Die Teufelsmalerin führt uns nach Mainz während des 30jährigen Krieges, gerade haben die Schweden die Stadt besetzt. Man ist sofort mitten in der Handlung und liest gebannt von der ersten bis zur letzten Seite. Der Spannungsbogen ist sehr gut gelungen, es gibt keine Längen, keine überflüssigen Szenen. Die beiden Hauptpersonen Henrietta und Thomas lernt der Leser schnell kennen, beide sofort in packenden Situationen.
Das historische Umfeld ist gut beschrieben und immer wieder schaffen gut platzierte Nebensätze mit historischen Details die richtige Atmosphäre. Das ist geschickt gemacht und gelungen. Erstaunt war ich, daß sich dann das viel zu moderne Wort "Sachverständiger" in das Buch geschlichen hatte und dort in der wörtlichen Rede verwandt wurde.
Wir begleiten Henrietta und Thomas durch viele aufregende Erlebnisse - es gibt reichlich Themenvielfalt: natürlich das Malen, aber auch Hexenparanoia, Leiden einer besetzten Stadt, Künstlerambitionen, Gewalt, Niederträchtigkeit, Mitleid und Liebe.
Henrietta ist für Zeit und Umfeld zu unangepaßt und muß dadurch Nachteile erleiden. Eine ständige potentielle Gefahr droht durch die zahlreichen in ihrem Haus einquartierten Soldaten, zusätzlicher Kummer durch den todkranken Vater. Thomas bemüht sich das ganze Buch hindurch, Henrietta zu helfen und zu beschützen. Die beiden verlieben sich, diese Liebesbeziehung wird recht zurückhaltend und zum Glück ohne Kitsch erzählt. Das wirkt an einigen Stellen vielleicht ein wenig zu zurückhaltend, weil es manche Entscheidungen nicht ganz nachvollziehbar macht, aber im Ganzen finde ich diese Beziehung angenehm geschildert.
Ein wenig störend fand ich, daß es viele nicht plausible Stellen in dem Buch gibt, gerade im letzten Drittel. Sehr irritierte mich, daß Henrietta nach einem Tag, an dem sie eine Vergewaltigung miterlebte und selbst fast ständig in Gefahr einer solchen ist, durch diese Geschehnisse Begehren auf Thomas entwickelt. Eine seltsame Reaktion und irritierend genug, um das Lesevergnügen doch zu stören. - An mehreren anderen Stellen reagieren Charaktere zu sehr gegen ihr vorheriges Verhalten oder tun Dinge, die einfach nicht nachvollziehbar sind. Es scheint, als ob hier öfter eine etwas bequeme Lösung gewählt wurde, um die Handlung in der gewünschten Art voranzubringen. Das ist schade, denn es hätte andere plausible Möglichkeiten gegeben.
Im Gesamten ist das Buch aber empfehlenswert. Der Schreibstil ist angenehm, das Erzähltempo gut und es gibt ziemlich viele überraschende Wendungen, dazu sind die Charaktere gut ausgearbeitet und vielschichtig. Es hat viel Spaß gemacht, es zu lesen, war spannend und unterhaltsam.