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Die Gräfin

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Die Begegnung mit einem feindlichen Piloten, der 1944 vor der Hallig Südfall abstürzt, löst in der dort zurückgezogen lebenden, achtzigjährigen »Hallig-Gräfin« verzweiflungsvoll-ambivalente Gefühle aus. Zwischen den beiden entsteht allen Widerständen zum Trotz ein zerbrechliches Band.

Atmosphärisch und voll untergründiger Spannung erzählt Irma Nelles in ihrem späten Romandebüt die Geschichte der historisch verbrieften Gräfin, um die sich heute noch Mythen und Geheimnisse ranken.

154 pages, Kindle Edition

Published August 19, 2024

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About the author

Irma Nelles

3 books
Irma Nelles ist die Tochter eines altkatholischen Priesters.
Sie wuchs auf der Insel Nordstrand auf und war lange Jahre Büroleiterin für den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein.

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Displaying 1 - 19 of 19 reviews
Profile Image for auserlesenes.
364 reviews17 followers
September 18, 2024
Es ist August im Jahre 1944 auf der deutschen Hallig Südfall, als der englische Pilot John Philip Gunter mit seinem Aufklärungsflieger eine Bruchlandung in der Nähe hinlegt. Der verletzte und bewusstlose Kriegsfeind wird von Diana Gräfin von Reventlow-Criminil, der mehr als 80 Jahre alten Hallig-Bewohnerin, im Wattenmeer gefunden. Zusammen mit ihrem Angestellten rettet sie den jungen Fremden vor der Flut und bietet ihm Unterschlupf. Doch was soll nun geschehen?

„Die Gräfin“ ist der Debütroman der Autorin Irma Nelles, die im Jahr 2024 kurz vor der Veröffentlichung verstorben ist.

Die Struktur des Romans wirkt logisch und durchdacht: Auf einen Prolog folgen sechs Teile, die identisch sind mit sechs aufeinanderfolgenden Tagen. Erzählt wird in chronologischer Reihenfolge in auktorialer Perspektive. Die Handlung spielt auf der Hallig und auf Nordstrand.

Der autofiktionale Roman basiert auf historischen Ereignissen und schildert den Absturz eines englischen Kampfpiloten nahe der Hallig Südfall. Darüber hinaus stellt er das Leben von Diana Gräfin von Reventlow-Criminil vor. Eine schöne Idee.

Das Personal der Geschichte ist umfangreicher als vermutet. Neben dem Fremden tauchen mehrere Einheimische auf. Die als „Hallig-Gräfin“ bekannte Persönlichkeit ist allerdings die zentrale Figur des Romans. Eine eigenwillige, aber durchaus interessante Figur, die einer näheren Betrachtung würdig ist. Ihre Vergangenheit und ihr Charakter werden recht ausführlich dargestellt. Die fundierte Recherche der Autorin wird an diesen Stellen immer wieder deutlich. Leider werden diese biografischen Hintergründe sowie andere historische Fakten größtenteils in realitätsfernen und langweiligen Dialogen beziehungsweise ungelenken Nebensätzen untergebracht.

Ohnehin sind Sprache und Schreibstil das große Manko des Romans. Wiederholungen in den Formulierungen und Wörter aus dem Beamtendeutsch wechseln sich ab mit dem Vokabular eines Groschenromans und Widersprüchlichkeiten. Eine klare stilistische Linie ist nicht erkennbar. Ein strengeres Lektorat hätte dem Text gutgetan. Lediglich die atmosphärischen und anschaulichen Naturbeschreibungen sowie die authentischen Zitate aus dem Plattdeutschen sind besonders gelungen.

Auch in inhaltlicher Sicht hat der Roman Schwächen. Die eingebaute Liebesgeschichte kommt wenig glaubhaft daher. Auf den nur knapp 170 Seiten werden mehrere spannende Fragen aufgeworfen und mögliche Querverbindungen und Zusammenhänge angerissen. Das abrupte, sehr offene Ende greift die meisten dieser Fäden jedoch nicht auf, überlässt zu viel dem Ungefähren und lässt mich ratlos zurück. Insgesamt wirkt der letzte Teil des Romans auf mich fast fragmentarisch.

Die Stimmung des Romans nimmt das sehr ansprechende, aber unaufgeregte Cover auf hervorragende Weise auf. Der prägnante Titel ist, streng genommen, nicht ganz korrekt, da die Protagonistin nicht mehr adelig sein kann.

Mein Fazit:
Mit „Die Gräfin“ hat Irma Nelles einer interessanten Persönlichkeit einen Roman gewidmet, der mich auf inhaltlicher und sprachlicher Ebene nicht in Gänze überzeugen konnte. Leider schöpft die Geschichte ihr volles Potenzial nicht aus.
Profile Image for Jennifer.
47 reviews7 followers
September 22, 2024

"Die Gräfin" ist ein kleiner Roman, der einen direkt in seine Geschichte zieht.
Inmitten der deutschen Nordseeinseln, umgeben von Salz, Wind, den Tiden und den pragmatischen, anspruchslosen friesischen Menschen sitzt eine alte Gräfin. Diese macht sich zwar nichts aus dem Tamtam um ihren Stand als Gräfin und kommt ohne viel Schnickschnack aus. Bis ein englischer Pilot auf einer Sanbank vor ihrer kleinen Insel und damit in ihr Leben bruchlandet. Statt es zu melden (es ist 1944 und insbesondere als Frau mit britischen Verwandten steht sie nicht auf Seiten Hitlers sondern erhofft endlich vom Ende des Krieges durch BBC und den Seefahrer-Flurfunk zu erfahren), nimmt sie den Piloten bei sich auf und versteckt ihn.
Mit der Ankunft Piloten taucht auch in der Gräfin die Sehnsucht nach einer jüngeren Version von sich selbst auf. Vielleicht sogar die Hoffnung auf eine Romanze?

