Ich kenne den Lebensliturgien-Podcast sowie die dazugehörigen Tagzeitengebte von Sebastian Steinbach schon länger genauso wie die schönen Grafiken von Mira Weiss (u.a. Herzstärkend) und war daher gespannt auf dieses Buch.
Wem beim Klang von sphärischen Sounds eine optische Unterstützung bei der Konzentration hilft oder wer die Lebensliturigien in seinem eigenen Tempo „ganz offline“ lesen möchte, für den ist dieses Buch etwas. Mir hilft es im hier und jetzt anzukommen. Beim Lesen der Andachten und dem parallelen Hören des Podcasts fühle ich mich an Andachten im Kloster oder in Einkehrhäusern erinnert, in denen man die zusammen gefeierte Andacht auf ausgelegten Zetteln mitlesen kann. Ich stelle mir vor, wie viele Menschen mit mir zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten die Andachten beten. Die Vorstellung, dass viele Menschen irgendwo und irgendwann dem Podcast lauschen und der Liturgie folgen, führt mich in eine Verbundenheit.
Inhaltlich entspricht „Lebensliturgien“ ausgewählten Folgen der ersten vier Staffeln des Lebensliturgien-Podcasts (Staffel 1 „Beten“, Folgen 1-10; Staffel 2 „Anders leben“, Folgen 1-14, Staffel 3 „KlosterPsalmen“, 1-14, Staffel 4, „Theresa erzählt“, 1-12 und die Tagzeitengebete für den Montag). Die Andachten sind für Menschen verschieden Alters zugänglich. Während das erste Kapitel ins Beten und in verschiedene Formen von Gebet einführt, thematisiert das zweite Kapitel anhand der Erzählung aus Genesis 2 das Menschsein und die Beziehungen, in denen der Mensch steht (Natur, Tiere, andere Menschen, Gott), wobei auch ökologische Themen angesprochen werden. Das dritte Kapitel beschäftigt sich wieder mit dem Gebet - dieses Mal anhand der Psalmen, deren beten in eine Traditionslinie eingeordnet wird, die sich von der Zeit des Volkes Israel, über die der ersten Christen über die Reformationszeit bis ins heute zieht. Es werden die Psalmen 1-7 meditiert, wobei manche Psalmen über mehrere Andachten betrachtet werden. Dabei werden Gedanken aus vorherigen Andachten wiederholt und gebündelt. Das vierte Kapitel bietet eine Einführung in das Leben von Theresa von Avila: Statt Bibelverse werden hier verschiedene Gedanken und Stationen ihres Lebens meditiert, wobei vor allem Textausschnitte aus Theresas „Stationen meines Lebens“ verwendet werden. Ein großer Teil des Kapitels dreht sich um das innere Gebet, aber auch Themen wie Berufung oder Krankheit werden angesprochen. Das Tagzeitenkapitel, das jeweils ein Tagzeitengebet für morgens, mittags und abends umfasst, bietet die Möglichkeit auch im stressigen Alltag Gott einzubeziehen und im hier und jetzt das eigene Tun und das Herz auf ihn auszurichten. An den Andachten gefällt mir, dass sie kurze Alltagsunterbrechungen sind und leicht in den Tagesablauf zu integrieren sind.
Zu Beginn jedes Kapitels ist auf farbigen Seiten der Beginn und der Schluss der Folgen für die jeweilige Staffel gedruckt. Jede Folge beginnt mit einem Bild und einem QR-Code, der zu der jeweiligen Podcast-Folge auf der Seite der Lebensliturgien führt (auf der Website kann man alle Folgen kostenlos anhören und so schon testen, ob einen der Stil anspricht). Die Texte entsprechen so gut wie wörtlich den Podcastfolgen, die von Sebastian Steinbach und Doa Volland gesprochen werden und mit meditativer Musik unterlegt sind (sehr selten werden Präpositionen weggelassen oder hinzugefügt, manchmal werden Synonyme verwendet z.B. wird „anderswo“ im Podcast zu „an anderen Orten“ im Buch, S. 22). Wellenzeichen im Text markieren gesprochene Pausen im Podcast. Oft wird in den Folgen anfangs ein Bibelvers gelesen, der später wiederholt wird (und auch im Buch erneut abgedruckt ist).
Die schlichte Gestaltung spricht mich an und passt sehr gut zu der Lebensliturgien-Website, deren ansprechende minimalistische Gestaltung mir hilft mich zu fokussieren und die einfach schön zum angucken ist. Im Buch gefallen mir besonders gut die farbigen Seiten zu Beginn der Kapitel.
Eine Empfehlung für Menschen, die nach einer Fokus-Pause mit Ausrichtung auf Gott im Alltag suchen.