BERGER, Clemens: „Haus des flüssigen Goldes“, Salzburg Wien 2024
Nachdem ich das Buch gelesen hatte, stellte ich mir die Frage „Wie schafft es ein 1979 im Burgenland geborener Schriftsteller so ein außergewöhnliches Buch zu schreiben?“ Eine Thematik, die außerhalb der Gedankenwelt eines Menschen liegt. Er hat den Verkauf von Muttermilch zum zentralen Thema gemacht, bei dem er die Bedeutung und Kraft der sozialen Medien dem Leser bewusst macht.
Clemens Berger, der Philosophie studiert hatte unterrichtet auch an höheren Bildungseinrichtungen und hat sich mit Onlinemagazinen und sozialen Medien intensiv beschäftigt, was ihm beim Schreiben dieses Buches sehr zugutekommt. Zugutekommt es aber dem Leser, weil so manchem von ihnen neue Dimensionen eröffnet werden.
Das Thema Muttermilch profitträchtig zu vermarkten ist für Europäer zwar unbekannt, aber in Amerika durchaus üblich. Dass dann zusätzlich eine Lieferknappheit von Milchpulver eintritt und viele Mütter ohne Nahrung für ihre Babys dastehen, hat es auch in Amerika schon gegeben. Neben diesen beiden Faktoren, die treibend für diesen Roman sind, ist es aber die menschliche Seite, wie elektronische Medien in die Seele, in die Psyche von Menschen einwirken. Als Leser fühlt man mit der Protagonist Maya mit. Sie verkauft ihre Muttermilch, damit sie mit ihrem Baby eine Lebensgrundlage hat. Der Vater des Babys hat sie verlassen. Er wollte, dass sie das Kind abtreibt, und sie hat es zur Welt gebracht. Mit Hilfe des „Hauses des flüssigen Goldes“ kommt Maya zu einem guten Lebensstandard. Sie wohnt mit ihrem Baby in diesem Haus und verdient sehr gut. Sie wird zu einer „Spitzenproduzentin“ und liefert mit ihrer Milche Superqualität und bekommt viel bezahlt. Nach der Lieferknappheit von Milchpulver kommt es zu Demonstrationen vor dem Haus. Sie sehen in diesem Geschäftsmodell ein „Haus der Gier“ das nur reichen Menschen Milch liefert. Und hier wechselt Maya unbewusst die Seiten. Sie füttert ein weggelegtes armes Baby. Medien übertragen diesen Vorgang. Sie wird berühmt und hat mehrere Millionen Follower im Netz. Als solches bekommt sie einen nie erhofften Marktwert. Reiche Leute bieten ihr Hilfe an. Sie dringt in die Kreise von Superreichen ein und wird ein Star. Die Besitzerin des „Hauses des flüssigen Goldes“ rächt sich und startet eine Gegenoffensive. Unwahrheiten werden ins Netz gestellt. Die Grenzen zwischen Wahrheit und Lügen schmelzen. Für Maya ist es eine Hochschaubahn der Gefühle. Berger versteht es großartig dieses Wechselspiel der Gefühle zu beschreiben.
„Haus des flüssigen Goldes“ ist ein ungewöhnliches Buch. Ein Roman, in den es wert ist einzutauchen.