Sophia Fritz analysiert Weiblichkeit in all ihren Facetten. »Man lernt als Powerfrau so vieles aus diesem Buch – u. a., wieso genau es womöglich kein schlimmeres Wort gibt als Powerfrau.« (Sophie Passmann)Etwas fühlt sich falsch Wenn wir lächeln, obwohl wir eigentlich streiten möchten. Wenn wir unsere Freundinnen ghosten, weil wir Konfrontation fürchten und Konflikte vermeiden wollen. Wenn wir uns für Feminismus einsetzen, aber anderen Frauen* nicht vertrauen und instinktiv nach ihren Fehlern und Schwächen suchen. Was lauert da in uns weiblich sozialisierten Menschen, dass wir uns immer wieder gegen uns selbst und andere richten? In mutiger Selbstbefragung führt uns Sophia Fritz dorthin, wo es weh tut, und zeigt uns ein Phänomen, von dem wir gerade erst begreifen, wie sehr es unsere Lebenswelt Toxische Weiblichkeit. Der Essay der Stunde für alle, die sich nach einem neuen feministischen Miteinander sehnen, von einer der kreativsten und klarsten Denkerinnen der neuen Generation.
Sophia Fritz hat Drehbuch und Dramaturgie an der Filmhochschule in München studiert. Ihr Debütroman "Steine schmeißen" erschien 2021, 2024 erschien bei Hanser Berlin der Sachbuch-Bestseller "Toxische Weiblichkeit". Unter ehrlichleben.de bietet Sophia Fritz Erforschungsräume für somatisches Erleben gesellschaftlich relevanter Themen an.
Welcome to the next step in the noble quest to unfuck gender relations: Let's talk about toxic femininity! First, a short recap: Toxic masculinity consists of, generally speaking, male behaviors that restrict men in their freedom of emotional expression, lead to destructive tendencies based on learnt repression and lead to the oppression of women. In "Toxic Femininity", Sophia Fritz now investigates how we as women re-produce internalized mysogyny and weaponize seterotypically female behaviors, thus helping to uphold the system to our own detriment (and, I would argue, the detriment of men). This is not victim blaming, no: Fritz talks about agency and solidarity, she talks about breaking cycles - and some of her examples for toxic female behavior made me, you know, seen, which was NOT FUN.
But as we all know, acknowledging the problem is the first step to solving it, so buckle up, folks, I bet you're also guilty on some counts. Are you the good girl? Are you the power woman? The mummy (not as in the mother to your children, but to everybody)? The victim? The bitch? Aaaahhh, all those wonderful boxes we like to jump right into in the hopes of thriving in the patriarchy, and because we've learnt that's what we're supposed to do to be acceptable / likeable / fuckable, in fear of rejection. And yes, it wasn't right to teach us that (and to be clear: those teachers were society as a whole, we're talking structural problems), but it's also not right to keep on keeping on.
Let's look at some concrete issues Fritz addresses: - the most radical thing a woman can do is to express her desire, especially for power and sex - because women are not trained to do that, they have trouble translating emotion into action - women fight with emotional manipulation, because they have learnt to be receptive to shame: They use humiliation in the female realm and deny that men have emotional agency, they claim victimhood to execute a kind of agency that will not be punished - women seek protection in perfection and fear the loss of control, which prompts them to strife for admiration (which can be controlled) instead of love (which can't be controlled) - women fear to be branded as difficult, so they tend to stand by when other women get punished
Make no mistake: Fritz does not say that all women do that all the time in order to call out women, no: Her point is that all these neurotic behaviors are the result of women being taught to always be agreeable and not to make a fuss, which leads to repression and desperation (as does toxic masculinity for men). The punishment society (men and women) executes on women who try to stand their ground, who speak up, who show emotions like anger or, God forbid, a higher aptitude or better knowledge than a man, is very real. Women have to overcome their justified, existential fear, which is no small feat.
I hope we will get more texts of this kind, as Fritz does not stop at lamenting about the status quo, but she investigates female agency when it comes to changing it, and that's a very hopeful and helpful approach.
Wie oft muss man sich erkannt fühlen um fünf Sterne zu garantieren? 🫣 Sophia Fritz schafft wirklich nochmal eine neue Perspektive. Unbedingte Empfehlung.
"Toxische Weiblichkeit" - diese beiden Begriffe in Kombination lösen in mir erstmal eine Abwehrhaltung aus, verbinde ich doch toxisches Verhalten eher mit Männlichkeit oder mit ungesunden Beziehungen. Sophia Fritz zeigt aber zurecht auf, dass auch Weiblichkeit toxisch sein kann und wir uns Verhaltensweisen angeeignet haben, um im patriarchalen System besser klarzukommen, um uns ein- und manchmal auch unterzuordnen. Der große Unterschied zur toxischen Männlichkeit ist, dass toxische Weiblichkeit nicht tödlich ist, sondern vereinfacht gesagt eher eine Strategie, um im jeweiligen Leben irgendwie durchzukommen. Dabei beschreibt sie in ihrem Sachbuch fünf Prototypen: das "gute Mädchen", die "Powerfrau", das "Opfer", die "Mutti" und die "Bitch". Ich konnte mich selbst (leider) in jeder dieser Kategorien wiederfinden, was für mich die größte Stärke an diesem Essay ist - er regt dazu an, sich und das eigene Verhalten zu reflektieren. Dabei setzt die Autorin bei sich selbst an und ist radikal offen, was ich sehr mutig finde. Sophia Fritz Buch "Toxische Weiblichkeit" ist genau richtig unangenehm, stellt konstruktive Fragen und zeigt neue Wege des feministischen Miteinanders auf - für mich sehr gut gelungen! Noch ein Plus des Buchs: Es gibt sehr viele Lektüretipps zum Weiterlesen und Vertiefen der verschiedenen angesprochenen Themen. Das Lesen lohnt sich!
