Eine Hebamme, die für das Recht der Frauen kämpft.
Maria hat als Berghebamme gut zu tun, denn viele der Frauen bringen einmal im Jahr ein Kind zur Welt. Auch ihre Freundin Evi erwartet heimlich eines. Doch als ihr Verlobter bei einem Unfall in den Alpen stirbt, gilt Evi, eine unverheiratete Schwangere, als Mädchen der Schande. Verzweifelt bittet sie ihre Freundin um eine Abtreibung, obwohl diese streng verboten sind. Schweren Herzens lehnt Maria ab, aber als plötzlich überall in der Umgebung Abtreibungen bekannt werden, steht sie dennoch sofort unter Verdacht. Niemand glaubt Maria. Bis auf den charmanten Landarzt, der gerade nach Brannenburg gezogen ist.
Der zweite Band der bewegenden Berghebammen-Saga von Bestsellerautorin Linda Winterberg.
Das Cover ist wieder sehr schön gestaltet und zeigt im Prinzip zwei Bilder. Im unteren Drittel sieht man ein paar Häuser mitten in der Natur vor der Kulisse von Berggipfeln. Im oberen Bereich sind ebenfalls Berge zu sehen, doch steht der Fokus auf einer jungen Frau, die den Blick nach unten gerichtet hat. Man hat direkt das Gefühl, sie würde auf ein Baby in ihren Armen schauen, das aber im Bild nicht sichtbar ist. Damit passt das Cover sehr schön zum Inhalt der Geschichte.
Die Berghebamme – Tage der Liebe von Linda Winterberg erschien im Aufbau Verlag. Das Hörbuch dazu wurde von Eva Becker eingesprochen, die auch schon den ersten Band: Die Berghebamme – Hoffnung der Frauen gelesen hat. Ich habe das Buch parallel gelesen und gehört und so begleitete es mich in allen Lebenslagen an zwei Tagen. Ich mag die Stimme von Eva Becker, die sehr schön zu historischen Geschichten passt. Der Roman spielt 1896 in Brannenburg und damit in einer längst vergangenen Zeit.
Der Roman kann im Prinzip unabhängig vom ersten Band gelesen werden, da die Geschichte in sich abgeschlossen ist. Das Leben im Dorf wird aber weiter erzählt und so war es für mich einfach schön ein zweites Mal in die Welt von Brannenburg einzutauchen. Ich durfte hier wieder teilhaben an den Ängsten und Wünschen der Frauen aus der Zeit. Bin ich froh, dass damals mutige Frauen den Weg geebneten haben.
Während im ersten Band die Hygiene bei einer Geburt und überhaupt bei der Untersuchung von Menschen thematisiert wurde, gelangen wir nun zum Thema ungewollter Schwangerschaften. Hier im speziellen der unehelichen Schwangerschaften, die zu einer Verstossung aus der Gemeinde führen. Im speziellen tauchen hier Todesfälle auf, die auf eine sogenannte Engelmacherin hindeuten. Hier gerät die Protagonistin Maria, als junge und moderne Hebamme ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Doch setzt sie ihr gelerntes Wissen wirklich für Abtreibungen ein? Erfahre es am besten selbst beim Lesen.
Ich habe das Buch bzw. Hörbuch in wenigen Tagen verschlungen. Und fühlte mich sofort wieder wohl in dem Bergdorf. Gleich zu Beginn traf Maria auf Georg, den neuen Landarzt der Gemeinde. Da hatte mein romantisches Herz sofort Liebe im Sinn. Doch geht es wirklich in diese Richtung? Die zwei begegnen sich ausgerechnet bei einem Gewitter am Berg, was Maria an ihre Kindheit denken lässt.
