Das Leben lesen: Theresia Enzensbergers Buch ist ein philosophischer Streifzug durch die Nacht – und eine persönliche Erkundung der Schlaflosigkeit.
Theresia Enzensberger kann nicht schlafen. Also schreibt sie ein Buch über den Schlaf und folgt dabei den verschiedenen Stadien, die wir in der Nacht durchleben. So beginnt sie in der zähneknirschenden Leichtschlafphase mit einem Essay über die Moralisierung von Schlaf, Traum als politische Metapher und die Folgen allgemeinen Schlafmangels. Fast unmerklich wird ihr Text in der Tiefschlafphase privater, innerlicher, und eröffnet uns eine intensivere, persönlichere Sicht auf die Welt, die Kunst, die Literatur. Der Traum kommt erst in der REM-Phase, hier verlässt sie den Raum des Realen und wagt etwas Neues. Ein aufregender, kluger, anregender Versuch, die Essenz eines menschlichen Grundbedürfnisses zu begreifen, das sich so sehr unserer Macht entzieht.
I actually fell asleep listening to this, no joke. Enzensberger's text is structured in four parts, named after the four stages of sleep (wake, light sleep, deep sleep, and REM) and also mimicking their length in relation to a whole night - which, great idea. After an introduction (wake), we get two essays (light and deep sleep) as well as a story (REM).
While set up like a mix of memoir, non-fiction, and fiction, the whole thing does not come together: It lacks drive, feels disparate, and comes across as overall... lacking verve / punch / esprit. While I'm an alumna of Karl Marx University Trier (also no joke), these one-dimensional "it's capitalism's fault" explanations are really killing me - it's just so intellectually lazy, because of course, capitalist economy sees people as resources and their sleep as a sort of biological maintenance to uphold their capability to function, and sure that's problematic, but there are so many more fascinating angles when it comes to pondering sleep, and they are vastly under-explored here.
Another example for a text about the topic is Sleep, Death's Brother, which shows a more daring, unusual approach.
"Schlafen" von Theresia Enzensberger besteht aus einer Einleitung, zwei Essays und einer Erzählung. Die Abschnitte sind nach vier Schlafphasen betitelt. Der Umfang der Texte entspricht etwa der Länge der Phase in einem Schlafzyklus (5%, 45%, 25%, 25%). Mir gefällt diese Struktur sehr gut. Da aber die beiden Essays, die 70% des Buches ausmachen, misslungen sind, kann auch der letzte Text, der gut ist, das Buch nicht mehr retten. Aber immerhin hat die Erzählung am Ende das Buch noch von einem zu zwei Sternen insgesamt geführt.
Die Abschnitte im Einzelnen:
1 Einschlafen Eine kurze Einleitung in die Struktur und das Programm des Buches.
2 Leichter Schlaf Dieser Abschnitt ist ein zu langer und leider auch sehr einseitiger politischer Essay. Der Schlaf wird hier verwendet, um Kapitalismuskritik zu äußern. "Für den Kapitalismus ist der Schlaf [...] ein Problem." Schließlich ist man im Schlaf unproduktiv. Da ist der Weg zur Schwäche in der "heterosexistischen, rassistischen Klassengesellschaft" für die Autorin nicht mehr weit. Schnell springt sie zu den Vulnerablen und den Kranken und natürlich zu Corona. Gerne auch mit populistischen Formulierungen wie "so hieß es in vielen Medien und an jeder Straßenecke", die sie bei anderen kritisiert. Selbst eine Fortsetzung bis hin zur Nazi-Ideologie vom "unwertem Leben" bleibt dem Leser nicht erspart. Für mich ist das misslungen und zum Teil unerträglich.
3 Tiefschlaf Ausgehend von der eigenen Schlaflosigkeit möchte die Autorin assoziativ nachdenken über Schlaf in Kunst, Literatur und Popkultur. Das Ergebnis ist leider wenig assoziativ, sondern eher sprunghaft und konfus. Es ist nicht so ärgerlich wie der Essay im vorherigen Abschnitt, aber leider doch ziemlich langweilig.
