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Was wir nicht kommen sahen

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An einem ganz normalen Abend verabschiedet sich die 18-jährige Ada von ihrer Familie und beendet ihr Leben durch den Sprung von einer Brücke. Ihre Eltern Jenny und Dominik bleiben fassungslos zurück. Während Dominik sich vor seiner Trauer in Arbeit flüchtet, beginnt Jenny verzweifelt nach Antworten auf die Frage nach dem Warum zu suchen. Im Internet stößt sie auf eine Spur aus digitaler Gewalt, die sich gegen Ada richtete und der auch Jenny bald nicht mehr entrinnen kann.

369 pages, Kindle Edition

First published October 25, 2024

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About the author

Katharina Seck

14 books17 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 26 of 26 reviews
Profile Image for Janine.
1,440 reviews19 followers
December 26, 2024
Ada begeht an einem ganz gewöhnlich Abend Suizid und springt von einer Brücke. Ihre Eltern bleiben fassungslos zurück und können nicht nachvollziehen wieso ihre Tochter sich das Leben nehmen konnte. Jenny, Adas Mutter, sucht verzweifelt Antworten auf diese Frage und findet nach und nach heraus weshalb ihre Tochter diesen Schritt gegangen ist.
Es gibt verschiedene Erzählstränge und Perspektive, sodass man als Leser gut nachvollziehen kann wie die anfängliche Situation schlussendlich so schnell eskalieren konnte. Die Geschichte beinhaltet verschiedene wichtige Themen wie Misogynie, Mobbing, Bedrohung und viele mehr was unter anderem in Form der digitalen Welt (Chats, Streaming) ausgetragen wird. Somit sind es sehr aktuelle Themen, die einfach wichtig sind und worüber man sprechen sollte um aufzuklären und zu sensibilisieren. Dementsprechend ist das Buch ganz interessant gewesen, jedoch habe ich Probleme mit der Umsetzung der Geschichte gehabt. Die Charaktere sind für mich unnahbar gewesen und mich konnte die Geschichte emotional nicht erreichen, was ich wirklich sehr schade finde, denn ich finde eine emotionale Bindung vor allem in solchen Geschichten wichtig, damit man sich damit mehr oder weniger identifizieren kann, was ich hier so wichtig empfunden hätte.
Nichtsdestotrotz hat die Geschichte eine wichtige Message und ich bin der Meinung, dass man sich mit solchen Themen befassen sollte, deswegen ist das Buch schon lesenswert gewesen, konnte mich aber insgesamt nicht komplett abholen.

3,5 von 5 Ottis 🦦 🦦 🦦
Profile Image for black-eyes-black.
261 reviews8 followers
December 1, 2024
Die Autorin Katharina Seck hat mit „Was wir nicht kommen sahen“ einen eigenständigen Roman geschrieben, welcher ein sehr brisantes Thema in den Mittelpunkt stellt. Bei sensiblen Lesern empfehle ich, dass man im Vorfeld den Content- Note liest. Themen wie Cybermobbing oder Suizid nehmen in diesem Roman einen wesentlichen Raum ein – doch dies macht dieses Buch zu einem sehr bewegenden Werk.

Klappentext:
An einem ganz normalen Abend verabschiedet sich die 18-jährige Ada von ihrer Familie und beendet ihr Leben durch den Sprung von einer Brücke. Ihre Eltern Jenny und Dominik bleiben fassungslos zurück. Während Dominik sich vor seiner Trauer in Arbeit flüchtet, beginnt Jenny verzweifelt nach Antworten auf die Frage nach dem Warum zu suchen. Im Internet stößt sie auf eine Spur aus digitaler Gewalt, die sich gegen Ada richtete und der auch Jenny bald nicht mehr entrinnen kann.

Bisher habe ich von der Autorin Katharina Seck nur Bücher aus dem Fantasy- Bereich gelesen, welche mich gut unterhalten haben. Aber bei diesem Roman konnte mich der Klappentext sofort überzeugen – er hat sofort mein Interesse geweckt, sodass für mich feststand, dass ich dieses Werk ebenfalls lesen muss.
Der Schreibstil von Seck ist sehr bildhaft und ausdrucksstark. Meiner Meinung nach schafft es die Autorin gekonnt, die richtigen Worte zu finden und passt ihren Stil der jeweiligen Szene an. Teilweise ist dieser sehr Stil schon recht poetisch und dann wieder gewaltig, aufrüttelnd und direkt. Gekonnt wird hier eine dichte Atmosphäre erschaffen, der flüssige Stil schafft es, dass eine Art Sogwirkung entsteht und man einfach nur weiterlesen möchte. Als Leser möchte man genauso die Zusammenhänge verstehen, wie die Mutter Jenny. Aber auf der anderen Seite nimmt einen der Inhalt des Buches so mit, bewegt einen, dass man immer mal eine kleine Lesepause einlegen muss, damit man das Gelesene verarbeiten kann.
Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Ein Strang ist aus der Sicht von Ada. Zu Beginn wird der Leser bei den letzten Stunden aus Adas Leben mitgenommen. Der Leser erfährt, wie es ihr geht, wie sie sich fühlt und was in ihrem Kopf vorgeht – kurz bevor sie von der Brücke springt, um sich das Leben zu nehmen. Auch werden Rückblenden aus der Perspektive von Ada eingebunden. Dadurch bekommt man als Leser einen guten Einblick in ihr damaliges Leben, was sie beschäftigt hat und was ihr wichtig war. Auch wer ihr den Rücken gestärkt hat und was ihr Halt gegeben hat. Eine weitere Perspektive ist aus der Sicht von Jenny. Sie ist die Mutter von Ada und durch sie erfährt der Leser, dass Ada sich das Leben genommen hat und wie sich das auf das weitere Leben der beiden Eltern, im Besonderen der Mutter auswirkt. Durch diese Perspektive bekommt man einen gelungenen Einblick in die Gefühlswelt der Mutter und auch in ihre Gedankengänge, wie sie die Welt wahrnimmt. Auch möchte Jenny mehr über die Umstände erfahren, die zu diesem Suizid geführt haben, sodass der Leser sie bei ihren privaten Ermittlungen begleitet. Der dritte Strang wird mit Anonymität betitelt. Hier kommen mehrere Personen zu Wort, welche dazu beigetragen haben, dass Ada sich von der Brücke gestürzt hat. Es werden quasi die Täter näher beleuchtet. Jeder hat hier seinen eigenen kleinen Beitrag zu dieser schlimmen Tat gehabt. Zum Teil sind diese Personen durch Hass und Frustrationen geprägt, mit einer Wut auf die Welt, welche sie gerne an Frauen durch die Macht des Internets auslassen. Es ist wirklich erschütternd, welche Gedankengänge hier angesprochen werden. Und noch erschütternder finde ich eins der letzten Kapitel aus der Sicht der Anonymität, wo resümiert wird – aber hier möchte ich nicht spoilern.
Zu Beginn wird man sofort mitten in das Geschehen hineingeworfen. Als Leser begreift man schnell, dass man die letzten Stunden von Ada miterlebt. Nur um dann aus der Sicht von der Mutter Jenny zu erfahren, was in der Nacht geschehen ist. Jenny nimmt in diesem Roman eine wesentliche Rolle ein. Sie leidet sehr und kann mit dem nicht wirklich abschließen. Sie möchte wissen, wie es so weit kommen konnte und begibt sich immer tiefer in die Welt ihrer Tochter. Dabei erfährt sie einige Abgründe und bekommt neue Blickwinkel, lernt auch die Freunde ihrer Tochter besser kennen. Seite für Seite werden hier weitere Abgründe aufgedeckt. Es gibt leider sehr viele Leute, welche die Anonymität des Internets für ihre eigenen Machtspiele und Zwecke ausnutzen. Sie verstecken sich hinter dem Tarnmantel und hoffen, dass sie damit durchkommen. Immer mehr erkennen Jenny und damit auch der Leser, was Ada zu dem Suizid getrieben hat. Was hier alles im Vorfeld abgelaufen ist und wie gefährlich das Internet sein kann. Es ist wirklich ein bewegender Roman, der einen emotional berührt. Wichtig finde ich hier auch den gesellschaftskritischen Unterton. Wichtige Themen wie Hass gegen Frauen oder auch Cybermobbing werden hier behandelt. Dies ist ein wirklich wichtiges Buch und die Autorin findet meiner Meinung nach hier immer den richtigen Ton, um diese wichtige Botschaft zu vermitteln.
Lediglich die letzten Seiten konnten mich nicht vollständig begeistern. Aber dies ist wirklich Geschmackssache.

