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Das Lächeln der Königin

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Ihre Schönheit ist zeitlos, ihre Entdeckung eine Sensation – die Büste der Nofretete. 1913 gelangt sie nach Berlin und wird für den Mäzen der Grabungen, James Simon, zum Triumph. Doch bald werden Rückgabeforderungen laut. Stefanie Gerhold erzählt vom kolonialen Grabungsrausch in Tell el-Armana, jüdischem Bürgertum in Berlin und den flirrenden Hoffnungen der Zwanzigerjahre.

Nach bangen Wochen des Wartens gelangt die Nofretete-Büste endlich in die Hauptstadt, auf den Schreibtisch von James Simon. Der jüdische Mäzen kann kaum glauben, dass der Fund Berlin zugesprochen wird. Simon, erfolgreicher Textilunternehmer, genießt hohes Ansehen in der Berliner Gesellschaft. Er gründet soziale Einrichtungen und stiftet den Berliner Museen unzählige Kunstschätze. Aber die Büste der Nofretete überstrahlt alles. Sogar Kaiser Wilhelm II. stattet James Simon einen Besuch in seiner Villa ab, um sie zu sehen.

Doch der verlorene Erste Weltkrieg, aufkommender Nationalismus und die Krisen der Weimarer Republik setzen James Simon schwer zu. Als die Nofretete 1924 erstmals im Neuen Museum ausgestellt wird, bricht ein erbitterter Streit zwischen Ägypten, Frankreich und Deutschland aus. Wohin gehört sie wirklich? Und während Berlin seine neue Königin und mit ihr den Glanz einer bedeutenden Entdeckung feiert, verliert James Simon im Siegeszug nationalistischer und antisemitischer Propaganda zunehmend an Einfluss. 

288 pages, Hardcover

Published February 8, 2024

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1 (3%)
Displaying 1 - 15 of 15 reviews
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
February 9, 2024
„Bedeutenden Fund gemacht. Beschreiben nutzlos. Brief folgt. Borchardt. (Zitat Pos. 139)

Inhalt
James Simon ist der vermögende Inhaber einer florierenden Berliner Textilfirma. Sein Vermögen setzt er für viele soziale Projekte ein, aber er ist auch ein begeisterter Kunstmäzen. Während der Weihnachtsfeier 1912 erhält er ein Telegramm des Archäologen Ludwig Borchardt, dessen Ausgrabungen in Tell el-Amarna James Simon ebenfalls finanziert. Noch ahnt Simon nicht, welche Auswirkungen die Entdeckung der Werkstatt des Bildhauers Thutmes haben wird und vor allem der Fund der Büste der Nofretete. Bei der Aufteilung der Funde gelingt es Borchardt, die Büste der Königin für Berlin zu gewinnen, indem er dem Ägyptischen Museum den Klappaltar mit einem Bild des Königspaares Echnaton und Nofretete mit drei Kindern überlässt. 1913 erhält er tatsächlich die Ausfuhrgenehmigung nach Deutschland. Öffentlich ausgestellt wird bie Büste jedoch erst im Jahr 1924, und damit beginnen auch die Diskussionen um eine Rückgabe.

Thema und Genre
Obwohl es sich hier um einen Roman, somit um Fiktion handelt, sind die Menschen und Fakten real und auch die Ereignisse wurden von Stefanie Gerhold an die vorhandenen geschichtlichen Quellen wie Biografien und Fachliteratur angepasst. Themen sind Ausgrabungen, das alte Ägypten, aber auch das gesellschaftliche Leben im pulsierenden Berlin der Zwanziger Jahre als Zentrum der Kultur und Wissenschaft. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der bedeutende Sammler und Mäzen James Simon, dem die Berliner Museen wertvolle Sammlungen und Kunstschätze verdanken.

Erzählform und Sprache
James Simon steht im personalen Mittelpunkt der chronologisch erzählten Ereignisse. Die Sprache schildert lebhaft und spannend und ist auch auf Grund der genauen Recherche interessant zu lesen. Ein Epilog erzählt mit historischen Daten und Fakten die hier als Roman begonnene Geschichte real zu Ende.

Fazit
Eine unterhaltsame, packende Geschichte zwischen Fiktion und Fakten, eine ausgewogene, gelungene Kombination aus Roman und geschichtlichem Hintergrund, die man mit Vergnügen liest.

