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Tabak und Schokolade

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Nach dem Tod der Mutter findet der Erzähler in einer Schublade ein Album mit Fotos seiner frühen Kindheit, die er auf der Karibikinsel Tri­nidad und Tobago verbracht hat. Als junge Frau hatte sich die Tochter von »Stumpenarbeitern« aus dem Aargau in ein Abenteuer mit einem Tunichtgut der westindischen Oberschicht gestürzt und ein Kind bekommen. Während die übrige Familie bemüht ist, das Gedächtnis an die Jahre der Mutter bei den »Wilden« aus­zulöschen, macht sich der Erzähler auf, diese Geschichte, die auch seine eigene ist, zu retten.
Tabak und Schokolade führt in den tropischen Dschungel einer britischen Kronkolonie der fünfziger und sechziger Jahre. Indem der Er­zähler immer weiter zu seinen indischen Vor­fahren, die als Kontraktarbeiter in die Karibik verschifft wurden, vordringt, legt er nicht nur einen Familienstammbaum, sondern auch ein Stück Kolonialgeschichte frei. Dem gegen­über wird die Erinnerung an das Aufwachsen im »Tabakhaus« der Großeltern im Aargau gestellt und die Annäherung an eine Mutter, die zu Lebzeiten stets unnahbar erschien.

262 pages, Kindle Edition

Published September 10, 2024

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Martin R. Dean

22 books2 followers

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Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Anja Nicolaus.
253 reviews7 followers
September 27, 2024
„Tabak und Schokolade“ ist das zweite der fünf für den Schweizer Buchpreis 2024 nominierten Bücher, das ich gelesen habe.
Anfänglich hat mich die Lektüre nicht sonderlich gereizt. So verständlich es ist, dass sich der Autor nach dem Tod der Mutter aufmacht, die Spuren seiner frühen Kindheit zu suchen und seine Vergangenheit zu erforschen — muss ich als Leserin da unbedingt dabei sein?
212 Seiten später kann ich sagen, dass ich die Lektüre durchaus genossen habe. Dean schreibt schön, anschaulich, eindringlich, mit viel Wärme, Offenheit und mit grosser Toleranz, auch anderen Ansichten und Lebensentwürfen gegenüber. (Seine Ruhe dem hundeschlagenden, rassistische Parolen geifernden neuen Partner der Mutter gegenüber zeugt von extremer Selbstbeherrschung!)
Und ich habe viel gelernt: über einen mir unbekannten Winkel der Welt, über Kolonialismus und wie auch abgelegene schweizer Orte und Firmen in diesen verwickelt sind.
Profile Image for Dunja Brala.
605 reviews47 followers
November 7, 2024
Trinidad und Tobago, das hört sich an wie Sandstrand, Cocktails, Palmen und Steel Drums. Martin R. Dean kann sich daran kaum erinnern. Er hat als sehr kleines Kind eines indisch stämmigen Vaters und einer Schweizer Mutter auf Trinidad gelebt. Entspannt ist das Leben aber nicht, und seine Mutter flieht mit ihm erst nach London und dann in die Schweiz. Dort ist der Junge immer in einer Sonderposition, als Sohn ohne Vater, und vor allem als Kind dunkler Hautfarbe.
Als die Mutter stirbt, ist das einzige was dem Sohn bleibt, ein Familienalbum. Nichts anderes erbt er. Alles geht an die „neue“ Familie seiner Mutter.

Über die Fotos begibt er sich auf Spurensuche. Er reist nach Trinidad, um die Familie seines brutalen und alkoholabhängigen Vaters kennen zu lernen und versinkt in Erinnerungen die er versucht, mit Leben zu füllen. Die Fotografien helfen ihm dabei. Aber auch sein Leben in der Schweiz nimmt er genauer unter die Lupe.

Wir werden akribisch über die Familienverhältnisse informiert. Die Tante, die promiskuitiv war und irgendwann auf dem Abstellgleis landet, lernen wir genauso kennen, wie den immer Zigarre rauchenden Großvater aus dem Aargau. Der Stammbaum am Ende des Buches half zwar ein wenig, doch oft verlor ich mich in den Namen und Verwandtschaftsbeziehungen von Tanten und Coucousinen und entschloss irgendwann, dass mir wirklich egal sein sollte in welchem Verhältnis sie zu Dean stehen. Fragmentarisch reihen sich Erlebnisse und Erinnerung aneinander. Ein Deep Dive in die Migrationsheschichte Trinidads war für mich sehr interessant. Ich wusste nicht, dass die Bevölkerung in einem Großteil aus Nachfahren indischer Kontraktarbeiter besteht. Überrascht war ich, dass Tabak und Schokolade erst in der Schweiz ihren Schwerpunkt in der Geschichte fanden, obwohl es natürlich Bezüge zu den karibischen Inseln gibt.
Der Autor wird nicht müde zu wiederholen, wie sehr er beim Erbe benachteiligt wurde, was verständlich ist, aber bisweilen etwas larmoyant wirkt.
Er konnte gut transportieren, dass die Sonderstellung als einzige POC Einfluss auf seine Entwicklung genommen hat. Ich stelle es mir wirklich schwierig vor, wenn die Identität nur in der Gegenwart zu finden ist und die Vergangenheit eher im Dunkeln bleibt.

