Der Titel des Buches ist eigentlich etwas irreführend, denn die Kriegshandlungen 1525 mit ihrem alpenländischen Nachspiel im folgenden Jahr werden recht kurz zu Beginn abgehandelt. Das Hauptaugenmerk gilt dagegen den politischen Vorstellungen, die im Zusammenhang mit der "Empörung" entwickelt wurden.
Blickle weist daher darauf hin, dass die Bezeichnung Bauernkrieg die Verhältnisse simplifiziert, da in den Aufständen "der gemeine Mann" also der Nichtherrschaftsfähige in verschiedenen Formen involviert war (städtische Handwerker, Berglaute). Die beteiligten Bauern waren eher die wohlhabenderen in Orten, wenngleich sie durch die Leibeigenschaft zunehmend in ihrer Autonomie selbst in intimsten Bereichen (Eheschluss) beschränkt wurden. Desweiteren weist Blickle darauf hin, dass auch das gerne beigefügte Adjektiv deutsch in die Irre führt, da die praktisch aus dem Reich ausgeschiedene Eidgenossenschaft zum einen stärker betroffen war, zum anderern aber den Aufrührern in vielem als Vorbild erschien.
Mit Verweis auf zahlreiche Forderungskataloge, Kampfschriften aber auch Graphiken zeigt Blickle auf, dass der Protest sich in starkem Maße gegen die Einschränkung der privaten wie der gemeindlichen Autonomie durch Klerus und Adel wandte. Die höhere Ebene der Fürsten war nicht in gleichem Umfang Ziel der Kritik. Ziel der Aufrührer war ein von der unteren Ebene her organisiertes Reich, das Bauern (und Handwerkern) Einfluss durch die Haufen und Landschaften einräumen sollte (Kommunalimus). Legitimiert wurde die Kritik an Leibeigenschaft und Abgaben damit, dass sie nicht auf die Bibel zurückgeführt werden können. Ein oft geschöntes Bild von den verhältnissen in der Eidgenossenschaft diente als Gegenentwurf. Radikaleren Elementen mit chiliastischen Vorstellungen wie vor allem Thomas Müntzer schenkt Blickle dagegen weniger Aufmerksamkeit.
Den Ausgang des Bauernkriegs beurteilt Blickle positiverer als andere, da nach der Niederwerfung zahlreiche Konzessionen gemacht wurden, die die Rechtssicherheit der Bauern stärkten. Er verschweigt selbstredend nicht, dass zugleich alle Versuche, sich autonom zu organisieren, kriminalisiert wurden.
Insgesamt betrachet Blickle den Bauernkrieg als Teil der deutschen Demokratiegeschichte. Leider werden problematische Aspekte, v.a. die Haltung zu den Juden ausgeblendet.
Insgesamt eine interessante Einführung in die politische Ideengeschichte jenseits der Eliten am Anbruch der Neuzeit.