Profile Image for rapunzel xxl.
240 reviews
February 3, 2024
Nicht wie erwartet

„Das Lächeln der Königin“ ist ein fiktiver Roman von Stefanie Gerhold, der jedoch eine Vielzahl realer historischer Figuren und Ereignisse enthält, sodass es schwierig ist, genau zu sagen, zu welchem ​​genauen Genre dieses Buch gehört. Das Buch ist fast 300 Seiten lang und erzählt eine historische Geschichte rund um die Büste der Nofretete.

Die Geschichte dieses Buches beginnt in Berlin im Jahr 1913 und der Erzählrahmen umfasst hauptsächlich die Zeit von 1913 bis 1925. Das gesamte Buch erzählt eine zweiteilige Geschichte. Der erste Teil erzählt die Geschichte von James Simon, einem erfolgreichen jüdischen Textilunternehmer und Finanzier archäologischer Ausgrabungen. Er beteiligte sich stets aktiv an der archäologischen Arbeit in Ägypten und unterstützte sie. Sein Freund, der Archäologe Ludwig Borchardt, entdeckte bei Ausgrabungen Nofretete und brachte die Büste, die weltweit Aufsehen erregte, nach Berlin zurück. Der zweite Teil erzählt vom wirtschaftlichen Niedergang nach dem Ersten Weltkrieg und der wachsenden antisemitischen Feindseligkeit gegenüber dem jüdischen Bürgertum. Zu welcher Region Nofretete gehört, sorgte in verschiedenen Ländern für Kontroversen, und als Jude war James Simon nicht einflussreicher.

Obwohl mich der Hintergrund und das Setting der Geschichte interessierten, konnte mich der Schreibstil der Autorin nicht überzeugen. Die Zeitleiste am Anfang der Geschichte war sehr verwirrend. Ich sprang ständig in der Zeit herum und fühlte mich sehr unruhig und erschöpft. Obwohl die folgenden Geschichten viel chronologischer abliefen, war der Schreibstil der Autorin zu langweilig und konnte mich emotional nicht ansprechen, und es mangelte ihm sehr an Atmosphäre.
79 reviews
February 19, 2024
Um ehrlich zu sein hatte ich mir etwas mehr von diesem Buch erwartet.
James ist um 1912 in Berlin ein angesehener und erfolgreicher jüdischer Unternehmer. Sein Vermögen nutzt er nicht nur für den wirtschaftlichen Wachstum seiner Firma, sondern auch für wohltätige Zwecke und hauptsächlich für Kunsthandel und die Unterstützung archäologischer Grabungen in Ägypten. So gelangt auch die Büste der Nofretete durch seine Hände in ein Berliner Museum.
Hier mischen sich nun die französisch-britischen EInflüsse in der Ägyptischen Politik ein sowie der Erste Weltkrieg, wachsender Antisemitismus und Hyperinflation in Deutschland und persönliche Schicksalsschläge.

An sich eine Erzählung mit dem Potential all diese Geschehnisse durch den persönlichen Blick von James zu beleuchten.
Jedoch ist derHauptcharakter meiner Meinung nach übermäßig stoisch geraten - ich hatte den Eindruck, dass ihn weder der Krieg um ihn herum, der Niedergang seiner Ehe, der Tod von Familienmitgliedern oder die wirtschaftlichen Herausforderungen seiner Firma durch die Inflation besonderns interessieren oder emotional berühren. Ihn scheint nur die Büste der Nofretete zu interessieren, für die er sich jedoch auch nicht übermäßig einsetzt. Der Charakter, der unser einiziges Fenster in diese Welt ist, fühlt isch für mich leider recht platt an.

Allerdings ist und bleibt die Erzählung über diese Zeitspanne in Deutschland aus historischer Sicht sehr interessant und zeigt noch einmal mehr was das alles im Alltag für die Bevölkerung bedeutete.

Zudem wirft das Buch moralische Fragen zum Kunsthandel allgemein auf und insbesondere zum Schicksal archäologischer Funde: Gehört das Fundstück dem Land und somit der Kultur, in der es gefunden wurde, oder gehört es dem Finder?
Profile Image for Johanna Berger.
134 reviews5 followers
February 2, 2024
Beinahe wäre die Nofretete im Louvre gelandet…

Stefanie Gerhold erzählt die spannende und zuweilen auch bedrückende Geschichte, warum sie letztendlich einen prominenten Platz in Berlin bekommen hat. Sie rekonstruiert die Ereignisse rund um zwei Protagonisten.

