„Ich liebe meine Kirche, aber ich verzweifle an ihr.“ – ein bemerkenswerter Satz aus dem Munde eines evangelischen Pfarrers. Justus Geilhufe hat sich an zwei Dinge gewöhnt: an die allzu erwartbaren Äußerungen der EKD und ihre notorische Selbstüberschätzung, aber auch an die lebendige, beinahe anarchische Kraft des Glaubens an der Basis, besonders im Osten Deutschlands. Hier sei bereits Realität, was dem Westen noch bevorstehe, nämlich völliges Desinteresse an Kirchenpolitik. Dafür wächst das Interesse an der Botschaft und dem Vorbild Jesu. Ein ebenso persönlicher wie provokanter Bericht über verdrängte Realitäten der Kirche und neue Chancen für den Glauben.
Kurzweilig und doch entschieden setzt Justus Geilhufe einen Eckpfeiler für den bürgerlichen Protestantismus. Erst Marx' Knie, man fühlt sich schon als stünde man in San Pietro in Vincoli und später fährt Geilhufe zum Requiem für Benedikt XVI. und macht Halt in Brixen. Ob das wirklich eine Anspielung auf Cusanus war oder nur eine interessante Koinzidenz?
Später werden Edmund und Bernhard Schlink verwechselt. Der Autor hat mir versichert dies für einen bedauerluchen Fehler zu halten. Als Leserin fühle ich mich aber dennoch als echter Nerd.
Absolut hingerissen. Es bleiben lediglich wilde Gedanken dazu, ob der bürgerlichen Protestantismus, den Geilhufe meint nicht doch ein Cafeteria Katholizismus ist, weil man dem Zölibat entgehen möchte. Allerdings wird das kaum die abschließende Interpretation sein, dazu bleibt zuviel Hintersinn, trotz aller Klarheit der Form.
eher so 3,5 finde sein bürgerlich-protestantisches Statement dann doch etwas zu unkritisch dargestellt, trotzdem checkt man durch diesen Essay schon ein bisschen mehr, was er (und mit ihm viele andere) ja gerade daran attraktiv finden trotzdem finde ich gerade die Beschreibung seiner ganz unterschiedlichen Kontakte, zu französischen Priestern und Lothar, dem protestantischen Rebell-theologen schon sehr liebevoll dargestellt aber dafür muss man sicherlich nicht mind. 5 mal auf seine Ralph Lauren Sweater verweisen
Erzählend, träumend, ostalgisch beschreibt Geilhufe seine Vorstellung von Kirche. Hängengeblieben ist auf jeden Fall sein Plädoyer für das Aushalten von Widersprüchen und seine Definition von Liebe - lohnt sich also auf jeden Fall