Ich hab’s wirklich versucht, das Buch aus der Hand zu legen – ehrlich! Aber Andrew Bridgeman hat mich in "Sein Wille geschehe" sowas von an den Seiten festgetackert, dass ich mich gefühlt habe wie Ben Danvers auf der Flucht: keine Pause, kein Atemholen, immer die nächste Wendung im Nacken. Man wacht morgens auf, denkt an seinen Kaffee, und zack, ist man wieder in den Tentakeln dieses wahnsinnigen Kults gefangen, der sich durch Washingtons Hinterzimmer schleicht.
Ben erfährt also, dass er nicht einfach nur Ben ist, sondern Sohn der zukünftigen Vizepräsidentin. Jackpot? Naja, eher die Mutter aller Identitätskrisen. Gemeinsam mit Emma, einer FBI-Agentin mit mehr Rückgrat als so mancher Politiker im Buch, stürzt er sich in einen Verschwörungsstrudel, der selbst Dan Brown ein nervöses Zucken verpassen würde.
Der Schreibstil? Schnell, hart, ohne Schnörkel – wie ein Espresso nach Mitternacht. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern zielsicher durch die Story geprescht. Manche Dialoge haben mich dabei echt zum Schmunzeln gebracht, weil sie so schön trocken und sarkastisch daherkommen. Emma ist sowieso der heimliche Star. Die Frau hat mehr Ecken und Kanten als der Schreibtisch eines FBI-Bürokraten.
Was mir nicht so gefallen hat? Die ein oder andere Action-Szene war für meinen Geschmack ein bisschen over the top – da fliegt gefühlt ganz Washington in die Luft, während Ben und Emma ohne einen Kratzer weiterrennen. Aber gut, ein bisschen Hollywood darf’s sein.
Alles in allem ist "Sein Wille geschehe" ein echter Pageturner für alle, die Verschwörungen, Intrigen und Charaktere mit Biss lieben. Kein literarischer Feingeist, aber verdammt unterhaltsam. Vier Sterne von mir – einen zieh ich ab, weil ich das Gefühl hatte, nach dem Lesen erstmal selbst vom FBI verhört zu werden. Aber hey, Langeweile sieht anders aus!