In einer psychiatrischen Anstalt am Rande Wiens sammelt Primar Siegfried Lobell die spannendsten Fälle. Von seinen Patientinnen und Patienten in Pavillon 44 erhofft er sich Erkenntnisse über das Rätsel Mensch, den eigenartigen Zustand der Welt und über das obskurste Mysterium von allen – sich selbst. Als zwei seiner Patienten verschwinden, macht sich auch Lobell auf in die Wiener Innenstadt. Was er findet, sind jede Menge Verrückte, aber nicht die beiden. Der Besuch Schriftstellerin, die sich in Lobells Pavillon 44 als Gast für eine Rechereche einquartiert, macht die Sache nicht besser …
SAUTNER, Thomas: „Pavillon 44“, Wien 2024 Der Roman spielt in der psychiatrischen Anstalt Baumgartner Höhe am Rande Wiens. Es war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Vorzeigeprojekt des Gesundheitswesens. Es wurde eine kleine Stadt am Rand der Großstadt Wiens im Grünen gebaut. 60 Gebäude, teilweise Villen, eine Kirche und Werkstätten zur Selbstversorgung. Hier wurden die Reichen und die Armen versorgt. Den Pavillon 44, der dem Roman den Namen gab, gibt es nicht. Er ist fiktiv. Es bleibt aber die Anstalt mit all ihren Details. Ich war bei der Präsentation des Buches in einem der Gebäude dabei. So konnten wir Leser sehen, wie die Räume aussahen, in denen die Romanfiguren agierten. Der Autor Thomas Sauter hatte selbst für einige Zeit in der Anlage gewohnt. Er wollte einen Roman schreiben. Es gelang ihm aber nicht, denn – so sagte er bei der Buchvorstellung – „ein Buch muss sich selbst schreiben und das war seinerzeit, als ich hier wohnte, nicht der Fall“. Jetzt viele Jahre später hat sich das Thema bequemt und der Roman wurde geschrieben. Die Berichterstatterin des Romans ist eine Journalistin, die eine Biografie über den Leiter der Anstalt, Primar Lebell schreiben will. Sie bekommt für diesen Zweck ein Gästezimmer in der Anlage. Noch konkreter: im Pavillon 44, in dem die Station des Primars untergebracht ist. Zu Wort kommen die Patienten der Anstalt, die allgemeine Dinge formulieren, wie wir sie in der „realen“ Welt vorfinden. Das männliche Koordinatensystem definiert einer der Patienten so: • Die Kategorie der „Engagierten, Netten, Zuvorkommenden, von dem die Frauen anfangs schwärmen, um ihn später als langweiliges Weichei zu verachten.“ • Die zweite Kategorie sei die der ewigen Buben. „Frauen verlieben sich in ihn, wegen seiner geheimnisvollen Unberechenbarkeit, seines Abenteuerflairs, seiner Machoallüren dann und wann. Später würde er ihnen zu anstrengend, zu egoistisch, erinnerte sie an halsstarrige verwöhnte Einzelkinder.“ • Die dritte Kategorie sei der „Gentlemen mit konservativem Rollenverständnis. Frauen liebten es anfangs, von einem solchen Mann umsorgt zu werden. Letztlich freilich empfänden sie Vereinnahmung, Einschränkung und dass sich der feine Herr, doch etwas zu viele Rechte herausnahm.“ • Die letzte Sorte nannte dieser Patient den „Hybrid Mann. Angetrieben und gleichsam verunsichert vom Wunsch der Frauen nach Mr. Perfect verlören sich immer mehr Männer in einem entsprechenden Komparsendasein, spielen die Rolle, von der sie hoffen, sie verschaffe der Frau und damit auch ihnen den größtmöglichen Nutzen beziehungsweise frustrierte Jahre später. Das seien die gezähmten Männer. Mit ihnen halte die Beziehung am längsten und ende am schmerzlichsten, stürze sie doch abrupt in sich zusammen, wie ein gerade noch solides Kartenhaus.“ (Seiten 198/199) Dabei ist die zentrale Figur, der Herr Primar, ein Single. Er hat eine andere Heilungsmethode als ein Kolleg in der Anlage. Er vermeidet nach Möglichkeit Medikamente, obwohl er selbst seit Jahrzehnten Depressiva-Pillen nimmt. Mit seinem Jugendfreund, dem Wiener Bürgermeister diskutiert er über notwendige Änderungen. „Um für Gerechtigkeit zu sorgen, muss die Regierung die Steuern auf Arbeit senken und jene auf Finanzeinkommen erhöhen.“ (Seite 282) Auch der Kirche müsse man die bestehenden Steuerprivilegien wegnehmen. Da Lebell einen Patienten hat, der sich Jesus nennt und der beweisen wollte, dass er über das Wasser gehen kann. Er wurde unterkühlt aus der Donau gerettet und in die Psychiatrie gebracht. Er ist es, der Lebell auch zum Nachdenken über Gott bringt. Gibt es ihn? Wie? Jesus jedenfalls sucht ihn, seinen Vater. Eine andere Patient behauptete viele Leben bereits gelebt zu haben und viele tausend Jahre alt zu sein. Für sie bringe das Leben keine Neuerungen. Es sei wir mit einer Schachtel, in der nichts anderes sei als wieder eine Schachtel. Und so fort; Schachtel in Schachtel. Auch in der letzten, der kleinsten Schachtel sei Nichts. So sei auch das Leben. Lebell liebte seine Beziehungen zu den Patienten. Als er dann seine Antidepressiva absetzt, wird er ein anderer Mensch. Grundsätzlich hat mir dieser Roman nicht gefallen. Er war sehr einfach „gestrickt“. Simple Themen, wie die Beschreibung von Teilen Wien und Persönlichkeiten der Stadt, die im Roman zwar einen anderen Namen bekamen, aber als Leser wusste man, wer gemeint war. Die Journalistin des Romans dürfte der Autor selbst sein. Man bekam beim Lesen auch das Gefühl, dass der Unterschied zwischen den Irren der Anstalt und den „normalen“ Menschen gering ist. Ob nicht auch die Journalistin des Romans – der Autor selbst – psychische Probleme hat?
Ich habe das Gefühl hier geht es um ein Krankheitsbild von Schizophrenie und alles ist ziemlich wirr. Man kann es gut durchlesen denn der Schreibstil ist super, aber inhaltlich hat es mich leider enttäuscht da es sehr wirr alles war und kaum ein roter Faden.
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Im ersten Drittel ein paar Längen. Durchhalten lohnt sich, es wird gut…nicht in meinen top5 der allerbesten Sautner-Bücher aber lesenswert! Wer eine Mischung aus dem Leben verschiedener Menschen in Kombination mit Psychiatrie und Wien mag, sollte es lesen.
Diesmal hat mich der Autor nicht so abgeholt wie bei einigen seiner anderen Werke, insbesondere Fuchserde oder den beiden alten Männern. Weder haben sich mir die Figuren erschlossen, noch konnte ich mit der erzählten Geschichte viel anfangen. Dass das Buch offenbar auf jahrelanger intensiver Recherche basiert ist interessant, zeigt sich aber nicht wirklich. Meyerhoffs kindliche Eindrücke in die Welt einer Nervenanstalt waren da bedeutend interessanter zu lesen. Stellenweise dennoch durchaus unterhaltsam. Kann man lesen, muß man nicht.