Mit dem Begriff der „toxischen Weiblichkeit“ meint die Autorin explizit nicht jene Verhaltensweisen, die Frauen an den Tag legen, um einander das Leben schwer zu machen, sondern vielmehr bei Frauen internalisierte Muster, die quasi autoaggressiv einen sexistischen Status quo aufrechterhalten. Ihre Archetypen sind das gute Mädchen, die Powerfrau, die Mutti, das Opfer und die Bitch. Aus dem Bedürfnis, gemocht zu werden, stellt das gute Mädchen seine Bedürfnisse hintenan, die Powerfrau stellt an sich selbst den Anspruch, Karriere, Haushalt, Mutterschaft, Beziehung mit links zu schaffen und dabei noch super auszusehen, die Mutti reibt sich auf in der selbstaufopfernden Fürsorge, das Opfer instrumentalisiert passiv-aggressiv seine Unterlegenheit, während die Bitch die Ellenbogen ausfährt, um zu kriegen, was sie will. Ich glaube kaum, dass irgendeine Frau das lesen kann, ohne sich in dem einen oder anderen Typ (oder in mehreren) wiederzufinden, und das ist manchmal recht schmerzlich. Vieles davon „hits close to home“ und dennoch reizt manches meinen Widerspruch. Stellenweise wird die „Bitch“ verklärt als der einzige Typus, dem es gelingt, sich von der gesellschaftlichen Anspruchshaltung freizumachen, klar – und auch mal unfreundlich – seine Bedürfnisse zu benennen. Die mangelnde soziale Akzeptanz dieses Verhaltens sei das Problem der Gesellschaft, nicht das der Bitch. Natürlich ist es wichtig, seine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, doch dafür die Mitmenschen stetig vor den Kopf zu stoßen und sich dabei u.U. in die soziale Isolation zu begeben, das muss man wollen. Der Mensch existiert als soziales Wesen, und ein funktionierendes Gemeinwesen beruht auf dem Ab- und Zugeben aller seiner Mitglieder, egal ob männlich oder weiblich. In ihrem Fokus auf weibliche Verhaltensweisen, die z.T. ein bestimmtes männliches Verhalten ermöglichen, balanciert Fritz manchmal hart an der Grenze zum „victim blaming“, wobei sie allerdings immer wieder betont, dass die über Generationen verfestigte weibliche Sozialisation das Problem ist, aus der wir nur sehr allmählich herausfinden. Am Ende kriegt Fritz noch die Kurve, auch auf die problematische Dimension des Bitch-Verhaltens einzugehen, das zur Performance einer toxisch-männlich besetzten Rücksichtslosigkeit ausarten kann. Fritz‘ abschließendes Plädoyer für ein gesundes Mittelmaß erscheint mir etwas halbherzig. In ihrem Gegenentwurf ist sie mir nicht wirklich klar genug – was wohl auch der essayistischen Form des Buches geschuldet ist: Fritz verknüpft persönliche Erfahrungen, Anekdoten, popkulturelle Verweise und Sekundärliteratur, aber ein klares theoretisches Fundament fehlt ihr. In ihrem subjektivistischen Blick wirkt mir vieles zu egozentrisch, als hieße Feminismus vor allem, dass Frauen kriegen, was sie wollen. Die Vorstellung, dass frau nur ihr Mindset ändern muss, wirkt auf mich etwas naiv, stellen sich die sozialen Gefüge des Geschlechterverhältnisses doch etwas komplexer dar als Fritz sie beschreibt.
Sehr lesenswert: Zum nicht immer angenehmen Reflektieren für Frauen, zum wichtigen Verständnis für Männer und zum Debattenstart und als Diskussionsgrundlage überhaupt. Mehr Nein sagen, weniger entschuldigen, Gefühle in Handlungen übersetzen und vor allem: Solidarität - warum Frauen es sich mit diesen und weiteren Dingen schwer tun, geht Fritz hier mit zahlreichen Beispielen unterhaltsam und anregend auf den Grund.
3.5* Ich fand viele Ansätze des Buches sehr interessant und habe mich auch in sehr vielen der Anekdoten wiedergefunden. Wenn man sich allerdings schon etwas mit Feminismus befasst hat, ist in diesem Buch nicht wirklich was neues dabei. Trotzdem spannend und die Verweise auf andere Texte enthalten auf jeden Fall viele Leseempfehlungen für mich.
Es ist schon mutig, "Toxische Weiblichkeit" als Sachbuch zu bezeichnen, denn tatsächlich handelt es sich – wie Sophia Fritz im Epilog selbst zugibt – um eine Essaysammlung, die vor allem ihre eigenen Gedanken repräsentiert, statt sich an wissenschaftlichen Standards zu orientieren. Leider führt genau das zu den größten Schwächen des Buches: Ein strukturelles Problem wie „toxische Weiblichkeit“ wird auf die Individualebene heruntergebrochen, was meiner Meinung nach fatal ist. Es wirkt fast so, als würde man armen Menschen sagen, sie müssten einfach härter arbeiten, statt die systemischen Ursachen ihrer Armut zu beleuchten.
Das zentrale Ziel des Buches – den Begriff „toxische Weiblichkeit“ zu definieren, um seinen Missbrauch zu verhindern – scheitert vollkommen. Im Gegenteil: Es liefert eher eine Anleitung, wie der Begriff tatsächlich falsch und gegen Frauen verwendet werden kann und so zum Instrument des Patriarchats im Kampf gegen das Patriarchat wird. Ein besser passender Begriff wäre patriarchale Weiblichkeit gewesen, doch stattdessen bewegen sich die Essays in einem unscharfen, wenig fundierten Raum. Für mich hätten diese Texte besser in Fritz’ Tagebuch bleiben sollen – wo war der Lektor oder die Lektorin, die das hätte hinterfragen können? Das einzig Positive, das ich aus dem Buch mitgenommen habe, sind die Werke, die zitiert werden und die weitaus relevanter und fundierter sind.
Ich würde dieses Buch nicht einmal als Einstiegslektüre für den Feminismus empfehlen, da es strukturelle Probleme nicht nur ignoriert, sondern sie regelrecht negiert. "Toxische Weiblichkeit" wirkt mehr wie eine persönliche Selbstfindungsreise als wie ein Sachbuch, und das hat mich enttäuscht und wütend zurückgelassen.
Nicht gut, nicht schlecht, sondern so lala. Das Buch hat einige gute Aspekte, aber es ist zu kurz und oftmals wird so oft zwischen den Themen hin- und her gesprungen, dass es mir schwer fiel, den Gedankengängen zu folgen. Einiges fand ich persönlich auch abstrakt. Am kritischsten sehe ich jedoch, dass das ein Sachbuch sein soll, aber überhaupt nicht sachlich ist. Vielmehr ist es eine Anreihung an persönlichen Erfahrungen, die dann mit anderen feministischen Texten und mit dem Austausch gewisser Feministinnen begründet werden. Sachlich ist das aber nicht, und auch nicht fundiert und wissenschaftlich, sondern eben nur manchmal relatable.
