Dem historischen Roman gelingt es, das Lebensgefühl zur Lebenszeit von Sappho zu vermitteln. Inhaltlich gibt das Werk dafür kaum etwas her. Das liegt aber nicht an den oft kritisierten Themen, wie den nicht reflektierten Hochzeiten und Akten zwischen (heute) minderjährigen Mädchen und älteren Männern. Diese waren zu der Zeit normal und wurden teils staatlich forciert, wie etwa in Sparta, wo ältere Soldaten eine enge Beziehung zu einem neuen Rekruten aufbauen sollten, in der sexueller Verkehr teils explizit erwünscht war. Selbst Platon kam nicht umhin, in nahezu jedem Werk die korrekte sexuelle Beziehung zwischen Knaben und älteren Männern zu thematisieren.
Störend ist vielmehr der Umfang des Buches. Es scheint mehr in ihm zu stecken, als wir über Sappho und ihr leben wissen. Damit schmückt das Werk die historisch wichtige Schriftstellerin zu stark aus und vermittelt ein Bild von ihr, das sich so nicht halten lässt. Entsprechend eignet es sich auch nur, um in das Lebensgefühl der Zeit einzutauchen. Aber auch das aus einer modernen, stark romantisierten westlichen Perspektive.