4 Traumschlaf Im letzten Teil gibt es eine "beunruhigende Erzählung" mit dem Titel "Stallgeruch". Die besten Freundinnen Jo und Vera sind in einer Eisdiele. Jo riecht etwas Unangenehmes, "ein olfaktorsicher Angriff", den Vera nicht wahrnimmt. Der unangenehme Geruch verfolgt Jo bis nach Hause. Auch in einer Bar ist Jo die einzige, die den Geruch wahrnimmt. Die weiteren Entwicklungen und die Verbindung zum Thema "Schlafen" beschreibe ich aus Spoiler-Gründen nicht. Es ist eine gute Geschichte und damit ein versöhnlicher Abschluss eines insgesamt gescheiterten Buches.
Drei Essays und eine Kurzgeschichte über das Schlafen. aber eigentlich über so viel mehr. Für mich ist das Buch aber leider eher gefloppt und damit auch das „schwächste“ Buch aus der Leben-Reihe bisher, weil viele Ansätze so wissenschaftlich und philosophisch aufgebaut wurden, dass man als „Laie“ oft vieles nicht versteht. Dennoch kann ich es weiterempfehlen, weil es sehr viel Kapitalismus aufgreift und wie unsere Gesundheit daran gekoppelt ist.
Einschub Onleihe Theresia Enzensberger reflektiert ihre eigene Schlaflosigkeit und die Folgen darauf auf die Schlafphasen, die Wahrnehmung des Schlafens (Faulheit, Unsicherheit, Ausgeliefert sein) auf den Kapitalismus. Es geht auch um Corona und die Schwäche. Ein langes wissenschaftliches Kapitel, ein kurzes Essay, eine Kurzgeschichte.
Nach einem schwereren Einstieg in den Sachtext kam ich gut rein und hatte einen erfreulichen Abschluss des Buchs. 3.75 Sterne, aufgerundet auf 4 Sterne.
Takes über Schlaf/Schwäche/Gesundheit im kapitalistischen System und eine kleine Traumgeschichte am Ende.
Markierte Stellen:
„Das Dilemma des Kapitalismus ist aber Folgendes: Einerseits ist der Schlaf überflüssig, eine störende Verschwendung von Zeit, in der ein Mensch weder arbeiten noch konsumieren kann, andererseits ist die Produktivität eines wachen, arbeitenden Menschen direkt von der Qualität seines Schlafes abhängig.“
„Gesundheit im Kapitalismus ist eine Unmöglichkeit. Im Kapitalismus muss man arbeiten, um Gesundheit zu erreichen, man muss produktiv und normativ sein, und erst dann steht einem die Gesundheit zu, die man kaufen kann“, heißt es in Health Communism. Wenn unsere eigene Gesundheit einen derart prekären Status hat, sollte die Solidarität mit denjenigen, denen dieser Status entglitten ist, doch nicht nur selbstverständlich, sondern geradezu selbsterhaltend sein. Stattdessen ist uns ein anderer Impuls viel geläufiger: Die vermeintliche Schwäche anderer wird als das eigentliche Problem dargestellt, gefährlicher und ansteckender als jeder Virus.“
3,5 Sterne. Fing etwas schwach an, aber die zweite Hälfte hat mir gut gefallen. Aber kann mir bitte jemand die Kurzgeschichte interpretieren? Muss ein Traum gewesen sein.
Dies ist kein Ratgeber, wie man ihn normalerweise erwarten würde. Vielmehr beleuchtet die Autorin die verschiedenen Schlaf Phasen und was in dieser Zeit mit uns passiert.
1: Einschlafphase
2: Leichtschlafphase
3: Tiefschlafphase
4: Traumschlafphase oder auch REM-Schlaf
Uns allen ist ja bekannt; Probleme können einem den Schlaf rauben. Der soziale Status spielt ebenfalls eine große Rolle. Auch politische Aspekte werden beleuchtet. Kommt das Büchlein Anfangs sehr wissenschaftlich daher, so wird es im späteren Verlauf sehr persönlich. Vor allem wird klar, Schlafratgeber sind nicht für jeden hilfreich. Melatonin einnehmen hilft der Autorin gar nichts, da sie ja keine Probleme beim Einschlafen hat. Vielmehr das Durchschlafen bereitet ihr Probleme. Welche gesundheitlichen Probleme Schlafmangel haben kann, ist bekannt. Bei Diabetes, Demenz, Herzkrankheiten, Krebs und Depressionen soll Schlafmangel mit verantwortlich sein.