Im Mittelpunkt stehen der jüdische Mäzen James Simon und der Archäologe Ludwig Borchardt. Die Autorin nennt ihre Darstellung Roman, erzählt aber entlang der Historie und der erhaltenen Texte von Borchardt. Nicht nur Grabungsgeschichte wird anschaulich gemacht, auch der Antisemitismus der Berliner Gesellschaft wird deutlich. Der Kaiser unterhält sich gern mit Simon, andererseits macht er aus seinem Judenhass keinen Hehl. Nach dessen Abdankung ist Simon zuversichtlich: „Es wäre doch gelacht, wenn [Menschen jüdischer Herkunft] in dieser neuen Republik keinen besseren Platz besetzen könnten, als nur die Sündenböcke für den verlorenen Krieg abzugeben.“ Falsche Hoffnungen. Aber schließlich hat er Geld und einen Sinn für die Kunst. Da kann man ihn instrumentalisieren.

Aus der Perspektive des begeisterten Sammlers Simon verfolgt man, was Borchardt in Amarna ausgräbt und wie die Funde verteilt werden. Es gab einen „Service des Antiquités“, der darüber entschied, welche Funde dem Inhaber der Grabungserlaubnis (hier James Simon) gehören und welche in Ägypten bleiben sollten. Simon wollte die Archäologie, die noch nicht das Prestige der Bildersammlungen hatte, in den Museen verankern und gründete dazu die deutsche Orientgesellschaft, die seither zu den wichtigen Geldgebern von Ausgrabungen gehört. Die Nofretete wollte er unbedingt haben, nachdem Borchardt sie in Briefen so bewundernd beschrieben hatte. Wie der Archäologie die einzigartige Figur bei der Fundteilung den Händen des „Service“ entzogen hat, ist nicht ganz sicher. Vielleicht hat er sie mit Lehm eingeschmiert, um sie unscheinbarer zu machen, vielleicht hat er den zuständigen Beamten auch abgelenkt. Die Sache war jedenfalls etwas anrüchig und nach dem ersten Weltkrieg wollte man die schöne Königin unbedingt zurück. Viele Querelen folgten.
Gerhold beschränkt sich auf die Perspektive James Simons, der nicht nur als der bedeutendste Mäzen Berlins beschrieben wird. Sie stellt auch sein umfangreiches Wirken für die Verbesserung der sozialen Zustände zu Beginn des neuen Jahrhunderts dar. Pensionskasse, Kinderheime, Badeanstalten.

Die biographischen Lücken (sie nennt die erhaltenen Fakten einen „Scherbenhaufen“) füllt sie mit Erfindung. Die Leser lernen auch den Menschen James Simon kennen. Vielleicht hätte die Fabulierkunst hier noch deutlicher hervortreten können, sodass das Bild etwas bunter geraten wäre.

Ein höchst spannendes Buch für Geschichtsinteressierte, Archäologiebegeisterte und Besucher der Berliner Museen.
471 reviews1 follower
February 15, 2024
James Simon ist ein jüdischer Textilunternehmer und Kunstmäzen. Außerdem unterstützt er viele soziale Einrichtungen. Aber seine große Leidenschaft liegt im Altertum. So ist er großer Unterstützer der Grabungen in Ägypten. Einer der enthusiastischsten Forscher auf diesem Gebiet ist Ludwig Borchardt, der die Grabungen für James Simon durchführt und auch schon einige Schätze gehoben hat. In seiner letzten Grabung hat er den Kopf der Nofretete gefunden und möchte das sie nach Berlin gelangt. Doch die politischen Verhältnisse sind kompliziert und es wird immer schwieriger dieses Unterfangen in die Tat umzusetzen. Doch er findet einen Weg und so gelangt die Büste der Nofretete unbemerkt nach Berlin. Sie soll eigentlich im neuen Museum ausgestellt werden, doch da sich die Zeiten in der Politik drastisch ändern kommen immer mehr Schwierigkeiten auf James und sein Mäzenatentum. Gerade für Juden wird es Ende der zwanziger Jahre immer schwieriger.
Das Cover des Romans „Das Lächeln der Königin“ von Stefanie Gerhold zeigt eine Alltagsszene im Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts. Doch die Hauptinformation ist nicht Berlin, doch natürlich auch, da hier der eine Hauptcharakter dieses Romans lebt, sondern der Nofretete, die in goldenen Buchstaben im Titel erscheint. Die Autorin zeichnet auch durch die Sprache, die sie benutzt ein sehr authentisches Bild von der Zeit, in der der Roman spielt. Das Hauptthema sind die Grabungen in Ägypten, die mit dem Fund der Nofretete ihren Höhepunkt finden. Der Roman zeigt aber auch die Entwicklung der Jahre ab 1913 bis zum Jahr 1930. Exemplarisch hier die Entwicklung der Textilfirma Simon und der Niedergang on der Zeit der Währungsreform, aber auch die Zunahme Antisemitischer Anfeindungen in Berlin. Das alles hatte auch Einfluss auf die Grabungen in Ägypten und den Umgang mit den Funden. Eine dritte Erzähleben ist die Situation in der Familie Simon und die Beziehungen untereinander, die auch ein sehr interessantes Bild von dieser Zeit abgibt.
Für mich war dieser Roman sehr lehrreich, gerade was das Leben in der Zeit zwischen 1913 und 1930 betraf. Spannend auch die Grabungen und die Funde für die Zeit und ihre Menschen. Alles in allem war es für mich gute, historische Unterhaltung.
Profile Image for Geli.
248 reviews10 followers
October 9, 2024
Mir wurde das Buch von meiner Buchhandlung empfohlen, als sie die interessantesten Neuerscheinungen im Frühjahr vorstellten.