Insgesamt konnte mich die Autorin Katharina Seck mit ihrem Roman „Was wir nicht kommen sahen“ berühren. Ein gesellschaftskritisches und wichtiges Buch, welches noch nachklingt. Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Profile Image for Karina.
233 reviews2 followers
November 9, 2024
Der Roman 'Was wir nicht kommen sahen' von der Autorin Katharina Seck scheint wie aus dem Leben gegriffen und diese Erkenntnis ist das was am Ende so schockiert und weshalb ihn viele Menschen lesen sollten.
Aber erst einmal zur Story:
Die 18 jährige Gaming Streamerin Ada geht eines Abends aus ihrem Elternhaus und kommt nie zurück. Sie springt von einer Brücke und ist tot.
Zurück bleiben schockierte Eltern und ein weiser Abschiedssatz von Ada als Weckruf für mehr Aufmerksam- und Achtsamkeit im Umgang miteinander.
...Es muss erst etwas passieren, bevor sich etwas ändert...
So traurig wie der Satz klingt, so wahr ist er auch.
Der Roman beschreibt sehr anschaulich unter anderem die Themen Cybermobbing, Misogynie, sexualisierte Belästigung und ihre Auswirkungen.
Wie schrecklich hilflos man doch den anonymen (und feigen) Tätern im Netz als auserkorenes Opfer gegenüber steht und völlig ausgeliefert ist. Wirklich schockierend.
Der Roman wird aus drei Sichtweisen erzählt.
Von Ada erfahren wir wie es zu ihrem Selbstmord kam und was alles im Vorfeld geschah.
Adas Mutter Jenny begleiten wir dabei wie sie versucht den Tod Ihrer Tochter nachzuvollziehen und diesem wenigstens im Nachhinein noch einen Sinn zu geben.
Der dritte Handlungsstrang wird aus Sicht der Anonymität/den verschiedenen Tätern erzählt und dort spürt man so richtig die Eigendynamik die sich aufbaut und diese anonyme Meute immer härter zuschlagen lässt.
Der Roman enthält viele wichtige Botschaften die wir zu meist von Ada lesen.
Das fand ich zwar manchmal fast schon zu weise und abgeklärt für eine 18 jährige, aber halt auch unentbehrlich für diese Erzählung.
Auch Adas taffes Profil welches nicht recht zu ihrem Selbstmord zu passen scheint, untermauert die Dringlichkeit ihres Abschiedsatzes nochmal und macht mit einem Knall auf diese wichtigen Themen aufmerksam.
'Was wir nicht kommen sahen' sensibilisiert genauer hinzusehen und frühzeitig zu reagieren und vorallem die Anonymität des Internets nicht negativ zu nutzen.
Ich kann nur eine Leseempfehlung aussprechen.
Profile Image for Jukebook_juliet.
651 reviews19 followers
December 15, 2024
Inhalt:
An einem ganz normalen Abend verabschiedet sich die 18-jährige Ada von ihrer Familie und beendet ihr Leben durch den Sprung von einer Brücke. Ihre Eltern Jenny und Dominik bleiben fassungslos zurück. Während Dominik sich vor seiner Trauer in Arbeit flüchtet, beginnt Jenny verzweifelt nach Antworten auf die Frage nach dem Warum zu suchen. Im Internet stößt sie auf eine Spur aus digitaler Gewalt, die sich gegen Ada richtete und der auch Jenny bald nicht mehr entrinnen kann.
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Meine Meinung:
Diese emotionale Geschichte hat es in sich. Ich hätte mir gewünscht, dass die zahlreichen Triggerwarnungen zu Beginn aufgezählt werden und nicht am Ende. Dieser Sinn erschließt sich mir nicht.
Natürlich weiß man durch den Klappentext bereits grob was einen Inhaltlich erwarten wird, jedoch geht es weiterhin um Sexismus, Rassismus, Misogynie, Doxxing, Stalking, Catfishing und und und.
Und hier liegt für mich auch das größte Problem. Das Buch ist vollgepackt mit all den, zugegen sehr wichtigen Themen, dass es mir im Fortlauf der Geschichte schlicht zu viel wurde. Zu überladen und zu sehr mit erhobenem Zeigefinger belehrt die Autorin die Leser/innen mit ihrem Werk, anstatt sich auf das eigentliche Thema (siehe Klappentext) Cybermobbing in Verbindung mit Suizid zu konzentrieren und einem gewisse Denkansätze selbst zu überlassen.
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Die Geschichte wird abwechselt aus den Perspektiven von Ada, Jenny und der sog. Anonymität erzählt, was ich sehr spannend und abwechslungsreich fand.
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Trotz meiner Kritik empfinde ich das Buch als wichtig, gerade weil es das große Problem Cybermobbing und die möglichen schlimmen Folgen thematisiert und dies in der heutigen Zeit nur allzu präsent ist. Wir brauchen noch mehr Aufklärung!
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Meine Bewerbung;
3/5 Sterne 🌟
Profile Image for Shelly.
151 reviews22 followers
January 7, 2025
Das Buch sollte eine Pflichtlektüre für alle sein, die Social Media nutzen und in Schulen erstrecht.

Der Titel "Was wir nicht kommen sahen" könnte besser nicht passen. Das Buch wird aus 3 Perspektiven erzählt: Ada, ihrer Mutter und aus dem Blickwinkel der "Anonymität" und der Schreibstil hat mich das Buch innerhalb weniger Tage durchlesen lassen.

Die Geschichte erinnert mich ein bisschen an "13 Reasons Why", denn Adas Mutter geht dem "Warum" auf den Grund. Hierbei deckt sie die schlimmsten Abgründe von Social Media auf. Dabei kommt die Gefühlswelt der Protagonisten ganz viel Raum. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungsprobleme, die eben Trauer und Verzweiflung auslösen, werden thematisiert.