Ich selbst leide sehr selten unter Schlaflosigkeit. Viele Menschen in meinem nahen Umfeld leider schon. Da ich den sehr frühen Morgenstunden arbeiten muss, nehme ich im Sommer gerne Melatonin Gummies ein. Gerade im Sommer fällt mir das Einschlafen sehr schwer. Nun weiß ich, warum meine Ratschläge für Menschen mit Durchschlafstörungen, überhaupt nicht hilfreich waren. Ich entnehme diesem Buch, jeder muss seinen eigenen Weg finden, um mit seiner Schlaflosigkeit umzugehen. In Zeiten wie diesen, muss es einen wahrlich nicht wundern, dass immer mehr Menschen Schlafstörungen bekommen. Warum Medikamente bei Insomnie oft verheerende Nebenwirkungen haben, fand ich auch sehr interessant.
Der eine oder andere fragt sich jetzt vielleicht, warum keine konkreten Tipps gegeben werden. Meiner Meinung nach macht gerade das dieses Buch aus. Viele Menschen verzweifeln doch an Ratgebern. Sie befolgen alles und trotzdem liegen sie Nachts wach. Vielleicht kann gerade dieses ehrliche Buch, (ohne Erwartungshaltung,) ein bisschen entspannen. Ich habe es sehr gerne gelesen. Von mir eine absolute Empfehlung.
Danke Theresia Enzensberger. Besonders der letzte Abschnitt hat mir sehr gut gefallen. So verstörend können Träume sein.
Joa, das war ganz okay. Ich mochte die ganzen Fakten rund ums Thema Schlaf und viele Stellen hätte ich mir gerne markiert, weil ich so relaten konnte. Diese Kurzgeschichte ganz am Ende fand ich allerdings etwas weird und überflüssig.
4.7 ⭐️ richtig interessante Struktur und auch mal was neues, nicht nur Standard Health Gerede sondern auch die strukturellen und gesellschaftlichen Implikationen von Schlafkultur aber noch so viel mehr. Die Geschichte im letzten Kapitel war beunruhigend und sehr Traumnah, hat ihr Vorhaben erfüllt
Schlaf als antikapitalistische Praxis ist logisch, aber vergisst auch, dass im neoliberalismus Schlaf für verschiedene Klassen und Personengruppen eine andere Wirkmacht haben kann
War irgendwie völlig anders als erwartet. Ich dachte ich lese ein Buch mit Klagen über die Schlaflosigkeit, sowie die Gefühle die dabei in einem wüten und fühle mich ein bisschen verstanden. Stattdessen hat Theresia Enzensberger einen ansprechenden Essay über die gesamtgesellschaftliche Rolle des Schlafs und der Schlaflosigkeit geschrieben, den ich aber auch toll fand!
das ist das beste buch, das ich dieses Jahr gelesen habe! Es war einfach rundum richtig gut; die Struktur mit den einzelnen Schlafphasen, der wissenschaftliche und kreative Schreibstil, der Wechsel vom historisch-soziologischen zum persönlichen Kontext und die Kurzgeschichte am Ende!! Ich hab das Buch jetzt digital gelesen, aber ich brauchs auf jeden Fall als gedrucktes Buch im Regal
Gehört zu meinen neuen Lieblings Büchern! Fands richtig, richtig gut, vor allem als Person, die nie schlafen kann und es dennoch versucht war’s ehrlich healing.
Ja, was soll ich sagen? Zum einen war die gelangweilte, gar unbeteiligte Stimme der Autorin Theresia Enzensberger im Hörbuch eine Herausforderung, besonders direkt nach dem Hören des ersten Bandes der Reihe, „Altern“ von Elke Heidenreich, die mit ihrem Enthusiasmus beim Lesen leicht eine Revolution anzetteln könnte. Des Weiteren dann der wissenschaftliche Exkurs zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von Krankheit als Schwäche, der zwar durchaus spannend ist, aber thematisch etwas vom Grundthema des Essays abweicht, etwas wofür es in der Schule Punktabzug gegeben hätte. Man verzeiht es aber, da man trotz fehlender geschlagener Brücke versteht, dass die Autorin die gesellschaftliche Wahrnehmung des Schlafs in diesem Kontext verstanden wissen will. Was allerdings die beschriebene Traumhandlung gegen Ende des Buches soll, da hört es bei mir auf mit dem Verständnis. Die zwei Sterne gibt es trotz Vorleskünste und Struktur für die interessante fachliche Aufarbeitung des Themas. Ich habe mir vieles mitgenommen, das ich trotz beruflicher Vorbildung zu dem Thema noch nicht wusste. Danke dafür!
