Ich habe mich sehr gefreut, als mich die Autorin angesprochen hatte, ob ich den Auftaktband ihrer neuen Buchreihe lesen möchte – und mir die Bücher von Marie Lacrosse gefallen, war meine Entscheidung natürlich klar. Und wieder ist es der Autorin gelungen, eine unterhaltsame Geschichte zu schreiben, man sollte nur wissen, dass das Kaffehaus in diesem ersten Band der Trilogie noch keine so große Rolle spielt. Ich hatte nämlich gedacht, dass das viel mehr im Mittelpunkt steht, und war daher zunächst ein wenig enttäuscht – mit der richtigen Erwartung aber, macht das Buch viel Spaß!
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden ungleichen Freundinnen Sophie und Mary. Während Sophie sehr unter ihrem neuen Stiefvater leidet und sich immer wieder zu ihrem Onkel ins Kaffeehaus zurückzieht, weil sie die Konfiserie dort sehr interessiert, wächst Mary behütet im Kreis ihrer Familie auf. Im Kaffeehaus lernt Sophie Richard von Löwenstein kennen, ihre Freundin jedoch schwärmt für den Kronprinzen Rudolf, der eng mit Richard befreundet ist. Was zunächst alles noch ganz harmlos beginnt, wird immer mehr zu einer Farce - und trotz aller Warnungen lässt Mary nicht von Rudolf ab…
Ich hatte irgendwie die Vorstellung, dass das Kaffeehaus viel mehr im Mittelpunkt steht, wie dort gearbeitet, serviert und gebacken wird, wie neue Kreationen entstehen und Sophie sich dort ein Standbein aufbaut – das alles gibt es zwar auch zu lesen, aber doch mehr im Hintergrund, denn die Liebesgeschichten der beiden Freundinnen stehen eindeutig im Vordergrund. Ich musste mich erst von meinen falschen Erwartungen lösen, dann aber konnte auch ich richtig eintauchen in die Geschichte.
Mit Mary Vetsera hat die Autorin eine sehr interessante historische Persönlichkeit ausgesucht und zum Mittelpunkt des Romans gemacht. Ich hatte tatsächlich noch nie von ihr und der Liaison zu Rudolf gehört – und als sich abzeichnete, worauf das ganze hinausläuft, war ich sehr gefesselt und habe auch selber recherchiert, was es mit den beiden auf sich hatte. Während man zu Rudolf ja viele Informationen findet, ist die Geschichte um Mary kaum bekannt – sicherlich auch, weil sie seinerzeit vorsätzlich verschleiert wurde. Marie Lacrosse hat es in diesem Roman aber geschafft, Mary zum Leben zu erwecken und eine ganz eigene Persönlichkeit zu schaffen.
Sophie mochte ich sehr gerne und habe mit ihr wirklich gelitten – es ist eine Achterbahn an Gefühlen, die sie in diesem Roman durchmacht und wenn ich in die Vorschauen der nächsten Bücher schaue, bleibt es spannend und aufregend für sie. Sehr gefallen hat mir, wie die Autorin die Figuren gestaltet hat – mit ihrer eigenen Interpretation macht die ganze Geschichte Sinn und wirkt in sich schlüssig, egal, ob es um Rudolf und Mary oder um Sophie und Richard geht.
Der Schreibstil ist eingängig und wunderbar leicht zu lesen – er ist sehr lebendig und fängt die Atmosphäre in Wien in den 1880er Jahren sehr gut ein.
War ich in der ersten Hälfte tatsächlich etwas enttäuscht, weil meine Erwartungen ganz andere waren und ich das Gefühl hatte, einen historischen Liebesroman zu lesen, hat mich die Autorin in der zweiten Hälfte dann aber doch fesseln können – ich gebe daher 4 von 5 Sternen.
Mein Fazit
Mit den richtigen Erwartungen bekommt man eine wunderbare Geschichte, die nicht nur das Leben in Wien in den 1880er Jahren eindrücklich schildert, sondern auch eine Interpretation der Beziehung von Mary Vetsera zu Kronprinz Rudolf von Österreich und Ungarn aufzeigt. Gerade die zweite Hälfte ist richtig spannend, nachdem die Autorin in der ersten die Figuren langsam eingeführt hat. Nachdem ich einige Startschwierigkeiten hatte, war ich dann aber doch gefesselt und gebe 4 von 5 Sternen.