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Im Schnellzug nach Haifa

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1933 muss die Berlinerin Gabriele Tergit aus Deutschland fliehen und gelangt über Tschechien nach Palästina. Schreibend bahnt sie sich ihren Weg durch das Völkergewimmel in Jerusalem, Haifa und Tel Aviv und erlebt ein Land im Aufbruch. In hier teils erstmals veröffentlichten Porträts und Reiseschilderungen vermittelt sie ein sinnliches Bild von der ungeheuren Vielfalt Palästinas in den 1930er Jahren, lange vor der Staatsgründung. Tergit trifft einen Fleischer aus Brest-Litowsk, der sich eine japanische Decke um den Bauch bindet und melancholisch Wurst schneidet; eine Berliner Zionistin, tüchtig und patent, die unermüdlich arbeitet und Feste organisiert, und einen Frommen aus Deutschland, den die jungen Leute auslachen.

Zusammen mit den faszinierenden Fotos aus dem Archiv Abraham Pisarek gewähren Tergits Geschichten Einblicke in eine Welt, in der manche Hoffnung zerbrach und doch vieles möglich schien. Erstmals um neunzehn ursprünglich von der Autorin für den Band vorgesehene Texte aus dem Nachlass erweitert, gewährt Im Schnellzug nach Haifa einen ganz neuen Einblick in die Entstehung des heutigen Israels.

256 pages, Kindle Edition

First published January 1, 1998

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About the author

Gabriele Tergit

26 books31 followers
Gabriele Tergit had already pioneered as a female court reporter for major Berlin newspapers when she became famous overnight for her socially critical novel about the late Weimar Republic, Käsebier erobert den Kurfürstendamm (Käsebier Conquers the Kurfürstendamm, 1931). Her literary career in Germany was cut short by Hitler, however, and, like Irmgard Keun, she was largely forgotten after the war. But in spite of her lack of success in the early Federal Republic of Germany (FRG), the exiled author never stopped writing and also worked tirelessly for the last 25 years of her life as the honorary secretary of the London PEN-Center of expatriate German-speaking authors. With the growing interest in women writers in the late 1970’s Tergit’s writings have attracted renewed attention and many have been republished.

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Profile Image for Noam.
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March 23, 2025
'In der Nacht vom 4. auf den 5. März 1933 es war die Nacht ihres 39. Geburtstages - versuchte ein Sturmtrupp der SA in die Familienwohnung der Reifenbergs* am S-Bahnhof Tiergarten einzudringen. Sie hätten einen Haftbefehl von Minister Göring persönlich, erklärte der Anführer. Es gelang, mithilfe der herbeigerufenen Polizei, die Verhaftung abzuwehren, aber Tergit beschloss noch in derselben Nacht das Land zu verlassen. Als langjährige Gerichtsreporterin wusste sie, mit welchen gewalttätigen und völlig skrupellosen Leuten sie es zu tun hatte.' p.229
(*Gabriele Tergit was a pseudonym of Elise Reifenberg née Hirschmann)

Shortly after that event Gabriele Tergit and her family arrived in Mandatory Palestine, quite reluctantly, by the way, since she didn’t really feel connected to Zionism or Judaism. She felt she was German, although Germany of that time had a different idea.

Haifa in 1930 via goodfreephotos.com
Haifa in 1930 via goodfreephotos.com
'Anders als Tergit befürchtet hatte, war sie vom ersten Tag an von diesem unbekannten Land fasziniert, das auf sie einstürmte, an ihr zerrte und sie als Schriftstellerin und Journalistin herausforderte. Sie legte das fast fertige Manuskript der Effingers beiseite und begann, durch das Land zu fahren, mit Bus oder Sammeltaxi, und zu erzählen, was sie sah.' p.232
From that moment on she wrote vivid journalistic sketches of her new country. She wrote about traveling, the climate, places she visited, local habits, her own adventures and mainly about people she met. More than sixty of these fascinating texts were now collected in this book.