Insbesondere über das eingebaute Plattdeutsch habe ich mich persönlich beim Lesen gefreut.

Mein einziger Kritikpunkt an dem Buch ist der unvermittelte Schluss. Es wirkt so, als wäre mitten in der Handlung einfach abgebrochen worden und lässt die Leser*in doch mit einigen Fragen zurück.


Nachtrag:
Was ich beim Lesen von „Die Gräfin“ nicht wusste: dieser Roman beruht auf einer wahren Begebenheit. Die Gräfin hatte sich tatsächlich von ihrem Nazi zugewandten Bruder distanziert und wohnte auch deshalb eher bescheiden auf der kleinen Nordseeinsel.
Auch den Piloten gab es wirklich. Auch wenn wohl nicht so viele Details bekannt sind und das Buch natürlich viel spekuliert und dazu dichtet, bleibt es im Kern eine wahre Geschichte.

Leider hat die Autorin die Veröffentlichung ihres Romans nicht mehr erleben können.
Profile Image for Vicky.
284 reviews32 followers
September 13, 2024
“Am Horizont glitzerte Südfall im nassen Watt wie ein Kleinod auf Silberpapier. Je näher sie kamen, desto besser waren der dunkelgraue Schlick der Halligkante und die Wasserfarben zwischen vor Hitze ausgetrockneten Salzwiesen zu erkennen; und überall der dichte Teppich mit abwechselnd hellem, dann dunkleren, rosarot oder violett blühendem Strandflieder”. (S. 61)

“Die Gräfin” von Irma Nelles ist mit 169 Seiten wahrlich kein langes Lesevergnügen. Aber dafür ein umso intensiveres. Wie man schon an dem obigen Zitat erkennen kann, schreibt hier eine Person, die hier verwurzelt und der das Watt seit frühester Kindheit in Fleisch und Blut übergegangen ist. Die Autorin wurde 1946 auf Nordstrand geboren und ist auch dort aufgewachsen. Irma Nelles’ kondensierte Prosa atmet die Flora und Fauna dieses einmaligen Landstrichs, der so eigenwillig und abgelegen ist wie die Geschichte, die uns in “Die Gräfin” erzählt wird und die sich so wohl nur hier abgespielt haben könnte.

Die Handlung spielt an 6 Tagen im Spätsommer auf der Hallig Südfall und der angrenzenden Insel Nordstrand im Wattenmeer. Der zweite Weltkrieg liegt in seinen letzten Atemzügen und man munkelt bereits, dass der Krieg für die Deutschen verloren ist. Für die pazifistische Gräfin Diana von Reventlow-Criminil, die tatsächlich existiert hat (Lebensdaten 1863-1953), ist dies eine gute Nachricht. Die alleinstehende und freiheitsliebende Adelige lebt bereits seit 34 Jahren auf Südfall. Auf dem einzigen Anwesen des Eilandes leben mit ihr nur ihr Angestellter Maschmann, ein kauziger Nordfriese um die fünfzig und Meta, eine junge Frau, die sie nach dem Tod von deren Eltern als “Kostkind” aufnahm und die der alten Damen nun den Haushalt führt. Dieses ruhige Leben in der Einsamkeit des Meeres wird jäh unterbrochen, als der englische Kampfpilot John Philip Gunter auf dem Eiland abstürzt. Die Gräfin handelt sofort und lässt den verletzten Mann von Maschmann in ihr Zuhause schaffen, wo sie und Meta ihn gesund pflegen. Dies muss aber unter höchster Geheimhaltung geschehen, dann einen Feind zu unterstützen galt als Hochverrat. Doch der Aufenthalt des Bruchpiloten löst nicht nur Angstgefühle aus, im Gegenteil…

Generell habe ich immer eine große Scheu vor Romanen, die während des zweiten Weltkriegs in Deutschland spielen, da mich das Ganze doch immer sehr mitnimmt. Bei diesem Werk ist die Zeitgeschichte nur wie durch einen Schleier präsent. Die Gräfin verhilft - so wird es angedeutet - zahlreichen Menschen zur Flucht, verfügt sie doch durch ihren adeligen kosmopolitischen Stammbaum (sie ist halbe Schottin, ihr Bruder hat eine Engländerin geheiratet) durch zahlreiche Kontakte in alle Welt. Auch der Nordstrander Inselarzt Braack, der sich um den Verletzten kümmert, äußert oftmals in der Dorfkneipe seinen Unmut über das Naziregime.

Würden nicht die traurigen Schlagworte des zweiten Weltkriegs bzw des dritten Reiches wie Gestapo etc. durch die Handlung geistern und würde es sich statt eines Kampfpiloten um einen schiffbrüchigen Marineoffizier handeln, so könnte man meinen, ein Werk des 19. Jahrhunderts vor sich zu haben. Die Personen und ihre abgeschiedene Lebensweise mitten im Meer wirken wie aus der Zeit gefallen. Und stellenweise könnte man wirklich denken es mit einer Novelle von Theodor Storm und bei der Gräfin mit einer von Fontanes starken Frauenfiguren zu tun zu haben. Die Kennzeichen der klassischen Novelle kann man jedenfalls allemal abhaken: Eine “unerhörte Begebenheit” (Absturz der Piloten), eine überschaubare Anzahl an handelnden Figuren und die klassische Struktur. Als Leitmotiv würde ich das Flugzeug bezeichnen. Ich mochte die chronologisch-lineare Erzählweise sehr, da sie einen erholsamen Kontrast zum heute modernen “chaotischen” Erzählen darstellt. Vielleicht sollte noch darauf hingewiesen werden, dass Maschmann, den ich als Figur sofort ins Herz geschlossen habe, meist Plattdeutsch spricht und dass das für Unkundige schwer zu lesen ist.

