Anton Bruckners (1824 bis 1896) Kompositionen fanden zu seinen Lebzeiten keine Beachtung, sie wurden von seinen Kritikern und Widersachern – allen voran Johannes Brahms – ignoriert, mit Unverständnis abgetan und verunglimpft. Lediglich mit Richard Wagner verband den von Selbstzweifeln geplagten Bruckner eine wenn auch paradoxe und nicht eindeutige Beziehung. Rüdiger Görner versteht es, Leben und Werk des Solitärs Bruckner auf neuartige und erzählerische Weise zu verschränken. Und er zeigt eindrucksvoll, wie das schlichte Leben dieses aus der Provinz stammenden, anarchistischen Biedermanns in eine beeindruckende musikalische Weltläufigkeit mündete und direkt in die Moderne führte.
Anton Bruckner (1824-1896) gehört zweifelsohne zu jenen Komponisten, die der breiten Öffentlichkeit weitaus weniger bekannt sich als Mozart, Beethoven oder Wagner – und das obwohl seine 9 Symphonien mit zu dem schönsten gehören, was die klassische Musik hervorgebracht hat. Anlässlich seines 200. Geburtstags ist bei Hanser nun eine neue Biografie über den etwas verschrobenen, von Selbstzweifeln geplagten und weitgehend isolierten Komponisten erschienen. Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Görner, der zuletzt mit Publikationen über Rainer Maria Rilke, Stefan Zwei und Georg Trakl hervorgetreten ist, wirft in „Der Anarch in der Musik“ einen genaueren Blick auf Bruckners Leben.
Doch was soll ich sagen – meine Enttäuschung über diese Biografie könnte größer nicht sein. Sie ist zunächst einmal unfassbar schlecht geschrieben. Görners Schreibstil kommt sehr lapidar, an manchen Stellen auch zu gewollt lässig daher, was stilistisch einfach nicht zu Person, Zeit und Thema passt. Auch nach 350 Seiten hat man nicht den Eindruck, der Person Anton Bruckner und seinem Wesen wirklich näher gekommen zu sein, denn dafür ist die Biografie zu unpersönlich. Das ließe sich zwar verschmerzen, wenn sie im Sinne einer akademischen Ausrichtung in der Analyse des Werks stark geschrieben wäre. Doch auch in dieser Hinsicht wird dem Leser wenig geboten, wenngleich das letzte Kapitel des Buches, das eine Art kleine Rezeptionsgeschichte Bruckners darstellt, bezeichnenderweise noch der gelungenste Teil des Buches ist.
Ich will nicht bestreiten, dass das Leben Anton Bruckners am Ende so spannend nicht war, als dass es den perfekten Stoff für eine spannende Biografie hätte liefern könnte. Dann hätte „Der Anarch in der Musik“ jedoch gerne kürzer ausfallen oder mehr die Werk-Analyse in den Vordergrund stellen können – so ist es aber nichts Halbes und nichts Ganzes