Da hab ich mehr von erwartet. Es ist definitiv das bessere Pick Me Girls, weil es nicht so stark von den Erfahrungen der Autorin auf die Allgemeinheit schließt und mehr Platz für marginalisierte Gruppen einräumt. Trotzdem habe ich mich auch hier oft nicht wiedergefunden. Vielleicht hab ich enormes Glück oder trage enorme Scheuklappen, aber ich muss vor meinen Freundinnen nicht ständig stark sein und angeben mit meinen Leistungen oder darf sie nie kritisieren. Führen wirklich so viele Erwachsene solche Freundschaften?
Fritz’ anschließende Erläuterung der fünf toxischen Archetypen hat mir dann schon eher Identifikationspotenzial und Grübeleien beschert. Macht nicht immer Spaß, sich darin wiederzuerkennen, aber ist sicher wirkungsvoll. Allerdings sind mir die Beispiele oft zu isoliert dargestellt. Ich weiß nicht, ob sich das in einem Sachbuch überhaupt anders lösen lässt, aber oft denke ich bei solchen Büchern, dass dieses oder jenes Denken/Handeln auch mit XY zusammenhängt und sich eben nicht von allem losgelöst betrachten und lösen lässt und dann fühle ich mich ein wenig alleingelassen mit der Kritik und dem Problem, das ich nun benennen kann, mit dem ich aber nicht weiter umzugehen weiß. Zum Beispiel wird es als Makel verstanden, wenn ich als Frau das Gefühl habe, immer nett und höflich sein zu müssen. Klar, nachvollziehbar wie problematisch das in vielen Fällen ist und dann auch nicht angebracht, aber andererseits möchte ich in einer Welt leben, in der alle vom ersten Ansatz her erst einmal nett und höflich miteinander umgehen und ist nicht der Weg dorthin, mit gutem Beispiel voranzugehen? Habe wirklich ich hier den toxischen Charakterzug oder sollte unsere Gesellschaft ihre Werte umorientieren? Vielleicht sollte ich solche Bücher einfach nur noch im Austausch mit anderen lesen, vielleicht wollen Autorinnen wie Sophia Fritz genau das anregen.
Viele Ansätze sind in diesem Buch gut zusammengefasst und für Menschen, die sich das erste mal mit dem Thema auseinandersetzen, sicherlich auch lesenswert. Wer sich schon mit dem Thema Feminismus, internalisierter Frauenhass etc befasst hat, wird hier eher auf Bekanntes, statt Neues stoßen, da vor allem oft auf andere Bücher verwiesen wird, statt Eigenes beizusteuern.
Für mich wirkte das Buch zu kurz, fast schon halbfertig und die Herangehensweise nicht zu Ende gedacht, vor allem da mir Perspektiven von anderen Realitäten fehlten, statt von Frauen, die sich Therapie, Massagen, Retreats etc eh leisten können. Das einzige, das ich positiv finde, ist die eigene internalisierte Misogynie zu hinterfragen, aber…zielt das Buch nicht sowieso darauf ab?
Alles in allem, aber dennoch stellenweise informativ, auch wenn ich eher andere Bücher empfehlen würde.
Ich würde dieses Buch am liebsten jeder Person in die Hand drücken. Sophia Fritz hat meinen Blick auf Weiblichkeit nochmal verändert und hinterlässt ein wahnsinnig gutes empowerndes Gefühl. Ich habe mich lange nicht mehr so "ertappt" und gleichzeitig akzeptiert gefühlt. Und trotz der teilweise schweren Themen, musste ich immer wieder lachen und schmunzeln. Einfach eine 10/10
Mein Lieblingszitat:
"Wie oft stehen mittelalte, übergewichtige Männer mit schlechtem Haarschnitt und Camp-David-T-Shirt vor Einkaufsläden auf Urlaubsinseln und glauben, dass sie eine gute Zeit haben, obwohl ihre vierzehnjährige Tochter seit Wochen nicht mehr mit ihnen geredet hat." (S.138)
„Nicht die fehlende Solidarität zwischen Frauen ist das Symptom toxischer Weiblichkeit, sondern rasive Verhaltensweisen wie Überangepasstheit, Gefälligkeit und die Übernahme fremder Gefühle - lauter Aspekte, die wir anerzogen bekommen haben und für die wir aus patriarchaler Perspektive gepriesen werden. Emanzipation ist also nicht nur die Befreiung von der institutionellen Dominanz der Männer, sondern auch die Befreiung von Weiblichkeit als patriarchaler Wunschvorstellung.“
Das war ein ganz tolles und wichtiges Buch, das den Feminismus weiterdenkt. Nachdem wir gelernt haben, patriarchale Strukturen zu erkennen und warum es noch lange keine Gleichberechtigung gibt, geht Sophia Fritz in ihrem Buch den nächsten Schritt. Sie bricht die Stereotypen des guten Mädchens, der Powerfrau, der Mutter und zahlreichen anderen auf, die das Patriarchat für Frauen geschaffen hat. Ich habe viele neue Denkanreize bekommen und direkt zum nächsten Sachbuch gegriffen, weil das Buch eine echte Sogwirkung hatte. Daraus resultierend sind auch tolle Gespräche entstanden! Ich würde das Buch allerdings nicht als Einstieg ins Thema empfehlen, da es auf vorhandenem Wissen aufbaut.
Erwartetes Jahreshighlight. So viel unterstrichen, so viel an mich und meine Freundinnen gedacht. Knapp, inhaltsreich, impulsreich und alltäglich. Lest das unbedingt alle!
Der Ausgangspunkt für mich als Leserin ist erstmal die sogenannte toxische Männlichkeit. Das sind Incels, das ist Andrew Tate, das ist immer auch Frauenhass und auch Gewalt an Frauen. Und klar ist toxische Männlichkeit auch in einer männlichen Bubble für Männer shice, aber in erster Linie transportiert sich die toxische Männlichkeit nach außen und auf Frauen und es endet nie gut. Jetzt kommt also mit toxischer Weiblichkeit in logischer Konsequenz der Gegenentwurf? Resultiert toxische Weiblichkeit in Misandrie und wer nicht misandrisch ist wird verachtet?
Nope.
Zitat Wikipedia:
Die Bloggerin Tavi Gevinson beschreibt mit dem Begriff Girl Hate (2011) das Konkurrenzverhalten unter Frauen im Patriarchat.[1] Das Phänomen des Pick-Me-Girl (deutsch: Wähle-Mich-Mädchen) ist die sprachliche Abgrenzung von stereotypisiertem, negativ-konnotiertem Verhalten von Frauen durch Frauen.