Ich war selbst schon im Neuen Museum in Berlin und habe mir die Statue der Nofrete angeschaut und war beeindruckt, was diese Figur für eine Ausstrahlung hat. So griff ich also gerne zu diesem Buch, in dem die Entdeckung der Büste erzählt wird.


James Simon, jüdischer Textilfabrikant und Wohltäter, fördert die Ausgrabungen des Archäologens Ludwig Borchardt in Ägypten. 1912 wurde bei der Grabungsstätte bei Armana dann ein bedeutender Fund gemacht. Dabei stoßen sie auf viele Kunstwerke, aber auch auf Schwierigkeiten, denn der unter der französischen Kolonialmacht geführte "Service des Antiquietes" achtet strikt darauf, dass bedeutende Funde in Ägypten bleiben. Allerdings war auch ein bedeutender Klappaltar unter den Funden, so dass dieser gemäß der Hälfte-Hälfte-Regelungin Ägypten blieb, während die Statue Simon zugeteilt wurde.


Als die Königin endlich in Berlin angekommen ist, verzaubert sie James Simon sofort. Die Beschreibungen sind wirklich sehr anschaulich, ich habe jedoch immer wieder nach Bildern gegoogelt.

Neben diesem bedeutenen Fund wird jedoch auch von Simon und seiner Textilfabrik erzählt. Vom Leben mit seiner Frau Agnes, seiner Unterstützung von verschiedenen Wohltätigkeitsvereinen wie die Förderung von Kinderheimen oder auch sein Privatleben im Berlin der 1910er bis 1930er Jahre, wobei der 1. Weltkrieg nur mit wenigen Nebensätzen abgehandelt wird, was ich sehr wohltuend fand.


Ein weiteres Kunstwerk ist ein Bild von Vermeer, das lange in Simons Arbeitszimmer hing, dann aber aufgrund der Wirtschaftskrise verkauft werden musste. Auch da brauchte ich ein Bild vor Augen, was durch die Beschreibungen im Roman bereits sehr gut dargestellt wurde.


Bis es dann endlich dazu kam, dass die Königinnenstatue der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, passierte sehr viel, was wirklich unterhaltsam und anschaulich erzählt wird. James Simon hat für die Berliner Museumsbestände unglaublich viel getan. Ein Epilog und ein Nachwort runden die Geschichte ab.


Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, ich empfehle ihn sehr gerne weiter.
Profile Image for Sabine Winkler.
259 reviews1 follower
February 19, 2024
Der Geschmack des Publikums
Die Büste der Nofretete, die 1913 nach Berlin gelangt, wird nicht nur durch ihre zeitlose Schönheit zur Sensation – auch für James Simon. Er ist Mäzen der Grabungen, angesehener jüdischer Textilunternehmer, Stifter unzähliger Kunstschätze, aber auch Gründer vieler sozialer Einrichtungen. Bei der erstmaligen Ausstellung der Büste im Neuen Museum entbrennt ein Streit zwischen Ägypten, Frankreich und Deutschland und Rückgabeforderungen werden laut. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg kommt es in der Weimarer Republik zunehmend zu nationalistischer und antisemitischer Propaganda.
Das schlichte Cover zeigt das geschäftige Treiben auf den Straßen im Berlin der Zwanziger Jahre. Der Roman ist in zwei Teile mit längeren Kapiteln geteilt. Die Sätze sind oft kurz gehalten, einem Bericht gleich; sie spiegeln die Gedanken des Protagonisten wider, durch häufige Rückblicke entstehen Zeitsprünge, denen man aber gut folgen kann. Die genaue Beschreibung der Nofretete lässt sie vor dem Auge des Lesers entstehen. Ihr Name selbst wird erst im Epilog erwähnt, davor gibt es nur einmal dessen Übersetzung als „Die Schöne ist gekommen“. Ausschnitte aus dem Briefwechsel zwischen dem Grabungsleiter Borchardt und seinem Gönner Simon unterstreichen die Authentizität der Geschichte.
Die Informationen zu den Ausgrabungen, die Katalogisierung, der Umgang mit den Fundstücken, Plünderungen, all das ist überaus interessant gestaltet, ohne jedoch lehrbuchhaft zu klingen. Es steckt dennoch viel mehr in diesem Roman. Die Beschreibung der Lebenssituation im wilhelminischen Zeitalter bietet einen guten geschichtlichen Überblick jener Zeit; bezogen sowohl auf Simons eigene, zunächst privilegierte Situation als auch auf die Schicksale jener Menschen, die er durch seine sozialen Einrichtungen unterstützt. Das Umschlagen der Situation und die vermehrt auftretenden antisemitischen Angriffe sind beklemmend beschrieben. Der Roman richtet sich daher nicht nur an Kunstinteressierte, sondern an alle, die ihren geschichtlichen Horizont erweitern wollen.
Profile Image for Marie.
195 reviews15 followers
February 12, 2024
"Nach fünf mageren Jahren als Republik hatten die Berliner wieder eine Königin. Alle verehrten sie. Die Fachwelt stand kopf. Zeitschriften widmeten ihr eigenen Nummern, und für all die, die von Skulpturensprache nicht so viel verstanden, war sie einfach die schönste aller Frauen."

Diese schönste aller Frauen ist niemand weniger als Nofretete bzw. die Büste, die 1912 in Tell el-Amarna von Ludwig Borchert geborgen wird. Finanziert wird die Grabung von James Simon, einem wohlhabendem Baumwollhändler aus Deutschland und Teil des aufstrebenden jüdischen Bürgertums Anfang des 20. Jahrhunderts. Sein Verdienst ist es, dass die deutsche Orient-Grabungsgesellschaft gegründet wird und der archäologische Rausch dieser Zeit sich vervielfältigt. Und schnell ist ihm auch klar, dass die Büste der Nofretete nach Berlin kommen muss - entgegen aller Teilungsvorhaben der Franzosen, die die Verwaltungsaufgaben in Ägypten übernommen haben.

Stefanie Gerhold macht aus dem historischen Stoff mit "Das Lächeln der Königin" einen spannenden Roman, der seine Leser tief in die Hochphase der deutschen Ausgrabungsbemühungen im Orient mitnimmt. Die Geschichte rund um die Büste, die sich noch heute in Berlin befindet, ist an sich schon erwähnenswert. Gelungen verbindet Gerhold hier aber auch den zeitgeschichtlichen Kontext - Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Weimarer Republik, Aufkommen der Nationalsozialisten - mit dem Leben eines beeindruckenden Berliners, James Simon. Viele historische Persönlichkeiten wie etwa Wilhelm von Bode, dessen Name zumindest im Museums-Stadtbild Berlins bis heute präsent ist. Gekonnt füllt die Autorin dabei Lücken, die die Quellenlange nicht abdecken können. Dabei bleibt die Fantasie aber stets im Bereich des Plausiblen. So wird "Das Lächeln der Königin" zu einer Leseempfehlung für alle Geschichts- und Ärchologieinteressierten.
Profile Image for Elke Sonne.
543 reviews
January 28, 2024
Ein interessantes Stück Zeitgeschichte

„Das Lächeln der Königin“ ist das Debüt der in Berlin lebenden Autorin Stefanie Gerhold.

