Zuerst mal - das Buch hat sich einfach und flüssig weggelesen, was für eine Biographie ja nicht immer so selbstverständlich ist. Und das Buch liefert massenweise Informationen zur Kunst und zum Leben in der Epoche der Romantik, nicht nur zu Clara Schumann speziell. Das fand ich persönlich großartig, gerade weil es sich auch noch so gut gelesen hat. ABER: Es geht definitiv nicht hauptsächlich um Clara, sondern um ihre Ehe. Die Zeit bis zum Tod ihres Mannes füllt 341 Seiten, ihre 40 Jahre als Witwe werden in knapp 20 abgearbeitet. Abgesehen davon hat das Buch mir Clara Schumann ziemlich unsympathisch gemacht. Was meiner Meinung nach ganz gut ist, es gibt ja auch Autoren, die Menschen so vergöttern, dass sie alles schlechte über sie in einer Biographie einfach weglassen oder beschönigen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich es nochmal lesen würde. Also: Ausleihen kann man sich das Buch schon, vor allem, wenn man sich für das Leben und die Kultur in Deutschland von 1819-1856 interessiert und keine staubtrockenen Sachbücher dazu lesen will. Direkt kaufen würde ich es mir wahrscheinlich nicht.
Tolle Biographie! Was Claras Bemühungen ihren Kindern gegenüber angeht, urteilt Eva Weissweiler allerdings zu hart - so einfach war es nicht, nach dem Tod des Ehemanns, die ganz unterschiedlichen Sprösslinge zu betreuen und die nötigen Einkünfte durch ihre winterlichen Konzerte herbeizuschaffen. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als von einer Großstadt zu anderen zu reisen, bei schlechtem Wetter, schlechten Wegeverhältnissen und eigenen Krankheiten. Ausfall eines Konzertabends bedeutete Wegfall der dringend benötigten Einnahme. Schulen, Pensionen, Krankenversorgung der insgesamt sieben Kinder waren zu finanzieren - Sohn Felix studierte und erkrankte bald darauf an Tbc. Tochter Julie war ebenfalls lungenkrank und musste zeitweise im Süden betreut werden. Als der Sohn Ferdinand starb, musste die schon ältere von Rheumatismus geplagte Clara für die sechs hinterlassenen Kinder aufkommen. Kein leichtes Leben. Gleichwohl, Weissweiler hat die Quellen intensiv studiert und, selbst Musikerin und Pianistin, interpretiert sie die Werke von Clara und Robert Schumann. Unbedingt lesenswert! Ein Buch, wie man es besser nicht hätte schreiben können.