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Sehnsucht nach uns

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355 pages, Kindle Edition

First published March 17, 2014

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Isabel Shtar

6 books5 followers

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Community Reviews

5 stars
11 (37%)
4 stars
10 (34%)
3 stars
5 (17%)
2 stars
2 (6%)
1 star
1 (3%)
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Aldi.
1,406 reviews106 followers
July 13, 2022
Hier wird gespoilert. So richtig warm wurde ich mit dem Buch nicht, und eigentlich würde ich es eher um die 2.5 Sterne einordnen. Ich runde mal auf, weil es mich doch sehr beschäftigt hat, wenn auch öfter in die kritische Richtung. Langweilig wurde es sicher nie.

Einer der Hauptgründe, warum es nicht so richtig geklappt hat für mich, sind leider die Charaktere. Von Anfang an ging deren Selbst- und Gegendarstellung so stark mit dem Runtermachen anderer einher, dass ich sie nicht wirklich liebgewonnen konnte. Bruno war gleich ab Beginn auf diesem “Nicht wie andere Jungs/Schwule/was auch immer”-Trip, und Gideon (und auch Freddie) hauten später in dieselbe Kerbe. Ob’s jetzt um die Mitglieder von Brunos Schwulen-Lesben-Gruppe ging, irgendwelche Fremde oder Timo, den armen, anfangs mal vorgestellten und dann schnell wieder entsorgten Alternativ-Love-Interest, Bruno und Gideon können sich anscheinend nur selbst definieren, indem sie andere Menschen runterputzen, ob jetzt wegen deren Aussehen (niemand ist so schön wie sie!), deren schwulen- und sonstigen politischen Ansichten (anscheinend ist das alles nur selbstverherrlichendes Getue und Gideon und Bruno sind die einzigen authentisch denkenden/handelnden Menschen überhaupt) oder irgendwelchen trivialen Kleinigkeiten, der Faden zog sich durch – wie lange (als banales Beispiel) die beiden etwa rumlästerten, weil Timo irgendeine Kräuterbrause trinkt statt ein Bier, war einfach nur noch unglaublich – auch die Möglichkeit, trockener Alkoholiker zu sein, wurde ihm kurzhand einfach abgesprochen, weil er nicht so aussah?? Als ob man das sieht.

Auch sonst wird das Klischee zuweilen arg bedient, und nicht nur was Schwule angeht – bei den Beschreibungen von unwichtigeren Nebencharakteren floß so oft ein abfällig wertender Ton ein, mit dem ich mich überhaupt nicht anfreunden konnte, besonders wenn es um Frauen ging.

Kurz gesagt, ich hatte Schwierigkeiten, mich reinzufinden. Da spielte leider auch der Schreibstil mit, den ich bei anderen Werken der Autorin eigentlich gut gefunden habe – vor allem die langen, ausgiebigen Dialoge, oft mit psychologischem Tiefgang, die bei anderen Storys wirkten, haben hier für mich nicht so funktioniert. Das lag teilweise daran, dass wirklich *jedes* Gespräch so war – die langen, ausführlichen Monologe mit haargenauer, fast therapeutischer Einsicht, bei denen jeder Aspekt der eigenen Persönlichkeit und der Beziehung lang und breit analysiert wurde und wo keiner der beiden jemals die geringsten Schwierigkeiten zu haben schien, sich auszudrücken, wirkten oft aufgesetzt, als hätte die Autorin diese kleinen Analysen der Charaktere und der Beziehungsentwicklung, die sie dann einfach als expositorischen Dialog hinknallte. Schön für den Durchblick, was die beiden denken und fühlen, aber – so redet bzw. denkt halt kein Mensch. Bei anderen Dingen, die ich von der Autorin gelesen habe, hat das für mich gepasst, weil es halt zu den Figuren passte. Hier nicht.

Dazu gehören auch die unzähligen Similes und komischen Vergleiche, von denen sowohl Dialoge als auch Erzählung nur so überschwappten – ob jetzt bemühte Raubtier-Analoge oder schon jetzt leicht veraltete Pop-Culture-Verweise, ich fand es zuweilen übertrieben.

