Eine Untersuchung, die für das Erinnern an queere jüdische Opfer während des Holocausts und für ein Ende der Stigmatisierung eintritt.
Queere Geschichte des Holocaust, also die Frage nach gleichgeschlechtlichem Verlangen unter den Holocaustopfern, ist bis in die heutigen Tage eine Leerstelle geblieben. Dies liegt an einer weitreichenden Homophobie der Häftlingsgesellschaft in KZs und Ghettos, was dazu führte, dass die Stimmen dieser Menschen weitgehend aus den Archiven getilgt sind. Anna Hájkovás Text baut auf bestehender Forschung zu Homophobie auf und macht den Versuch, die Geschichte dieser ausradierten Menschen zu schreiben. Die Untersuchung ist dabei gleichzeitig eine Geschichte der Sexualität des Holocaust und nimmt in Augenschein, dass die Beziehungen im Lager mitunter ausbeuterisch und gewaltsam waren, wobei die Übergänge fließend waren. Hájková setzt sich mit einigen besonderen Fällen von Jugendlichen (unter anderem Anne Frank) und Erwachsenen auseinander, es geht um romantische, erzwungene und abhängige Beziehungen, um romantische Sexualität und sexuellen Tauschhandel. Sie zeigt die Gleichzeitigkeit von queerer und Hetero-Sexualität und argumentiert, dass wir von einem ausschließlichen Konzept der sexueller Identität Abschied nehmen und von Akten und Praktiken sprechen müssen, um das Verhalten der Opfer verstehen zu können.
“menschen ohne geschichte sind staub” beinhaltet zwei wirklich kluge, dichte essays. man merkt, dass anna hájková sich auf ihr fach, die queere holocaustforschung, extrem gut versteht.
nicht nur schafft sie es, biografische geschichten differenziert und ambivalent nachzuzeichnen, abseits von kategorien wie gut/unschuldig/lesbisch. sie gibt zudem noch einige für mich augenöffnende exkurse, wie sich queere geschichte erforschen lässt, zum zeugnis geben und dem “historical citizenship”. aber auch zu explizit queeren themen wie kinship, konsens und homophobie in den lagern oder machtstrukturen und gewalt innerhalb queerer praktiken schreibt sie gut recherchiert und spannend. hier hätte ich mir teils eine klarere benennung von pädophilie gewünscht.
richtig gut hat mir gefallen, wie hájková weibliche queerness stärker in den fokus nimmt. viel geschichte bleibt nach wie vor unsichtbar, ich würde mir ähnlich detaillierte forschung (und veröffentlichung) über trans* geschichte oder auch queere menschen, die explizit wegen ihrer queerness und nicht ihres jüdischseins verfolgt wurden, sehr wünschen.
A very important book in giving the queer Holocaust survivors voices, and making their lives in all their complexities not forgotten. I could only wish there were more books like this and more survivors’ stories.
Vynikajúca kniha. Dovolím si tvrdiť (ako bývalá študentka histórie)), že aj prevratná. Práve v tom, že skúma to, čo mnohí (cielene) prehliadajú - queer aspekty histórie. A krásne to ukazuje, že všetky tie výkriky o tom, že ako to že “zrazu” je tu toľko queer ľudí sú len odrazom toho, že doposiaľ boli systematicky vymazávaní a ich identita potláčaná.
Tiež oceňujem, že autorka nikomu nevnucuje žiadnu identitu. A že sa nebojí venovať aj nie veľmi ľúbivým príbehom.
„Das Zeugnisablegen über ein Trauma ist ein Prozess […] der die Zuhörende miteinschließt. Für die Erzählerin kann die Zuhörende jemand sein, auf den sie lange Zeit gewartet hat“
Ein nachdenkliches Buch. Eines das Raum hält für Ambivalenzen und gerade dadurch die epistemische Ungerechtigkeit einer Vereindeutigung der Biografien von Menschen im Holocaust einfühlsam offenlegt. Hájková zeigt, wie durch eine behutsame und überlegte Sprache Dinge sag- und sichtbar werden, die 80 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur immer noch nicht gesehen werden sollen: Komplexe Identitäten und uneindeutige Beziehungen im Holocaust.