Mit „The Great Library of Tomorrow – Das Buch der Weisheit“ legt Rosalia Aguilar Solace ihr Debüt vor und eröffnet gleichzeitig eine neue High-Fantasy-Trilogie, die Lesende in eine Welt voller Magie und Bücher entführt. Das Buch zielt darauf ab, vor allem Fantasy-Liebhaber mit seiner originellen Prämisse und dem epischen Weltenbau in seinen Bann zu ziehen. Inspiriert von der energiegeladenen Atmosphäre des Musikfestivals „Tomorrowland“, vereint die Geschichte eine Mischung aus mystischer Ästhetik und visionärer Zukunft, die die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen lässt und ein einzigartiges Leseerlebnis verspricht.
Das Buch verspricht eine packende und tiefgründige Geschichte voller Magie, Geheimnisse und dramatischer Wendungen. Im Mittelpunkt steht Helia, eine Weise, die seit Jahrhunderten in der ehrwürdigen Großen Bibliothek dient. Als Hüterin des geheimnisvollen Buchs der Weisheit, das unendliches Wissen bewahrt, muss Helia nach einem heimtückischen Anschlag auf ihr Leben eine schreckliche Entdeckung machen: Ihr Partner wurde getötet, und das mächtige Buch ist verstummt. Ohne die Stimme des Buches steht die Große Bibliothek wehrlos gegen die drohende Dunkelheit da. Doch die Zeit drängt, denn die Feinde rücken unaufhaltsam näher, und ihr dunkler Einfluss breitet sich wie ein Schatten über das Land. Gemeinsam mit einer Gruppe treuer Gefährten begibt sich Helia auf einen verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit, entschlossen, das uralte Wissen der Bibliothek zu schützen und den Vormarsch des Aschenmanns zu stoppen. Mit jedem Schritt wachsen die Gefahren und Geheimnisse, die Helia und ihre Kameraden überwinden müssen, während sie sich einer finsteren Macht stellen, die droht, das Schicksal ihrer Welt für immer zu verändern.
Der Stil der Autorin wirkt bedauerlicherweise, wie man es häufig bei einem Erstlingswerk erlebt: unsauber formuliert, teils abgehackt und eher sachlich wie ein Bericht geschrieben. Die Sätze sind oft abrupt und lassen den erzählerischen Fluss vermissen, der für eine packende Geschichte nötig wäre. Es scheint fast, als wäre die Handlung nur mechanisch niedergeschrieben, ohne dass dabei echtes Gefühl oder Spannung aufgebaut wurde. Möglicherweise liegt diese Eindimensionalität auch an einer holprigen Übersetzung, die den Charme und die Tiefe des Originals nicht einzufangen vermag – dennoch bleibt das Leseerlebnis blass und kühl. So fehlt der Erzählung jene emotionale Lebendigkeit und sprachliche Eleganz, die Leser in die Welt der Geschichte ziehen und mitfiebern lassen würde.
Das Setting des Buches ist ohne Frage faszinierend und voller Potenzial. Die Handlung entführt die Leserinnen und Leser in die geheimnisvolle Papierwelt, eine magische Dimension, die nur durch verborgene Portale zugänglich ist und damit bereits im Ansatz eine spannende Kulisse für eine High-Fantasy-Geschichte schafft. Im Zentrum dieser Welt erhebt sich die Große Bibliothek von Morgen – ein episches Gebäude, das Wissen und Geheimnisse aus unzähligen Welten birgt. Doch diese einzigartige Welt ist bedroht: Der finstere Aschemann, eine mysteriöse und unheilvolle Gestalt, schickt sich an, die fragile Ordnung der Papierwelt zu zerstören.
Leider bleibt dieses eindrucksvolle Setting in der eigentlichen Erzählung zu oberflächlich und unzugänglich. Statt der Leserschaft die Eigenheiten und Magie der Papierwelt durch lebendige Beschreibungen und Szenen nahezubringen, bleibt vieles unklar und vage. Das nötige Hintergrundwissen wird nicht organisch in die Handlung eingebettet, sodass man gezwungen ist, ständig im Glossar nachzuschlagen, um grundlegende Details zu verstehen. Diese Art der Informationsvergabe wirkt eher hinderlich, da ein Glossar in erster Linie als gelegentliches Nachschlagewerk gedacht ist und nicht dazu dienen sollte, die gesamte Welt und ihre Regeln zu erklären. Die Welt der Geschichte bleibt dadurch seltsam distanziert, und anstelle eines immersiven Leseerlebnisses entsteht das Gefühl, dass wichtige Details der Fantasiewelt fragmentarisch bleiben, als hätte man nur an der Oberfläche gekratzt.
Die Geschichte entfaltet sich aus einer Vielzahl von Perspektiven, die reichlich Potenzial für eine tiefgründige und facettenreiche Erzählung bieten. Im Mittelpunkt steht die Protagonistin Helia, die weise Hüterin der Großen Bibliothek, die auf eine gefahrvolle Reise geschickt wird, um verloren geglaubte Erinnerungen wiederzufinden. Ihre Mission, so zentral sie für den Fortbestand der Papierwelt auch ist, wird jedoch durch die Vielzahl an anderen Charakteren fast verwässert. So gibt es Dzin, einen jungen und ehrgeizigen Botanikschüler, dessen Abschlussfeier im großen Baum eine dramatische Wendung nimmt und ihn in ein Netz aus Geheimnissen und Gefahren verstrickt. Ein weiterer Handlungsstrang folgt Arturo, einem Schriftsteller, der unerwartet aus der realen Welt in die mystische Bibliothek gelangt und dort versucht, seinen Platz und seine Bestimmung zu finden. Zusätzlich zu diesen Figuren treten noch viele weitere Charaktere auf, was die Erzählung zwar um einige interessante Perspektiven bereichert, aber gleichzeitig dazu führt, dass sich die Leserschaft schwer tut, sich mit den Figuren zu verbinden. Zahlreiche Figuren bleiben trotz ihrer individuellen Handlungsbögen farblos und wirken wie blasse Silhouetten in der dichten Kulisse der Papierwelt. Die Geschichte gewährt nur flüchtige Einblicke in ihre Gedanken und Beweggründe, wodurch ihnen emotionale Tiefe und auch eine einzigartige Persönlichkeit fehlen. So wird es erschwert, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, und anstelle einer sofortigen Nähe zu den Figuren ist es eher ein mühsames Sortieren und Einordnen, das die Lesenden zu Beginn der Geschichte erwartet. Der Eindruck, dass manche Figuren nur oberflächlich gezeichnet sind, lässt die Geschichte etwas unvollständig wirken, obwohl sie eine komplexe und reiche Welt beschreibt.
Insgesamt bleibt „The Great Library of Tomorrow – Das Buch der Weisheit“ hinter seinem Potenzial zurück und lässt die Lesenden mit dem Gefühl zurück, dass hier eine großartige Idee nicht voll ausgeschöpft wurde. Die faszinierende Welt der Papierwelt und die eindrucksvolle Große Bibliothek hätten das Fundament für eine epische Geschichte bieten können, voller Magie, Spannung und lebendiger Charaktere. Doch die oft stockende Erzählweise, die blassen Figuren und das Fehlen einer einfühlsamen Einführung in das Setting schwächen die Geschichte. Statt eines mitreißenden Abenteuers erhält man eine Erzählung, die zwar interessante Ansätze zeigt, jedoch an emotionaler Tiefe und erzählerischer Kraft verliert. So bleibt ein Werk, das viel verspricht, aber am Ende nicht ganz die Erwartungen erfüllt, die eine solche Ausgangsidee wecken könnte.