Berlin, Ende 1927. In einem Berliner Vorort wird eine junge Frau schwer verletzt aufgefunden. Sie stirbt wenig später. Handelt es sich um ein Sittlichkeitsverbrechen? Schon mehrere Frauen sind angegriffen worden. Kommissar Gennat und seine Kollegen arbeiten auf Hochtouren. Gennats Freund Max Kaminski und seine Frau Lissy bedienen sich ungewöhnlicher Mittel, um den Täter zu finden. Doch dann kommt Hilfe von ganz unerwarteter Seite …
Wer Kommissar Gennat als den "Buddha" in den Gereon Rath-Romanen von Volker Kutscher (oder in deren Verfilmung als "Babylon Berlin") kennengelernt hat, wird hier Vertrautes und Unerwartetes finden.
Vertraut ist die Hauptfigur Gennat, die in beiden Werken als ausgeglichener, den Menschen zugewandter Kriminalist geschildert wird, ein angenehmer Zeitgenosse.
Unerwartet ist dagegen, dass von der politisch-gesellschaftlich aufgeheizten Stimmung im Berlin der Epoche fast nichts zu merken ist. Das bleibt außen vor, und man fragt sich schon, ob man das der roten Burg, dem Hauptquartier der Kripo, so abnehmen kann. Die Härte des Berlins jener Tage, die Kutscher und andere Autoren gekonnt einfangen, findet sich hier so gar nicht.
Statt dessen erwartet den Leser ein durchaus spannendes "police procedural" im Berlin des Jahres 1927, bei dem Gennat und Kollegen in einem ganz unpolitischen Fall methodisch an dessen Aufklärung gehen. Dabei bleiben Handlung und Charaktere im Vordergrund, die Autorin verfällt nicht der Versuchung, einen Lokal- und/oder Historienkrimi zum schreiben, in dem die Kulisse versucht, eine schwache Geschichte zu ersetzen. Das ist dem Roman hoch anzurechnen. In den starken Passagen werden die Schlachthöfe geschildert, einschließlich einer Verfolgungsjagd. Ebenso das Gefühl der Bedrohung, das viele Frauen in den öffentlichen Verkehrsmitteln empfanden, wohlwissend, dass sie von der Polizei oftmals eher Ungemach den Unterstützung erwarten durften. In den schwächeren Passagen wird es dann aber bisweilen zu heimelig, bis an den Rand des Klamauks.
Fazit: Leichte Krimikost für zwischendurch, unterhaltsam und recht spannend. Zur historischen Epoche passen die eher harten Romane von Kutscher aber letztlich besser.