Auf jeden Fall ein "Must Read", wenn Ihr mich fragt. Aber beschäftigt Euch auf jeden Fall mit der Triggerwarnung, denn hier kommen wirklich sehr viele belastende, aber eben auch wahnsinnig wichtige Themen, zur Sprache.
Profile Image for Lea.
232 reviews30 followers
November 13, 2024
Die 18-jährige Ada ist eine aufstrebende Gaming-Streamerin, doch eines Abends verlässt sie das Haus und springt von einer Brücke. Ihre Eltern sind schockiert, können den plötzlichen Verlust ihrer Tochter nicht fassen und wissen nicht, was zu dieser Entscheidung geführt hat. Das Buch enthält drei Perspektiven: Die von Ada, die mit ihrem Leben und ihren inneren Kämpfen hadert; die von ihrer Mutter Jenny, die verzweifelt versucht, die Gründe für Adas Tod zu verstehen und sich mit den traumatischen Entdeckungen konfrontiert sieht; und die aus der Sicht der anonymen Täter:innen, die über das Internet auf Ada einwirkten. Diese Erzählweise lässt die Tragweite des Themas greifbar werden und zeigt die komplexen Dynamiken, die zu Adas Tod führten. Besonders erschütternd ist die Darstellung des Cybermobbings und der Incel-Bewegung, die in der Geschichte eine Rolle spielt. 😔💻

Katharina Seck gelingt es, auf eine sehr eindringliche und gleichzeitig emotionale Weise zu erzählen. Der Wechsel zwischen der Perspektive von Ada, ihrer Mutter und den anonymen Täter:innen schafft eine dichte, fast schon unerträgliche Spannung, die das Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein gegenüber den anonymen Angreifer:innen verstärkt. Die Geschichte wird aus der dritten Person erzählt, was eine gewisse Distanz schafft, gleichzeitig aber durch die Präsenz des Präsens und der Perspektivwechsel sehr unmittelbar wirkt. Auch die Kapiteln aus der Sicht der Anonymität haben mir das Gefühl gegeben, mitten im Geschehen zu sein, und spiegeln die Grausamkeit der anonyme Hetze wider- was wirklich SO intensiv ist. 📚💬

Dieses Buch hat mir die Augen für die Gefahr des anonymen Hasses im Netz geöffnet und mich daran erinnert, wie leicht es ist, in den sozialen Medien zur Zielscheibe zu werden. Besonders die Perspektive der Täter:innen war für mich erschütternd, weil sie das Ausmaß des Hasses und der Verantwortungslosigkeit, die im Internet gedeihen, sehr deutlich zeigt. 🌐❌

Fazit: „Was wir nicht kommen sahen“ ist ein kraftvolles Buch, das nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch ein Weckruf ist. Es hat mich emotional sehr bewegt und lässt mich nicht los. Es ist ein absolutes Must-Read für alle, die sich mit den dunklen Seiten des Internets und der Gesellschaft auseinandersetzen möchten. Ich kann dieses Buch nur empfehlen.⭐⭐⭐⭐⭐
Profile Image for Oneofthefoxes.
746 reviews25 followers
November 21, 2024
Ich finde vieles was die Autorin auf ihrem Instagram Account macht sehr gut. Aber ihr Roman hat mich leider trotzdem nicht überzeugt.

Vor einigen Jahren habe ich die Fantasy Romane von Katharina Seck gelesen und es hat mich interessiert, was sie nun schreibt. Wie sie die Themen, die ihr wichtig sind in zeitgenössische Romane verpackt.

Leider hat mich ihr Roman nun weit weniger überzeugt, als ich mir das gewünscht hätte. Ich finde es wichtig und richtig, das über Cybermobbing und Misogynie in unserer Gesellschaft gesprochen wird. Je mehr und je öfter desto besser. Das Thema ist leider relevanter den je und es muss offener diskutiert werden, warum sich Frauen und Mädchen (und generell marginalisierte Gruppen) auch im Netz nicht sicher fühlen (können).

Gleichzeitig ist es aber auch so. Die Autorin möchte laut Nachwort einen Roman präsentieren, der thematisch vor allem die Opfer und Unterstützerinnen ansprechen soll.

Wen man ehrlich ist, die Leute die den Roman dringend lesen sollten, nämlich Menschen die gut finden, was die Täter machen, lesen ihn vermutlich eher nicht… Aber ich finde, dabei erklärt sie viel zu oft Dinge, die ich als Leserin und mit Sicherheit auch die meisten anderen Leserinnen des Romans, längst wissen.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Roman nicht an die falsche Zielgruppe gerichtet ist. Ich glaube, für Jugendliche wird er besser funktionieren, weil hier die Erklärungen und Zusammenhänge noch eher Sinn machen. Aber nicht wenn ich selbst schon Jahre im Thema drin bin, dann brauch ich nicht die Bestätigung darüber wie toll die Autorin selbst auch alles rezipieren kann und wie super sie die die Statistiken kennt. Und wie dringend alle Themen noch reingequetscht werden, die irgendwie in die Diskurse gehören, wenn es um Diskriminierung aller Art geht. Weniger ist mehr. Mir fehlt es an mehr Subtilität. Weniger Erklärbär mit erhobenem Zeigefinger, mehr einfach zeigen wäre gut gewesen.

Genervt war ich auch etwas über die Klischees, die die Autorin immer dann einbaut wenn es um Kapitel geht, in denen die Anonymen Hassposter:innen eine Geschichte bekommen. Ich finde das sie zu einseitig herausarbeitet das alle Probleme haben (ziemlich große sogar), es wirkt so, als ob eben nur „solche“ Menschen hass und Wut in sich tragen. Am Rande der Gesellschaft usw. so einfach ist es aber eben nicht. Ich finde das es Seck nicht glaubwürdig gelingt, auf zu zeigen, dass es vielschichtige Hintergründe gibt um Hass im Netz zu verbreiten. Nicht alle die Hass sähen haben automatisch eine bestimmte Biografie, die viel mit Bildungsferne zu tun hat…

Mich störte dieser Erklärbär-Tonfall der statt der Geschichte für sich sprechen zu lassen, teilweise eher wie Zeitungsartikel klingen, um ja zu zeigen wie toll und Woke der Roman doch ist. Obwohl ich in allem was die Autorin sagt zustimme und furchtbar finde, was Ada im Roman passiert – und ja auch vielen Menschen in der Realität- dieser Tonfall dabei, das war nervig. Gleichzeitig blieb vieles an der Oberfläche und eher unglaubwürdig. Z.B. wirkt Jenny, eine Frau die mit 39 so alt ist wie ich, über 20 Jahre älter in ihrem ganzen Verhalten. Mag sein, dass ich da ein anders Umfeld habe. Aber ich finde, das sie sich was Social Media Betrifft unrealistisch für ihr Alter verhält. Vor allem auch im Umgang mit Social Media. Das wirkte auf mich, wie meine Mutter vor zehn Jahren (und da war sie 60)…

Vielleicht wäre es auch gut gewesen, Adas Blickwinkel eben nicht zu haben. Sich alles nur über Jenny zu erschließen.

Persönlich fehlte mir auch mehr Tiefe, obwohl wirklich krasse Sachen passieren bis hin dann zu Adas Entscheidung sich das Leben zu nehmen, kam es auf der Gefühlsebene bei mir nicht an. Der moralisch erhobene Zeigefinger hat mich schon als Jugendliche in „Problembüchern“ genervt.

Für mich daher kein überzeugender Roman. Schade denn das Thema finde ich wirklich wichtig und es sollte viel öfter darüber gesprochen werden, wie wir uns alle im Netz besser behandeln und schützen können. Cybermobbing ist längst für immer mehr Menschen grausame Realität.
133 reviews
December 1, 2024
Ada ist 18, als sie sich das Leben nimmt. Ihr Suizid ist für ihre Eltern Jenny und Dominik anfangs unerklärlich, doch sie machen sich auf Spurensuche und blättern nach und nach auf, welchem Terror sich ihre Tochter unterziehen musste. Ada wurde Opfer einer ganz perfiden Art von Cybermobbing, das auch auf ihr physisches Leben übersprang.

Und keiner konnte ahnen, wie belastet die junge Frau wurde...