„Früher im Kinderhaus hat uns die Gerti immer damit beruhigt, dass die Heiligen im Himmel ein Fest feiern und Polka tanzen würden. Und wenn es besonders arg gekracht hat, dann hat der Petrus einen Luftsprung gemacht.“
Ich musste bei dieser Erinnerung einfach nur schmunzeln und war irgendwie begeistert von dieser Erklärung. Sie nimmt sehr gut die Angst vor dem Unwetter und verbindet sie mit einem fröhlichen Ereignis. Da kann man die Blitzer und die Donner ganz anders wahrnehmen. Immer wieder lässt Maria mich als Leser teilhaben an ihrer Kindheit, die nicht unbedingt einfach war, da sie ein uneheliches Kind ist und als Findelkind im Kinderhaus in Brannenburg aufwachsen musste. Dazu erfährst du im ersten Band ein wenig mehr.
Im Fokus einer Hebamme stehen ganz natürlich die Geburten. Und so darfst du im Laufe der Geschichte an zahlreichen teilnehmen, die sich leider ein wenig auch im Wortlauf wiederholen. Hier hätten es für meinen Geschmack ein paar weniger sein können. Wobei ich bei dem Titel des Buches natürlich den Fokus schon mitgeliefert bekam. Die vielen kleinen Momente auf den Hausbänken im Ort haben mich von der Fülle an Geburten wieder abgelenkt. Hier erfuhr ich allerlei Spekulationen um die illegalen Abtreibungen und wusste zwischendurch selbst nicht was ich glauben sollte. Ebenso wurde von den Zustände in den Heimen für die unehelichen Kinder erzählt, was mich mit einer Gänsehaut zurück ließ. Dazu möchte ich dir noch ein Zitat mit auf den Weg geben.
„Das Haus war so kalt und unfreundlich, ähnelte einem Gefängnis. An einem solchen Ort sollten keine Kinder leben müssen. Es muss sich etwas im Denken der Gesellschaft ändern, sonst werden Engelmacherinnen nie aufhören. „
Liest du gerne Geschichten aus dem 19. bzw. beginnenden 20. Jahrhundert? Möchtest du erleben, wie in der Zeit eine junge Hebamme für die Rechte der Frauen kämpft? Dann ist „Die Berghebamme – Tage der Liebe“ von Linda Winterberg genau das richtige für dich. Steige hinauf in die Berge und genieße den Blick über die Gipfel. Begleite Maria bei den Hausgeburten und erlebe die Überraschungen, die heute durch Ultraschalluntersuchungen fast nicht mehr vorkommen. Tauche ein in eine besondere Geschichte und freue dich, dass in der Zeit die Frauen für unsere Rechte gekämpft haben. Ich hatte ein paar schöne Hör- und Lesemomente und freue mich auf den dritten Band, der im November erscheint. Ich empfehle das Buch gerne weiter.
Linda Winterberg gelingt es auch mit dem zweiten Band ihrer Berghebammen-Saga eine tief berührende Geschichte zu erzählen. Sie schafft es aber auch zugleich wichtige Themen in den Mittelpunkt zu rücken.
Dieses Buch ist weit mehr als nur ein historischer Roman. Für mich ist es ein Plädoyer für Menschlichkeit, Mut und das Recht der Frauen, selbst über ihr Leben zu bestimmen.
Maria ist eine Protagonistin, die ich mit Band 1 schon ins Herz geschlossen habe. Sie ist stark, mitfühlend, aber auch verletzlich. Mit ihrem Einsatz für ihre Freundin Evi, die als unverheiratete Schwangere zur Außenseiterin wird, werden die gesellschaftlichen Normen jener Zeit absolut deutlich. Der Konflikt zwischen Pflicht, Moral und Mitgefühl wird von der Autorin absolut eindringlich beschrieben. Ich habe beim Lesen richtig mitfiebert und mitgelitten.
Besonders schön empfand ich, dass bei all der Schwere definitiv Wärme und Hoffnung mitschwingt. Die Freundschaft der Frauen ist super dargestellt. Genauso wie der neue Landarzt Georg und die aufkommenden Gefühle. Er kämpft an Marias Seite und es wird deutlich, dass trotz aller schwierigen Momente das Leben immer weitergeht. Ein gefühlvoller und fesselnder Roman, der historische Realität mit großem Einfühlungsvermögen verbindet. Linda Winterberg schreibt mit Herz und Haltung. Ich freue mich schon riesig auf Band 3 der Reihe.