Die persönlichen Notizen vom Autor des „Untergangs des Abendlandes“: Radikal ehrlich, überheblich, tragisch. Selten gewinnt man solche intimen Einblicke in die Hintergründe totalitären Denkens.
Die Thesen seines Hauptwerkes, vor allem über das Werden und Vergehen von Kulturen und der entsprechende Vergleich des „Untergangs“ alter Zivilisationen mit der Entwicklung des Abendlandes, frappierten seine Zeitgenossen und prägten jahrzehntelang Dichtung und Philosophie. Thomas Mann, Robert Musil, Hermann Hesse, Martin Heidegger, Theodor W. Adorno und viele andere beschäftigten sich kritisch mit dem „Untergang des Abendlandes“, und in der aktuellen Diskussion um die USA als modernem Rom erleben Spenglers Ideen auch heute wieder eine Renaissance. Von Anfang an aber reizte und reizt sein herrischer Ton und seine zur Schau gestellte Kaltblütigkeit, sein deutschnationaler Aristokratismus und sein Schwärmen für Machtmenschen. Spenglers persönliche Aufzeichnungen, von ihm in Anlehnung an Kaiser Marc Aurel „Eis heauton“ überschrieben und auf losen Zetteln notiert, zeigen dagegen einen anderen Menschen, voller Einsamkeit, Frauenangst, Depression und Menschenekel – und offenbaren damit das traurige Geheimnis eines geistigen Amoklaufs.
Oswald Spengler was born in 1880 in Blankenburg (then in the Duchy of Brunswick, German Empire) at the foot of the Harz mountains, the eldest of four children, and the only boy. His family was conservative German of the petite bourgeoisie. His father, originally a mining technician, who came from a long line of mineworkers, was a post office bureaucrat. His childhood home was emotionally reserved, and the young Spengler turned to books and the great cultural personalities for succor. He had imperfect health, and suffered throughout his life from migraine headaches and from an anxiety complex.
At the age of ten, his family moved to the university city of Halle. Here Spengler received a classical education at the local Gymnasium (academically oriented secondary school), studying Greek, Latin, mathematics and natural sciences. Here, too, he developed his affinity for the arts—especially poetry, drama, and music—and came under the influence of the ideas of Goethe and Nietzsche. He even experimented with a few artistic creations, some of which still survive.
After his father's death in 1901 Spengler attended several universities (Munich, Berlin, and Halle) as a private scholar, taking courses in a wide range of subjects: history, philosophy, mathematics, natural science, literature, the classics, music, and fine arts. His private studies were undirected. In 1903, he failed his doctoral thesis on Heraclitus because of insufficient references, which effectively ended his chances of an academic career. In 1904 he received his Ph.D., and in 1905 suffered a nervous breakdown.
Scholars[which?] remark that his life seemed rather uneventful. He briefly served as a teacher in Saarbrücken and then in Düsseldorf. From 1908 to 1911 he worked at a grammar school (Realgymnasium) in Hamburg, where he taught science, German history, and mathematics.
In 1911, following his mother's death, he moved to Munich, where he would live until his death in 1936. He lived as a cloistered scholar, supported by his modest inheritance. Spengler survived on very limited means and was marked by loneliness. He owned no books, and took jobs as a tutor or wrote for magazines to earn additional income.
He began work on the first volume of Decline of the West intending at first to focus on Germany within Europe, but the Agadir Crisis affected him deeply, and he widened the scope of his study. Spengler was inspired by Otto Seeck's work The Decline of Antiquity in naming his own effort. The book was completed in 1914, but publishing was delayed by World War I. Due to a congenital heart problem, he was not called up for military service. During the war, however, his inheritance was largely useless because it was invested overseas; thus Spengler lived in genuine poverty for this period.
Am 30. Dezember 2018 auf 4 Sterne geschätzt und verschwinden lassen, vorhin (06. Januar 2019) beim Feldgang in der Muldentaler Arktis erneut zur Hand genommen. Ich erhöhe jetzt auf 5.
Der O.S. plante eine Autobiographie. Die hier gesammelten, zwischen 1913 und 1919 verfassten eisheauton'schen Risse (fragmentarisch: einzelne Wörter, ganze Absätze) dienten ihm als erste Stichpunkte. Und mein lieber Spengler, ziehen die hinab. Ständig abgedunkelt, meistens angeekelt, fast völlig erloschen wirkt er in seinen Ich-Betrachtungen. Und aus allen, allen Knopflöchern des schönsten Fracks von Schwabing lugt diese krankhafte Angst. Vor dem Fräulein, vor Donnerschall, vor der eigenen Person natürlich, vor dem Glück. Spengler skalpiert sich selbst. Es geht an die Nieren, sich das in dieser Dichte durchzulesen. Die Fragmente wurden durch Spenglers Schwester Hilde Kornhardt beziffert, von Hand- auf Maschinenschrift übertragen und mit Anmerkungen versehen, und von der Nachlaßverwalterin nochmal leicht bearbeitet (Ausführlicheres dazu im ebenfalls enthaltenen, anderthalbseitigen Hinweis Zur Textgestalt). In dieser Form liegen sie hier vor.