Katharina Seck ist mit "Was wir nicht kommen sahen" ein mitreißender Roman gelungen, welcher der Gesellschaft einen Spiegel vorhält - und das mit Nachdruck. Sie thematisiert so viele unterschiedliche gesellschaftliche Aspekte, wie das nach wie vor vorherrschende Patriarchat, Mobbing in seinen unterschiedlichsten Formen (physisch & digital & hybrid), Incels, fehlende Aufklärung im Schulsystem und allgemein in der Gesellschaft was den digitalen sozialen Raum betrifft, um nur einige wenige zu nennen.

Die Erzählperspektive macht das Buch neben der relevanten Themen noch spannender - wir wechseln uns beim Lesen ab zwischen Ada und ihrer Mutter Jenny, wobei auch immer wieder in der Zeit gewechselt wird - wir erleben, wie Jenny und Dominik mit Adas tot und der Trauer kämpfen, aber auch den schweren Kampf, den Ada gegen die digitalen Trolle führte. Nach und nach recherchieren ihre Eltern, welche Ereignisse ihre Tochter durchleben musste, ohne dass sie auch nur einen Funken davon mitbekommen hatten (kaum gab es einen treffenderen Buchtitel!). Den Schreibstil der Autorin finde ich sehr eindringlich, er ist direkt und philosophisch und gesellschaftskritisch durch und durch - und erinnert mich sehr an den Stil von Mareike Fallwickl.

Besonders hervorheben möchte ich, dass zwischendurch auch immer wieder "die Anonymität" zum Erzählen kommt: in diesen kurzen Kapiteln werden Menschen, über deren Identität wir nichts genaueres erfahren, beschrieben - wie sie denken und fühlen, beispielsweise ein Incel, der über seinen Frauenhass und seine Incel-Gruppe berichtet, aber auch eine junge Frau aus schwierigen Verhältnissen, die (Mobbing-) Täterin und Opfer zugleich ist. Das finde ich deshalb so gut, da hier ohne Wertung auch die "Gegenseite" gezeigt wird, die nämlich auch Menschen und meist selbst in irgendeiner Weise Benachteiligte der Gesellschaft sind. Aber auf sie wird nicht mit dem Finger gezeigt, sondern durch die objektive Beschreibung dieser Charaktere den Lesenden veranschaulicht, dass es eben auch eine andere Seite mit eigenem Schicksal gibt - toll!

Besonders die Trauer und Verzweiflung von Adas Mutter Jenny werden so absolut nachvollziehbar beschrieben, dass ich beinahe das Gefühl hatte selbst in ihrer Haut zu stecken. Auch die Beziehung zu ihrem Mann Dominik, die in der Trauer nicht nur Höhen erlebt, wird authentisch dargestellt. Einen kleinen Punkteabzug gebe ich aber trotzdem, da für mich die Figur Ada nicht ganz greifbar ist. Sie wird als so starke und kämpferische junge Frau dargestellt, dass für mich der radikale Schritt Suizid nicht wirklich nachvollzogen werden kann. Ich möchte keinesfalls herunterspielen, dass das was sie durchmachten musste, an Heftigkeit kaum zu überbieten ist, hinzu kam ein persönlicher Vertrauensbruch als letztes Tüpfelchen - und trotzdem fühlte sie sich wie eine Person an, die gegen das System kämpft und nicht aufgibt.

Mein Fazit: "Was wir nicht kommen sahen" ist ein Buch, was alle Eltern von Teenagern lesen sollten, um etwas mehr von ihrer Lebensrealität zu verstehen. Es wäre außerdem ein hervorragendes Buch für den Unterricht, um das Thema Cybermobbing zu reflektieren. Im Stil von Mareike Fallwickl hält Katharina Seck der Gesellschaft eine Spiegel vor, der einen ordentlich zum Nachdenken bringt und auch etwas fragend hinterlässt.
72 reviews
November 22, 2024
Absolut wichtig und emotional

! Content Notes: Cybermobbing, Suizid, Verlust eines Kindes, Trauer

“Was wir nicht kommen sahen” von Katharina Seck ist ein gesellschaftskritischer Roman, der sich mit Hass im Netz gegenüber Frauen beschäftigt. Die 18-jährige Ada wächst in einer gesunden Familie auf und streamt in ihrer Freizeit verschiedene Videogames über die Plattform Twitch, als sie dort das erste Mal Opfer einer Cybermobbing-Attacke wird. Die Übergriffe werden trotz ihres Aufbegehrens und dem Rückhalt, den sie aus ihrem Umfeld erfährt, immer brutaler, sodass Ada keinen anderen Ausweg sieht und sich das Leben nimmt.
Und mit diesem Entschluss und seinen Konsequenzen startet der Roman. Er wird im Verlauf aus der Perspektive Adas und ihrer Mutter Jenny erzählt. Außerdem erhalten wir immer wieder Einblicke in die Leben und Motive der Personen, die anonym im Internet mit Ada interagieren. In diesen kurzen Perspektiven steckt so viel, worauf ich hier gar nicht eingehen kann, aber ich fand sie so einprägsam, dass ich dies unbedingt herausstellen möchte.
Die Perspektiven Adas Vergangenheit und Jennys Gegenwart, wie sie versucht den Grund hinter Adas Tat zu verstehen, laufen erzählerisch ineinander, was mir sehr gefallen hat und die Emotionalität der Geschichte verstärkt hat.

Secks Schreibstil hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Sie schafft es, mit klarer, ausdrucksstarker Sprache jedes Wort auf den Punkt zu bringen und Kritik zu üben. Gleichzeitig schafft sie eine Atmosphäre, die durch die authentischen Beschreibungen des Innenlebens ihrer Protagonist*innen geprägt ist, welche auch mir jede Emotion abverlangt hat.

Neben der Aufarbeitung Adas Suizids und ihrer Beweggründe ist natürlich auch die Trauerbewältigung ein großes Thema und wie Eheleute nach einem solchen Schicksalsschlag unterschiedlich damit, aber auch miteinander umgehen können.

Zum Ende des Buchs kann ich hier nicht mehr sagen, als dass es mir auch unglaublich gut gefallen hat, wenn es auch nicht zwingend so hätte ausgehen müssen. Ich nehme trotz der schrecklichen Thematik auf jeden Fall auch Stärke mit.

Das gesamte Buch ist für mich, wie auch bereits erwartet, ein Meisterwerk. Jedes einzelne Wort, jede Botschaft und Kritik perfekt platziert. Die Emotionen der Charaktere, im Speziellen derjenigen, welche Perspektiven wir einnehmen durften, waren greifbar und aufwühlend. Durch die Trauer, Verzweiflung und Hilflosigkeit habe ich mich immer wieder selber mit Wut als Antwort darauf anstecken lassen. Ich werde definitiv noch einige Zeit brauchen, das Buch zu verarbeiten.

Insgesamt ist “Was wir nicht kommen sahen” mit seinen schweren Themen ein Buch, für welches die lesende Person definitiv Kapazitäten übrig haben muss. In dem Fall sollte meiner Meinung nach dann aber wirklich jede Person diesen Roman lesen, weil die Thematik so wichtig und gut umgesetzt ist. Ich schließe mich den vielen Meinungen an, die “Was wir nicht kommen sahen” auch als Schullektüre empfehlen.
Profile Image for Susanne Krajan.
1,238 reviews9 followers
November 15, 2024
 

Ada nimmt sich mit 18 Jahren das Leben. Ihre Eltern verstehen die Welt nicht mehr und gehen gegensätzlich mit ihrer Trauer um. Dominik, Adas Vater, flüchtet sich in die Arbeit, während Jenny, Adas Mutter, sich auf die Suche nach Gründen für den Selbstmord macht. Im Internet wird sie schließlich fündig. Sie stößt auf digitalen Hass und Gewalt der sich gegen ihre Tochter richtet. Doch wie konnte das Ganze so eskalieren und wie groß ist der Abgrund?