Während ich sonst immer schnell dabei bin, Längen, Redundanzen und eine überambitionierte Seitenzahl in Romanen zu kritisieren, muss ich hier tatsächlich sagen, dass mir das Buch zu schnell vorbei ging. Kaum hatte man sich an die Charaktere gewöhnt und eine Beziehung zu ihnen aufgebaut, haben sie einen auch schon wieder verlassen. Dieses Gefühl der Wehmut, die sich angesichts des abrupten Endes einstellt, spricht aber für das Buch. Die Geschichte der Hallig-Gräfin ist so absonderlich und interessant, dass ich gerne noch viel mehr Lesezeit in diese Figur investiert hätte.

“Die Gräfin” ist ein melancholisches Buch über die Unbarmherzigkeit der Zeit und die Unmöglichkeit, seiner eigenen Chronologie zu entkommen. Für alle, die gern ruhigere Bücher mit einem überschaubaren Personal lesen und sich für das Leben auf einer Hallig interessieren, ist dieser Roman der leisen Töne genau die richtige Lektüre.
Profile Image for Karola.
812 reviews7 followers
December 4, 2024
Wirkung wie bei einer unvollendeten Geschichte – leider.
Das Cover zeigt einen Reiter in nebliger Wasserlandschaft zwischen den Gezeiten – sehr stimmungsvoll, passend zu den Landschaftsbeschreibungen im Buch. Über sechs Tage im August des Kriegsjahres 1944 erzählt der Roman vom Alltagsleben dreier Menschen und einigen Tieren auf der Hallig Südfall: Diana Henriette Adelaide Charlotte Gräfin von Reventlow-Criminil, ihre junge Haustochter Meta Olsen und Knut Maschmann, Allround-Handwerker unterwegs mit nordfriesischem Dialekt. Durch den Absturz des fabrikneuen einmotorigen Beobachtungsflugzeugs Taylorcraft Auster V mit dem ohnmächtigen Piloten John Philip Gunter, Officer der Royal Air Force, kommt Bewegung in das stille, malerische Inselleben. Während die Gräfin ihn nicht nur vor der Gestapo und ihren Spionen versteckt, erzählt sie diffus von diversen, chronologisch ungeordneten Erinnerungen aus ihrem interessanten Leben. Mittlerweile über achtzig Jahre alt, unterhält sie immer noch ein Netz von Fluchthelfern zusammen mit einigen Fischern, Knut, seinem Freund Sönke Sönksen, dem Briefträger und dem Arztehepaar Braack. Der Schreibstil gefällt besonders durch bildliche Landschaftsbeschreibungen. Die kantige Figur von Knut Maschmann in seinem Dialekt überzeugt charakterlich am meisten.
Leider endet mit dem sechsten Tag der Roman abrupt, wirkt unrund, mit offenem Ende. Schade!
74 reviews4 followers
August 19, 2024
Gräfin Diana

In ihrem Romandebüt "Die Gräfin" webt Irma Nelles eine kurze Erzählung rund um Diana von Reventlow-Criminil. Die mittlerweile achtzigjährige Gräfin lebt zurückgezogen auf der Hallig Südfall, ihrer Wahlheimat, wo sie vom Zweiten Weltkrieg weitestgehend unbehelligt bleibt. Im Sommer 1944 jedoch stürzt der englische Pilot John Philip Gunter während eines geheimen Flugauftrags ins Wattenmeer. Die Gräfin quartiert den Verletzten bei sich ein, versteckt ihn, wohl wissend, dass es ein schweres Vergehen ist, einen Feind zu beherbergen. Dank Dianas Englischkenntnissen findet sie schnell Zugang zu dem fremden Piloten, und ihre gemeinsamen Interessen verbinden sie miteinander. Jedoch sind sie unfähig, einander vollends zu vertrauen. Und auch an Dianas Hausbediensteter Meta findet der Pilot gefallen.
Wie dem Autorentext zu entnehmen ist, waren Anekdoten über die Gräfin Diana in Irma Nelles‘ Kindheit keine Seltenheit. Nun hat die Autorin ihr ihren ersten Roman gewidmet, ebenso hat sie die auftretenden Figuren nach realen Vorbildern gestaltet. Wahre Begebenheiten zu beschreiben, das scheint der Autorin zu liegen, denn vor allem in der Ausarbeitung der Protagonisten kann der Roman überzeugen. Diana als Heldin ist in vielerlei Hinsicht interessant. Auf der einen Seite sehnt sie sich nach Zurückgezogenheit, verbarrikadiert sich auf ihrer Hallig vor der Außenwelt. Sie verbringt ihre Tage lieber mit ihren Büchern, als mit ihren Mitmenschen. Gleichzeitig ist sie jedoch voller Empathie und setzt sie sich für Verfolgte ein. Trotz aller Gefahren verhilft sie Flüchtlingen nach Dänemark, um sie vor den Nazis zu retten. Ebenfalls gut gelungen sind der Autorin Dianas Bedienstete. Maschmann zum Beispiel, der im Gegensatz zu seiner Arbeitgeberin aus armseligen Verhältnissen stammt und seit seiner Jugend hart schuften musste. Erst bei ihr auf der Hallig ist er zufrieden mit seinem Leben, denn er fühlt sich wertgeschätzt und gerecht behandelt. Dass er ausschließlich plattdeutsch spricht, stellt jedoch die Nervenstärke des Lesers auf die Probe.
Während die Charaktere und ihr Beziehungsgeflecht gekonnt umgesetzt werden, lässt die Erzählweise jedoch auf eine gewisse Unerfahrenheit schließen. Vor allem zu Beginn hat die Autorin sichtlich Mühe, die Geschichte in Gang zu bringen und die Figuren in die Handlung einzuführen. Wenig galant wird die Wesensart der Figuren gleich bei ihrem ersten Auftreten umfänglich beschrieben, anstatt ihre Eigenschaften durch ihr Verhalten im Fortlauf der Handlung zu illustrieren. Zudem wirkt der Schreibstil insgesamt unausgereift. Die Autorin ist um eine präzise Sprache bemüht, allerdings fehlen dabei häufig fließende Übergänge zwischen den Sätzen, die dadurch teilweise wie lieblos aneinandergereiht wirken. Hier wird viel Potential verschenkt. Nicht auszudenken, was dieser kurze Roman leisten könnte, wenn er besser geschrieben wäre.
Hinsichtlich des Themas und der Protagonisten ist "Die Gräfin" trotzdem ein charmanter kleiner Roman. Auch die Länge ist von knapp 160 Seiten ist gut gewählt. Diese Geschichte auszudehnen hätte nur geschadet.
Profile Image for Kerstin.
99 reviews2 followers
August 16, 2024
August 1944. Auf der nordfriesischen Hallig Südfall lebt Diana Henriette Adelaide Charlotte Gräfin von Reventlow-Criminil zusammen mit Knut Maschmann, der sich um Haus und Hof kümmert und Meta Olsen, der jungen Haustochter in einem Landhaus auf einer Warft. Es geht dort recht einfach zu, alle, auch die Gräfin, packen mit an, damit es Mensch und Tier auf der Hallig gut geht.

