Als queere cis Frau mache ich mir um Brüste meist (erst) Gedanken, wenn mein Blick zufällig bei einer fremden Person drauf fällt oder ich mich im Spiegel anschaue. Dabei erfüllt mich der Anblick meist mit Freude, ich finde Brüste schön, auch zu meinen eigenen habe ich eine gute Beziehung—anders als zu manch anderen Körperteilen, wo das Patriarchat und Werbung es geschafft haben, mir Unsicherheiten einzureden. Der einzige Moment, in dem mir die Existenz meiner eigenen Brüste schmerzlich bewusst ist, ist wenn sie während meiner Periode spannen—aver vor allem, wenn mich männliche gelesene Personen unangenehmst beobachten, auschecken oder ungefragte Kommentare dazu abgeben.
Ansonsten ist meine Realität und Erfahrung mit (meinen) Brüsten eine schöne. Deshalb ist es umso wichtiger ein Buch zu lesen; in dem die Perspektive auf Brüste um einige weitere diversere Realitäten erweitert wird.
Wie geht es Menschen; die Brustkrebs haben? Wie sieht die Beziehung zu Brüsten bei trans* oder nicht binären Personen, drag Queens, Müttern, und ja, sogar cis Männern aus? Einige der Essays habe ich genossen, bei vielen habe ich etwas gelernt, bei manchen habe ich mitgelitten, bei anderen schmunzeln müssen.
Alles in allem bin ich leider vom Werk als gesamtes aber nicht begeistert—es war ein schneller read, aber einige Stile, Gedanken, Geschichten konnten mich nicht abholen und haben mir keinen Mehrwert geschenkt. Teilweise wurden (für mich) unangenehme Themen angesprochen (Stichwort Sexualität, Erregtheit und Baby) oder patriarchale Begriffe für Brüste reproduziert ("knabenhaft"??). Vielleicht hat mir auch eine positivie(re) Story gefehlt? Eine, in der die*der Protagonist*in eine innige, eine schöne Verbindung zu den eigenen Brüsten hat und nicht zwangsläufig eine neutrale oder negative?
(Danke an Netgalley und den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!)