Das Buch ist ein Suchen und immer neu Ankommen, ein Sprechen in Metaphern und Fragmenten, der Text wirft Wogen auf und glättet sie, spinnt Fäden und verwebt sie in Absätzen von unglaublicher poetischer Kraft. Die Art, über ein so schweres Thema so sanft zu sprechen, erwärmt mein Herz und lässt aber gleichzeitig viele Fragen offen, über die ich noch weiter nachdenken werde. Der Autor erschafft in diesem Buch wunderbar zarte Bilder einer zwischenmenschlichen Verbindung, die den Leser mitnehmen in eine Welt, in der jede Notiz, jeder Stein, jede Melodie, jedes nicht gesagte Wort Bedeutung erfährt. Eine unfassbar schöne Art, auf die Welt und auf einen verlorenen Menschen zu blicken.
Hier einige meiner Lieblingspassagen aus dem Buch:
"Man könnte sagen: In der Fuge berühren sich die Steine, ohne sich zu berühren. Beide Seiten bedingen einander, aber die Stabilität ihrer Verbindung ist abhängig vom Abstand. Das wesentliche Merkmal ihrer Statik und Ästhetik ist ihr Verhältnis, ihre Differenz."
"Man könnte sagen: Das Wort Fuge wird in der Musik lange Zeit für den Kanon verwendet. Die Stimmen fliehen voneinander - fugere - und jagen sich zugleich - fugare."
"Man könnte sagen: Die Tangente ist eine Berührung, die nie wiederkehren wird, eine Bewegung, in der das Erinnern und das Vergessen identisch sind."