Nachdem ich den eShort "Wir sehen uns GESTERN" von Tanja Voosen gelesen habe, war mir klar, dass ich mehr von ihr lesen möchte. Die Autorin ist auch als Bloggerin unterwegs und findet Worte, die mich für die Sache oder Handlung begeistern können. Also immer her mit dem neuen Lesestoff!
"Emily lives loudly" ist mir nicht unbekannt und wurde mir schon von mehreren Leuten empfohlen. Bei mir gibt es aber immer irgendwie nur Liebe auf den zweiten oder dritten Blick, deshalb brauchte ich noch mehr Anstupser um es endlich zu lesen und wieder einmal prangte eine fette, grelle imaginäre Schrift vor meinen Augen: "Wie konntest du nur so lange warten, bis du es endlich liest. Dumme Kuh."
Mein Bücherherz kann unersättlich sein!
Emily hasst Klischees. Und genau darüber will sie nun einen Film machen: Verliebe dich in den besten Freund deines Bruders, lautet das Thema und soll ihr nach einer niederschmetternden Absage der Mayenheim Art Academy eine neue Chance verschaffen doch noch dort angenommen zu werden. Ihr erster Film wurde abgelehnt, weil ihm Realismus und Herz fehlen würden. Zwei Dinge, die für Emily so gar nicht zusammen passen. Sie sagt, was sie denkt, ist ziemlich sarkastisch und schlagfertig - kurzum genau eine Protagonistin nach meinem Geschmack, die eine ganz besondere freundschaftliche Beziehung zu ihrem Bruder Parker hat und immer und überall eine Kamera mit sich rumschleppt.
In ihrem Blog, der passenderweise Emily lives loudly heißt, schreibt sie über ihr Vorhaben und verspricht die Geschichte je nach Ausgang später in allen Einzelheiten zu veröffentlichen.
Das der Name dieses Blogs aber nicht einfach nur das heißt, was man erwartet, greift die Autorin im späteren Verlauf der Geschichte nochmal auf und ich muss gestehen, dass ich wirklich positiv verblüfft war.
Am meisten fasziniert mich die Erzählweise. Emily ist nicht einfach die Protagonistin, deren Geschichte man aus der Ich-Perspektive erzählt bekommt. Es fühlt sich vielmehr so an als würde Emily einem gegenübersitzen und erzählen. Und zwar gefiltert. Sie gibt nur soviele Infos weiter, wie sie möchte und die es braucht, um den Erzählungen folgen zu können.
Zu Beginn ist es wie eine umgedrehte Erzählung, wo man mit ein paar Vorhersagen und geheimnisvollen Andeutungen geködert wird und dann scheibchenweise mehr erfährt.
Es wird viel über Klischees gesprochen, aber dieses Buch widerspricht einfach allem und jedem. Die Highschool, die Liebesgeschichte, die Charaktere - keines davon ist auch nur ansatzweise klischeehaft.
Durch Emily's Einstellung zum Thema Romantik und Liebe, die man wirklich beschmunzeln kann, und ihrem Vorhaben genau darüber einen Film zu drehen, wird diese Geschichte zu einem humorvollen, unterhaltsamen Spektakel, an dem auch ihr Bruder Parker, dessen bester Freund Brick, ein Möchtegern Bad Boy namens Austin und Emily's Freundinnen Bryn und June ordentlich mitmischen.
Sie beschreibt ihre Freunde auf eine offene, herausforderne Art mit der ich sofort was anfangen konnte. Ich liebe Emily, aber auch alle anderen Charaktere habe ich in mein Herz geschlossen.
Zu Beginn der Geschichte ist alles sehr auf Humor ausgelegt und bekommt erst nach und nach eine tiefgründigere Bedeutung. Die Story beweist, dass man nichts wirklich planen, und wie viel Spaß Chaos machen kann. Emily ist wirklich eine klasse Protagonistin, mit der es Spaß macht in ein Abenteuer zu springen, auch wenn ich zu Beginn kurz den Eindruck hatte sie würde sich selbst viel zu wichtig nehmen.
Auch Austin ist eine Figur, die bei mir für Grinsefalten sorgen konnte. Er ist kein Draufgänger, auch wenn er sich wie einer benimmt. Er fordert Emily auf eine gewisse Weise raus und trotzdem ist er glaubhaft. Seine frech-charmante Art und das Talent jeden Satz auf eine austintypische Weise rüberzubringen, haben mich wohl für ihn eingenommen. Es gibt sehr viele lustige Dialoge, aber nicht nur zwischen Emily und Austin, sondern immer dort, wo Emily gerade quatscht.
Sie ist zwar das Zentrum der Geschichte, aber sie schafft es auch, dass einfach nichts unwichtig erscheint.
Ich liebe "Emily lives loudly". Es ist eine humorvolle, gefühlvolle und geheimnisvolle Geschichte mit einer Liebesgeschichte, die so ist wie Emily: lebendig, laut! Jede Szene hat eine kraftvolle Art im Gedächtnis zu bleiben. Der geheimnisvolle Part der Geschichte sorgt am Ende für ziemlich verblüffende Enthüllungen, mit denen man niemals als Leser rechnen würde. Ich bin mehr als begeistert.
Lieblingszitat:
"Hass ist so ein starkes Wort, dass man es nicht benutzen sollte", sagte ich. "Menschen machen Fehler. Ich weiß das. Wenn Menschen, die einem etwas bedeuten, Fehler begehen, verschwinden die Gefühle aber nicht einfach so. Irgendwann kann man ihnen verzeihen."
Der Moment war geladen mit einer solchen Intensität, dass ich es kaum ertragen konnte, wie er mich ansah.
"Es ist ja nicht so, als hättest du meinen Hamster überfahren."
"Du hast einen Hamster?", fragte er baff.
"Schildkröten. Sie leben unter unserem Haus."