Dieses Buch liefert einen Überblick über die Geschichte der Physik zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Fokus liegt dabei auf den Biografien der Physiker:innen, die überraschen oft miteinander verflochten waren. Ich glaube, das war es auch, was ich für mich mitgenommen habe: Die Physiker:innen hatten alle miteinander zu tun. Ich meine, natürlich wusste ich das, theoretisch zumindest. Und es macht ja auch total Sinn: Ich spreche ja auch gerne mit anderen Leuten aus meinem Fach und wenn ich jetzt zum Beispiel die Chance hätte, mit Aleida Assmann oder Margaret Atwood zu quatschen, dann würde ich diese Chance sofort ergreifen. Ich weiß zwar nicht, ob ich einen normalen Satz rausbekommen würde, aber egal. Ich war trotzdem überrascht, hier von persönlichen Diskussionen, Freundschaften und Konkurrenzverhältnissen zu lesen. Viele der Physiker:innen haben davor für mich nur in einer Art Blase existiert, unabhängig von der ganzen restlichen Welt. Jetzt weiß ich, dass das definitiv nicht der Fall war: Die hatten Kontakt zu einander und zum Rest der Welt, hatten Ehen und Affären, haben gestritten und gesoffen. Und die Physiker mal aus diesem Winkel betrachten zu können, war für mich eine schöne Abwechslung.
Deswegen weiß ich auch gar nicht, ob ich dieses Buch als Sachbuch einordnen soll oder nicht doch besser als Biografie. Klar, es geht auch um die wissenschaftlichen Entdeckungen, um Radioaktivität und die Relativitätstheorie und Schrödingers Katze und so, aber das Leben der Physiker:innen steht im Mittelpunkt. Deswegen weiß ich jetzt zum Beispiel auch, dass Schrödinger Gott sei Dank nie Katzenbesitzer war! Um was es sich bei den Entdeckungen genau handelt, wird hier nicht oder nur kurz erklärt. Das war für mich kein Problem, da ich von den meisten Dingen zumindest schonmal gehört habe, falls man aber nach einem Sachbuch sucht, das die physikalischen Phänomene erklärt, sollte man sich wohl nach einem anderen Buch umsehen.
Positiv überrascht hat mich vor allem der Schreibstil. Ich hatte Angst, dass dieses Buch irgendwann recht trocken werden könnte, aber das war Gott sei Dank nicht der Fall. Im Gegenteil: Stellenweise wurde hier das Leben der Physiker:innen auf eine Art beschrieben, neben der so mancher Krimi blass aussieht. Mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist das Ende. Klar, irgendwann muss man eine Biografie beenden, auch wenn einige der Physiker:innen zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sind und nach ihnen auch noch spannende Physiker:innen kommen würden. Allerdings kam das Ende dann meiner Meinung nach doch etwas plötzlich.
Mein Fazit? Super spannend geschriebene Biografie, die ich euch gerne weiterempfehle!