 

Am Ende bin ich sprachlos. Ich meine klar, seitdem es Social Media gibt, traut sich eigentlich fast Jeder unter dem Deckmantel einer gewissen Anonymität zu 75% ungefragt und stellenweise auch ungefiltert seine Meinung zu teilen. An sich ja erstmal kein Problem, aber Viele schießen einfach den Vogel ab und das meine ich im absolut negativen Sinn!

 

Wir erleben die Story aus der Sicht von Ada als sie noch lebte und Jenny im Danach. Zwischendrin gibt es immer mal noch anonyme Sequenzen, die Hintergründe vermitteln und von Menschen stammen die im irgendeiner Art und Weise mit Adas inneren Kampf zu tun haben.

 

Es wird beleidigt, gedroht, sich lustig gemacht. In Adas Fall, wird auch gefaked, geprankt und die private Adresse verbreitet. Von Menschen die sich angegriffen fühlen, weil die junge Frau öffentlich Dinge teilt, die Alle angehen. Es war auch Nix was geheim dahinter, denn die Videos, welche sie anprangert, waren offen zugänglich. Dafür wurde sie aber gehasst unter genau jenem Deckmantel der oben genannten Anonymität.

 

Die Autorin legt hier den Finger auf mehrere Sachen. Dazu zählen unter anderem Cybermobbing, Misogynie, Bedrohung und Suizid. Aber auch die leider reale Machtlosigkeit der Opfer wird gezeigt, da das Recht erst greifen kann, wenn etwas passiert ist. Wie oft hat man das schon lesen müssen oder von Opfern gehört?

 

Über eine Sache musste ich mich dann tatsächlich auch selber erstmal auf den neuesten Stand bringen, da ich es nicht kannte. Dass es diese Incel Bewegung gibt hat mich ziemlich sprachlos zurückgelassen.

 

Was den Transport der Gefühle angeht, konnte ich absolut mit Adas Eltern nachfühlen. Die Starre, der Unglaube, die Frage nach dem Warum. Mir würde es nicht anders gehen. Ich hatte sehr oft Tränen in den Augen, weil es mich stark mitgenommen hat.

 

Fazit

 

Eine Story die den Albtraum vieler Eltern darstellt. Das eigene Kind begraben. Das Traurigste an diesem Buch ist, finde ich zumindest, wie real der Inhalt ist. Gerade Cybermobbing ist etwas, was es zu meiner Jugendzeit vielleicht gab, aber nicht in dem heutigen Ausmaß. Schließlich steckte das Internet in dem Kinderschuhen. Es gilt die eigenen Kinder zu sensibilisieren, aber auch zu bestärken offen mit Eltern, Freunden oder anderen Vertrauensperson zu reden. Von mir gibt es 4 Sterne am Ende
8 reviews
November 14, 2024
Katharina Secks “Was wir nicht kommen sahen” ist ein kraftvoller und emotional tiefgehender Roman, der die Leser auf eine schonungslose Reise durch die Abgründe der digitalen Welt und die tiefsten Ecken menschlicher Beziehungen mitnimmt. Mit viel Fingerspitzengefühl und einem beeindruckend flüssigen Schreibstil entwirft Seck eine Geschichte, die sich mit Themen auseinandersetzt, die in unserer modernen Gesellschaft oft tabuisiert oder übersehen werden: Cybermobbing, Frauenfeindlichkeit, die Risiken sozialer Medien und die Unvorhersehbarkeit der Anonymität im Netz.

Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt, was dem Leser einen vielschichtigen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Charaktere ermöglicht. Dabei steht vor allem die Mutter-Tochter-Dynamik im Fokus, die die zentrale Frage aufwirft, wie gut man selbst die Menschen kennt, die einem am nächsten stehen. Die Protagonistin Ada und ihre Mutter Jenny sind komplex gezeichnete Figuren, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit Schuld, Trauer und der Suche nach Antworten auseinandersetzen. Besonders berührend ist Jennys Kampf, ihre Tochter nach deren Tod besser zu verstehen und die Rätsel um ihre geheimen Leiden zu entschlüsseln.

Seck gelingt es, gesellschaftlich relevante Themen subtil, aber eindringlich zu verarbeiten. Sie zeigt, wie unsicher die digitale Welt sein kann, wie rasch unbedachte Handlungen in sozialen Netzwerken zu unvorhersehbaren Konsequenzen führen können. Die erschreckende Realität, dass die vermeintlich sichere Online-Welt für viele junge Menschen zur Quelle von Schmerz und Isolation wird, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Besonders beeindruckend ist Secks Fähigkeit, Spannung aufzubauen und den Leser immer tiefer in die komplexen Verstrickungen der Handlung hineinzuziehen. Ohne aufdringlich zu moralisieren, lädt der Roman dazu ein, das eigene Verhalten – online wie offline – zu hinterfragen und zeigt auf, wie wichtig es ist, sensibel und achtsam mit den Menschen umzugehen, die uns umgeben.

“Was wir nicht kommen sahen” ist ein bewegender, nachdenklich stimmender Roman, der lange nachhallt. Eine Lektüre, die aufwühlt, zum Nachdenken anregt und dazu aufruft, hinter die Fassade des scheinbar Offensichtlichen zu blicken. Ein absolutes Muss für Leser, die emotionale Tiefe und gesellschaftlich relevante Themen schätzen.
Profile Image for Naraya.
268 reviews8 followers
November 9, 2024
Eines Abends verlässt die 18-jährige Ada das Haus und nimmt sich mit einem Sprung von der Brücke das Leben. Zurück bleiben Jenny und Dominik, ihre Eltern, die vom Tod ihrer Tochter völlig überrascht sind. Ada war doch glücklich? Vor kurzem erst hatte sie sich eine solide Followerschaft mit ihren Gaming-Streams erarbeitet und das Hobby schien ihr Spaß zu machen. Doch dann stößt Jenny auf erste Hinweise und geht ihnen nach. Vor ihr tut sich ein Abgrund auf, vom dem sie bisher nichts geahnt hatte.

„Was wir nicht kommen sahen“ ist der neue Roman der Autorin Katharina Seck, die in den unterschiedlichsten Genres zuhause ist. Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive von Ada und Jenny in der dritten Person und dem Präsens erzählt, was der Geschichte eine gewisse Unmittelbarkeit verleiht. Zwischendurch sind immer wieder Kapitel eingestreut, in denen „die Anonymität“ zu Wort kommt; das sind Menschen, die direkt oder indirekt zu Adas Selbstmord beigetragen haben. Interessant ist an der Erzählweise außerdem, dass sie mit Adas Tod beginnt und dann sowohl in der Gegenwart (in den Ermittlungen Jennys), als auch der Vergangenheit (in Adas letzten Wochen) weiterläuft.

Mit Stichworten wie Cybermobbing, Doxxing und Swatting greift die Autorin sehr zeitgemäße, aber auch wichtige Themen auf, die zeigen, welches Ausmaß die Gewalt im Internet bzw. den sozialen Medien annehmen kann, ohne dass die Täter ihrem Opfer auch nur einmal begegnen müssen. Auch die so genannte Incel-Bewegung wird aufgegriffen, die in Ada als Frau, die ihre Meinung sagt, eine starke Bedrohung empfindet. Doch das Buch zeigt auch, wie Unbeteiligte zu Mitläufern werden – um nicht aufzufallen oder zum Außenseiter zu werden.