„Das ihresgleichen sie deshalb für eine exzentrischen, vom Leben enttäuschen Blaustrumpf hielten, störte sie nicht. Im Gegenteil.“ (S.16)

Die adelige Dame unbestimmt hohen Alters hat sich vor langer Zeit für dieses zurückgezogene Leben entschieden und nun ist es ein Ort, an dem sie, Meta und Knut weitestgehend vom Krieg verschont bleiben.

Eines Tages entdeckt Diana auf einer Sandbank ein abgestürztes englisches Flugzeug.
Der Pilot John Philip Gunter sitzt noch im Cockpit, gemeinsam mit Knut bringt Diana den Verunfallten in ihr Haus.
Dort wird er gepflegt, bald geht es ihm besser und es stellt sich die Frage, wie es weitergehen wird.

„Angst vor dem Feind beflügelt die Fantasie“, meinte John daraufhin und fragte sich, wer wem eigentlich weniger geheuer war – er den drei Halligbewohnern oder war es umgekehrt?“ (S.110)

Wer ist Freund, wer Feind, wer Fremder?

„Er ist schließlich unser Feind.“
„Aber nein doch“, sagte Diana. „Er ist ein Fremder! Aber vor einem Engländer müssen wir uns wirklich nicht fürchten.“ (S.32)

Hat Diana mit dieser Aussage recht?

Irma Nelles erzählt gut lesbar und spannend die fiktive Geschichte der Hallig-Gräfin, einer realen historischen Persönlichkeit, um die sich viele Geheimnisse ranken, u.a. die, dass sie im Krieg einen britischen Piloten versteckt haben soll.

Wenn die Autorin von der Hitze und der drückenden Wärme schreibt, dann sieht man die flirrende, dunstige Luft vor sich. Die Beschreibung der Charaktere ist großartig, sei es der wortkarge Maschmann, die fröhliche Meta und erst recht die souveräne Gräfin.
Ganz besonders hat mir gefallen, dass in dem Buch immer wieder plattdeutsch gesprochen wird, wodurch sich Szenen beim Lesen sehr realistisch angefühlt haben.

Die knapp 170 Seiten erzählen von einem Zeitraum von 6 Tagen. Es ist brisant einen Briten zu verstecken, die handelnden Figuren sind sich der Situation bewusst und die Spannung ist zum Greifen nah, auch wenn die Geschichte ruhig und gelassen erzählt wird.
Zwischendurch gibt es immer wieder leichte und schöne Momente, voller Sterne und Mondlicht, ebenso ein bisschen Aberglaube, wie die Erzählung von den Wittfruun.
Ich habe das Buch auch als Hommage an die Menschen in diesem Teil des Landes empfunden.

Es ist keine Geschichte vieler, aber kluger Worte:

„In Zeiten wie diesen, fand er, wurde, egal ob hoch- oder plattdeutsch, ohnehin viel zu viel und viel zu laut gesprochen. Von Leuten, die früher rein gar nichts zu sagen hatten und nun auf einmal das große Wort führten. Mit Wörtern um sich warfen, die kein Mensch hören wollte.“ (S.21)

Ich habe „Die Gräfin“ gerne gelesen, die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ein wunderbares Buch!
90 reviews
September 2, 2024

