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Appenzeller Abrechnung: Jock Kobel und die Schatten der Landsgemeinde

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April 1989. Ein historischer Tag. Am kantonalen Abstimmungssonntag treffen sich in Appenzell Ausserrhoden die Männer zur Landsgemeinde. Die ganze Schweiz fragt Werden die traditionsbewussten Appenzeller es richten, oder bleibt es dabei, dass achtzehn Jahre nach Einführung des nationalen Frauenstimmrechts die Frauen hier keine politische Stimme haben? Auf dem Dorfplatz in Hundwil verfolgt die achtzehnjährige Karin Bendel das Spektakel. Eine engagierte junge Frau, die etwas bewegen, sich gegen ihren konservativen Vater behaupten, in die Politik gehen und es den Männern zeigen will! Dreißig Jahre später findet ein Wanderer die Leiche der achtundvierzigjährigen Karin im Wald. Jock Kobel, Teamleiter der Fachgruppe Gewaltkriminalität der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden in Herisau, soll die Ermittlungen übernehmen. Doch er ist Vor ein paar Monaten in die alte Heimat zurückgekehrt, hat er sich auf eine Affäre mit der verheirateten Karin eingelassen. Auf eigene Faust will er herausfinden, was ihr zugestoßen ist.

241 pages, Kindle Edition

Published September 17, 2024

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Christian Johannes Käser

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October 5, 2024
Jocks erster Fall – ohne Käse ein Krimi wie ein Stück Appenzeller Käse

Die Fünfsternebewertung kommt natürlich nicht aus heiterem Himmel. Sie ist wohlbegründet, so wie man es getrost erwarten darf. Und so wie ein Krimi von Twists und Rätseln lebt, die keinesfalls gespoilert werden sollen. Dies will ich ausnahmsweise auch in meiner Besprechung nicht tun, das Spoilern meini. Die Besprechung aber ist im Grunde eine Begründung meiner fünf Sterne und fällt deshalb etwas epischer und weniger kurz aus als gewohnt, voilà.

1. Der süffige Soundtrack.
Was bleibt von diesem Krimi, das mich auch zwei Wochen nach der Lektüre wohlig daran erinnert, wie gern ich dieses Buch gelesen habe, ist die Tonspur. Kommissar Jock summt, wenn er sich konzentrieren muss. Er geht ins «Mötli»-Pub, weil dort Heavy Metal läuft. Und er hört Rockmusik, wenn er mit seinem alten Auto durchs Appenzell fährt und ermittelt. Aber vor allem funkt viel Musik durch Jocks Kopf. Hier wellen Hits von den 80ern bis in die Neuzeit durch die Hirnwindungen, was beim Lesen eine zusätzliche Dimension eröffnet. Eben, die Tonspur.

2. Das ADHS des Ermittlers.
Sherlock Jock Kobel hat einen liebenswürdigen Vornamen und er ist auch liebenswürdig. Vertrottelt, oft verkatert und mitunter schlecht gelaunt, weil er halt einen Fall lösen muss, der kein Kinderspiel ist. Jock ist eine Mischung zwischen Inspektor Colombo, Robin Hood und dem Tatortkommissar aus Münster, dem Proll mit der St. Pauli-Schärpe, wie heisst er schon wieder. Thiel! Es kommt sogar eine Art Appenzeller Boerne vor, allerdings eine Frau mit welschem Akzent, ja. Ohne Witz! Im Ernst: Jock hat auch. Schwierige Seiten. Er ist ohne Zweifel ein Macho, er hat seine Launen, er ist etwas abgelöscht im Beruf. Insofern ist Jock ein untypischer Polizist, der auch wenig übrig hat für die Dienstordnung. Er bricht ständig in Privaträume von Verdächtigen ein, lässt sich dabei erwischen und stolpert über seine eigenen Füsse. Kurz: Jock ist ein Dilettant mit dem Herz auf dem rechten Fleck, was der Spannung guttut. So muss es doch sein, in einem Krimi. Man sieht über die Alkoholkrankheit, Depressionen und Ausfälligkeiten des gutmütigen Polizisten hinweg und freut sich schon auf den nächsten Fall, den Jock Kobel lösen wird.

