Jana Volkmann erzählt mit feinem Humor von Tieren, Menschen und gleichberechtigten Formen des Zusammenlebens, die ebenso selbstverständlich wie revolutionär sind.
Eine Sommernacht in der Wiener Innenstadt, zwei Frauen sind auf dem Heimweg, als ihnen in einer kleinen Gasse ein herrenloses Pferd begegnet. Das leicht verwahrloste Tier trottet ihnen nach bis zu ihrem Häuschen in der Vorstadt und bezieht im Garten Quartier. Fortan kümmern die beiden sich um den neuen Mitbewohner. Was zunächst wie eine märchenhafte Fantasie anmutet, steigert sich zu einem außergewöhnlichen Roman über das Zusammenleben von Tier und Mensch, über Tierrechte und Ausbeutung, über Selbstbestimmung und ihre Grenzen. Mit Eleganz und Witz erzählt Jana Volkmann eine hochaktuelle Geschichte, in der Hühnerfabriken gestürmt werden, Schweine über die Simmeringer Hauptstraße galoppieren – und jede*r für sich entscheiden muss, wie wir in Zukunft leben wollen …
JANA VOLKMANN, geboren 1983 in Kassel, lebt seit 2012 als freie Autorin und Journalistin in Wien. Sie studierte in Berlin Europäische Literaturen; schreibt Essays und Literaturkritik für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift Tagebuch. Jana Volkmann wurde mit verschiedenen Preisen und Stipendien ausgezeichnet – darunter mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2021 für 'Auwald'. 2022 erhält Jana Volkmann den Reinhard-Priessnitz-Preis
Gleich vorweg: nach dem Finale auf den letzten 30 Seiten hätte ich direkt Lust nur 1 oder 2 Sterne zu geben. Die Geschichte, die auf den ersten 200 (von gesamt 240) Seiten so elegant durch die Lüfte segelt, erlebt am Ende einen kompletten Absturz, der Fallschirm klappt ein, harte Landung, da bleibt nichts mehr heil. Es wirkt fast so, als ob die Autorin am Ende mangels Ideen vor der eigenen Story kapituliert und das Ding nur noch schnell zum Abschluss bringt, sprich ein Ende hinrotzt, na vielen Dank auch.
Es ist wirklich ein Jammer, wie mutlos oder überfordert manche junge Autorinnen sind. Erst wird etwas aufgebaut, große Faszination, und dann Bruchlandung. Dabei steckt wirklich viel Potenzial in dem Roman.
Meine anfänglichen Eindrücke waren klar in Richtung 4 Sterne unterwegs: Frisch, frech, unterhaltsam, nachdenklich, und ganz oft in einer bissig, ironischen Sprache geschrieben, die mich mehr als nur einmal zum Schmunzeln angeregt hat. Eine sympathische Heldin, Maja Stirner, die mit Selbstkritik nicht spart, aber letzten Endes mit Scheissdraufmentalität durchs Leben geht - mal angespannt schleichend, mal geistesabwesend schlurfend, mal entschlossen polternd, mal, aber eher selten, fröhlich hopsend). Sie findet, dass sie nur eine Sache gut kann, Recherchieren und Texte verschönern und das hat sie zu ihrem Beruf gemacht und bearbeitet Texte anderer, wissenschaftliche Arbeiten, Interviews, Artikel für Zeitschriften, etc., und zwar Selbstständigkeit am Rande des Prekariats, in dessen Mitte sie nur deshalb nicht abgerutscht ist, weil sie das Elternhaus am Wiener Stadtrand geerbt hat und so schon mal keine Mietkosten hat und weil sie ihre Arbeit so gut macht, dass sie über Mundpropaganda trotz wachsender KI-Konkurrenz genügend Aufträge bekommt um sich über Wasser zu halten.
Vor ein paar Jahren zog ihre damals 15jährige Nichte, Cordelia, aus England zu ihr und seither leben sie zu zweit, Sozialkontakte hat eher Cordelia, von Maja erfährt man zunächst nichts, ob sie auch Freunde oder Bekannte hat. Sie ist gerne für sich und ihre Nichte betrachtet sie eher mit einer staunenden Neugier als mit inniger Liebe. Soziopathische Züge werden angedeutet.