Noblesse oblige

Ein Pilot der britischen Air Force und eine alte Lady. Wunderschöne Ausgangssituation für einen spannenden Roman, der allem Anschein nach auf Tatsachen beruht. Das Buch führt uns in die Atmosphäre einer norddeutschen Hallig gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, genauer, Ende des letzten Kriegssommers in Deutschland. Es war die Zeit, in der der gesunde Menschenverstand die Hitler-Hysterie abzulösen begann, als in einigen Menschen Zweifel über den Endsieg wach wurden, als nicht nur in den zerbombten Großstädten Fragen aufkamen. Irma Nelles aber stellt die Bewohner dieser norddeutschen Gegend als allesamt der deutschen Résistance angehörend dar, nur ein paar Männer laufen vereinzelt mit zackig gehobenen Arm und versuchen die „Deutsche Ordnung‘“ mittels Erschießungskommandos aufrecht zu erhalten. Das kommt mir schwer zu glauben. Es ist wie in Wien, als nach dem Zusammenbruch niemand Hitler beim Einmarsch zugejubelt hat, die Straßen Wiens waren quasi leer, keine Euphorie und Hysterie zu sehen. Es klingt nicht plausibel. Ich kann das nicht nachvollziehen. Weder Wien, noch Norddeutschland.
Mit Feingefühl und stilsicherer Feder zeichnet Nelles den Eingang des britischen Piloten John Philip Gunter in diesen fast schon geschlossenen idyllischen Kreis von Menschen auf der Hallig. Misstrauen schlägt einem anfangs entgegen von beiden Seiten, jedoch ist es für die Gräfin von Reventlow-Criminil und ihr Entourage nie die Frage den Piloten den Behörden zu übergeben. Langsam fassen sie Zutrauen zueinander, kommen sich näher. Gespräche, Blicke, Gesten vermitteln uns den Eindruck, dabei zu sein. Der Stil ist fast schon filigran zu bezeichnen. Die Dialoge, mal in Deutsch, mal in Plattdeutsch, aber nie so, dass bayrische oder schwäbische Leser nicht mitkommen könnten, lässt die Szenen lebendiger und wirklichkeitsnah wirken.
Das Ende des Buches ist quasi offen, endet eigentlich ziemlich abrupt mit einem höflichen Handkuss. Als ob Nelles die Seiten ausgegangen wären oder der Verlag ihr nicht mehr gestattete, oder die Druckerei das letzte Kapitel unterschlagen hätte. Schwer zu glauben. Nur aus dem Prolog können wir erahnen, dass jemand die Hallig verlassen wird in einem Flugzeug.
Schade, ich hätte gerne mehr und weiter gelesen, wie es zum Abflug ins sichere Ausland dann letztendlich kam.


Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
August 18, 2024
1944, als Diana Henriette Adelaide Charlotte von Reventlow-Criminil bereits über 80 Jahre alt ist, stürzt im Watt nahe der Hallig Südfall ein britischer Kampfpilot ab. In Sichtweite liegt die Ausgrabungsstelle Utlande, an der Überreste von Rungholt gefunden wurden. Diana reitet ins Watt, samt Gewehr, Fernglas und begleitet von ihrem Hund. und findet den schwer verletzten Piloten im Wrack seiner Maschine vor. Die Taylorcraft Auster V. liegt wie auf dem Präsentierteller und der Pilot muss bei seiner Entdeckung fürchten, aufgeknüpft zu werden. Diana verfügt über einen Hof auf der benachbarten Insel Nordstrand und beschäftigt auf ihrer schlichten Hallig außer der schon reiferen Haustochter Meta als Kutscher und Mann für alles Knut Maschmann. Maschmann und Diana sind sich einig, weder den Deutschen noch den Briten kann dieser Fund gefallen. Die Maschine muss bei auflaufendem Wasser sofort in die Scheune gebracht und der Pilot versteckt werden. Mitten im Krieg und in einer Region, in der jede Regung über große Distanzen beobachtet werden kann, wird der ungebetene Gast nicht lange unentdeckt bleiben. Nicht nur Dianas Freiheit, nach ihrer Fasson zu leben, wäre in Gefahr, sondern auch Maschmann (warum ist er eigentlich nicht zur Wehrmacht eingezogen?) hätte einiges zu verlieren, wenn die Behörden auf ihn aufmerksam würden. Die familiär bestens vernetzte Gräfin, die mehrere Sprachen spricht und intensiven Briefverkehr pflegt, hat jedoch weitere Verbindungen, die durch den Fremden empfindlich gestört werden könnten. So treffen wir, sich gegenseitig misstrauisch beäugend, die Gräfin und Meta bei Tisch mit John Philip Gunter, der behauptet RAF-Pilot zu sein. Dabei wollte Diana nichts weiter als von politischen und familiären Stürmen unbehelligt hier ihren Garten bestellen.

Fazit
Irma Nelles schalkhaft erzählter Roman bezieht sich auf die reale Gräfin von Reventlow-Criminil (1863-1953), der man das überlieferte Abenteuer im Watt durchaus zutrauen kann. Mit plattdeutschen Dialogen und atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen ein Lesevergnügen, in das ich gern länger eingetaucht wäre. Leider verlaufen sich einige Handlungsfäden, so dass u. a. unklar bleibt, was Dianas nächtliche Rezitationen zu bedeuten haben.
Profile Image for Luisa.
283 reviews
September 12, 2024
Die Halliggräfin Diana von Reventlow-Criminil ist eine schon fast legendäre Figur der schleswig-holsteinischen Geschichte. Mit ihrem unangepassten, eigenwilligen Charakter und ihrem der Gesellschaft abschwörenden Lebensstil bietet sie die Grundlage für zahlreiche Anekdoten und Erzählungen. Nachdem Florian Knöppler für seinen im vergangenen Jahr erschienen Roman „Südfall“ bereits die Rettung eines englischen Piloten im Wattenmeer während des Krieges durch die Halliggräfin als Ausgangspunkt seiner Erzählung nahm, widmet sich nun Irma Nelles ausführlich der Begebenheit und vor allem der schillernden Persönlichkeit und Biographie der bekannten Gräfin.