Und im Fall von Sophia Fritz’ Buch ist es rein auf Frauen gerichtet. Wir kriegen’s also doppelt ab: Wir sind Opfer der toxischen Männlichkeit und jetzt gibt’s noch ein ganzes Buch in dem wir kategorisiert und kritisiert werden.
Fritz nennt ihr Buch ein Essay und technisch ist es das vermutlich auch, aber es ist eigentlich Sophie Passmanns sogenannter Memoir gar nicht so unähnlich. Mit Anekdoten gespickt unterscheidet es sich eigentlich nur dahingehend, dass sie feministische Theorien benennt und andere Autorinnen zitiert und Credit gibt. Aber es geht doch sehr viel um Sophia Fritz.
Aber ähnlich wie bei Passmann ist es sehr elitistisch; in Fritz‘ Welt kommen migrantische Frauen gar nicht vor, alleinerziehende Mütter kommen nicht vor … es geht nur um so eine Art Carrie Bradshaw, also Frauen, die sich 24/7 mit sich selbst beschäftigen können und das auch tun. Und wo die Lösung aller Probleme (und hier nehmen ich Bezug auf Fritz‘ Podcastgespräch mit Matze Hielscher) in ihrer Hoffnung der Entspannung liegt: „Ich möchte entspannte Menschen um mich herum haben.“ Und wie genau werden Menschen entspannt? Ja genau, durch Tantramassagen. Bis wir Frauen alle Zeit und Muße dafür haben, müssen wir halt erstmal Sachen wir Frauenhass, Gender Pay Gap und Gender Care Gap aus dem Weg schaffen. Dass ich da vielleicht in meiner Freundinnengruppe mal zu bemutternd bin – ja sorry, geschenkt.
Hinzu kommt, dass das Buch/Essay leider nicht gut geschrieben ist. Es ist sprachlich nicht einnehmend, nicht griffig, so dass man vielleicht als Leserin noch mal gerne zurückblättert oder sich vielleicht mal was für später markiert oder rausschreibt. Es hat eine oberflächliche Struktur durch die Prototypen, in die sie toxische Weiblichkeit einordnet (wie eklig ist das eigentlich schon so vom Konzept her) aber dann verzettelt sie sich mit Gedanken zu Zitaten, die sie dann irgendwo los wird. Ich fand auch ihre Beispiele nicht relatable, da war ich sogar überrascht, dass im Papierstaupodcast gesagt wurde, dass sich in den Beispielen jede wiederfinden kann.
Sie hat ein paar gute Ansätze, aber ich glaube, eine andere und bessere Struktur hätten geholfen und vielleicht würde ein bisschen mehr Lebenserfahrung auch helfen. Lern mal Menschen kennen, die sich nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Vielleicht wäre ein anderer feministischer Schwerpunkt mit Mitte 20 besser gewesen. Zumindest aber wäre ein Titel, der – schon wieder – Frauen kritisiert aber natürlich nicht so ballert, schon sympathischer gewesen.
Sehr überrascht hat mich die positive Bewertung aller drei Hosts im Papierstaupodcast, inklusive deutlicher Leseempfehlung und auch Verschenk-Empfehlung. Bitte, tut das nicht.
Kauft es Euch meinetwegen für 5 Euro bei der bpb (das ist auch die Ausgabe, die ich gelesen habe).
Sophie Passmanns Buch bekam 1 Stern, da ich von Sophie Fritz‘ Buch einen Ticken mehr mitgenommen habe, gebe ich liebgemeinte 2 Sterne.
Can a book called toxic femininity be truly feminist? As a woman, I immediately feel a term like this evoking mixed feelings inside my chest – is this going to be support or an attack? Turns out it's both and neither, but the fact that you're wondering is precisely why feminism needs a book like this!
This book originally written in German, which title translates to Toxic Feminity is an essay by the 27-year old Sophia Fritz, who mainly looks at herself and her own experiences in order to evaluate the state of feminism today through debunking female archetypes deeply anchored in us women and by default, in our society. She zooms in on five of them: the good girl, the power woman, the mommy, the victim and the bitch. Women reading this will recognise all five types, some in other people, some in themselves.
But wait, why do we need to debunk our own shortcomings like that? I'm extremely impressed with Fritz capability of self-reflection and observation. The term old white men has long grown into a cultural definition of a type of man we need to expose and fight against, but the point this essay makes is that we need to pay attention to mechanisms and behaviours we internalised, too. It's scary and intimidating, but necessary for making progress in breaking these chains that society has put on us over decades and centuries. We all have developed coping mechanisms for dealing with sexism and navigating ourselves in this confusing men's world and while some of them work well, they're potent for the reason that they're playing into the stereotypes that we find ourselves confronted with.
Being the good girl for example works, because empathy and sensibility will make us appear social and caring, but in the chapter dedicated to her Fritz examines how taking on this sort of personality is actually hindering in creating true intimacy and authenticity (which might sound like a paradox, but makes a whole lot of sense in this book). It's not our fault for turning out like this, we learn from a young age that we need to think for others and be aware of their feelings and sentiments (something that boys learn less so), but it's our responsibility to question whether it's the right way of handling social scenarios. Confronting the inner good girl is particularly hard because being her usually proves to be safe: if I'm always empathetic towards others, feeling what they're feeling, I'm not taking a stand on anything that other's can judge me on.
It's brave, unmasking and to the point. I think every woman will relate to at least one of the archetypes and will recognise the others in people she knows as well. But this is important for men to read as well, who might not understand why we grow into the women we do. Note that this isn't a scientific piece of work, it's rather a sociological offering of ideas – ideas which I personally resonated more with than those presented in Sophie Passmann's recent Pick Me Girls for example, but that will be up to each individual to decide. What I can safely say though is that I cannot wait to recommend this to people in my life – women so they can reflect their own personalities and men so they can understand the system they're a part of better.
Mich hat der Titel des Buches anfangs davon abgehalten, es zu lesen. Diese Zeile aus dem Buch beschreibt meine anfänglichen Vorbehalte gut: „Auf keinen Fall lasse ich mir unter dem Deckmantel des Feminismus noch mehr misogyne Konzepte unterjubeln“.
Dann hab ich zwei Interviews mit Sophia Fritz gehört und war begeistert. Sie fasst Gefühle und Gedanken in Worte und man hat plötzlich eine Sprache, um sich darüber zu unterhalten und Situationen zu beschreiben, die einem begegnen.
