»Sie sterben aus, die alten Nazis. Irgendwann sind alle weg, die deinem Vater wehgetan haben. [… ]Du bist sein Sohn, die neue Generation. Du bleibst, wenn sie längst weg sind. Sie haben verloren.«
Im Jahr 2023 gab es laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz 25.660 r3chtsextremistische Gewalttaten, gut 22,4% mehr als im Jahr davor. Die Fußball Europameisterschaft bringt Vorfall nach Vorfall zu Tage, Gigi D‘Agostinos Lied über Liebe wird verboten und ich wünschte das Zitat aus „Unsere Liebe war unerhört“ wäre keine Utopie.
Eva Müller schreibt in ihrem im Juni erschienen Roman von einer wahren Familie, die ihr ihre Geschichte erzählt hat. Im Sommer 1946 verliebt sich Marga, jung, bayrisch, katholisch in Henryk. Henryk war über Jahre in Gefangenschaft, in Arbeits- und Vernichtungslagern interniert und versucht noch mit einem Bein im Displaced Persons Camp, sich ein neues Leben aufzubauen. Dass die Verbindung der beiden im kleinen katholischen Meiring nicht gerade auf Freude stößt, ist Marga egal. Zusammen widersetzen sie sich dem Alltagssntisemitismus, körperlichen und vor allem psychischen Beschwerden Henryks, der kaum eine Nacht ruhig schläft, da ihn Träume des Erlebten plagen.
Als ich anfing das Buch zu lesen, dachte ich, es könne eine schöne Liebesgeschichte werden, trotz Schwere der angekündigten Themen. Ereignisse aus Henryks Vergangenheit werden nicht in Zeitsprüngen erzählt, sondern von Henryk selbst, aus der Erinnerung heraus. Dass es sich hierbeu um teils kaum ertragbare Geschehnisse handelt, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Auf der einen Seite finde ich es schön, dass dieses tragische Schicksal exemplarisch in einen Roman verpackt wurde, auf der anderen Seite, habe ich mich manchmal dann an dem erzählerischen Stil gestört.
Margas Eltern waren für mich ein kleiner Lichtblick, die so fortschrittlich, liebevoll und fürsorglich wie sie beschrieben wurden, einen Kontrast zum restlichen Dorf bilden. Bis auf Lotte, wir lieben Lotte. Aber „Unsere Liebe war unerhört“ zeigt auch, dass es nach Ende des Kriegs nicht vorbei war mit Anfeindungen, Erniedrigungen, Drohungen und sogar die Morde weitergehen. Ich mag die abwechselnden Sichtweisen, fand allerdings Jonathans Geschichte etwas zu kurz geraten, nachdem er die Geschichte einleitet und sein Teil irgendwie auch nicht richtig aufgeklärt wurde.
ULWU von Eva Müller ist ein Appell an Liebe, Zusammenhalt, an Antifaschismus, an die Welt eine bessere zu werden, vielleicht, irgendwann, falls wer von euch noch ein bisschen Hoffnung übrig hat.