alle männlichen Blicke auf sich zieht.
Mit der jeder Seite des Romans taucht der Leser tief in Luisas Gedanken ein, in ihre Sicht der Welt, in ihren Alltag. Schnell wird klar, Luisa lebt in ihrem eigenen, geschlossenen Kosmos, dessen Fixstern sie selbst ist und um den sich alles dreht. Sie sehnt sich nach Nähe, nach Anschluss und Anerkennung, findet diese aber nur in sexuellen Beziehungen. Scheitert die jeweilige Beziehung, liegt es nicht an ihr, immer an den anderen. Nah ist sie nur sich selbst, kann sich nicht in die Gefühle anderer hineinversetzen.
Als Leser verfolgt man fassungslos und gleichzeitig völlig fasziniert Luisas Treiben im Dorf, scheinbar so frei von Konventionen und bürgerlichen Moralvorstellungen. Das alles ist dermaßen geschickt vom Autor beschrieben, dass man erst gegen Ende des Romans zu wissen glaubt, was für ein Mensch Luisa wirklich sein könnte. Denn erzählt wird ausschließlich aus Luisas Perspektive. Dabei hat der Plot es wirklich in sich. Die Spannung wird durch einen unaufgeklärten und als Unfall dargestelltenTodesfall aufgebaut, und steigert sich dadurch, dass immer mehr Zweifel an Luisas Wahrnehmung und Darstellung der Geschehnisse aufkommen.
Ich bin in einen regelrechten Lesesog geraten, getrieben von der Frage, wer ist diese Luisa, was will sie, wie wird das enden, kann man ihr trauen ? Der Autor hat mit Luisa einen schillernden, Fassungslosigkeit und Faszination auslösenden Frauencharakter geschaffen, wie man ihn so in der Literatur selten findet. Dabei bleibt ihre Figur durchaus glaubwürdig, denn bei Menschen und ihren Macken gibt es ja leider nichts, was es nicht gibt.
Gefallen haben mir zudem die Beschreibungen der Natur, der Wetterverhältnisse, der Jahreszeiten und der oberösterreichischen Landschaft, Formulierungen wie z. B. "die sich im ausladenden Halbkreis am Horizont scharf abzeichenden Berge". Kaiser-Mühlecker läßt die ländliche Atmosphäre, etwa die derbe Jägerschaft, die trinkend beisammen sitzt, ebenso fühlbar werden wie die karge Kommunikation zwischen der einheimischen Bevölkerung, die einfach nur als Sprachlosigkeit bezeichnet werden kann. Das sind keine Menschen, die nächtelang ihre Befindlichkeiten ausdiskutieren.
Das Setting aus Land und Leuten läßt insbesondere ab der zweiten Hälfte des Romans an einen modernen Heimatroman denken. Doch wird die Bezeichnung Heimatroman "Brennenden Feldern" ganz und gar nicht gerecht, denn es handelt sich um viel mehr, nämlich um große Literatur.
Eine etwas verwirrende, anfangs langatmige Lektüre. Die Szenerie spielt größenteils in Rosental, einem Dorf in Oberösterreich. Im Zentrum steht Luisa Fischer mit ihrem unsteten Leben auch im Ausland. ihren Gedanken, ihrem Handeln, ihrem Empfindens auf die Außenwelt. Bauer und Landrat Ferdinand Goldberger und sein halbwüchsiger Sohn Anton mit autistischen Zügen bilden im zweiten Romanteil den soliden Sockel gegenüber Luisas dysfunktionaler Bauernfamilie im Nachbarort. In dieser ländlichen Idylle mit farbig beschriebenen Jahreszeiten, mit deftiger Jägerschaft und Überlebensproblemen der Landwirte als passender Rahmen entwickelt sich Luisas Kosmos zu einer extrem schwierigen Persönlichkeit. Ihrem Lebensschema der großen anfänglichen Anziehung zu einigen Männern folgt Alltag und Routine, Entfremdung und schließlich Abscheu und Hass – beschrieben mit überzeugenden erzählerischen Qualitäten. In feinsten Nuancen und Verschiebungen in ihrem Gefühls- und Stimmungsleben ergeben sich aber auch nur vage beschriebene Schlüsselszenen wie z.B. Luisas Idee im Gespräch mit Katja, deren Scheidung von Jacob und Geldteilung oder im Keller zusammen mit Anton und auch den Twist im letzten Kapitel, die der Fantasie zwar freien Lauf lassen, aber den Leser vielleicht etwas ratlos zurücklassen.
Die sprachliche Wucht, die mir bei den bisherigen Büchern von Reinhard Kaiser- Mühlecker so gut gefallen hat, ist auch hier vorhanden. Insgesamt erkenne ich keinen durchgängigen Plot - Luisa zieht aus der Provinz weg, nimmt natürlich alle familiären Geheimnisse und Belastungen mit (welche genau das sind, wird nicht thematisiert) und schafft es nicht, einen positiven Lebensentwurf umzusetzen. Alles ist schwierig - die beiden zerbrochenen Beziehungen, aus denen zwei Kinder hervorgehen, zu denen die Beziehung auch schwierig ist. Die Beziehung zu Bob, dem früheren Stiefvater, endet tragisch. Die Rückkehr ins Heimatdorf ist umgeben von dunklen Andeutungen, die Beziehung zu Ferdinand scheitert.
Alles wird mit einer grossen Tragik und Dramatik erzählt - warum Luisa sich so verhält und vor allem, warum sie aus den zerstörerischen Mustern nicht ausbrechen kann, bleibt verborgen.
Manche Stellen sind so banal geschrieben, dass man eher an einen Schüleraufsatz denkt als an Kaiser Mühlecker. Diese Luise - kann es wirklich jemanden geben, der einen ganzen Tag nichts tut und sich dann trotzdem immer ausruhen muss. Und welche Mutter lässt ihre Kinder beim Vater im Ausland zurück und ist dann verwundert, dass die Kinder sie nicht mögen? Nein nicht nur das, sie ist entsetzt, dass sich die Kinder so lieblos ihr gegenüber verhalten, das hat sie dich als Mutter nicht verdient. „ Er nahm sein Instrument und begann zu spielen“ Warum bitte wird nicht gesagt welches Instrument?
What an unlikable protagonist. She escapes commitments, leaves her children behind with their fathers, has narcissistic visions of her own talents, and constantly blames everyone around her besides herself. Yet there's a flow to the writing, and you have to concede that she clearly comes from a complicated family (I have not read part 1 and 2 of Kaiser-Mühlecker family trilogy) and is surrounded by a darkness, in the characters, landscapes and histories that surround her. An intriguing picture, put into tension with the occasional gaps that leave us guessing.
„Seit Wochen oder sogar Monaten war sie, als könne man auch das Lesen verlernen, nicht vorangekommen in dem Roman, der auf dem Nachtkästchen lag, so lange, dass sie schon gar nicht mehr recht wusste, wovon er handelte.“
Ich frage mich, ob mich der Roman mehr bewegt hätte, wenn ich seine Vorgänger zuerst gelesen hätte.