„Was wir nicht kommen sahen“ ist ein emotionales und wichtiges Buch, das ich durchaus als zukünftige Schullektüre sehe. Manchmal merkt man ihm jedoch stark an, dass die Autorin auch aktivistisch tätig ist, denn es werden sehr viele Schlagworte verwendet und weitere Themen kurz angerissen, so dass alles etwas überfrachtet wirkt. Das tut der Bedeutsamkeit der Geschichte jedoch keinen Abbruch.
Profile Image for Elke Sonne.
519 reviews
November 17, 2024
Eindringlich - aktuell - erschreckend

„Was wir nicht kommen sahen“ ist ein aufrüttelnder Gesellschaftsroman der Autorin Katharina Seck.

Die 18-jährige Schülerin Ada ist Gamerin und sie streamt ihre Spiele live im Internet. Im Laufe der Zeit hat sie dadurch einen gewissen Ruhm erlangt. Für ihre Eltern Jenny und Dominik ist das eine unbekannte Welt. Für sie vollkommen überraschend, stürzt sich Ada von einer Brücke in den Tod.
Ihre Eltern sind verzweifelt und Jenny will Antworten. Sie beginnt im Internet zu recherchieren, begibt sich auf Spurensuche.

Die Handlung wird im Wechsel aus der Perspektive von Ada und Jenny geschildert. Zwischenzeitlich gibt es auch noch vereinzelte Kapitel „Die Anonymität“.

Über Ada erfahren wir, was in den letzten Wochen vor ihrem Tod passiert ist. Die Ereignisse und die Dynamik die sich hier abzeichnet ist erschreckend. Es wird sehr deutlich, dass hier noch viel passieren muss.

Jennys Gefühlswelt, ihre Trauer und ihre Verzweiflung waren für mich absolut nachvollziehbar. Gelungener hätte Katharina Seck das nicht in Worte fassen können. Ich habe direkt mit ihr gelitten.
Gut dargestellt war auch der unterschiedliche Umgang der Eheleute mit der Situation und wie verschieden sie ihre Trauer verarbeiten.
Auch dir übrigen Charaktere - wie Adas beste Freundin Kim und ihr Freundeskreis - sind gut gezeichnet und wirken authentisch.
Bei der Anonymität handelt es sich – wie der Name schon sagt – um die breite Masse des Internets, die entweder direkt oder auch nur indirekt etwas mit den Ereignissen um Ada herum zu tun hat.

Das Buch behandelt viele verschiedene aktuelle und wichtige Themen wie z.B. Mobbing, Suizid, Misogynie, sexuelle Belästigung und Rassismus. Dabei wird auch die Hilf- und Tatenlosigkeit der öffentlichen Stellen wie der Schule und der Polizei nicht ausgespart.

Es ist eine sehr eindringliche, aufrüttelnde und gesellschaftskritische Story, die trotz aller schockierenden Ereignisse am Ende einen kleinen Hoffnungsschimmer setzt.
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December 26, 2024
„Was wir nicht kommen sahen“, von Katharina Seck, ist ihr neustes Werk und ein schweres noch dazu.
Mit Gefühl, einer Portion Rage und Darstellung einer grausigen Realität, beschreibt Katharina Seck Cyberkriminalität. Primär gegenüber Frauen. Beleuchtet ein Thema, aufgebauscht durch Social Media, Frauenhass und toxischen Männlichkeitsidealen, die das Internet zu einem ungesunden, giftigen Ort macht und so viel nehmen kann. Einem antut. Auf der einen Seite war es super wichtig, dass ich das Buch lese und auf der anderen aber auch schwer, erdrückend und niederschmetternd. Den meist denken wir, das wir im 20. Jahrhundert angekommen sind und dann bemerken wir, durch Erlebnisse und Berichte, wie auch das Buch hier, dass das wir noch lange von einem modernen Zeitalter entfernt sind. Katharina Seck lässt dabei ihr Wissen sowie ihre Gefühle in eine Mutter fließen, die ihr Kind genau durch solche Umstände verliert und auf Spurensuche geht, um herauszufinden, was passiert war. Weshalb. Der Weg dahin ist steinig, mit so vielen falsch aufgelegten Justizen und Menschen, die einfach nicht das ernst nehmen, was doch wahr ist. Was geschieht. Wird begleitet von Nebencharakteren und kompliziert gewordenen Beziehungen, die sie zueinander führen und Trauer. Ganz viel Trauer und Verzweiflung.
Das einzige was ich bemängele, ist das fehlende Glossar am Ende des Buches. Ich mit meinem jungen Alter und der Blase, in der mich befinde, nehme viele der englischen Begriffe oder Gegebenheiten selbstverständlich auf, da ich sie entweder bereits kenne oder mit ihnen aufgewachsen bin. Für Personen, die es aber nicht sind oder aus einer anderen Altersgruppe kommen, wäre das auf jeden Fall eine Hilfe.

Fazit. Eine mutige Geschichte. Eine Tragödie, die darauf gründet, das immer erst etwas passieren muss, so dass sich endlich was ändert und selbst dann auch nicht genug sein kann. Bitte lest das Buch. Ich lege es allen ans Herz.

Das Buch hat von mir 4,5/5🌹bekommen.

Liebe Grüße El. Rosé🌹
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November 19, 2024
Inhalt
Jenny kann es nicht fassen. Ihre Tochter Ada hat sich das Leben genommen. In ihrer verzweifelten Trauer versucht sie dem „Warum?“ auf den Grund zu gehen. Dabei stößt sie auf eine Spur digitaler Gewalt gegenüber Ada von der Jenny nichts ahnte.

Sprache
Katharina Seck hat einfach einen großartigen Schreibstil. Sie schafft es mich mit Bildern und Vergleichen direkt ins Herz zu treffen und die passenden Worte für unaussprechliche Dinge zu finden. Denn wir befassen uns hier mit Trauer, mit Verzweiflung, mit Ohnmacht, mit Wut.
In dieser Geschichte steckt außerdem unglaublich viel zwischen den Zeilen - Gefühle, Anregungen zum Reflektieren und auch viel Gesellschaftskritik.
Wir lesen aus Jennys Sicht, was sie nach Adas Tod nach und nach herausfindet. Wir lesen aber auch aus Adas Sicht, wie es soweit kommen konnte. Und dann gibt es noch die Kapitel, die mit „Anonymität“ überschrieben sind. Und die sind besonders hart für mich zu lesen gewesen. Denn hier kommen Personen zu Wort, die an Adas Mobbing beteiligt waren. Und hier stoßen wir auf so abstruse Gedankenwelten, die oft schwer zu begreifen waren, aber leider Realität sind.

Charaktere
Ada ist Gamerin und streamt regelmäßig. Eine Welt, die ihre Eltern nicht kennen und verstehen, aber eine die Ada liebt und in der sie sich etwas aufbauen will. Bis ihr eine Welle von Hass entgegen schwappt.

Jenny denkt, sie ist mit Ada aus dem Gröbsten raus und ist sehr zufrieden mit ihrem Familienleben. Deshalb macht sie sich große Vorwürfe, als Ada sich das Leben nimmt. Und möchte unbedingt herausfinden, was falsch gelaufen ist.

Ich konnte mich in Jennys Perspektive etwas besser hineinversetzen, weil ich ihr in meiner persönlichen Situation näher bin. Aber beide Frauen zu verfolgen war faszinierend und fürchterlich gleichzeitig, weil sie durch so eine harte Zeit gehen.

