Als über den Jahreswechsel 1965 vier Menschen an einem altehrwürdigen englischen College spurlos verschwinden, stehen nicht nur die anwesenden Lehrer und Schüler vor einem Rätsel – auch die polizeilichen Ermittlungen laufen ins Leere. Allein Anthony Brewer, ehemals Zögling des Knabeninternats und mittlerweile pensionierter Rechtsanwalt, lässt das damals Geschehene nicht los. Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Cold Case aufzuwärmen und das Raven-Hall-Mystery mit den Mitteln der Gegenwart zu lösen. Ein meisterhaft komponierter Roman mit originellen Twists und nachbebender Spannung.
Junge Männer werden durch Testosteron gesteuert, Altwerden ist nicht für Feiglinge und unzuverlässige Erzähler können auch als Chor auftreten. Stereotypische Figuren, ein vorhersehbarer Spannungsbogen und eine spröde Prosa bestimmen diesen Roman, der Lebenszeitverschwendung der eher ärgerlichen Art ist.
Wie die Zeit, das Buch zu den 100 besten im Jahr küren konnte ist mir etwas schleierhaft. Aber es ist auch gut möglich, dass ich beim Lesen irgendwas übersehen habe. Bin ja kein Literaturkritiker. Vielleicht mach ich hier auch gerade das neue Machwerk deutscher Literatur madig. Je ne sais pas, sagt man dazu in Portugal. Grob gesagt geht es um das Verschwinden von vier Personen in einer Jungsschule mitten in England, das niemals aufgeklärt werden konnte. Einen Cold Case also, der den Ich-Erzähler einfacht nicht loslässt (unter den Verschwundenen befindet sich sein "bester" Freund) und den er in Eigenregie 50 Jahre später lösen möchte.
Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt. Der Größte (fast 2/3) befasst sich mit der damaligen Geschichte. Erzählt wir hauptsächlich aus der Perspektive des Ich-Erzählers, dieser fügt immer wieder Interviewfetzen und/oder Tagebucheinträge von anderen damals anwesenden Personen ein. Die Erzählweise war gewöhnungsbedürftig, aber ganz interessant. Der zweite Teil besteht aus einem Kapitel, in dem auf einer Seite halt wirklich nur gesagt wird: ja gut und dann hab ich bisschen mein Leben gelebt. Und im dritten Teil geht es dann endlich um den Versuch, diesen Fall aufzulösen. Über einen Blog, den wohl der erste Teil darstellen sollte, was aber bei mir wirklich nicht rübergekommen ist!
Die Charaktere sind mir alle ein bisschen zu einfach geschrieben und wirklich gefallen hat mir kein einziger. Die Sprache ist sehr platt und, no offense, ich kaufe den Charakteren nicht ab mit 70 noch von irgendwelchen "fucking" Dingen zu reden. Ich hatte ständig das Gefühl, dass da Teenager sprechen, die wahren aber alle weit über 60. Der Ich-Erzähler hat seine Art zu sprechen auch nie geändert. Und das kauf ich dem einfach nicht ab! Bruder, du hast Jura studiert und als Anwalt 50 Jahre gearbeitet. Samma du quatscht in deiner Rente noch wie du als 17-jähriger!
Ne das Buch war es jetzt wirklich nicht. Hatte auch keinen großen Oha-Moment bei der Auflösung des Buches. Na jut, sei es drum: Selbst bei diesem Buch lohnt sich ein Kauf bei Amazon nicht!