Es ist ein feministisches und durchaus positives Buch, das zum Reflektieren einlädt.
Sie beschreibt fünf weibliche Prototypen.
1. Das gute Mädchen: passt sich an, versucht, unsichtbar zu sein (Sichtbarkeit = Ausgeliefertsein), nur nicht schwierig sein, wenig Raum einnehmen
2. Die Mutti: opfert sich für die Familie auf, aber gibt nicht aus Warmherzigkeit und Liebe, sondern um Dank & Anerkennung zu bekommen und sich ihren Platz zu verdienen. „Sie ist der Inbegriff der konstant rotierenden Mutter, die jede Hilfe kategorisch ablehnt und zwischen dem Meer aus Gerichten umherwirbelt, bis sie schlagartig in Selbstmitleid verfällt und ihre Kinder dafür kritisiert, dass sie ihr nicht helfen, sie nicht lieben und sie alles alleine machen muss. Ihre Kinder versuchen, sie zu trösten, zu besänftigen, zu beruhigen; nichts funktioniert. Niemand in der Familie weiß, wie er mit diesem Wechselspiel umgehen soll.“
3. Die Powerfrau: ist die Fortsetzung des guten Mädchens - sie wirkt nach außen hin stark, hat aber das Gefühl, alles perfekt machen zu müssen, um gut genug zu sein; Sichtbarkeit in Perfektion
4. Das Opfer „Trauer macht mich so müde, dass ich nicht mehr die Energie habe, mich gegen etwas zur Wehr zu setzen.“
5. Die Bitch „…die Entscheidung getroffen, das gute Mädchen abzulegen wie einen zu engen, ausgeblichenen Badeanzug und im Tausch für größere Freiheit in Kauf zu nehmen, als schwierig zu gelten.“
Sehr interessant und in einigen Punkten wirklich neu und anregend für mich! Empfehle es auf jeden Fall, gerade um vielleicht ein bisschen was gegen dieses Gefühl von absoluter Ohnmacht angesichts unbeweglicher patriarchaler Strukturen zu tun.
Insbesondere die Handlungsanweisungen zu mehr Solidarität untereinander, dazu unbequemer und lauter zu sein und gleichzeitig auch Stärken in der eigenen Empathie und Fürsorge-Fähigkeit zu sehen, fand ich sinnvoll und gut!
Gleichzeitig hat es mich immer wieder frustriert zu sehen, dass am Ende trotzdem wieder FLINTAs die Arbeit tun, sich selbst hinterfragen und patriarchale Strukturen abbauen müssen. Und dass sie das alles tun, während cis Männer einfach nicht dazu zu bewegen sind, in irgendeinem annähernden Maß Verantwortung für ihr eigenes gewaltvolles Verhalten zu übernehmen.
Ich habe von Sophia Fritz das erste Mal in dem YouTube-Format “13 Fragen” gehört und da hat sie sehr sachlich, aber auch total empathisch argumentiert und hat neue Perspektiven reingebracht. Daher war ich sehr gespannt darauf, was von ihr zu lesen.
Nun zum Buch: Zunächst bewundere ich Sophias offene Art und wie verletzlich sie sich im Buch zeigt. Damit schafft sie auf jeden Fall eine gute Grundlage für die Leser, um sich selbst zu öffnen und zu hinterfragen. Ich habe mich an vielen Stellen wiedergesehen und auch “erwischt” gefühlt.
Aber das Buch war für mich nicht das, was ich erwartet habe. Es waren viele Impulse dabei und Berichte über die eigenen Erfahrungen / Erfahrungen von Bekannten / Freunden. Aber das war’s auch.
Ich habe mir eine strukturierte Analyse gewünscht oder eine total neue Sicht auf das Thema. Aber das Buch enthielt mehr Zitate aus anderen Büchern als “Eigenleistung”. Ich hoffe, dass das nicht gemein klingt, denn ich fand das Buch echt nicht schlecht. Aber für mich war es eher ein langes Essay, das man als Seminararbeit abgibt und weniger ein eigenständiges Buch.
Ich kann mir das Buch sehr gut in einem Leseclub vorstellen, denn viel Diskussionsstoff enthält es ja und ich habe niemanden mit dem ich darüber reden kann
Sehr guter Essay über unsere Prägungen als Frauen in der Gesellschaft. Ich wünsche mir, dass jeder Diskurs so ehrlich und gleichzeitig wenig verurteilend stattfindet.
Toxische Männlichkeit ist hinlänglich bekannt. All die Andrew Tates und Christians dieser Welt, das 0815 Macho Alpha Männchen, bis hin zum Bayrischen Foodblogger und ... was auch immer Frizze Merz ist (Spoiler: alles, nur kein Bundeskanzler, ich tendiere zu labbrigem Toastbrot), es gibt unzählige Bücher darüber, wie diese cis Männer im Patriarchat ihre Macht erhalten. Aber gibt es ähnliche Verhaltensmuster auch bei weiblich sozialisierten Personen? Eine toxische Weiblichkeit also? So lautet der Titel von Sophia Friz' Buch, und als ich es zufällig in der Buchhandlung meines Vertrauens sah, dachte ich sogleich: »Oh, schau an. Die Cissen haben ja tatsächlich mal so etwas wie Selbsterkenntnis!« In erwartungsvoller Vorfreude sackte ich das Buch also gleich ein und fing sogar schon auf dem Heimweg an, darin zu lesen. Ich wollte dieses Buch mögen, wirklich. Am Ende stellte es sich als kompletter Reinfall heraus. Um es kurz und knapp zu machen: Dieses Buch unerträglich privilegiert, weiß und cissig. Manch eine Rezensentin hat sich echauffiert, dass Frauen auch sonst schon immer die Verliererinnen im Patriarchat sind, und jetzt sollen sie auch noch Täterinnen sein? Unerhört! Dabei ist die zugrunde liegende Message des Buchs eigentlich eine gute: Nur wenn Frauen anerkennen, dass auch sie toxische Verhaltensmuster haben und nicht immer nur die phözen Männer (dabei wird natürlich in bester cissiger Manier nicht zwischen endo und inter, cis und trans, weiß und Schwarz usw. unterschieden, es sind einfach MännerTM), können alle auf ein gleichberechtigtes Miteinander hinarbeiten. Selbsterkenntnis ist immerhin der erste Schritt zur Besserung. Weiße endo cis Frauen gehören mit zur privilegiertesten Bevölkerungsgruppe innerhalb des Patriarchats, und Fritz ist sich durchaus