Gabriella Queen lädt uns in „Die Farbe von Drachenblut“ ein, eine Welt zu erkunden, in der Drachenmagie die Realität übersteigt. Ihr Fantasy-Roman ist eine epische Reise, die von tiefen Leidenschaften, verworrenen Intrigen und einer intensiven Suche nach dem wahren Selbst geprägt ist.
Xeniel, der sein Leben als bescheidener Kerzenmacher fristet, findet sich plötzlich in den verworrenen politischen Intrigen von Louren, dem roten Drachenkönig von Rothgrund, wieder. Ohne sein Wissen trägt Xeniel das Erbe der goldenen Drachen in sich, eine längst für ausgestorben gehaltene Macht. Am königlichen Hof angekommen, steht er vor der Herausforderung, seine neu entdeckte Magie zu meistern, um sowohl zu überleben als auch den geheimnisvollen und anziehenden Monarchen für sich zu gewinnen. Als jedoch seine wahre Herkunft enthüllt wird, droht ihm der Tod. Doch das Schicksal hält eine Überraschung bereit: König Louren schlägt ihm eine Allianz vor – er soll sich mit ihm verloben, die Rolle des verloren geglaubten Prinzen der goldenen Drachen übernehmen und die zerbrochenen Drachenclans wiedervereinigen.
Gabriella Queen ist bekannt für ihre bildgewaltige Schreibweise und die Fähigkeit, komplexe Charaktere zu erschaffen, die den Leser sofort in ihren Bann ziehen. Ihr Schreibstil zeichnet sich durch eine flüssige und eingängige Erzählweise aus, die die Leser schnell in den Bann zieht. Mit einem einfühlsamen und spannungsgeladenen Erzählstil führt sie uns durch eine Welt, in der Drachen und Magie das Schicksal der Menschen bestimmen.
Das Talent der Autorin, facettenreiche und glaubwürdige Charaktere zu erschaffen, ist nicht zu leugnen. Jede Figur in „Die Farbe von Drachenblut“ ist mit einer solchen Detailtreue und Authentizität gezeichnet, dass man als Leser nicht anders kann, als sich in die komplexe Welt hineinziehen zu lassen. Die Charaktere fühlen sich lebendig an, ihre Emotionen und Handlungen sind nachvollziehbar und spiegeln eine tiefe menschliche Erfahrung wider. Jedoch sticht Xeniel, der Protagonist des Romans, in dieser lebendigen Landschaft als eine Figur hervor, die eher von den Ereignissen getrieben wird, als dass er sie selbst vorantreibt. Seine Passivität ist auffällig; er scheint durch die Geschichte zu treiben, beeinflusst von den Kräften und Personen um ihn herum, ohne einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Ereignisse zu nehmen. Diese Eigenschaft lässt ihn als Hauptfigur etwas blass erscheinen, insbesondere im Vergleich zu den anderen, dynamischeren Charakteren. Es ist, als würde er von einer unsichtbaren Strömung mitgerissen, unfähig, gegen den Strom zu schwimmen oder sein eigenes Schicksal zu lenken. Während sich die anderen Charaktere entwickeln, lernen und wachsen, bleibt Xeniel statisch, fast als wäre er in einem Zustand der Lethargie gefangen. Diese Stagnation in seiner Entwicklung lässt den Wunsch aufkommen, mehr von ihm zu sehen – mehr Initiative, mehr Entwicklung, mehr Tiefe. Es ist, als hätte Queen eine Symphonie komponiert, in der die Melodie des Hauptinstruments, Xeniel, zu leise bleibt, um sich gegen das Orchester der Nebencharaktere durchzusetzen.
„Die Farbe von Drachenblut“ ist ein literarisches Kaleidoskop, das weit über die Grenzen der Fantasy hinausgeht. Es ist ein Werk, das sich tiefgründig mit den Dualitäten des menschlichen Daseins auseinandersetzt – Liebe und Hass, Furcht und Tapferkeit, Freiheit und Beschränkung. Diese Themen sind kunstvoll in die Handlung eingewoben und spiegeln sich in den Konflikten der Charaktere wider.
Die Geschichte ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der alltägliche Probleme und Tabuthemen nicht nur existieren, sondern auch aktiv angegangen werden müssen. Queen schafft es, diese Themen mit einer Sensibilität zu behandeln, die den Lesern ermöglicht, sich selbst in den Charakteren wiederzufinden und ihre Kämpfe nachzuvollziehen. Es ist eine Odyssee der Selbstfindung, die zeigt, wie Individuen in einer Welt voller Widersprüche und Konflikte ihre Vorurteile überwinden. Die Charaktere navigieren durch ein Labyrinth aus gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Wünschen, auf der Suche nach ihrer wahren Identität.
„Die Farbe von Drachenblut“ vereint das Beste aus der Welt der High Fantasy mit Elementen queerer Romantasy und ist angereichert mit einer guten Portion Drachen und Magie. Dieser eigenständige Roman fasziniert nicht nur eingefleischte Fantasy-Enthusiasten, sondern spricht auch jene an, die sich für nuancierte Charakterentwicklungen und die Dynamik romantischer Beziehungen begeistern.