3. Die Landschaft – kein Käse.
Das Appenzellerland ist eine Wucht. Mit Säntis, Alpstein und Dörfern wie Hundwil, von denen man vielleicht noch nie gehört hat. Aber sie sind echt und sie liegen so ab von der Welt, dass es diese Krimireihe gebraucht, hat, um sie uns näher zu bringen. Man möchte sofort alles liegen lassen und nach Hundwil reisen, um die Hundwiler Höhi zu erklimmen. Gerade wenn man wie der Schreibende nur einen oberflächlichen Bezug hat zum Appenzellerland, ständig Innerrhoden mit Ausserrhoden verwechselt, zum Beispiel, gehört die Kulisse zu den Köstlichkeiten dieser Geschichte. Ich hoffe, dass Appenzell Tourismus dem Krimiautoren dringend weitere Fälle vorfinanziert. Es lohnt sich!

4. Die Twists der Handlung.
Nebst dem Plot, der handwerklich hübsch verklausuliert ist, gibt es in der Appenzeller Abrechnung viel unverhoffte Wendungen, die dem Krimi die nötige Würze geben. Selbst im letzten Viertel überschlägt sich die Handlung noch ein paar Mal, macht Kapriolen, ohne dass es absehbar wäre. Das ist Tatort-alike, absoluter TV-Standard und man fragt sich, ob Käser die Filmrechte schon verkauft hat oder ob er da noch einmal etwas herausschlagen könnte. Wann beisst Hollywood an? Das Buch schreit nach einer Verfilmung und ich stelle mir einen Claus Theo Gärtner vor, der den Polizisten Jock Kobel spielt. Matula, wir brauchen dich!

5. Die Geschichte unter der Geschichte.
Der Teppich der Handlung dieses Krimis ist die echte Geschichte. Vielleicht kennt jemand den Spielfilm «Die Göttliche Ordnung», der im Buch auch kurz zitiert wird. Dort geht es um den Kampf der Appenzeller Frauen für das Stimmrecht. Um erkämpfte Politik also, Gleichberechtigung, umd die Schlacht zwischen den Geschlechtern. Dieser Kampf der Männer gegen Frauen, gegen die alte Göttliche Ordnung im Appenzell eben, wo sich Hase und Fuchs gute Nacht sagen, klingt im Krimi an. Doch dies ohne schulmeisterlich zu sein oder dass es stört. Ich will wirklich nicht spoilern und nichts verraten. Aber es ist wahr, ohne Ironie: Ich muss aufhören, lest selber.

Kurz: Die Appenzeller Abrechnung ist absolut empfehlenswert, dieser Krimi geht runter wie Butter und ist rezent wie ein Stück Appenzeller Schnaps oder Käse, was man gern haben muss, gerade wegen der Würze – kein Käse.
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September 19, 2024
Den Kriminalroman “Appenzeller Abrechnung” hat Christian Johannes Käser im September 2024 gemeinsam mit dem Verlag atlantis herausgebracht. Das Cover macht Lust auf das Appenzeller Land.
Spannend startet die Erzählung. In einer modernen Sprache liest der Krimi sich leicht und locker. Schnell habe ich mich in die Geschichte vertieft und finde mich in der Schweiz wieder. Der Krimi startet spannend und schnell präsentiert Christian Johannes Käser die erste Leiche. Schnell ist klar, es handelt sich um Karin und Jock hatte ein Verhältnis mit ihr.
Den Kriminalroman habe ich in zwei Abschnitten gelesen. Einmal mit dem Lesen gestartet, ist es mir schwer gefallen, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Immer wollte ich wissen, wie es denn nun weitergeht. Anhand von Rückblicken erzählt der Autor aus dem Leben von Karin und nutzt das Mittel der Briefe. Dadurch wird die Geschichte lebendig. Er verknüpft dies eng mit den politischen Ereignissen der Zeit und dem persönlichen Erlebnissen von Jock Kobel, der alles daran setzt, diesen Fall zu lösen.
Der Kriminalfall ist solide aufgebaut und lädt seinen Leser zum Rätseln ein. Neben spannenden Passagen gönnen mir ruhige Abschnitte zwischenzeitlich beim Lesen die notwendige Erholung. Am Ende ist der Krimi sauber gelöst und meine Fragen sind beantwortet.
Alles in allem hat Christian Johann Käser einen spannenden Regionalkrimi auf den Büchermarkt gebracht, den es sich zu lesen lohnt. Mit dieser Erzählung habe ich viele unterhaltsame Lesestunden verbracht. Wer Lust auf ein kniffeliges Rätsel im historischen Appenzell hat, der ist hier gut aufgehoben.
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