Die Handlung beginnt 1913 in Berlin, in der der erfolgreiche, jüdische Textilunternehmer James Simon im Mittelpunkt steht. Er ist aber nicht nur Geschäftsmann, sondern vertritt auch verschiedene kulturelle und soziale Projekte. So finanziert er unter Anderem Ausgrabungen im ägyptischen Tell el-Amarna, wo durch den Ägyptologen und Bauforscher Ludwig Borchardt die Büste der Nofretete gefunden wurde.

Der Schreibstil von Stefanie Gerhold hat mich direkt an den Beginn des 20. Jahrhunderts versetzt. Die Dialoge sind lebendig und passen in die Zeit. Die von ihr beschriebenen Ereignisse sind ein Stück Zeitgeschichte und somit eng mit den damaligen historischen Vorkommnissen verbunden. Diese hat sie gelungen in die Handlung des Buches mit eingebunden.

Auch wenn es sich bei dem Roman um eine fiktive Rekonstruktion handelt, hatte ich den Eindruck, dass die Autorin sich ganz nah an den tatsächlichen Gegebenheiten befindet und ausgesprochen gut recherchiert hat.

Für mich waren die Ereignisse um James Simon, den Fund und die Geschichte der Nofretete ein spannendes Stück Zeitgeschichte, das ich gerne verfolgt habe.

Im Epilog gibt es einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Charaktere und die Ereignisse, die mit der Büste der Nofretete zusammenhängen. Damit hat die Autorin ihr Debüt gelungen abgerundet.
Profile Image for Anne Dietrich.
205 reviews
January 30, 2024
Die Büste der Nofretete
Die ägyptische Königin Nofretete und ihre Büste waren mir durchaus bekannt, aber das war es dann auch schon.
Wer war Nofretete und wie kam ihre Büste in das Neue Museum in Berlin ?
Auf diese Fragen habe ich hier eine Antwort gefunden, die gleichzeitig Einblicke in die Zeit um den Ersten Weltkrieg, den aufkommenden Nationalismus und die Epoche der Weimarer Republik geben.
Es handelt sich hier weder um ein Sach- noch um ein Geschichtsbuch, sondern einen lehrreichen und informativen Roman.
Das Leben von James Simon, das eng mit der Entdeckung der Büste verbunden ist, die Auseinandersetzungen zwischen Deutschland, Ägypten und Frankreich, wer ein Recht auf diesen Fund hat und die Hintergründe hat Stefanie Gerhold unterhaltsam aufgearbeitet.

Ich habe eine Menge Neues erfahren und kann das Buch historisch- und kunstinteressierten Lesern durchaus empfehlen.
2,327 reviews13 followers
February 8, 2024
Zum Inhalt:
Simon, ein erfolgreicher jüdischer Textilunternehmer unterstützt Ausgrabungen in Tell el-Amarna und eines Tages ist es soweit. Die Büste der Nofretete wird gefunden und gelangt irgendwann nach Berlin. Kaum ist sie im neuen Museum ausgestellt, entbricht ein Streit darüber aus, wer Anrecht auf die Büste hat. Und der verlorene Erste Weltkrieg, der aufkommende Nationalsozialismus lassen Simons Einfluss immer mehr schwinden.
Meine Meinung:
Ich weiß nicht wirklich, ob dieser Roman auf Tatsachen beruht, ist aber auch letztendlich egal, denn was eindeutig richtig gut an diesem Buch ist, dass es enorm authentisch wirkt. Die Stimmung der zwanziger Jahre und der aufkommende Nationalsozialismus waren förmlich greifbar. Was ich auch bemerkenswert fand, waren die Streitigkeiten darum, wem die Büste gehört. Insgesamt ein Buch mit hohem Unterhaltungsfaktor und gutem Schreibstil.
Fazit:
Hat mir gefallen
Profile Image for Christina.
60 reviews1 follower
February 19, 2024
Der Roman zeichnet nach, wie ein Publikumsmagnet der Berliner Museumsinsel, die Büste der Nofretete, unter Regie des jüdischen Kaufmanns und Kunstmäzens James Simon ihren Weg in die deutsche Hauptstadt fand.


Zunächst einmal hat die Autorin eine Perspektive auf diese Episode der europäischen Museumsgeschichte gewählt, die mir sehr spannend erschien. Nicht aus Perspektive des Archäologen bei seinem wissenschaftlichen Grabungen und ägyptischen Abenteuern, sondern betrachtet aus Berlin, von einem Menschen, der für seine Kunstsammlung und deren Präsentation als Geschenk an die Öffentlichkeit lebt.

