Disclaimer: Mir wurde ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Weder Autorin noch Verlag hat Einfluss auf meine finale Bewertung gehabt.
Wow, was ein gelungener Abschluss für diese Dilogie.
Während sich Selbstkorrektur sehr aufs Worldbuilding, die Einführung in die Gesellschaft und ihre Strukturen, aber auch den philosophischeren Fragen fokussiert und verschiedene größere Gruppen beleuchtet, ist Selbstzerstörung Aktion geladener- jetzt müssen Taten sprechen- und legt den Fokus auf die Motive einzelner Individuen, das System zu ändern.
Bevor ich auf Handlung und Charaktere eingehe, möchte ich auch hier nochmal die Sprache loben- man kann unglaublich viel zwischen den Zeilen lesen und wird belohnt, wenn man auf die Wortwahl achtet So sind Leute, die nicht ins System passen “bugs” oder “black boxen”, oder objektifizieren sich stellenweise selber durch eine bestimmte Wortwahl (“»Ja, meine Systeme laufen normal. Aber FOKUS hat einige Schäden abbekommen. Wie hast du das Update überhaupt gestoppt?« Skyla lächelte breit. »Deine Systeme? Wieso drückst du dich so gruselig aus?«”). Ich bin mir sehr sicher, würde man ein Essay über die Sprache in der Dilogie schreiben, hätte man sehr viel Spaß.
Nun aber zu den Charakteren- neben Lys und Yu, die ich bereits in Selbstkorrektur in mein Herz geschlossen habe- lernen wir hier Skyla kennen. Ich habe sie direkt in mein Herz geschlossen und fand sie eine so wundervolle Ergänzung. Auch wenn ich mir manchmal nicht sicher war, ob sie Lys eine Hilfe war, oder sie ins Unheil stürzen würde. (Stichwort Drohnenfliegen)
Außerdem ist Skyla in dieser sehr ernsten Handlung ein Charakter, der es schafft Humor einfließen zu lassen, ohne es lächerlich wirken zu lassen. Und Lys hat Recht, wenn sie sagt: “Optimismus sieht also so aus? Skylafarben.”
Yus hat mir über weite Teile echt leid getan, nachdem er sich in Selbstkorrektur gefühlt haben muss als sei er in einer schlechten Filmadaption seiner Bücher gelandet, hat er es auch dieses mal nicht leicht. Sei es, dass er sich an einer Weltrettungsmission beteiligen muss oder von Skyla und Gwil gedisst wird. (“Gwil warf in jeden Gang einen kritischen Blick. Dann sah er Yu an. »Ich tippe auf den linken. Was meinst du?« Yu ließ die Unprofessionalität sacken. Er musterte ihn. »Wir raten?«”)
Leider habe ich, während ich mich gedanklich schon mit der Gründung eines Skyla Fanclubs befasst habe, die anderen Charaktere wie Gwil und die Antagonisten/ Antagonistinnen etwas aus den Augen verloren.
Diese hatten definitiv auch ihre Momente und ich mag, dass es kein schwarz- weiß /gut- böse gibt, sondern am Ende eine Art Kompromiss gefunden wird. Außerdem hat es Ume geschafft, den KIs sehr viel Charakter zu geben, was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat.
Für mich hinterlassen sie nur neben den drei wirklich herausragenden Hauptcharakteren nicht einen solch bleibenden Eindruck. Das ist aber wie gesagt wahrscheinlich eher dem geschuldet, dass Lys, Yu und Skyla “zu perfekt” (nicht im Sinne von Mary Sue, sondern ich meine als vielschichtige, ausgearbeitete, wundervolle, “man muss sie einfach mögen” Charaktere) geschrieben sind. Dagegen wirken andere Charaktere einfach schwächer.
Zum Plot kann ich nicht viel sagen, wenn ich die Rezension weitestgehend spoilerfrei halten möchte.
Nur so viel: sie ist definitiv dichter als bei Selbstkorrektur, es gibt mehr Ortswechsel und mehr Kampf- und Aktionszenen. Ich finde die Ansätze zum Thema KI und auch die Ansätze mit denen die in Selbstkorrektur aufgeworfenen Fragen durch die Protagonisten beantwortet wurden, sehr stimmig. Die Dilogie ist definitiv ein Buch, dass man konzentriert lesen sollte und was auch bezüglich mancher Aussagen aktueller nicht sein könnte. Nicht nur im Hinblick auf KIs und wie diese in den Alltag integriert werden könnten. (»Der Blick auf die Welt, den [x] mir gab, war einfacher. Kein kompliziertes Grauspektrum. Schwarz und Weiß. Ein simpler Kontrast.«)
Meine persönliche Meinung zum Abschluss:
Weil ich meistens bei Dystopien den Einstieg am spannendsten finde, bei dem man in die Welt eintaucht und langsam die dunklen Seiten entdeckt.
Nun ist es aber verständlich, dass man nicht beide Teile einer Dilogie als Exposition nutzen kann. Also in meinen Augen musste Selbstkorrektur so sein, wie es war und Selbstzerstörung mit seinem Ansatz war die absolut logische Fortsetzung, eine Dopplung in welche Richtung auch immer, hätte nicht funktioniert.
Für mich hat bei Selbstkorrektur aber, aufgrund der eben beschriebenen Präferenz noch diesen Begeisterungsfunken mehr gehabt, weshalb ich bei Selbstzerstörung einen halben Punkt abziehen würde. Das bedeutet aber auch, dass sollte einem Selbstkorrektur nicht komplett zugesagt haben, könnte Selbstzerstörung der Teil der Dilogie sein, der besser gefällt.
Es ist definitiv eine meiner neuen Lieblingsdilogien und obwohl ich selten Bücher doppelt lese, werde ich definitiv nochmal in diese Welt abtauchen. Gerade weil ich vermute, dass es hier und da Eastereggs geben könnte, die ein doppeltes Lesen belohnen.