Nelles‘ Roman besticht besonders durch die Schilderungen der unvergleichlichen Halliglandschaft und des Wattenmeers. In der Kategorie „Atmosphäre“ verdient der Roman Höchstnoten. Ohne zu dick aufzutragen gelingt es der Autorin Hitze, flirrendem Licht und Wolkenbergen nachzuspüren, gleichzeitig aber auch die Naturgewalten zu entfesseln, denen die Hallig immer wieder ausgesetzt ist. Neben diesem sehr überzeugend gezeichneten Setting ist auch die Darstellung der Halliggräfin überaus gelungen. Immer wieder flicht die Autorin Begebenheiten und Ereignisse aus der Vergangenheit Dianas ein. Man erfährt viel Interessantes über die Historie des Gutes Emkendorf und der Adelsfamilie der Reventlow-Criminils, diese Einblicke sind wiederum überaus elegant an das Auftreten und die Figur der Halliggräfin während des Zweiten Weltkrieges gebunden. Aber Diana von Reventlow-Criminil ist nicht die einzige gut konzipierte Figur des recht kurzen Romans, auch das Arztehepaar wird umfassend und authentisch gezeichnet. Im Gegensatz zu diesem bleiben jedoch der englische Pilot und das Dienstpersonal der Gräfin eher blass.

Die Story selbst leidet etwas unter einer gewissen Ereignislosigkeit. Bei aller eigentlich gegebenen Dramatik passiert recht wenig bis nichts. Die Figuren leben alle eher nebeneinander her und bespiegeln sich hauptsächlich selbst, es findet – außer der erwartbaren obligatorischen Liebeshandlung, auf die sogar ich als bekennende Romantikerin in diesem Fall sehr gut hätte verzichten können – kaum eine nennenswerte Interaktion zwischen den Figuren statt. Die Bedrohung, der sich die Gräfin mit der Beherbergung des Piloten aussetzt, schwebt allenfalls diffus am Horizont, denn letztlich zieht das gesamte Personal des Romans an einem Strang. Auch das Ende hat mich leider, obwohl ich offene Ausgänge sehr schätze, nicht begeistert. Es kam für meinen Geschmack zu abrupt und unter Zuhilfenahme einer auf den letzten Metern eingeführten Figur. Da hatte ich mir einfach mehr erhofft. Auffällig waren für mich auch einige logische Unstimmigkeiten im Handlungsablauf und auf der Figurenebene. Dialoge setzten z.B. Inhalte voraus, die die andere Figur nicht wissen konnte oder bei der Figurenbeschreibung genannte Aspekte fanden sich in der Handlung nicht wieder.

So bleibt „Die Gräfin“ ein schöner Roman mit Nordseeluft und viel plattdeutschem Lokalkolorit, das mir persönlich sehr viel Freude gemacht hat (ich weiß nicht, wie das für Leser ist, die kein Plattdeutsch verstehen), der aber für meinen Geschmack in zu ruhigen Bahnen lief angesichts des historischen Kontexts.
Profile Image for Steffi.
196 reviews8 followers
September 8, 2024
Der Roman "Die Gräfin" von Irma Nelles spielt auf der abgeschiedenen Hallig Südfall im Jahr 1944. Im Mittelpunkt steht die 80-jährige Gräfin Diana von Reventlow-Criminil, deren zurückgezogenes Leben durch den Absturz eines feindlichen Piloten aufgewirbelt wird.

Obwohl der Krieg tobt, führen die Bewohner - neben Gräfin Diana sind dies die Haushälterin Meta und der Kutscher Maschmann - ein größtenteils friedliches Dasein. Die Autorin zeichnet in ihrem ruhigen und bedachten Schreibstil ein authentisches Bild des kargen und abgeschiedenen Halliglebens umgeben von der rauen Nordsee, das durch die eingeschobenen Plattdeutschen Dialoge noch verstärkt wird.

Vieles wird in diesem mit unter 200 Seiten sehr kurz geratenen Roman jedoch nur angedeutet. Das meiste spielt sich zwischen den Zeilen ab und lässt viel Raum für eigene Interpretationen. Dank des Wechsels der Perspektiven zwischen den einzelnen Protagonisten und einigen subtilen Andeutungen erhalten wir jedoch zumindest kurze Einblicke in die einzelnen Gedankengänge und inneren Konflikte.

Im Grunde ist “Die Gräfin” also ein Roman, den ich gerne gelesen habe. Nur das Ende hat mich etwas überrascht. So abrupt, quasi mitten im Geschehen, kam es für mich vollkommen unerwartet, wirkte dadurch eher unfertig und ließ mich persönlich etwas unzufrieden mit zu vielen offenen Fragen zurück.

Spannend fand ich jedoch, dass die Gräfin eine historisch verbürgte Figur ist, um die sich bis heute Mythen und Geheimnisse ranken.

