1,5🌟 Fitzek macht mich zum Überflieger. Ich überfliege den Roman in Höchstgeschwindigkeit, das rasche Umblättern erzeugt fast einen Ventilatoreffekt, aber ich glaube das Konzept Pageturner war mal anders gedacht…
Wahrscheinlich werde ich immer wieder geneigt sein, wenn ich während eines Urlaubs im Hotelbücherschrank den neuesten Fitzek entdecke, das erste Kapitel anzulesen. So ging es mir zum Beispiel diesmal mit seinem neuesten Oevre Die Einladung. Und so ist das wohl bei mir, dass ich einem Autor, mit dem ich viele spannende Stunden in der Vergangenheit verbracht habe, auch weit über das Ende unserer Beziehung hinaus, die Treue halte. Oder zumindest ein gewisses Mindestmaß an Interesse aufrechthalte, was er neuerdings so fabriziert und um mich zu vergewissern, dass die „Trennung“ die richtige Entscheidung war. Vorweggenommen: Jaaa, war sie!!!
Beim Klappentext und ersten Kapitel denke ich noch Huch, das könnte ja interessant sein, ein Krimi in den Alpen und wow, guter Suspense, vielleicht hat er ja doch zu alten Stärken zurückgefunden.
Aber spätestens ab dem zweiten Kapitel geht es schnurstracks abwärts und ich beginne mich zu fragen, was ist das denn für ein langweiliges Katz- und Mausspiel und geschrieben in einem „pädagogisch wertvollen“ Stil, der voll auf Drill durch unentwegte Wiederholung setzt. Damit wirklich jeder kapiert, was Sache ist. Soviel zu den „Vorzügen“ von Fitzeks Einladung.
Die Alpen, eine Berghütte als Schauplatz, hier verlässt mich sogar der Sarkasmus und weicht einer echten Empörung. Selbst wenn man die Alpen nur von Postkarten kennen würde, könnte wahrscheinlich jeder zweite Grundschüler eine stimmungsvollere Beschreibung abgeben als Fitzek, der immer vom „Massiv“ redet, ach ja und Schnee, der kommt auch vor, er ist da und man versinkt darin, so wie man bei der Lektüre in eigenen Gedanken versinken kann, was man eigentlich für ein tristes Dasein fristet, wenn man seine Zeit mit derartigem Schrott totschlägt.
Da es um ein Klassentreffen geht, kommen natürlich auch viele Figuren vor, Marla, Paulina, Grete, Amadeus, Jeremy, Kilian, Kristin, Leven, … um nur ein paar zu nennen. Ach ja und Viola Hansen nicht zu vergessen - die hat einen Auftritt im neuesten Fitzek bei einem Mimic Gewinnspiel ergattert. Gratulation. Vielleicht kann man sich in Hinkunft in seine Romane einkaufen.
Jeder bekommt ein paar Sätze in den Mund gelegt und das war’s dann zum Thema Figuren-Charakterisierung.
Aber was soll’s, es ist zwecklos einem Autor etwas vorzuwerfen, was ihm nicht wichtig ist. Die Menge an Figuren dienen nur dem Verwirrspiel.
Denn darum geht es, ein whodunnit-Ratespiel, das den Leser fast 400 Seiten bei der Stange halten soll. Da spielen so Dinge wie sprachliche Gestaltung eine völlig untergeordnete Rolle.
Fazit: es war nicht gut, aber es gibt durchaus noch schlechteres Krimi-Material, auch von Fitzek selbst. Mimic schimmelt immer noch bei mir zu Hause rum, und nach dieser Erfahrung könnte es sein, das er weiter unberührt bleibt.