Fazit
Ein wichtiges Buch.
422 reviews4 followers
November 28, 2024
Der Roman startet im Grunde mit dem Schockmoment. Eine junge Frau, eine Heranwachsende, kurz vor dem Abitur bringt sich um. Die Eltern waren ahnungslos – wie konnte es dazu kommen?
Dann beginnt der Roman vorwärtserzählt aufzudecken was in Ada vorging und warum sie keinen anderen Ausweg mehr wusste. Parallel läuft die Geschichte vom Todeszeitpunkt weiter und wir tauchen vor allem mit der Mutter in die Analyse, in die Trauer und ihre Bewältigungsstrategien ab. Wie sie und ihr Mann zunächst sehr unterschiedlich mit ihrem Schmerz umgehen.
Dazu aus dem Off noch Täterperspektiven. Was für Täter? Menschen, die im Internet ihren Hass und ihre Wut ausleben und doch im Verborgenen bleiben. Feiglinge. Geschundene Seelen. Grausame menschenverachtende Wesen. Vor allem Frauen gegenüber.
Denn die Protagonistin Ada war Gamerin und hat sich einen Kanal aufgebaut auf dem sie Spiele und Spielstrategien auch live zeigte. Sie setzte sich der Welt aus und diese trat gnadenlos zu.
Katharina Seck findet aus meiner Sicht genau die richtige Sprache diesem empörungswürdigen Zustand ein literarisches Sprachrohr zu geben. Hart, ja, eine Lektüre bei der ich oft schlucken musste – vor allem als Mutter. Aber so wichtig und gut erzählt.
Sie zeigt verbaut in der Geschichte welche Schrecken im Netz lauern, bleibt aber fair was auch für Chancen es gibt. Und vor allem zeigt sie uns wie wichtig es ist eine echte Community zu haben. Zum Anfassen, zum Austauschen und zum Geborgenfühlen: Es braucht ein starkes Gegengewicht im echten Leben. Ja und es braucht Mut und Kraft sich diesem negativen Strudel zu stellen, wenn man sich selbst präsentiert. Vor allem als Frau. Ein aktuelles Thema, dass viele betrifft, aber das so oft verborgen bleibt.
Lesenswert, macht nachdenklich und ein starkes Stück Literatur. Ich freue mich auf mehr aus der Feder von Katharina Seck!
Profile Image for Ancla Müller.
842 reviews5 followers
December 22, 2024
Schockierend, eine wichtige Stimme!

**** Worum geht es? ****
Alles scheint perfekt. Eine kleine glückliche Familie, eine nahezu erwachsene Tochter, die immer zufrieden und ausgeglichen scheint. Bis nichts mehr heile ist und sie als Mutter verstehen lernen muss was eigentlich passiert ist. Warum hat sich Ada das Leben genommen?

**** Mein Eindruck ****
Der Inhalt des Buches hat mich absolut nicht kalt gelassen. Mobbing im Internet und deren Reichweite ist ein Thema, das uns alle angeht und uns fast alle schon betroffen hat oder betrifft. Die Details dieses Falles hier sind erschütternd zu verfolgen gewesen. Wer war Ada und warum hat sie diesen Hate abbekommen. Ein Mädchen, wie du und ich. Ada bekam über die Kapitel Persönlichkeitsmerkmale zugesprochen, die weitestgehend auf eine große Personengruppe zutreffen. Ada war mutig und ich neigte dazu zu sagen, weiter so, aber jeder Mensch hat seine Grenzen und auch diese darf man in diesem Buch verfolgen. Die Geschichte ist keine leichte Kost und mehr ein Mahnmal als Unterhaltung, aber, und genau deswegen, so wichtig, denn aus Unterhaltung kann so schnell ernst werden. Literarisch gesehen hatte das Werk für mich ein paar Schwächen, die drei Perspektiven waren teils etwas viel, der Fokus verrutschte in der Mitte, wurde am Ende aber mehr als eingeholt, und so erlebte ich manche Längen. Die Mutter und auch die Anonymitäten hätten fokussierter sein können, am Ende ist das eine Geschmacksfrage, denn die eigentliche Botschaft und damit der Grund für dieses Buch, war laut und deutlich, damit also absolut gelungen!

**** Empfehlung? ****
Wer mit triggernden Themen gut umgehen kann, sollte unbedingt einen Blick in dieses zeitgemäße und tiefgründige Buch über die Folgen von Cybermobbing werfen. Wortbilder die bewegen.
Profile Image for Denise.
618 reviews9 followers
November 16, 2024
Jennys Welt zerbricht in wenigen Sekunden: Ihre Tochter Ada hat sich von einer Brücke gestürzt. Die Mutter stürzt in ein Loch aus Trauer, Verzweifelung und der Frage "Warum?" Nach und nach entdeckt sie das Leben ihrer Tochter neu und sieht sich mit der hässlichen Seite des Internets konfrontiert.

"Was wir nicht kommen sahen" war mein erster Roman von Katharina Seck und lässt. mich beeindruckt, erschüttert und wütend zurück. Die Autorin befasst sich mit den Themen Hass im Netz, Mobbing und Frauenfeindlichkeit im Internet. Diese Melange ist schwer auszuhalten, da sie das mit einer Konsequenz verknüpft, die niemanden treffen sollte.

Die Geschichte wird abwechselnd von Jenny und Ada erzählt. Während man die Mutter in ihrer Trauer begleitet, erfährt man von der Tochter, wie ihr Leben durch ein einfaches "Nein" eine Wendung nimmt, bei der aus einem Wort eine Welle wird.

Jedes Kapitel hat mich berührt und ich musste aufgrund der Wucht so manches Mal das Lesen pausieren. Katharina Seck erzählt realistisch, schonungslos und gleichzeitig mit viel Gefühl. Das hat mich sehr beeindruckt.

Toll fand ich, dass sich die Autorin nur auf ihre weiblichen Figuren und deren Gedanken, Gefühlen und Probleme fokussiert hat. Die männliche Perspektive spielt eine absolut untergeordnete Rolle.

Fazit: ein wichtiges Buch mit Wucht. Wer auch nur eine Zehenspitze in die Welt von Streamingdiensten und Social Media hält, muss es lesen!
Profile Image for Maya.
18 reviews
October 4, 2025
Stell dir vor, deine Tochter begeht Suizid - einfach so, ohne dass du vorher etwas gemerkt hast. Erst nach ihrem Tod findest du heraus, dass ihr im Netz nachgestellt, Fake-Bilder von ihr verschickt und sogar ihre Adresse geleakt wurde.

Das Buch ist aus mehreren Perspektiven erzählt: von Jenny, Adas Mutter, die in ihrer Trauer und der Frage nach dem Warum? versinkt. Von Ada selbst, über die wir erfahren, was passiert ist und wie es so weit kommen konnte. Und von der „Anonymität“ - jenen Menschen, die Ada zu dem getrieben haben, die sie zerrissen haben.