Tergit obviously writes from her own European, German, perspective. A relatively high number of Jewish people left Germany during the 1930’s for obvious reasons. Many of them went to Mandatory Palestine since they were less welcome elsewhere. Tergit visits German shops and bakeries and hear a wide range of German accents where ever she goes. Some of these people are longing for Germany and the family they left behind, not knowing what we know now. Surprisingly Tergit is (unconsciously?) not always positive about these people…

Tergit wants to get to know her new country and at the same time searches for her new identity after loosing her German roots. She obviously writes more of the Jewish side, maybe because she was forced to reinvent her connection with Judaism. One can feel the threat of the future Second World War.

Rothschild Boulevard, Tel-Aviv, circa 1930 via goodfreephotos.com
Rothschild Boulevard, Tel-Aviv, circa 1930 via goodfreephotos.com

Concerning Arab and Jews sharing a land Tergit writes:
'Die arabischen Häuser sind geworden aus endloser, nie unterbrochener Tradition. Die jüdischen kommen bestenfalls aus dem Katalog oder dem Wettbewerb: "Siedlungshäuschen zu 50 bis 200LP." Das kann nicht anders sein. Europa dringt in den Orient ein. Kolonialgebiet steht neben Uraltem. Uraltes ist überall schön, Kolonialgebiet ist überall hässlich.' p.20

'Das arabische Palästina ist das biblische geblieben durch die Jahrtausende, das jüdische ist russisch.' p.22

'Dort ist Allah und hier ist Erfolg. Dort sind Dornen und hier ist Versuchsland. Dort ist Morgenland, hier nicht Europa, sondern eine Mischung aus Russland und Amerika.' p.24
Jews and Arabs live complete parallel lives. One can hardly find a sign of the threat of what is yet to come. Maybe these parallel lives are exactly the reason for the current very sad events. Politics is hardly mentioned in these short texts, but I came across this citation of something someone said to her:
'"Ich glaube, doch ich glaube an unseren Führer Jabotinsky."
"Aber was will Jabotinsky? Sehen Sie, die Araber..."
"Die Araber, sagt er, aber das ist doch unser Land!"
Und er blickt auf die Fahne, an die er glaubt, und die er hochhält, und für die er sterben wird.' p.150
Jabotinsky was the leader of what nowadays has become the Likud, the party of Benjamin Netanyahu.

Reading Tergit’s journalistic gems is like traveling back in time. They give a unique kaleidoscopic impression of that region in the 1930’s. You see what she sees, hear the sounds she hears. You can almost smell the mix of Mediterranean and European scents.

Tergit’s texts are accompanied in this edition by beautiful authentic photos of Abraham Pisarek and an insightful afterword about the history of that region and this book. A must-read book for everyone who’s interested in Gabriele Tergit, her work and life in Mandatory Palestine during that, form our current perspective: naïve times.

Gabriele Tergit writes:
'Und während ich diese Seite noch einmal durchlese, schreibe ich zum ersten und einzigen Mal in diesem Buch: Wir sind ein wunderbares Volk!' p.130
Although she writes ‘We are a wonderful people!’, she writes as if she doesn’t belong there.

Gabriele Tergit and her family left five years after their arrival. She moved to London where she lived till her death in 1982.


Herzliya Hebrew Gymnasium in 1936, Tel- Aviv, via goodfreephotos.com
Herzliya Hebrew Gymnasium in 1936, Tel- Aviv, via goodfreephotos.com

***
Quotes:
'Die Juden aus Polen tragen fantastische Gewänder, Pelzmützen, wie um 1300, bronzefarbene und olivfarbene Samtmäntel wie auf Gemälden von Rembrandt.' p.33

'Der Karmel ist scheinbar, wie auf den Südamerikafahrern, die erste Klasse mit Schwimmbad und Rauchsalon, der Hadar die bürgerliche Mittelklasse, aber Tel Aviv, das ist in vielen Teilen Zwischendeck. Aber das Zwischendeck in Tel Aviv hat das Geld, und auf dem Karmel leben Leute oft von winzigen Beträgen.' p.58

