Unsere Verstrickungen in kapitalistische Strukturen scheinen unauflösbar, sind aber zugleich fragil und angreifbar. Denn sie sind weder naturgegeben noch konstant, sondern stets krisenhaft und in Bewegung. Gemeinsam können wir sie zerreißen und Fäden gegenseitiger Unterstützung knüpfen. Wir finden sie in unseren Freund_innenschaften, Communities und sozialen Bewegungen. Dieser Band versucht in 18 akademischen, künstlerischen und aktivistischen Beiträgen die kapitalistischen Fadenfänge zu benennen und zu kritisieren. Er schafft widerständige Räume, in denen die Fäden neu verknüpft und nicht-kapitalistische, solidarische Beziehungsweisen erkundet werden
Die Sichtweise oder der Fokus auf verschiedene Praktiken und ihre Verbundenheit im Kapitalismus zu analysieren fand ich direkt spannend. Ich hatte bis hierhin kein anderes Buch entdeckt, dass sich in so umfangreichen Maße damit auseinandersetzt.
Es gibt einzelne Texte, die definitiv herausstechen, da sie enorm treffsicher und fokussiert formuliert sind. Sie tragen eine gewisse Schlichtheit mit sich, die sich ausschließlich auf die gewählte Perspektive konzentriert. Das hat mir bei anderen Texten wiederum gefehlt, sodass für mich manchmal auch die „Tiefe“ von Texten darunter leidet.
Mir hat die Durchmischung von Textarten und Schreibweisen gefallen, ebenso, dass Worte mittels Unterstreichung nochmal aufgegriffen und erklärt werden. Mir zeigt das ein gewisses Mitdenken von verschiedenen Bedürfnissen, welches ich noch häufig vermisse in linkspolitischen Kreisen.
Ich würde Teil 2 auf jeden Fall trotzdem kaufen, für neue Perspektiven und den Mut sowie die Innovation auf diese Schnittstelle aufmerksam zu machen.
Das Buch bietet viele spannende Perspektiven auf Beziehungsweisen im Kapitalismus. Einiges davon war für mich neu, hat mir neue Denkanstöße gegeben und mich gelehrt. Ein paar Texte waren etwas kompliziert, aber durch die Mischung unterschiedlicher Textformen war das völlig in Ordnung. Eine sehr gelungene Zusammenstellung eines Sammelbandes!
Der einzige Text, bei dem ich mir ein bisschen mehr Tiefe bzw. Gegenentwürfe gewünscht hätte, war der zum Wohnen abseits der Hetero-Kernfamilie (oder WG oder alleinlebend).