Und nun kommen die beiden Frauen also nach einer langen Nacht, mit vielen weißen Spritzern intus, durch einen Park und finden ein Pferd, mutmaßlich ein entlaufenes Fiakerpferd, nehmen es mit und halten es im kleinen Garten, der das Haus umgibt. Und nach und nach gibt es weitere Vorkommnisse mit Tieren, die sich seltsam benehmen, fast so als ob sie streiken würden.
Dann taucht eine Gruppe/Bewegung auf, die sich die Compagnie bzw. MOrPh, nennt und die wohl eine eigene Philosophie verfolgen, wie man mit Tieren umgehen sollte.
Bei mancher Koinzidenz musste ich hier bereits die Augen zudrücken, um mir den Spaß an der Geschichte nicht zu verderben, zum Beispiel dass eine der Mitbegründerinnen von MOrPh ausgerechnet eine der Kargls ist, neben denen Maja als Nachbarin jahrelang gelebt hat. Die verschiedenen Figuren der Compagnie werden nur oberflächlich dargestellt, die meisten bekommen kein klares Profil und sind lediglich Staffage. Andere Personen, wie Nadja oder der Tierarzt sind etwas besser ausgeformt. Auch das Pferd, die Nachbarskatze und Kracherl der Hund werden in ihrer Persönlichkeit fein gezeichnet.
Also wie gesagt, viel Potenzial, aber leider am Ende runtergenudelt.
Eines nachts finden Carola und ihre Tante ein Pferd und nehmen es mit. Plötzlich finden sich auch andere Tiere, die ihre Dienste verweigern.
Die Idee hat mir gefallen, aber das Buch hört dort auf, wo es interessant wird. Was würde passieren, wenn Tiere streiken? Wie könnte man die Tiere zivilen Ungehorsam lehren? Auch der Schluss ist mir irgendwie zu gewollt poetisch und damit konnte ich nicht mehr viel anfangen.
Uff naja, also viele Aspekte an dem Buch waren fun! bissi urban pipi langstrumpf, was ich hammer finde und worin ich durchaus ein wenig Glückseligkeit finden kann! Aber dennoch hat mich das Buch sehr tief traurig gemacht. Es werden schöne Vorstellungen von Community gezeichnet, von Freiheit und loslassen. Am Ende ist die Flucht aus der vermeintlichen Gefangenschaft, der Käfighaltung der Gesellschaft von der Protagonistin eine Flucht in eine Einsamkeit. Das Ende fühlt sich bitter an. Wie mein Geschwister, als es früher - einzig mit einem dinA4 großen Koffer mit Clowns-Motiv ausgestattet - gesagt hat, they ziehe aus und für 20 Minuten auf den Spielplatz gegangen ist, um der Familie zu zeigen wie unerträglich ein Leben ohne them wäre (war es! Gott sei Dank ist they nie wirklich getürmt!) Ich hätte es tröstend gefunden, wenn die Protagonistin Ruhe und ein zu Hause in der Gemeinschaft findet, vielleicht Community in Utopie entdeckt. Komme klar mit einem unversöhnlichen Ende aber komme schlecht zurecht mit einem bitteren Ende, verbannt in ewiger Einsamkeit, welches mir als großer Befreiungsschlag verkauft wird (oder ich hab’s mal wieder net gerafft und fehlinterpretiert loli)
Die Tier-Befreiung war ehrlich gesagt net so zu Ende gedacht. Es war fun zu sehen, wie unbeholfen konsequent die Aktivist:innen ihr Ziel verfolgt haben, aber die Leser:innen werden da bis auf ein paar verpeinlichte Phrasen recht außen vor gelassen. Was eh fair ist, weil ich eh kb hab auf ein Tierbuch. Da wär auf alle fälle inhaltlich deutlich mehr drin gewesen als ein verpubertiertes Charlie Chaplin narrativ mit Hosenträger und Bundfaltenhose zum Weltfrieden. Für Leut, die omnivor sind und sich noch nie mit Tieren und Arbeit auseinandergesetzt haben ist es ein potentiell fun read aber radikalisieren wird das Buch wohl kaum jemanden.
Die Hunde-Historie hat mir allerdings gut gefallen, die Geborgenheit und echte Zuneigung. Dass am Ende die Protagonistin denkt nicht mehr abhängig der Liebe und Zuneigung ihrer entwachsenen Nichte zu sein, sich diese jedoch beinah 1:1 von einem Hund ersetzen lässt, ist so naiv, dass es liebenswert ist! :)