Fazit: Somit hat Irma Nelles mit "Die Gräfin” ein interessantes Romandebüt geschaffen, das auf unterhaltsame Weise historische Fakten mit Fiktion verwebt und das abgeschiedene Halligleben der damaligen Zeit zum Leben erweckt.
1,049 reviews9 followers
August 14, 2024
Die Gräfin hat gelebt, die Mischung aus Authenzität und Fiktion macht dieses Buch noch einmal mehr zu einem spannenden Roman. Sie ist eine schillernde Persönlichkeit, denn wer lebt sonst mit diesem familiären Hintergrund allein nur mit zwei Angestellten auf einer Hallig. Immer dem Meer und den Naturgewalten ausgesetzt. Was hat sie dazu getrieben das elterliche Schloss zu verlassen aller Bequemlichkeit Adieu zu sagen und einsam mit viel Arbeit zu leben.
Wir lesen nur einen kurzen Zeitabschnitt über das Leben dieser Frau. Es ist 1944 der Krieg wird immer verzweifelter und nun ist ein englischer Pilot nach einem Absturz bei ihr gestrandet Sie rettet sein Leben und hilft ihm. Sie hat eine verschworene Gemeinschaft die nichts mit dem Regime gemein haben.
Der Schreibstil ist eine große Überraschung. Mengenmäßig ist es ein kurzer Roman, aber zwischen den Zeilen steht noch mal ein ganzer Roman. Es ist so dicht geschrieben, so viele Andeutungen, so das man beim Lesen auf die Informationen zurück greifen muss die sich im Laufe der Zeit im Kopf angesammelt haben. Die Beschreibung des Lebens auf der Hallig ist intensiv, die Sprache der Menschen ab und zu auch auf friesisch, macht deutlich was für ein besonderes Leben die Gräfin führt. Sie führt ein Leben gegen den Strom als junge Frau und jetzt im Alter wieder. Nur jetzt in dieser Zeit ist es lebensgefährlich. Das alles wird nur angedeutet, dadurch gewinnt das Buch an Tiefe über die ich noch einige Zeit nachdenken werde.
318 reviews
August 26, 2024
"Die Gräfin" von Irma Nelles ist ein schöner kurzweiliger Roman mit Tiefgang.

Der Engländer John Philipp bricht mit dem brandneuen Beobachtungsflugzeug auf zur feindlichen Grenze, Richtung Schleswig-Holstein. Er muss dort den Zustand der Zustand der deutschen Verteidigungslinie erkunden und wie weit der Bau des Friesenwalls vorangeschritten ist. Doch er stürzt ab.

Währenddessen lebt die Gräfin von Reventlow über den Sommer auf der kleinen Hallig Südfall in relativ bescheidenen Verhältnissen. Doch eines Nachmittags gerät ihr eher langweiliges Leben aus den Fugen, denn sie findet das abgestürzte Flugzeug eines feindlichen Soldaten.

Ab diesen Zeitpunkt beschreibt die Autorin die nächsten 6 Tage von der Gräfin und dem feindlichen Soldaten. So rührend sich die Gräfin allerdings um den Soldaten kümmert, ist die Gefahr von der Gestapo erwischt zu werden allgegenwertig. Dabei werden die Protagonisten sehr authentisch dargestellt und die Story dazu regt wirklich auch zum Denken an.

Das Buch wird in die 6 Tage unterteilt und ist mit seinen 176 Seiten sehr überschaubar, aber nicht weniger Inhaltvoll. Mir hat diese Geschichte rund um den Soldaten wirklich gut gefallen und durch den bildhaften Schreibstil konnte man sich die Schauplätze wirklich gut vorstellen.

Das Buch "Die Gräfin" ist mit seinen 176 Seiten eine gute Geschichte für zwischendurch, welches eine schöne Atmosphäre bietet und mich doch überrascht hat.
Profile Image for Elke Sonne.
525 reviews
August 15, 2024
Eine atmosphärische historische Erzählung

„Die Gräfin“ ist das Debüt der Autorin Irma Nelles über die Hallig-Gräfin Diana von Reventlow-Criminil.

Die Handlung umfasst gerade einmal sechs Tage um August 1944.
Der britische Pilot John Philip Gunter erhält den Auftrag den Zustand der deutschen Verteidigungslinien zu erkunden. Über der nordfriesischen Hallig Südfall stürzt er ab und wird von der inzwischen schon 80-jährige Hallig-Gräfin Diana Henriette Adelaide Charlotte von Reventlow-Criminil entdeckt. Sie lebt dort seit über 30 Jahren sehr zurückgezogen mit ihren Angestellten. John bleibt sechs Tage bei ihr, bis es ihm gelingt, unentdeckt nach Dänemark zu entkommen.

Irma Nelles Schreibstil ist dicht, atmosphärisch und wirkt authentisch, da sie viele Personen aus ihrem Roman selbst erlebt hat. Sie berichtet aus unterschiedlichen Perspektiven, dadurch erhält man einen aufschlussreichen Einblick in die Charaktere, erhält aber auch gleichzeitig ein objektives Bild von ihnen. Leider wird vieles nur angedeutet, was dem Leseerlebnis eine geheimnisvolle Atmosphäre verleiht.

Mir hat dieses Stück Zeitgeschichte, dass sich gerade einmal über eine knappe Woche erstreckt, einen interessanten aber auch ungewöhnlichen Einblick in ein ganz außergewöhnliches Leben in einer schwierigen Zeit gegeben.
28 reviews
October 1, 2024
Impressionistische Skizze
Verweht, verwischt erscheinen die Ereignisse, die das Handlungsgerüst dieses kleinen Textes bilden: eine alte Frau, mit zwei Dienstboten einsam auf einer Hallig lebend, rettet gegen Ende des 2. Weltkriegs einen abgestürzten britischen Piloten. Doch wirklich eindrücklich sind die atmosphärischen Landschaftsschilderungen, die unter Beweis stellen, wie tief vertraut die Autorin mit Watt und Wetter, Wasser und Land, Licht und aller Kreatur ihrer Heimat ist. Will man Kritik üben, so muss angemerkt sein, dass die Charakterisierung der handelnden Personen arg holzschnittartig ausfällt: die Schroffheit der Gräfin, die Treue des Kutschers, die Anhänglichkeit der Haustochter. Der Aufruhr, den das Auftauchen des Fremden verursacht - verbunden mit der absoluten Gefährdung aller Beteiligten - weckt im Bewusstsein der Gräfin ein Kaleidoskop vieler Erinnerungen, Gelegenheit für die Autorin, mit allerlei geschichtlichen und landeskundlichen Kenntnissen zu brillieren. Das Impressionistisch-Skizzenhafte dieser offenbar so bewußt schwebend, verwischt, verweht gehaltenen Erzählung kumuliert in dem unvermittelt abgebrochenen Schluss, der dem Leser keinerlei Auflösung gönnt. Es bleibt vollkommen im Dunkeln, wie sich die Geschicke des Briten, der Gräfin und ihrer unmittelbaren Umgebung als Ergebnis dieser Episode entwickeln.
88 reviews
August 15, 2024
Die Gräfin, von Irma Nelle

Cover:
Ein schönes Cover das super zur Stimmung im Buch passt.

