Auf dem Titelbild ein expressionistisches Einsiedeln - und genau das ist das Buch. Die Geschichte eines Jungen, (Arthur Goldau, was ist denn das für ein Namen?), in einer surrealen Klosterschule.
Die Zeit soll sich im Kloster im Kreise drehen, Vergangenheit mit Zukunft gleichbedeutend sein, und doch geschehen einmalige Ereignisse und die Geschichte der Schule kann zurückverfolgt werden.
Individualismus soll im Kloster verdammt sein, doch entwickeln all die Jungs ihre eigene Identität, stehlen sich davon, bezeichnen sich mit Spitznamen, Rauchen, Vergnügen sich mit den Mädchen im Dorf, und haben verbotene Magazine, doch wer fliegt als erster aus dem Kloster; Derjenige, der den Uhrenbruder zur falschen Zeit besucht hat.
An diesem Punkt rennt wohl eine Ziegenstampede durch meine Rezension und eine Klospülung rauscht wohl auch noch.
Dann wäre da eine schamlose Parodie zur Revolution zum Kommunismus (Alle schreien "Hunger" und eine Vietcong Fahne wird gehisst) angezettelt durch, wer hätte es gedacht, Lenin.
Und dann erst solche Ausdrücke wie: "Wunder kann er nicht erkennen, als Naturwissenschaftler". Viel Respekt vor den Naturwissenschaften scheint Hürlimann nicht zu haben, und viel Verständnis wohl auch nicht: Eine völlig falsche, mit einer Atombombe über-dramatisierte Version von Schrödingers Katze, die aber das Konzept dahinter mit Füssen tritt. Eine Blinddarmentzündung als ansteckende Krankheit. Ein Physiker, der behauptet eine Dissertation über den "Welle-Quanten-Dualismus" (Es heisst "Welle-Teilchen-Dualismus", von mir aus auch "Quanten-Teilchen-Dualismus", aber sicher nicht "Welle-Quanten-Dualismus"!) geschrieben zu haben.
Und schlussendlich haben wir noch etliche Anspielungen auf die Bibel: Die heilige Dreifaltigkeit, die hier aber nicht so heilig erscheint, der Garten Eden, die "Bücherarche" und so weiter...
Und da war dann noch die Idee des Steins der Weisen, des heiligen Grals im Mantel des roten Diamanten, der vollumfangen personifiziert wird. Die Jungs suchen ihn die ganze Zeit, finden ihn. Dann explodiert er, scheint aber doch noch ganz zu sein und schliesslich endet er in der Tasche der Mutter von Arth, Entschuldigung Arthur Goldau.
Kurz gesagt: Das Buch vereinigt viele religiöse, marxistische, nationalsozialistische pseudowissenschaftliche, existentialistische, metaphysische, sagenhafte, historische, psychologische Elemente in einem aberwitzigen Rahmen einer Bande pubertierenden Jungs in einem altehrwürdigen Kloster... Der Erzählstil erinnert an einen Drogenrausch: sprunghaft, surreal, expressionistisch und impressionistisch zugleich.