Damit ich auch mal zum Positiven komme: Ich war angenehm überrascht von der Struktur der Geschichte, die ganz und gar nicht mit dem Zusammenkommen von Bruno und Gideon endet, sondern dort erst eigentlich anfängt. Das gibt es so nicht oft in Romanzen, und ich fand es spannend mitzuverfolgen, wie diese beiden frische verliebten Typen sich erst mal langsam erarbeiten müssen, wie ihre Beziehung aussehen soll und in welchen Bereichen sie arg unterschiedliche Vorstellungen haben. Im Endeffekt läuft das Ganze über fünf Jahre, in denen sich viel verändert, und es wirkte daher mehr lebensecht.

Ein interessanter Aspekt dieser langsamen Beziehungsentwicklung war die Frage der Monogamie, die bei Bruno unter selbstverständlich lief, bei Gideon eben nicht. Der Star dieser Auseinandersetzungen war eindeutig Freddie, Gideons enger und nicht immer platonischer Freund mit jeder Menge persönlichem Trauma, der mit viel anonymem Sex selbsttherapiert, unglaublich charmant und unglaublich gebrochen ist und Gideon auf eine Weise braucht, mit der Bruno als dessen Freund anfangs Probleme hat. Die Gespräche und Verhandlungen, die sich dabei ergaben, waren echt gut und feinfühlig ausgearbeitet; es war auch schön, mal über ein Pärchen zu lesen, bei dem Monogamie ein Konfliktpunkt ist, der sich gerade nicht mit einem einfachen “Ich liebe aber nur dich” ausbügeln lässt. Was ich besonders an Brunos Entwicklung schätzte, war, dass er wegen Freddie nicht einfach nur ewig Eifersucht pflegte, sondern sich mit den Hintergründen von Gideons und Freddies Beziehung ernsthaft auseinandersetzte, sie zu verstehen versuchte und ultimativ dann auch ins Vertrauen gezogen wurde. Dass das Ganze irgendwann zu leicht therapeutischen (um Freddies Willen) Dreiern wurde, hat auch gepasst und war emotional einfach nur schön. Sowas ist nicht einfach zu vermitteln, also kudos.

A propos Dreier: Ich war ein wenig enttäuscht, dass die Sexszenen weniger zentral und nur mäßig detailliert waren. Ich bin von der Autorin irrsinnig gute Szenen mit Sex als Kommunikationsmittel bzw. körperlichem Ausdruck emotionaler Intimität gewöhnt und habe das in diesem Buch etwas vermisst.

Auch die anderen Nebencharaktere waren gut entwickelt und trugen viel Humor und Unterstützung zu der Story bei. Leider habe ich um die Zeit, als Bruno von seinem Auslandssemester in Rom zurückkam, den Plot einfach verloren. Plötzlich artete alles in höchst soap-mäßige Entwicklungen aus: Brunos liebenswerter, aber unzuverlässiger Vater kriegt ein zweites Kind (wobei die Mutter, die das Baby nicht will, aus mir unerklärlichen Gründen zu einer dümmlichen Schlampe runtercharakterisiert wird), um das Bruno sich erst mal kümmern muss, wobei er sich jedoch sofort in den Kleinen verliebt und der dann kurzerhand *sein* Baby wird; zeitgleich hat Brunos Oma einen schlimmen Unfall; und ach ja, Freddie bringt sich um. What. The. Fuck. Letztere Enthüllung hat mich echt sauer gemacht und ist der Hauptgrund, warum ich fast doch wieder auf 2 Sterne abrunden will. Erstens war es ein billiges Ende für eine Figur, die ehrlich gesagt in jeder seiner Szenen die Show gestohlen hat. Zweitens brauche ich in einer Romanze, auch einer ungewöhnlich strukturierten, wirklich keinen zentral positionierten Suizid einer stark präsenten, wunderbaren Nebenfigur. Drittens: Selbstmord wegen HIV, im Jahre – nach dem Veröffentlichungsjahr gehend – 2014?? Ja, mir ist klar, dass bei Freddie auch noch andere, langjährige Gründe mitschwangen, aber da das HIV nun mal genannt wurde – nochmal, what the fuck? Auch zwanzig Jahre früher hätte so was mich schon die Stirn runzeln lassen, aber 2014? Das mutete fast an, als habe die Autorin null Recherchen angestellt, was die Chancen eines normalen Lebens mit HIV angeht. Ich fand das echt sowas von daneben.