Inhalt und meine Meinung:
Das Buch fängt gut an, der Schreibtil ist flüssig und atmosphärisch. Es wird viel zwischen den Zeilen angedeutet und ich war gespannt welche Geheimisse mich noch erwarten.
Zusammenhänge in der Vergangenheit, irgendwelche Verstrickungen, auch von den Protagonisten?
Doch je mehr es dem Ende zuging, dachte ich mir schon, auf den restlichen Seiten kann ja nicht mehr so viel erklärt werden.
Und dann hört das Buch einfach auf. Ohne dass die Geschichte eiter oder zu Ende erzählt wird.
Ich bin sehr enttäuscht und habe sogar gleich geschaut ob es einen zweiten Teil gibt, aber ich konnte nichts finden.

Autorin:
RMA NELLES ist 1946 geboren und aufgewachsen auf Nordstrand. Sie lebt mit ihrem Mann in einer Kleinstadt bei München und in Griechenland. Viele der im Roman handelnden Personen hat sie selbst erlebt, andere kennt sie aus Erzählungen – wie die Hallig- Gräfin, mit deren Geschichte sie aufgewachsen ist.

Mein Fazit:
Das Buch fängt gut an, doch am Ende ist es wie unvollendet. Nach meiner Meinung fehlen dem Buch insgesamt mindestens noch 100 Seiten.
Deshalb kann ich nur 2 Sterne vergeben.

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228 reviews
August 14, 2024
6 Tage

Die Gräfin ist ein historischer Roman von Irma Nelles. Auf 176 Seiten erzählt die Autorin die Geschichte eines feindlichen Piloten und einer 80-jährigen Gräfin, die gemeinsam 6 Tage auf der Hallig Südfall verbrachten.

Der Hintergrund der Geschichte spielte sich im August 1944 ab, als sich der Zweite Weltkrieg zuspitzte. In dieser Zeit stürzte ein britischer Pilot namens John Philipp Gunter mit seinem Flugzeug ab und stürzte auf der Hallig Südfall in Nordfriesland. Eine 80-jährige Frau und ihre Diener retteten ihm das Leben. Diese alte Frau ist Hallig Gräfin. Während dieser 6 Tage wurde Johns Vergangenheit und die der Gräfin nach und nach klar.

Das Cover dieses Buches ist poetisch und wirkt geheimnisvoll und romantisch zugleich. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut, vor allem die ungeklärten Hinweise im Buch. Für mich ist das ein tolles Leseerlebnis, das sehr interessant ist. Ab und zu taucht ein friesischer Dialekt auf, was die Geschichte noch real und authentisch macht. Die Geschichte verbindet Fakten und Fiktion sehr gut, allerdings ist es schade, dass mir die Geschichte zu kurz ist und ich mehr lesen möchte.
2,277 reviews13 followers
August 20, 2024
Zum Inhalt:
Ein englischer Pilot stürzt mit seinem Flugzeug vor der Hallig Südfall ab, wo die sehr zurückgezogen lebende, achtzigjährige Hallig-Gräfin lebt. Obwohl alles dagegen spricht entwickeln die beide eine Verbindung miteinander.
Meine Meinung:
Mich hat schon das Cover sehr angesprochen, diese sehr zarten Farben und irgendwie kann man sich dort schon hinträumen. Die Geschichte an sich ist sehr ruhig und lebt von der Beziehung der verschiedenen Menschen und entwickelt, obwohl nicht wirklich viel passiert, einen gewissen Sog. Was ich sehr spannend fand, war dass es die Hallig-Gräfin tatsächlich gab und fand es interessant etwas mehr über sie zu erfahren. So richtig rausgefunden, ob es den Piloten auch gab, habe ich nicht, aber am Ende ist es ja auch ein Roman. Das ganze Plattdeutsch im Buch passt zwar zum Buch, fand ich aber ganz schön schwer zu lesen und zu verstehen. Das Ende hat mich ein wenig überrascht.
Fazit:
Überraschende Geschichte
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296 reviews1 follower
October 1, 2024
Eigentlich ein interessantes Thema über eine historische Person, die Gräfin von Reventlow, die auf der Hallig Südfall lebte. Die Geschichte spielt im Zweiten Weltkrieg, wo ein britischer Pilot auf der Hallig abstürzt. Die Beschreibung der Hallig und des Lebens dort, haben mir gut gefallen, denn das ist wirklich atmosphärisch. Die übrige Geschichte war teilweise aber etwas langatmig und nicht besonders spannungsgeladen. Da hätte ich mir mehr Beschreibung der politischen Schwierigkeiten, in die die Gräfin mit ihrer Handlung geraten könnte, gewünscht. Die Autorin, inzwischen verstorben, kannte einen Teil der beschriebenen Personen persönlich, so dass der Roman von der Historizität lebt. Ich hatte mir von dem Thema und der Leseprobe mehr, auch politische Aufarbeitung gewünscht. Das hätte den Roman sehr viel lesenswerter gemacht.
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