ihrer Privilegien bewusst als gut situierte, normschöne weiße cis Frau. Leider hört es bei dieser Erkenntnis auf und sie denkt nicht wirklich darüber nach. Stattdessen windet sie sich zu Anfang über zig Seiten, wie unangenehm sie es zunächst fand, sich mit der Erkenntnis auseinander setzen zu müssen, selbst toxisches Verhalten internalisiert zu haben. Plötzlich merkt sie, wie unangenehm das ist, die eigenen Privilegien zu hinterfragen und zu erkennen, dass eins vielleicht andere Menschen marginalisiert hat. Sie ist in diesem Denkprozess in der »huch, ist das unangenehm« Phase übrigens stecken geblieben und hat das nie wirklich vertieft, aber dazu gleich mehr. Währenddessen wird von (weißen endo cis) Männern seit Jahren gnadenlos gefordert, denselben Prozess zu durchlaufen, und am besten veranstalten wir sofort ne man hunt und schneiden denen die Eier ab, Männer gehören abgeschafft, so jedenfalls klingen manche sogenannte Feministinnen (allesamt weiß, cis, privilegiert). Ganz die geschäftige Femfluencerin hat Fritz übrigens mit ihrer Freundin die ehrlichleben Räume geschaffen, in denen sich Frauen in Seminaren mit ihrer toxischen Weiblichkeit auseinandersetzen können, neuerdings auch für Männer geöffnet, und ganz vielleicht bin ich hier gerade etwas sehr zynisch. Aber mal ganz ehrlich: Wir erleben einen Genozid von trans Personen weltweit, und eine weiße Cisse kommt auf einmal auf den Trichter, dass sie ja Privilegien hat. Oh nein! Wie schlimm! Eure dicken cis Krokodilstränchen interessieren mich einen feuchten Furz. Je unwohler ihr euch fühlt, umso besser! Vielleicht fällt der Groschen ja irgendwann. Ja, ich finde Fritz’ Jammern pathetisch, sollte das noch nicht deutlich geworden sein. Aber zurück zum Text. Race spielt in »Toxische Weiblichkeit« quasi keine Rolle, das rassistische Trope der wütenden Schwarzen Frau wird sage und schreibe in genau einem Absatz erwähnt, während andere ganze Bücher darüber schreiben. Marginalisierte Geschlechter spielen keinerlei Rollen abgesehen von ein oder zwei signal virtuing »nonbinäre Personen« Drop, wenn es gerade zufällig passte, ohne darüber nachzudenken, was das eigentlich impliziert. Dadurch kommen dann auch so gruselige Konstrukte zustande, wie der Umstand, dass durchweg mit einem Doppelpunkt binär gegendert wird*, oder mein allseits gehasstes »FLINTA und Männer«. Ich schwöre, wäre ich nicht gerade im Büro gewesen, als ich das gelesen hatte, ich hätte das Buch mit einem wütenden Aufschrei im Affekt gegen die Wand gepfeffert. Bei Umberlee, ich nehm euch Cissen das FLINTA weg, ihr könnt damit ja ohnehin nicht verantwortungsvoll umgehen! Die allermeisten genderqueeren Personen lehnen mittlerweile FLINTA als angeblich inklusiver Raum ab, da es in der Praxis in überwältigender Mehrheit für weiße cis Frauen steht, die in der Regel hetero, manchmal noch bi oder lesbisch sind, die dann so tun, als seien sie inklusiv, sind es aber nicht, denn alle anderen müssen sich outen, ansonsten gibt es shady side eyes, wenn eins dann doch mal zu männlich aussieht. FLINTA steht für: Frau, Lesbisch, Inter, Nonbinär, Trans, Agender. Jeder Mensch, der jetzt auch nur eine Sekunde darüber nachdenkt, kommt auf den Gedanken, dass es eben auch einige Männer einschließt, wenn sie inter und/oder trans sind. Weiße cis Frauen bezichtigen mich sehr gern als toxischen Men’s Right Activist, wenn ich ihnen sage, dass cis Männer bei FLINTA inkludiert sind, eben weil sie nicht einmal im Entferntesten auf die Idee kommen, dass Männer intergeschlechtlich und/oder trans sein könnten. Trans Männer, inter Männer, Schwarze Männer, schwule Männer, behinderte Männer, neurodivergente Männer, arme Männer allesamt ohne wenn und aber als »Männer« in den gleichen Topf zu werfen wie einen Donald Trump, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeffrey Epstein, Christian Ulmen oder all diese anderen Lappen wie Frizze Merz oder dieser Alphakevin aus dem Internet und wie sie nicht alle heißen, ist halt einfach, ich kann es nicht anders sagen, ein Arschlochmove. Die Sache ist die: Das Konzept der toxischen Weiblichkeit ist kein neues. Schwarze und trans Aktivist*innen reden schon viele, viele Jahre darüber, denn ja, weiße endo cis Frauen können und sind Täterinnen, obgleich sie sich sehr wohl in ihrer Opferrolle fühlen. Ich nenne das weaponized womanhood, und immerhin darauf geht Fritz ein, wenn sie davon spricht, dass Frauen sich aus ihrer Opferrolle emanzipieren müssen, statt ihren Status als Opfer des Patriarchats zu nutzen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Auf Seite 132f. schreibt sie: »Der Opferstatus ist so etwas wie ein sekundärer Krankheitsgewinn. Eigentlich ist die Krankheit etwas Schlechtes, aber man bekommt Aufmerksamkeit und hat dadurch gesellschaftlich mehr Wirkmacht, ein besseres Standing, wird anders behandelt und fühlt sich sicherer. Natürlich muss der sekundäre Krankheitsgewinn gemindert werden, im besten Falle, indem die Person die Anerkennung und die Aufmerksamkeit erlebt, die sie braucht, ohne dafür krank sein zu müssen. Das heißt, eigentlich bräuchten wir einen gesellschaftlichen Switch, in dem wir Frauen nicht erst dann zuhören, wenn sie den Opferstatus der systemisch Benachteiligten für sich beanspruchen. Da sind wir wieder beim Thema Gleichberechtigung: Wenn Frauen die gleichen Ausgangsbedingungen hätten wie weiße Cis-Männer (sic!), dann müssten sie sich nicht als Opfer darstellen. Dann würden sie einfach in Talkshows eingeladen werden, weil sie etwas zu sagen haben und das nicht noch über ihren Status als Opfer beweisen müssen.