Ab dem Zeitpunkt dieses Triple Whammy an blödsinnigem Drama habe ich dann auch den Anschluss an die Hauptbeziehung verloren. Der tiefst in Trauer und Selbsthass versunkene Gideon macht aus Gründen der Selbstsabotage Schluss – das war nachvollziehbar und irgendwie auch die letzte Entwicklung, an die ich glauben konnte. Dass dann einige Zeit vergeht, beide als Menschen wachsen – wobei wir das bei Gideon aber nicht sehen – und dann doch wieder zusammenkommen, samt Baby und allem, ließ mich dann eher kalt. Ich habe ihnen einfach die Trennung abgenommen, die Versöhnung dann nicht wirklich. Schade, aber kann man nichts machen.

Es war ein interessantes Leseerlebnis, das ich nicht missen möchte, auch wenn mich vieles davon auf die Palme getrieben hat. Also schlussendlich bleibt dann doch der Extra-Stern dafür, dass es mich zum Mitdenken, Argumentieren und ein bisschen doch auch zum Mitfühlen bewegt hat.
Profile Image for Hemmel M..
803 reviews54 followers
June 12, 2020
Ich hatte große Hoffnungen, war aber enttäuscht, je länger ich las. Die Zeit läufte unregelmäßig und ging von Anfang an von Tag zu Tag, mitten drin War es Monaten zu einer Zeit, und am Ende scheinen plötzlich Jahre zu vergeten. Ich war mir da nicht sicher und war sehr verwirrt durch das Verhalten von Bertie, weil der sinch benahm wie alles zwischen 6 Monaten und 3 Jahren alt.

Es gab einige Momente in denen ich Schwierigkeiten hatte weiter zu lesen. Die Autorin hat nicht versucht, Spannung oder Erwartung einzufügen, um die Aufmerksamkeit des Lesers zu erhalten.

Das Ende war wirklich eine Stilpause. Plötzlich fehlte der Humor für ein paar Kapitel. Der Dialog war unrealistisch weil es lange bedeutungsvolle Monologe gab.
Die Charaktere waren realistisch, aber ich bemerkte einen Fehler. Brunos außergewöhnlicher Humor, voller lustiger Vergleiche, wurde manchmal auch in Zitaten seiner Freunde verwendet.
Profile Image for Chris.
1,155 reviews13 followers
October 15, 2014
Bruno kommt nach Hamburg um zu studieren. Lehrer möchte er werden und endlich seine Sexualität ausleben. Auf dem Dorf, unter Omas Obhut, war das eher schwierig und Bruno kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Schon nach den ersten Tagen in der Stadt, auf der Uni und in der Szene ist klar … Bruno ist eine naive Jungfer vom Land! Doch Bruno hat Glück und er lernt auf der Uni ein lesbisches Paar – Lea und Katrin – kennen und diese Mädls nehmen ihn unter ihre Fittiche.

Und dann läuft ihm Gideon über den Weg. Ein fantastisch aussehender Musikstudent. Und er ist auch noch schwul. Allerdings hält sich Bruno für ein graues Mäuschen und Gideon mit Freddie verbandelt. Also belässt Bruno es dabei, dass sie einfach Schwimm-Kumpels werden. Doch irgendwann kommt alles raus und Bruno stellt mit Erschrecken, Erstaunen und auch Entzücken fest, dass Gideon auf ihn steht. Nur Bruno hat die Zeichen einfach nicht erkannt.

Was als Trainingsgemeinschaft beginnt, wächst sich schnell in eine Freundschaft und schliesslich Beziehung aus. Jedoch ist diese Beziehung nicht konfliktfrei, denn Gideon und Bruno haben ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrem Leben, der Freiheit und der Zukunft. Und das Leben ist im Fluss und hinter jeder Biegung können sich schöne, aber auch furchtbare Dinge verbergen.