Stilistisch pflegt der Autor einen abschweifenden Stil und füttert uns mit einer Menge Informationen. Mir wurde das häufig zu viel, und ich musste mir über einen längeren Zeitraum Kapitel für Kapitel erarbeiten. Dabei gab es immer wieder Ankerpunkte, die mich fesselten, wie zum Beispiel die atmosphäreische Darstellung der Karibik, die Beschreibung der Kolibris oder welche Bedeutung Schokolade in Deans Kindheit hatte, doch alles in allem konnte mich die Biografie des Autors nicht fesseln. Es verschwimmen jetzt schon die Eindrücke zu einer wirren Zuckerwatte die mich nicht satt gemacht hat. Vielleicht ist das für Schweizer Eidgenossen interessanter, da sie einen Teil ihrer Identität, hier wieder finden und sich mit der Geschichte von Rassismus und Kolonialismus auf ihrem Terrain auseinandersetzen können.
Ich empfehle dieses Buch allen, die sich in die Biografie eines Jungen versetzen möchten, der auch heute noch mit seiner Hautfarbe und seiner Familie hadert, und den Ablehnung und Marginalisierung geprägt hat.
Profile Image for Koprophagus.
286 reviews3 followers
January 6, 2025
Eine Spurensuche in die Vergangenheit der eigenen Familie, zur eigenen Herkunft. Als Kind einer Mutter mit deutschen Wurzeln und einem schwarzen Vater von Trinidad und Tobago, welches in der ländlichen Schweiz aufwächst, erfährt Dean von Anfang an Rassismus und ein ständiges Empfinden des Fremdseins. Dazu ein Wegschweigen seiner Herkunft und Identität in der eigenen Familie. Diese Erfahrungen werden gut präsentiert, untermalt mit beitragenden Anekdoten. Der Rassismus und die allgemeine Ablehnung gegenüber Fremden steht dabei im Kontrast zum Profit, der auch die Schweiz - obschon selbst nie Kolonien besitzend und sich daher immer ein wenig rauswindend - durch die Rohstoffe aus Übersee gemacht hat. Sein Grossvater ist sogar selbst in der Tabakindustrie, als "Stumpenarbeiter" tätig gewesen. Diese Heuchelei und Ironie sind von Dean stark portraitiert. Das Buch behandelt generell interessante und wichtige Themen, und gerade der Abschnitt, wo Dean selbst nach Trinidad reist und seine Verwandten aufsucht, mit dieser anderen Welt und Kultur konfrontiert wird, ist spannend dargestellt.

Trotzdem hat mich das Buch ziemlich ernüchtert zurückgelassen. Für so viel Autobiografisches erwarte ich mehr Emotionalität und Positionsbezug. Der Stil ist nüchtern, differenziert und ruhig. Zu simpel und flach werden die Ereignisse erläutert. Das mag für einige Szenen passen, aber so wird auch über den Rassismus geschrieben, die ausgrenzenden Verwandten, den gewalttätigen Vater, die Kolonialgeschichte und die Sklaverei. Vieles wird einfach im Raum ohne Einordnung oder Verurteilung stehen gelassen. Gerade hier hätte ich gerne mehr Persönlichkeit gespürt.

Zudem hätte ich gerne mehr geschichtlichen Hintergrund gehabt. Die sehr interessante Migrationsgeschichte resp. Geschichte im Allgemeinen von Trinidad und Tobago, die Schweizer Tabakindustrie oder der Umgang der Schweiz mit der Kolonialgeschichte werden zwar alle gestreift, aber auch schnell wieder liegengelassen.

Das spiegelt sich auch in den jeweils nur kurzen Ausführungen und Auftritten der vielen Mitglieder in der Familie dar. Nicht umsonst wurde dem Buch ein handgezeichneter Stammbaum hinzugefügt, da all die umherfliegenden Verwandtschaftsverhältnisse unnötig verwirren und den Lesefluss stören, so dass ich schnell an den Punkt kam, an dem mir die einzelnen Personen und ihre Beziehung zueinander egal wurde. Zugleich werden aber gerade bspw. seine Halbgeschwister, die sicherlich auch eine tragende Rolle hätten, erst gar nicht wirklich erwähnt.