Die Story hat mich sofort angesprochen, insgesamt konnte sie mich dann aber nicht wirklich abholen. Es steckt viel Echtes drin - die Ohnmacht der Justiz beim Thema Cybermobbing, die Angst einer Teenagerin, sich Hilfe zu holen. Leider verliert sich die Autorin dabei zu oft in gut gemeinter Wokeness, die so präsent ist, dass sie die Geschichte fast erdrückt.
Am Ende bleibt ein Buch mit wichtigem Thema, das berührt, aber sprachlich und erzählerisch nicht ganz die Tiefe erreicht, die es verdient hätte.
19 reviews
November 26, 2025
Katharina Seck greift in ihrem Roman ein sehr wichtiges, gesellschaftliches Thema auf. Die Gefahren des Internets.
Die 18-jährige Ada stürzt sich in den Tod und niemand scheint zu wissen warum. Ihre Eltern haben nichts mitbekommen. Zuhause gab sie sich immer normal und gut gelaunt. Ein Teenager halt. Ihre Eltern, vor allem ihre Mutter, beginnen nach ihrem Selbstmord auf eigene Faust zu ermitteln. Was sie dabei zu Tage fördern, ist nichts für schwache Nerven. Immer mehr tauchen sie ein in die Welt in der Ada sich vor ihrem Tod bewegt hat.
Es wird aus der Sicht von Ada, ihrer Mutter und der sogenannten Anonymität geschrieben. Durch die Anonymität bekommt man einen Eindruck, was in Menschen vorgehen könnte, die sich ihre Opfer online suchen. Gezielt oder auch nach Zufallsprinzip.
Es werden viele gesellschaftlich relevante Themen angesprochen und macht auf die Gefahren, die im Internet lauern können, aufmerksam. Wie wichtig ein sorgsamer Umgang mit social Media und diversen Streamingplattformen ist.
Ein Buch, dass auf jeden Fall zum Nachdenken anregt.
Profile Image for Franzi.
Author 8 books63 followers
October 22, 2024
Absolut großartig, erschütternd, schonungslos, wachrüttelnd und ein echtes Must Read! Es ist kein Geheimnis, dass ich mit Kati befreundet bin, aber das hier schreibe ich nicht nur als Freundin, sondern als "normale" Leserin und Feministin, die von der ersten Seite an begeistert war. Mit "Was wir nicht kommen sahen" hat sich Kati selbst übertroffen und ein grandioses Werk erschaffen, das etliche aktuelle Debatten aufgreift, das einen durch Anonymitätsperspektiven eiskalt mit der Gedankenwelt von Personen konfrontiert, die man in der eigenen Bubble sonst (zum Glück) nicht hat, und definitiv nachhallt.
Obwohl mein Testlesen schon einige Monate zurückliegt, habe ich alle Szenen noch im Kopf und manche Sätze haben sich so tief eingeprägt, dass ich gar nicht drumherum komme, es wieder und wieder zu empfehlen. Kurzum: Wen "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl beeindruckt hat, wird auch hier sehr viel mitnehmen können.
Profile Image for Melanie.
449 reviews4 followers
April 2, 2025
Als Mutter hatte ich erst ein bisschen Angst davor, das Buch zu lesen. Immerhin geht es um eine junge Frau, Ada, 18 Jahre alt, die Suizid begeht und darum, wie ihre Mutter damit umgeht. In wechselnden Perspektiven begleiten wir die verzweifelte Mutter Jenny nach Adas Selbstmord und Ada in den Monaten davor.

Es liest sich dann aber weniger schrecklich als ich befürchtet hatte. Mehr und mehr wurde ich in den Bann gezogen von der Geschichte, begann nicht nur mit Jenny, sondern auch mit Ada mitzufühlen - und die "Anonymität", die ebenfalls zu Wort kommt, zu fürchten.

Das Buch ist absolut hochaktuell und wirklich sehr gut geschrieben. Und ich habe viel mit meinen eigenen Kindern über den Inhalt gesprochen. Mir wird der Text noch lange nachgehen, das weiß ich jetzt schon!
Absolute Leseempfehlung für dieses wichtige Buch, das den Lesenden zum Glück am Schluss nicht hoffnungslos zurück lässt.
Profile Image for Sophia.
17 reviews1 follower
January 5, 2025
Vor ein paar Wochen habe ich den Roman „Was wir nicht kommen sahen“ beendet und es lässt mich nicht los. Es geht um digitale Gewalt und was diese mit Menschen anrichtet - die Geschichte rund um die 18-jährige Ada ist schonungslos, ergreifend und zutiefst erschütternd.
Was wir nicht kommen sagen, ist ein Buch, das bleibt (und unbedingt eine Schullektüre werden sollte)!
Profile Image for Jasmin Jevtić.
86 reviews
March 3, 2025
In “Was wir nicht kommen sahen” werden schwierige und belastende Themen angesprochen, bei denen es in der heutigen Zeit umso wichtiger ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Beim Lesen habe ich mir deshalb – und weil der Schreibstil manchmal anspruchsvoll erscheint – die nötige Zeit gegeben, um alles stückchenweise auf mich wirken zu lassen und in Ruhe darüber nachdenken zu können. Zeitweise war ich richtig wütend darüber, was Menschen anderen Menschen antun können, wenn sie sich in der Anonymität des Internets sicher wähnen. Aber genau weil die behandelten Themen so wichtig sind, lege ich euch allen ans Herz, dieses Buch auch zu lesen.
Profile Image for Laura.
88 reviews1 follower
May 13, 2025
Ada, 18 Jahre alt, verabschiedet sich eines Abends von ihren Eltern – und wählt den Freitod. Zurück bleiben ihre Eltern, auf der Suche nach Antworten und einem Grund.

Katharina Seck hat mit „Was wir nicht kommen sahen“ eine Geschichte geschrieben, die unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt. Ihr außergewöhnlich poetischer Schreibstil ist beeindruckend und malt Bilder, die die Schwere des Themas in einem fast zu schönen Licht erscheinen lassen. Metaphern und Vergleiche durchziehen das Buch und sorgen für eine besondere Atmosphäre, doch manchmal hätte die Handlung mehr Raum gebraucht. Auch wenn ich Secks gesellschaftlichen und politischen Aussagen zustimme, fühlte sich der Roman an manchen Stellen eher wie ein Essay oder eine Rede an.

Das Thema des Romans ist schmerzhaft aktuell: Cybermobbing, Verlust, Misogynie, Trauer und Freundschaft. Diese Aspekte sind mit großer Sensibilität beschrieben, oft so nah, dass sie wehtun. Besonders die Perspektivwechsel zwischen Ada, den anonymen Usern im Netz und ihrer Mutter Jenny – zwischen Vergangenheit und Gegenwart – machen die Geschichte lebendig und spannend. Obwohl man von Anfang an weiß, dass Ada ihrem Schicksal nicht entkommen wird, hofft und bangt man trotzdem mit.

Das Buch sensibilisiert auf eindringliche Weise für die Mechanismen von Hass im Netz und die Strukturen, die es erlauben, ihn anonym und straffrei zu verbreiten. Es ist daher ein wichtiges Werk – nicht nur für Jugendliche, um die Dynamik und Konsequenzen von Cybermobbing zu verstehen, sondern auch für Eltern, die die Gefahren der digitalen Welt besser greifen möchten. Seck zeigt, wie schnell aus Hass eskalieren kann, und wie machtlos Einzelne dem gegenüber sein können.

Doch es gibt auch Schwächen. Manche Gespräche wirken auf mich konstruiert, fast schon lehrbuchhaft. Adas reflektierte Art passt nicht immer zu ihrer inneren Zerrissenheit – ihre Angst, Paranoia und Hilflosigkeit erscheinen zu flach. Auch Jennys Trauerverarbeitung schreitet für meinen Geschmack zu schnell und linear voran. Nach nur sechs Wochen wirkt sie erstaunlich gefasst, verzeiht, wo noch Schmerz und Wut Platz gehabt hätten. Besonders die Zeit direkt nach der Nachricht von Adas Tod hätte ich als Leserin gerne mitverfolgt. Die Zeit, in der die Welt dann auseinanderbricht und zerbrochen bleibt – sie fehlt mir. Auch die Perspektiven der anonymen User, die Hass säen, wirken zu bewusst. Hier hätte ich mir unreflektierte, impulsive Figuren gewünscht, die nicht einmal ansatzweise hinterfragen, was sie anrichten.

„Was wir nicht kommen sahen“ ist ein kraftvolles Buch, das sich gesellschaftlich relevanter Themen annimmt. Zwischen den Zeilen blitzen Botschaften über Feminismus, Männerbilder und soziale Verantwortung hervor. Ein lesenswertes Werk, das zum Nachdenken anregt und lange nachklingt.
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