Beim Lesen hätte ich dann aber doch gerne mal den Grabenden über die Schultern geschaut, um ein paar Längen und für mich unnötige Szenen zu umgehen und am Reiz der wissenschaftlichen Arbeit teilzuhaben. Sehr interessant, gerade auch für Berliner und Berlinfans, aber nicht auf jeder Seite brennend interessant!

199 reviews
February 24, 2024
eintöniges Debüt

Nofretete steht in Berlin, seit über 1000 Jahren. Aber wie ist sie überhaupt nach Berlin gekommen? Die Antwort wird in diesem Buch behandelt.
Unternehmer und Mäzen James Simon hat als Geldgeber für Grabungen einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass Nofretete heute dort steht. James Simon wird in den Mittelpunkt des Buches gestellt.

Für mich persönlich war James Simon etwas zu sehr im Mittelpunkt, ich habe mir eigentlich einen anderen Fokus erwartet. Man bekommt in der Erzählung auch sehr die Gier im 20. Jhd. zu spühren - wie sich die verschiedenen Länder mit Sensationsfunden aus Ägypten übertrumpfen wollten.
Mir hat hier sehr das historische Ägypten-Feeling gefehlt, das was ich mir eigentlich erwartet hatte. Auch vom eigentlichen Entdecker Ludwig Borchardt liest man hier viel zu wenig. Für mich war die Lektüre sehr langweilig und farblos. Von mir gibt es leider keine Empfehlung für das Buch.
Profile Image for Susi.
208 reviews
December 26, 2024
Gerade wünsche ich mir, dass ich die Büste der Nofretete im Neuen Museum, jetzt, kurz nach dem Lesen des Buches, das erste Mal gesehen hätte.

Bisher war ich kein Fan von historischen Romanen, aber der hier sprach mich thematisch doch an. Die Ereignisse und Personen wirkten durchaus näher als in einem entsprechenden Sachbuch. Als Nächstes werde ich recherchieren, wo die künstlerische Freiheit begann, weil mir James Simon bisher kein Begriff war. Apropos Kunst: Da ich mich mehr für die Ausgrabungen und die Büste an sich interessierte, hätten die Passagen über das Gemälde ruhig kürzer sein können.
Den Schreibstil fand ich der Zeit entsprechend angemessen; ich musste mich aber erst an ihn gewöhnen. Beinahe kam ich mir vor wie in einem Mystery, in dem James nie wusste, welcher der nächste Schritt sein würde und welche Absicht hinter Borchardts Briefen stand. Die weiteren Ereignisse als eine Art Vorausschau in den Epilog zu schreiben, fand ich außerdem passend.
Profile Image for Karola.
844 reviews7 followers
December 6, 2024
Die Büste der Königin Nofretete
In zwei Teilen wird nicht nur die jüdische Familie James Simon in Berlin ab 1912 beleuchtet, sondern auch das politische Zeitgeschehen in Deutschland und die archäologischen Aktivitäten in Tell el-Amarna, Ägypten. Über den bedeutenden Fund der Nofretete durch den jüdischen Archäologen und Freund Ludwig Borchardt leitet der Roman im zweiten Teil über zur Bürde durch diesen Fund. Denn durch die politischen Wirren des 1. Weltkriegs verliert der einstige sehr vermögende Berliner und Baumwollfabrikant James Simon nicht nur seinen Besitz, sondern auch seinen bisherigen großen Einfluss als Kunstmäzen. Gezeichnet wird von ihm ein sehr sympathisches, mitmenschliches Charakterbild. Auch als kulturell sehr interessierter Mensch sticht er hervor. Die Beschreibungen des bürgerlichen Judentums in Berlin, der harschen Lebensbedingungen der Bevölkerung überzeugen ebenso wie die Einflechtung nationalistischer und antisemitischer Aktivitäten. Als ein Gründervater der Deutschen Orient-Gesellschaft (DOG) ist der Berliner Textilgroßhändler, Kunstliebhaber und Mäzen James Simon mit seinen Beziehungen zu Wirtschaft, Bankensektor und Industrie in die deutsche Geschichte eingegangen. Ein aufschlussreicher, sehr überzeugender Beitrag über die Büste der Königin Nofretete, die immer noch das bekannteste Exponat der Berliner Museumsinsel ist.
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