Das Nachwort (eher ein Essay, über 30 Seiten, Urgefühl Angst betitelt) von Fachmann Gilbert Merlio hilft bei der Einordnung der Notizen weiter, für eine klarere Sicht auf das sperrige Hauptwerk des Sensibelchens ist Ich beneide jeden, der lebt nicht zwingend notwendig. Aber, und das ist nicht wenig, ein düsterer, erschütternder "Blick hinter den Vorhang".
Wer Spengler nicht nur lesen und verdammen, sondern wirklich verstehen und in historische Zusammenhänge einordnen will, kommt an diesem Buch, vor allem nicht am beinahe die Hälfte der Druckseiten ausmachenden Nachwort-Essay vorbei.
Non si fa fatica a leggere i diari e le annotazioni personali di un autore se ad avvicinarci a colui che li ha scritti è quel perenne quanto tremendo senso di alienazione dal mondo, in contrasto col desiderio di comprendersi per non sentirsi troppo distanti e, allo stesso tempo, desiderosi di distaccarsene come in un principio di contraddizione che non trova pace. Ci si sente così a imbattersi in questi appunti di Oswald Spengler, che non fa vanto della sua opera più grande (“Il tramonto dell’Occidente”) né si sente vicino agli scrittori e ai letterati del suo tempo. È un dialogo con sé stesso in apparenza rivolto a un tu indefinito, alternando visioni del suo presente e della sua vita, fra aspetti familiari, formativi e di crescita, per giungere ad affermare sempre la stessa identica cosa: si è soli, e si è troppo soli quando dobbiamo mentire per evitare di non sentirci capiti. E persino la scrittura, l’unico mezzo per raccontarsi senza barriere, è per lui “disgusto”, un altro modo per tenersi lontano dagli sguardi e tenere fede all’istinto della menzogna al di fuori delle pagine, un bisogno di confessarsi senza tuttavia comprendersi. Non vi è un filo, nessun sentiero di linearità: solo un essere sparso come gli appunti di queste pagine aggiunte in appendice alla sua maggiore opera culturale e storica, quasi a dirsi persona al di là di un contenuto più saggistico e rivolto all’esterno.
Appunti così intimistici che senza una concretezza decisa bastano da soli a farci comprendere non tanto chi fosse Spengler, quanto il suo modo di stare al mondo e di muoversi nel mondo, accomunandoci in un senso di esistenza e di pensiero. E solo in questa indefinitezza di sentimento senza risposta, siamo. Siamo, e ciò basta.
»Denken ist meine Leidenschaft. Sie beschränkt sich auf das Denken, Verstehen, Sehen. Was mir ganz fremd ist, lästig, widerwärtig, ist das Lehren. Die meisten Philosophen, die meisten Menschen überhaupt sind Lehrer, Tyrannen d. Belehrung. Was sie für wahr und richtig halten, sollen alle glauben und tun. Das ekelt mich an. Deshalb hört die Freude am Schaffen für mich auf, sobald ich einen Gedanken habe. Schon ihn notieren ist mir unsympathisch, ich kann mich sehr oft nicht dazu zwingen. Eine Qual ist es, restlos widerlich, ein Buch für andere daraus zu machen. Ich entwerfe sehr oft Buchpläne - damit ist es f[ert]ig. Hätte ich nur jemand, der mir diese Last abnähme. Äußere Eitelkeit ist mir ganz fern. Es ist mir lästig, wenn ich merke, daß ein andrer mich kennt, wenn er gar Komplimente macht. Ganz glücklich fühle ich mich auf Reisen, dort wo ich weiß, daß niemand mich kennt. Auf die Frage: Wie denken Sie darüber, schwebt mir immer d. Antwort vor: Was geht das Sie an? Kritiken soweit ich überhaupt welche ansehe, was selten so bist du! Was genug vorkommt - machen mir nur Vergnügen, weil ich die Seele des andren auf dem Papier sehe. Aha geht mich an, was er für wahr hält? Ich halte meine Gedanken für wahr, selbstverständlich. Ob es andre tun, ist mir gleich. Deshalb ist mir Eitelkeit fremd. Nicht bemerkt zu werden, macht mich glücklich. Wenn ich nicht gerade ein Buch schreibe, wo ich meine Leistung erkenne, fühle ich mich durchaus nicht als etwas besonderes! Diskussionen sind mir widerlich. Ich gebe dem andren Recht, nur damit er aufhört.«