'Tel Aviv ist eine herrliche Stadt, sagt ein anderer. Überall ist Leben, muntere Jugend erfüllt die Straßen, zukunftsbereit, bereit aufzubauen, bereit zu handeln. Überallhin wachsen neue Viertel, Hunderte von neuen Häusern in einem Jahr. Hier wächst eine Stadt im Stil von 1930, weiße flachdachige Häuser, Haus bei Haus, Terrasse und Dach, hier allein ist Leben aus Arbeit und Feiertag gemischt...' p.60

'Man bekommt heute in Tel Aviv alles, was selbst ein verwöhnter Europäer haben will. Vom erstklassigen Optiker bis zum erstklassigen Delikatessengeschäft.' p.63

'Tel Aviv ist die Stadt ohne Hausschlüssel. Alle Häuser sind offen. Die Wohnungstüren haben außen Klinken. Es war noch vor wenigen Jahren nicht üblich, die Tür zuzuschließen.' p.63

'Am Strande von Tel Aviv gehen deutsche Jüdinnen. Alle diese großen, schönen, blonden oder braunen Mädchen, wer hat sie für Jüdinnen gehalten? Ein paar hässliche, klein und dick, mit dicken Nacken und schwarzer Wolle auf dem Kopf, die rechnete man den Juden zu, aber diese, die die Berlinerin und die Wienerin zu einer der schönsten Frauen der Welt machten, die nannte man Deutsche oder Österreicherinnen. Aber sie sind Jüdinnen.' p.68

'Babel ist Tel Aviv, Sprachverwirrung. Hebräisch nur Hilfe, nur Verständigungsmittel, nicht Muttersprache, nicht biegsamer Ausdruck feinster Regungen. Aber der flüssige Zustand hat sein Gutes, noch kann alles aus ihm werden, noch alles aus ihm kommen. Die Stadt Tel Aviv ist aufgeregt wie die Jugend, aufregend wie junger Wein. Sie sitzt da und lernt und erwartet wie der Schulentlassene alles noch vom Leben, alles von der Zukunft. So ein junger Mann ist Tel Aviv, er ist noch nichts, aber er erwartet Unsterblichkeit.' p.70

'Im Toten Meer wächst keine Pflanze, lebt kein Fisch, kein Wurm, keine Alge, nichts, es ist tot, voll mit Phosphor, mit Salz und Schwefel. Auf seinem Grunde - meint die Bibel - liegen Sodom und Gomorrha, volkreiche Städte, vernichtet durch Salz und Schwefel

Aber jetzt ist das Tote Meer kapitalisiert worden a) als chemisches Ausbeutungsobjekt, b) als Vergnügungsplatz.' p.73

'Die Mutter arbeitet nicht durch Aufzucht der Kinder, sondern direkt am Aufbau der Kolonie mit. Sie gibt ihre Kinder ins Kinderhaus. Dort essen und schlafen und leben die Kinder. Man erwartet, dass so unegoistischere Geschöpfe aufwachsen. Man erzählt zum Beweise der neuen Gemeinschaftsgefühle eine wahre Geschichte, die sich auf einer Kwuzah zutrug. Ein Kind sagte, als es Bauchschmerzen hatte: "Unser Bauch tut mir weh."' p.103

'Im Coupé des Schnellzuges Kairo-Haifa, unter dem trüben Licht ausgebrannter elektrischer Birnen, klein und krumm, ab-geschabter brauner Mantel, sitzt ein junger Jude aus Polen, verlassen der Laden, gesprengt die Gettomauern, fährt er in den Ozean der Freiheit, immer wieder bereit, umzuschaffen die Welt, neu zu gestalten das Gesicht der Erde.' p.139

'In der Allenbystraße zu Tel Aviv gibt es einen Karren, auf dem wird von morgens um 5 Uhr an Obst verkauft. Es ist glühend heiß im Sommer, es gießt im Winter, der Mann sitzt an seinem Karren. Nachts, wenn man um 12 Uhr aus der letzten Kinovorstellung kommt, sitzt der Mann immer noch da. Dann muss er noch einpacken. Dieser Mann schrieb einen Brief nach Polen.
"Es geht mir sehr gut hier, ich habe es zu einem Obstladen gebracht. Ich hoffe, ich werde bald meine Familie nachkommen lassen können.
Kurzum, ich bin sehr zufrieden." p.147