« Das ist ein extrem wichtiger Punkt, denn eine Menge toxischen Verhaltens von weißen endo cis Frauen gegenüber anderen marginalisierten Rollen entspringt exakt dieser zur Waffe gemachten Opferrolle. Leider wird Fritz an keinem Punkt in ihrem Buch komplexer und reflektierter als weiße cis Männer vs. Frauen. Sie hätte jetzt über white woman tears, Karens und die radfem Ideologie (und damit Rowling als einflussreichtes und prominentestes Beispiel) sprechen können. Sie hätte race, soziale Klasse, Behinderung und Neurodivergenz sowie Genderqueerness einbeziehen können und auch sich selbst wirklich kritisch hinterfragen können. Aber das tut Fritz nicht. Ironischerweise schreibt sie selbst auf Seite 175: »Stattdessen sollten wir einen Teil unseres feministischen Fokus dorthin lenken, wo wir selbst potenzielle Gleichberechtigung verhindern.« Wäre sie nur selbst mal so konsequent in dem, was sie sagt! Gleichberechtigung nur für vom Patriarchat eh bereits begünstigte weiße, endo cis abled Frauen aus gutem sozialen Standing also. Auf Seite 133, nur ein paar Zeilen weiter, schreibt Fritz weiterhin: »Ich werte Opferrollen im öffentlichen Diskurs deshalb nicht als Symptom der toxischen Weiblichkeit, sondern als Mittel im Kampf um Gleichberechtigung.« An dieser Stelle verspürte ich kurz den Drang, in die Tischkante zu beißen. Natürlich ist es ein Symptom toxischer Weiblichkeit! Weiße cis Frauen benutzen exakt diese Opferrolle, um marginalisierten Stimmen ihren Platz zu nehmen! Wie es mit diesem Buch geschieht!! Ich rast aus! Da hatte sie mal kurz einen guten Take und verballert selbst das! Eine Rowling versteht es hervorragend, ihre Opferrole gegen trans Personen auszuspielen und äußerst effektiv einen Genozid zu finanzieren, um nur ein Beispiel zu nennen. Nein, die Opferrolle ist kein Mittel im Kampf um Gleichberechtigung. Fritz hätte auf diesen Gedanken kommen können, hätte sie auch nur ein einziges Mal über den Tellerrand der weißen cis Frau hinausgeblickt. Toxische Weiblichkeit ist, wie bereits erwähnt, kein neues Konzept und ist in intersektionalen Kreisen schon lange bekannt. Fritz verhält sich ironischerweise und ohne es zu merken selbst extrem toxisch, wenn sie es nun so darstellt, als hätte sie das Rad erfunden, indem sie bestimmte Verhaltensmuster ganz revolutionär als »toxisch weiblich« bezeichnet. Noch einmal: Allein das Konzept der white woman tears, definitiv ebenfalls ein Phänomen toxischer Weiblichkeit, ist nicht erst seit gestern bekannt. Im Interview mit der TAZ sagt Fritz: »Ich wollte den Begriff zurückholen und feministisch besetzen. Ihn nutzen, um Strukturen sichtbar zu machen, statt Ressentiments zu bedienen.«** Von wem genau zurückholen? Von Schwarzen und trans Aktivist*innen, die bereits die gesamte intellektuelle Vorarbeit geleistet haben? Intersektionale Aktivist*innen sagen seit langem, dass weiße endo cis Frauen feministische Räume komplett für sich vereinnahmen und Intersektionalität verdrängen. Sie sagen seit langen, dass Cisgeschlechtlichkeit und eine weiße Hautfarbe extrem viele Privilegien mit sich bringen. Dann heißt es als Antwort immer nur, das sei jetzt schon etwas viel und eigentlich auch total misogyn, hier geht es immerhin um Frauenrechte und das sei viel wichtiger. Wenn jetzt aber eine Cisse exakt dasselbe wie all diese intersektionalen Aktivitst*innen sagt, klatschen plötzlich alle Beifall und bezeichnen ihr Buch über toxische Weiblichkeit als »mutig« und »provokant«. Mutig abgeschrieben und provokant andere Ideen als die eigenen ausgegeben oder was? Es ist so typisch, dass irgendeine x-beliebige weiße Cisse daher kommt, sich die Lorbeeren klaut und als ihre ausgibt, um damit marginalisierten Personen die Bühne und das Mikrofon zu klauen. Es zeigt mal wieder, wem die Deutungshoheit gegeben wird über Bereiche, die sie vielleicht gar nicht oder nicht ausschließlich betreffen. BIPoC dürfen ausschließlich über race und Rassifizierung schreiben, genderqueere Personen über Gender, aber auch nur, wenn es um Transness geht. Und weiße cis Frauen dürfen sich einfach auf alle anderen feministischen Themen setzen und sich dort breit machen, selbst wenn sie nicht allein von bestimmten Lebensbereichen betroffen sind. Das Buch befasst sich fast ausschließlich mit patriarchalen Strukturen und wie weiße cis Frauen diesen Folge leisten (Schönheitsideale, Begehrlichkeit, emotionale Verfügbarkeit ect.). Kein einiges Mal wird erwähnt, wie weiße cis Frauen mittels ihres Frauseins strukturelle Macht über andere ausüben, außer das eine Mal, als es darum ging, Männern ihre Fähigkeit abzusprechen, ihre Gefühle wahrzunehmen und sie regulieren zu können. Das kaut einfach Altbekanntes wieder und brandet internalisierte Misogynie als toxische Weiblichkeit um. Nichts davon hat einen Mehrwert, denn alles davon wurde bereits von anderen Feminist*innen viel ausführlicher und vor allem intersektionaler analysiert. Das vorliegende Buch eignet sich nicht einmal als Einstieg in feministische Theorie, denn dafür baut es trotz aller Unterkomplexität doch auf zu viele feministische Theorien auf und benötigt daher etwas Vorwissen und eine gewisse feministische Grundbildung. Also was genau ist das hier eigentlich? Ein Unfall und reine Papierverschwendung, sage ich. Als Unterlage für mein wackelndes Tischbein würde es sich allerdings ganz gut eignen.