Es ist zum einen eine non-fiktionale, recherchierte Familiengeschichte mit historischen Einwürfen - geht dabei aber zu wenig in die Tiefe. Und zum anderen eine Erzählung mit Handlung und Figuren - wobei es dabei aber zu viele Leerstellen hat, zu chaotisch arrangiert und sprachlich zu nüchtern und emotionslos ist. Für mich ist das Buch schlussendlich irgendwo dazwischen, zwei Hälften mit Potential, aber nichts Ganzes.
Profile Image for Barbara Heckendorn.
475 reviews13 followers
November 4, 2024
I read this book for my RL book club. It is on the nominated list for this year's Swiss Book Prize.
It's a kind of biography, a journey of discovery by the author when he finds a photo album after the death of his mother. He remembers his mother's words, even if they were only said in passing, because his origins are hushed up in the Swiss Mittelland and especially in his ‘Swiss family’.
His mother was an au pair in London as a very young adult. That's when she met Dean's father and became pregnant. Dean was born in Switzerland and shortly afterwards travelled with his parents to Trinidad and Tobago, where his father was from. His father's roots are of Indian descent.
In the first part of the book, Dean talks about his first years in Trinidad. How his mother soon separated from his alcoholic father and how she found work on a sugar plantation. She flees back to Switzerland with her son, her ‘second’ husband in tow, who is also from Trinidad and a doctor. In the second part of the book, the story jumps between exploratory visits by Dean, as an adult, to Trinidad. How he gets to know his extended family and his home in Switzerland, where he lived mainly with his grandparents, who gave him support.
Dean also talks about life as a mixed-race man in Switzerland and keeps coming back to his Indian-Caribbean roots.
It is a very lovingly written book that gives an insight into the different cultures, including slavery over several decades.
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
October 9, 2024
Wieder ein biografisches Muttererinnerungsbuch, wieder steht der Autor am Sterbebett und denkt zurück. Wieder sucht der Autor in seiner Vergangenheit die verborgenen Familientabus zu lüften.
Was uns Martin R. Dean hier jedoch vorsetzt ist Kolonialismuskritik, Auseinandersetzung mit den Ursprüngen des westlichen Reichtums aus der Sklavenwirtschaft, Kritik an der weißen Überheblichkeit, Darstellung des engstirnigen Fremdenbashings in der ländlichen Schweiz vom Feinsten.
Der Autor, Kind eines Trinidaders mit indischen Wurzeln und einer Schweizerin mit deutschen Wurzeln, begibt sich auf die Suche nach seinen Wurzeln. Was mir zu Beginn eher banal und immer gleich vorkam, hat mich dann in den Bann gezogen, stilistisch und inhaltlich.
Für den Schweizer Buchpreis ist der Erinnerungsroman nominiert, zu Recht denke ich und wünsche viele Leser:innen.
18 reviews
December 12, 2025
Ich bin begeistert!
Das kann man nicht in Worte fassen, sondern sollte es (vor allem als Schweizer*in) gelesen haben.
Ich habe extrem viel gelernt und dann auch eine Hausarbeit zum Thema Assimilation geschrieben.
Ich muss sagen, da gibt es vieles zu lernen, reflektieren und analysieren.
Muss sagen war schon eine Bereicherung :)
Und es lohnt sich auch sehr die Sternstunde Philosophie mit Martin R. Dean tu schauen.

<3
36 reviews
December 9, 2024
Ein wunderschö sinnlicher Beschrieb über Schokolade. Ansonsten viele Anspielungen auf politische Ereignisse, die im Raum für sich stehen bleiben.
Profile Image for Karolina.
92 reviews
March 30, 2025
Von Wynetal nach Karibik. Von Karibik nach Wynetal. Definitiv habe ich eine Schwäche für die Familiengeschichten aus der Nachkriegszeit.
1 review
August 13, 2025
Spannende Lebensgeschichte.
Mir ein bisschen zu viel „weisch no“-namedropping.

aber: wynental mentioned!
17 reviews
January 19, 2025
Ein Buch zwischen Erinnerung und Ankommen bzw. der Unmöglichkeit, als Sohn eines Vaters aus Trinidad und einer Mutter aus der Schweiz je in einem kleinen Dorf in der Schweiz ankommen zu können.
Leicht wird dieses schwere Thema erzählt, aber nicht banal; erschreckende Abgründe tun sich auf in der Familie des Vaters, jahrhundertelang geknechtet von fremdländischen Kolonialherren, und in der der Mutter, wenngleich ganz andere.
Interessant, wie sich Martin R. Dean hier aber weniger an der Kolonialkritik aufreibt, als vielmehr an der Suche nach seiner Mutter. Hier wird aus der Sicht einer "einheimischen" Frau erzählt, was es sie für bedeutet haben mag, mit einem dunkelhäutigen Kind und Mann in die Heimat zurückzukehren. Und statt die wenigen Spuren, die sie legt, aufschlüsseln zu können, trägt vielmehr das Rätsel um die Mutter einen durch das Buch - gelungen und überzeugend.
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