Das ist mein erster Miss-Daisy-Krimi und ich vermute, es wird auch mein letzter sein. Keine Angst, wenn ihr das Buch bereits gekauft habt und es jemandem unter den Weihnachtsbaum legen wollt. Man stirbt nicht an der Lektüre. Man kann es lesen. Hin und wieder muss man vielleicht ein paar Kapitel zurückblättern, um dann doch festzustellen, dass man nichts überlesen hat – die Schatzkarte, die die Kinder haben, taucht wirklich aus dem Nichts auf, der Beweis für die Schuld des Täters ist vielleicht etwas konstruiert, reicht aber trotzdem aus, um ihn zu einem Geständnis zu zwingen und die Dialoge klingen eher als wären sie geschrieben als gesprochen, aber alles in allem ist das Buch recht unterhaltsam. Trotzdem fällt es bei mir durch. Abgesehen von den vielen Gedankensprüngen, der oberflächlichen Denkweise der Autorin und ihrer Protagonistin (nun gut man mag das als atmosphärisch abtun, es soll ja schließlich Downtown Abby Atmosphäre heraufbeschworen werden), ist einfach nicht Miss Daisy die Ermittlerin, sondern sie ist – wenn überhaupt – die rechte Hand ihres Angetrauten, praktischerweise ein Polizeibeamter, der alle Verhöre führt, die Ermittlungen durchführt und sie netterweise Protokoll führen lässt. Ihr Beitrag zur Aufdeckung des Verbrechens bleibt gering und so müsste das Buch auch „Mr. Fletcher und der Mord unterm Mistelzweig“ heißen. „Frau“ kümmert sich nämlich vornehmlich um die Kindererziehung und darum, dass die beiden Rangen, die ebenfalls mehr zur Aufdeckung beitragen als sie, saubere Hände haben, wenn sie zum Essen gehen.
Das Buch strotzt vor TELL, SHOW kommt dafür an vielen Stellen zu kurz, oftmals sind nicht nachvollziehbare Gedanken in den Text eingestreut. Nein, kein Buch, das es bei mir auf die Bestenliste schafft.
Fazit:
Ein Frauenbild aus dem vorvorigen Jahrhundert, die Ermittlungsarbeit wird von allen nur nicht von Miss Daisy geleistet (die übrigens keine Miss ist, sondern eine verheiratete Frau). Oberflächlichkeit, Gedankensprünge und lieblose Beweisführung machen dieses Buch aus.