Wenn ihr stattdessen etwas mit Substanz lesen wollt, folgt hier eine keinesfalls vollständige Liste queerfeministischer und intersektionaler Literatur, die ich stattdessen empfehle: - Alabanza, Travis: None of the Above: Reflections on Life Beyond the Binary - Aydemir, Fatma & Yaghoobifarah, Hengameh (Hrsg.): Eure Heimat ist unser Albtraum - Bornstein, Kate: Gender Outlaw: On Men, Women and the Rest of Us - Butler, Judith: Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen - Faye, Shon: The Transgender Issue: An Argument for Justice - Gümüşay, Kübra: Sprache und Sein - Hasters, Alice: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten - Hedayati, Asha: Die stille Gewalt: Wie der Staat Frauen alleinlässt - Heyam, Kit: Before We Were Trans: A New History of Gender - hooks, bell: The Will To Chance: Men, Masculinity, and Love - Hornscheidt, Lann & Oppenländer, Lio: Exit Gender - Lorde, Audre: Sister Outsider: Essays and Speeches - Meyer, Lydia: Die Zukunft ist nicht binär - Page, Elliot: Pageboy - Roig, Emilia: Why We Matter - Young, Eris: They/Them/Their: A Guide to Nonbinary & Genderqueer Identities
*Der Konsens ist derzeit in der Community, dass der Asterisk (das phöze Gendersternchen) benutzt wird, um zu entgendern, kein Binnen-I, kein Unterstrich, kein Schrägstrich und erst recht kein Doppelpunkt. Abgesehen davon, dass es zwei Punkte sind, wurde der Doppelpunkt explizit von Konservativen eingeführt, um eine fiktive Binarität des Geschlechts, Mann und Frau, zu unterstreichen. *https://taz.de/Schriftstellerin-ueber...
kámošky, I loved this book. Koupila jsem si ji na Světu knihy, aniž bych o tom vlastně nějak více přemýšlela. Pak doma mi vlastně došlo, ze toxická feminita? Neshazuje to postavení žen jeste víc, když na to takto budeme poukazovat a pojmenovávat? Sophie Fritz ale napsala strašně strašně moudrou knihu. Představuje několik archetypů, do nichž jako ženy často sklouzáváme v reakci na tlaky patriarchální společnosti. Pomáhají nám se od ní osvobodit? nebo vlastně naopak brzdí potenciální zrovnoprávněni? K jednotlivým archetypům přidává konkrétní příběhy, a to nejen své vlastní, ale i svých blízkých kamarádek, takže kniha působí hodně osobně. Vlastně jsem v sobě našla aspoň malou část z každého archetypu, ale nejvíce asi archetyp hodné holky. Byla jsem poměrně v šoku, protože jsem si dosud nějak v sobě nepojmenovala, že v některých těch situacích některé ženy reagují podobně, i když mi uvnitř bylo jasné, že to jaké jsou ty situace a jak reaguji, neni asi úplně ok. Přemýšlím o té knize teď pořád, zejména v souvislosti s každodenními situacemi v práci, se vztahy s jinými ženami atd. Prosim přečtěte si to některá, at to můžeme prodiskutovat!! ❤️ (jsou tam i moc fajn otázky na konci knihy)
3,5 stars - A very interesting and insightful book and these kind of books always rattle my perception of the world and society regarding womanhood, especially recognizing myself in the patterns and critical points mentioned in the book. This always makes me think for a long long time and even allows me to try to change things in my own way of life. Highly recommendable.
ich glaub ich hab einfach mehr erwartet, aber die komplette lektüre war so oberflächlich dass ich mir eigentlich in jedem kapitel mehr Tiefgang gewünscht hätte. ja, die kerngedanken waren spannend, aber wieso hatte ich überall das gefühl es wird nur der erste mm abgekratzt? jedes unterkapitel hat sich eher angefühlt wie ein blogeintrag(?). es gab in meinen augen auch keine richtige Struktur die mir das konzept der toxischen weiblichkeit richtig erklärt und runterbricht. bin bissi enttäuscht
3,5/5⭐️ ein schönes feministisches buch, das sich vor allem mit internalisierter mysogonie beschäftigt und zeigt, wie sehr das patriarchat auch auf gedanken und verhalten von frauen wirkt. es ist allerdings nicht als sachbuch konzipiert, sondern eher eine sammlung von einzelnen essays und gedankengängen, die duch zwischenpassagen und zitate aus anderen werken miteinander verknüpft werden. einige passagen und ideen fand ich sehr gelungen, etwa die kapitel "leere häuser" und "cold bitch". auch die verknüpfung von "braves mädchen" und "powerfrau" (zwei ihrer fünf personalisierungen der toxischen weiblichkeit) war für mich spannend. die idee in der "powerfrau" eine logische fortführung des angepassten "braven mädchens" zu sehen, fand ich neu und sehr plausibel erläutert. die fehlende ordnung der ideen hat meinem leseerlebnis aber etwas geschadet, es wird sehr viel zwischen ideen hin- und hergesprungen und manchmal bleibt es recht oberflächlich/unkonkret, zB in folgender passage: "Was wir brauchen, ist intergenerationale Solidarität zwischen Frauen, (...) Mentoring, Nächstenliebe, Begleitung, Aufklärung und Raum für wertfreies, unzensiertes Sharing." i mean ja i guess, wer braucht keine nächstenliebe etc aber das ist schon etwas schwammig (was ist auch wertfreies sharing? meint sie wertungsfrei?), die begriffe werden teils nicht optimal erklärt. zusätzlich hatte ich teilweise das gefühl bestimmte essays/ideen hätten besser an eine andere stelle oder in andere kapitel gepasst. was mich auch gestört hat, ist, dass manchmal etwas zwanghaft versucht wird, zu einem toxisch männlichen verhalten ein passendes toxisch weibliches pendant zu finden, was nicht immer gelingt. auf s 109-110 skizziert sie zb sehr schön den begriff des "male gaze", versucht aber dann "i can fix him" als weibliches gegenstück zu etablieren. auch mit ihrer erklärung lässt sich da meiner meinung nach aber überhaupt keine verbindung erkennen und ich finde auch nicht, dass es das unbedingt braucht. am positivsten und intensivsten bleiben mir passagen über das eigene körperbild und über weibliche wut in erinnerung. ich glaube auch, das leserinnen sich in vielen dingen wiedererkennen können und dadurch einen mehrwert aus dem buch ziehen können.
Ein wirklich tolles, aufschlussreiches Buch. Ich mag den Schreibstil und die Inhalte, die die Autorin behandelt. Es hat mir in gewisser Weise ein paar neue feministische Blickwinkel ermöglicht. Besonders gut haben mir auch die Impulse gefallen, die geholfen haben, die Themen des Buches gedanklich auf das eigene Leben zu übertragen. Also: klare Empfehlung!!