Der Einstieg in das Buch war für mich nicht ganz so einfach. Isabel Shtar schreibt zwar sehr flüssig, witzig, aber auch ein wenig skuril. Sie spielt viel mit Klischees, macht ihre Helden aber nicht zu Übermenschen. Und wie sie menscheln dürfen. Brunos Familie ist grandios und nach diesem Buch war ich jedoch sehr dankbar für meine eigene Familie. Auch wenn Brunos Erzeuger irgendwo in Südamerika herumturnt, seine Mutter eher gefühlskalt ist und er von seiner Oma großgezogen wurde, ist die Familie dann da für ihn und unterstützt Bruno wo sie nur kann.

Gideon hingegen hat sich von seiner Familie losgesagt und hat nur noch seinen besten Freund Freddie, mit dem er sich eine Wohnung teilt, aber auch eine Art von Liebe die Bruno zu Beginn nicht versteht. Der lebenslustige und temperamentvolle Freddie wird ebenfalls ein Teil von Brunos Leben und doch wird er dann das Zünglein an der Waage bzw. an der Beziehung von Gideon und Bruno sein.

Die Autorin schickt den Leser auf eine richtige Achterbahn der Gefühle. Man lacht, leidet, hofft und trauert mit den Protagonisten von der ersten Seite an mit. Bruno entwickelt sich ungwöhnlich und trotz seine Landei-Images wird er ein richtig starker Charakter, der mich am Ende doch beeindruckt hat. Gideon hingegen wirkt erst sehr stark, selbstsicher und überlegen. Doch die Ereignisse und ihre Folgen gehen an seine Substanz und er verliert immer mehr an Bodenhaftung. Dennoch bleibt er liebenswert – auch wenn man ihn für eine Weile gar nicht mag, weil er sich auf so einem extrem Trip befinden.

Einen leichten Punktabzug gibt es für die erotischen Szenen. Es hat mich nicht gestört, dass die Autorin damit eher sparsam war. Leider wirkt manche Szene einfach lieblos und leidenschaftslos. Das fand ich dann doch etwas schade. Ausserdem hat das Buch in der Mitte ein paar Längen, über die man sich drüber hangeln muss.

Dennoch wurde ich von Bruno, Gideon und Co wunderbar unterhalten!
Profile Image for Libre.
212 reviews3 followers
September 16, 2015
Klappentext:
"Was bedeutet Freiheit – und ist sie für jeden Menschen gleich?
Für Landmaus Bruno sind Großstadt und Studium das Abenteuer seines Lebens. Weit weg von seinem behüteten Dorfleben ist er von vielen neuen Eindrücken manchmal reichlich überfordert. Alles scheint plötzlich möglich – vor allem für eine schwule Jungfer. Doch als dann Gideon auf den Plan tritt, wird Brunos Welt vollkommen auf den Kopf gestellt, denn Gideons Vorstellungen von Freiheit sind so ganz anders als Brunos..."

Der Rückentext ist sehr kitschig und hat mich erst einmal abgestossen. Nach Empfehlung habe ich es mir dann jedoch einmal ausgeliehen - und musste mir nach den ersten Seiten gleich ein eigenes Exemplar kaufen! Das Buch ist sehr gut, locker und flüssig geschrieben. Die Autorenschaft hat einen Humor, der immer zur Situation passt ohne aufgesetzt oder ablenkend zu sein.
Die Charaktere und ihre Beweggründe werden sehr gut beschrieben. Die Handlung ist wunderbar aufgebaut und nachvollziehbar, hat aber dennoch ein paar Überraschungen in petto.

Und wer jetzt denkt, es geht im Buch nur darum, wie die Personen in ein paar Tagen zusammenkommen, hat sich geirrt: Die Handlung geht über mehrere Jahre! Denn auch im wahren Leben brauchen Menschen eine Weile um die Anfangsfrage für sich zu beantworten: Was bedeutet Freiheit?
Displaying 1 - 4 of 4 reviews

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