'Die Inhaber eines Gemüseladens im neuen Einwandererviertel in Tel Aviv sind etwas ganz Apartes, sie sind Ägypter und sprechen französisch, spaniolisch und arabisch. Es ist auf der Elieser Ben Yehudastraße. Auf der Elieser Ben Yehudastraße haben viele Deutsche kleine Läden, und man spricht mit ihnen deutsch.' p.166

'Er wurde ganz früh Zionist, nationaler Jude. Man schickte ihn in die Talmud-Thora-Schule des benachbarten Städtchens. Aber er lief in den Wald und in den Teich, um zu schwimmen. Später gehörte er zur Selbstwehr. Zum ersten Mal seit Bar Kochba setzten die Juden der Gewalt Gewalt entgegen. Eine der Theorien, um das Mysterium der Erhaltung der Juden zu erklären, ist die Theorie der Gewaltlosigkeit: Sie wehrten sich nicht und wurden so nie ganz vernichtet. Die Selbstwehr, 1903 nach Kischinew gegründet, ist Umsturz in der Geschichte des Judentums.' p.194

Nahalat Binyamin Street in 1936, Tel- Aviv, via goodfreephotos.com
Nahalat Binyamin Street in 1936, Tel- Aviv, via goodfreephotos.com
9 reviews
December 10, 2015
Teilweise sehr kritische Berichte über jüdisches Leben im Palästina der 1930er Jahre. Geschrieben von einer deutsch-jüdischen Exilantin, welche nicht aus Überzeugung ins heilige Land einwanderte, sondern sich aus ihrem kosmopolitischen Berliner Leben in die Wüste vertrieben sah.
Profile Image for Claudi Be.
13 reviews
September 22, 2013
The journalist describes her impression of the Jewish life and also Arab in Palestine in the 1930s. Tergit, herself Jewish, emigrated from Berlin and explores the Jewish homeland with accurateness, never losing her affectionate look. Unfortunately there is no English translation of her travel report.
Profile Image for Anita Schürmann.
10 reviews1 follower
July 15, 2025
Ich mag den Schreibstil von Gabriele Tergit. Ihre Bücher habe ich erst spät entdeckt, vielleicht vor 3 Jahren, als ich mich intensiver mit den Schriftstellerinnen der Weimarer Republik beschäftigt habe. Sie beobachtet genau, beschreibt die Menschen, ihre Biografien so, dass ich mir ein genaues Bild machen kann. So bin ich schnell in den Situationen drin.
Hier geht es um ihre Beobachtungen in Palästina kurz nach ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland im März 1933. Sie konnte gerade noch rechtzeitig vor der Verhaftung fliehen. Ihr Mann und ihr Sohn folgten ihr etwas später.
Sie beschreibt ihre Begegnungen mit Juden/Jüdinnen aus Europa und Asien (so unterschiedliche Einwanderungsgruppen wie die Pioniere (Chaluzim), askenasische und sephardische Juden und Jüdinnen, Chassiden, "Jecken"...), die zum Teil schon lange/immer dort leben, und Arabern und Araberinnen. Eine ungeheure Vielfalt lange vor der Staatsgründung. Geichzeitig kam es bald zu Mordanschlägen und Kämpfen zwischen Juden und Arabern auf den Straßen - ein Konflikt, mit dem die britische Mandatsmacht (seit 1917) bald überfordert war.
Tergit sah schon damals, dass die Spannungen zunehmen würden.

Was wir heute wissen: Seit der Staatsgründung folgte ein Krieg auf den anderen mit unzähligen Opfern auf beiden Seiten und seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 wütet die rechtsextreme Regierung Netanyahus und es kommt zu tausendfachem, sinnlosem Sterben von Kindern, Frauen, Alten im Gazastreifen. Ein Frieden ist nicht in Sicht...

Tergit selbst übersiedelte 1938 mit ihrer Familie nach England.
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