Sehr grandioses Sachbuch über die Anfänge der deutschen Frauenbewegung, das die Protagonistinnen ebenso wie die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Blick nimmt. Der Kampf um Gleichberechtigung wird hier durch zahlreiche Porträts greifbar. Wer wissen will, warum frühe Feministinnen so kriegsbegeistert wie die meisten Männer waren und warum die Rassenhygiene für die Emanzipationsbewegung so reizvoll war, sollte zum Buch greifen. Mit den zahlreichen Exkursen zu SPD, Militarismus oder auch zur Kunst ist Beuys Werk ein formidables Werk gelungen.
Ich bin schwer begeistert. Barbara Beuys gelingt eine sehr kluge Darstellung der deutschen Frauenbewegung. Verdienst dieses Buches ist die breite Darstellung verschiedener Protagonistinnen, die nicht immer denselben Weg wählten, aber doch dieselben Ziele verfolgten: rechtliche, politische, berufliche Gleichstellung von Mann und Frau. Dabei gelingt es, die Einzelschicksale mit den historischen Hintergründen eng zu verzahnen, ohne dass man als Leser bei der Vielzahl der Figuren und Handlungssträngen den Überblick verliert. Auch dass Beuys nicht den in der populärwissenschaftlichen Literatur immer wieder verbreiteten Irrtümern aufsitzt, sondern gründlich differenziert, ist bemerkenswert: So zeigt sie etwa, dass die Kriegsbegeisterung im August 1914 sich entgegen landläufiger Annahmen v.a. aufs städtische Bürgertum beschränkte, den Großteil der Feministinnen aber sehr wohl erfasste, dass die weibliche Berufstätigkeit während des Krieges als Motor der Emanzipation überschätzt wird, aber eben auch nicht völlig ohne Bedeutung war. Auch Sympathien vieler Frauenrechtlerinnen für Ideen der Eugenik erklärt sie aus dem zeitlichen Horizont heraus, waren doch auch diese zum Teil hoch gebildeten Frauen nicht über jeden pseudo-wissenschaftlichen Unsinn ihrer Zeit erhaben. Sie stellt den Feminismus im deutschen Kaiserreich nicht als stromlienienförmige Erfolgsgeschichte dar, sondern als einen mühsamen Kampf, der in Einzelfällen auch verloren ging.
Super spannend, zwischen einigen Kapiteln gibt es jedoch einen starken Abbruch vom lese Fluss (gerade wenn die Themen sich etwas stärker ändern) generell jedoch sehr informativ, man kann sich gut rein versetzten/rein lesen. Und ein Riesen Punkt: nach dem Buch sieht man die Feministische Bewegung noch mal spezifischer and andauernder Wandel mit riesen Bildungslücken (vor allem bei alten weißen Männern). Echt mega Buch. (verwendet für eine Seminararbeit zum Thema Emanzipation von 1900bis 1920)