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Nach dem Genozid: Grundlage für eine neue Erinnerungskultur

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Für A. Dirk Moses stellt der Völkermord einen doppelten Gewaltakt dar: Einerseits vollzieht er den massenhaften Mord an Menschen und traumatisiert ganze Bevölkerungen für Generationen. Andererseits bringt ein derart grausames Verbrechen eine neue Kategorie des Bösen hervor, das ein Nachleben entwickelt. Als »das Verbrechen aller Verbrechen« stellt der Genozid unweigerlich eine normative und moralische Hierarchie der Gewalt auf. Er wird zum Maßstab für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, der es erlaubt, Gewaltgeschichten kategorisch zu unterscheiden. Dagegen entwickelt Moses eine Theorie, die differenzierter und inklusiver ist. Statt unterschiedliche Gewalterfahrungen und Traumata gegeneinander auszuspielen, schlägt er eine Perspektive vor, die Verbindungen befördert und die Solidarität unter den Opfern stärkt. Moses' origineller Ansatz ist dabei gerade für die deutsche Erinnerungskultur von einzigartiger Bedeutung. Als einer der führenden Forscher zur Geschichte des Völkermords, setzt sich Moses seit Jahrzehnten intensiv mit dem Holocaust und dem deutschen Gedenken auseinander. Moses leistet einen Beitrag, um die unerlässliche Erinnerungskultur zu erneuern und dadurch lebendig zu halten.

159 pages, Paperback

Published August 3, 2023

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About the author

A. Dirk Moses

24 books17 followers
A. Dirk Moses is Professor of Global and Colonial History at the European University Institute, Florence. He also taught (or still teaches) European History and comparative genocide Studies at the University of Sydney, Australia.

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Florian Lorenzen.
155 reviews165 followers
July 31, 2024
Mit Jürgen Zimmerer hatte ich erst vor kurzem einen jener postkolonialen Historiker rezensiert, welche mit ihren Thesen massive Kritik auf sich ziehen. Dies gilt freilich in einem noch viel höheren Maße für den australischen Historiker Dirk Moses, welcher sich mit seiner Polemik vom „Katechismus der Deutschen“ einen Namen gemacht hat. Seine fundamentale Kritik an der deutschen Hol0caust-Erinnerungspolitik löste den sogenannten zweiten Historikerstreit aus.

An diese Thesen schließt das 130 Seiten schmale Büchlein „Nach dem Genoz1d“ an. Moses nimmt sich hierbei den gegenwärtigen Umgang mit Genoz1den zur Brust. Moses kritisiert, dass der Völkerm0rd als „Verbrechen der Verbrechen“ angesehen würde, wodurch nicht-genozidale Menschenverbrechen als weniger schlimmer bewertet würden. Auch entstünde dadurch, so Moses, eine kritikwürdige Opferhierarchie mit genoz1dalen Opfern an deren Spitze, wodurch andere Opfergruppen benachteiligt (insb. weniger sichtbar) sein würden. Daraus leitet Moses die Forderung ab, Genoz1de – wie v.a. den Hol0caust – nicht mehr als Negativmaßstab für Menschheitsverbrechen anzusehen.

Während ich von Zimmerer noch positiv überrascht wurde, so ist dies bei Moses jedoch nicht der Fall. Eigentlich wurden meine niedrigen Erwartungen sogar noch unterboten. In der Analyse würde ich Moses insofern nicht zustimmen, dass Genoz1d-Opfer zwangsläufig eine höhere Aufmerksamkeit oder Empathie zuteil wird. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe an Genoz1den wie jene an den Herero und Nama sowie dem Genozid in der Cyrenaika, die lange Zeit kaum beachtet wurden. Seine Verallgemeinerung wirkte auf mich somit auch eher wie eine Chiffre, um zu kaschieren, dass es ihm hierbei vor allem um "privilegierte" jüdische Opfer geht. Außerdem stellt sich die Frage: Ist es wirklich zielführend, die industrielle Vernichtung von Menschen wie im Hol0caust lediglich als eines von vielen Menschenverbrechen anzusehen? Entstünden daraus konkrete Vorteile bspw. für die Opfer des Irak-Kriegs? Das erscheint mir nicht der Fall zu sein.

Von Ernst Jünger ist das Bonmot übermittelt, dass der Liberalismus an seinen äußersten Grenzen den Mördern die Tür aufschließt. In Bezug auf Moses‘ Thesen ließe sich daran anschließen: Dort wo das Denken in Opfer- und Privilegienhierarchien keinerlei Grenzen kennt, landet man bisweilen in der Hol0caust-Relativierung

Review bei Instagram: https://www.instagram.com/p/C8_e34ZtC6e
Profile Image for Tom.
12 reviews
December 14, 2025
Must-Read für jeden und jede deutsche Humanist*in.
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