Wieso wird in einer nach Individualität strebenden Gesellschaft der Schlaf so enorm normativ reguliert, bewertet und pathologisiert? Auch hier ist natürlich eine sich an kapitalistischen Erwartungen orientierende Gesellschaft ausschlaggebend. In diesem kurzen Essay mit einer am Ende stehenden albtraumartigen Erzählung, wird der Schlaf, das was dieser über uns erzählt und warum individuelle Schlafgewohnheiten so bewertet und folgend oft auch unterdrückt werden, beleuchtet. Ich mochte diesen schmalen Band ganz gern und auch die darin vorkommenden Literaturverweise.
„Wenn wir die Augen geschlossen und in einen tiefen Schlaf gefunden haben, sind wir allein, abgeschottet vom Außen, auf uns gestellt. Wir sind nicht mehr Teil der sozialen, der gesellschaftlichen, der politischen Welt. Oder?“
Drei Essays und eine Kurzgeschichte in der prozentualen Verteilung analog zu den Schlafphasen. Die Form ist originell, der Inhalt hat mich weniger gepackt als erwartet.
Irgendwie eine schöne "Ergänzung+Opposition=Pendant" zu Svenja Flasspöhlers Streiten.
Für die Einleitung und die Essays bzw. die wissenschaftlichen Abhandlungen würde ich gerne 5 Sterne vergeben. Auch wenn diese Texte nicht in alle Richtungen denken (aber wo ist das schon der Fall?) und natürlicherweise von einer Linse der Autorin geprägt sind, so gefällt mir diese Linse (Kapitalismuskritik, Gesundheit und Krankheit, Feminismus, Bezug zu Kunst und Literatur) ausgesprochen gut und hat mir so einige lehrreiche Momente geschenkt. Ab und zu bin ich ins Internet abgeschweift um noch weiter zu recherchieren. Die Gedankengänge fand ich sehr schön aufgebaut und trotz Komplexität nachvollziehbar, dazu notwenige inhaltliche Wiederholungen in genau richtigem Maße eingesetzt. Was ich besonders mochte: Die Reflexionen 1. über die Angst vor dem Schutz Schwächerer als Zeichen eigener "Schwäche", 2. über das in Deutschland weit verbreitete Bild des "Abhärtens" und "sich Zusammenreißens" sowie 3. diese Themen am Beispiel von Schuldfragen nach Covid. Viele dieser Reflexionen waren trotz meines ebenfalls linken Selbstverständnisses nicht immer in Einklang mit meiner Meinung - zumindest zuvor und genau während des Lesens. Ich hab Widersprüche und Widerstände in mir gespürt und dann umso gespannter weitergelesen. Dabei habe ich mit mir gerungen und auch um- und weitergedacht. Das war sehr schön. #heilenderMomentvonderLeistungsgesellschaftLol Zum ersten mal hab ich mich gefragt, wie viel von meinem Verständnis von Arbeit, Resilienz und Leistung ein ostdeutsches ist (so frame ich es nämlich gerne selbstbewusst) - oder wie viel auch einfach nur: deutsch.
Eigentlich würde ich das Review am liebsten so stehen lassen, auch mit 5 Sternen, nun kommt aber der Grund für den Punktabzug und ziemlich viel Herumgespoiler, also bitte eher nur lesen, wenn die Lektüre bereits abgeschlossen ist:
Also, man merkt, ich bin ein bisschen begeistert. Aber dann kam das letzte Kapitel. Ich hab es sehr schnell gelesen, weil ich nach der Wendung gesucht habe - die habe ich dann auch ein bisschen gefunden, aber es hat mich nicht befriedigt. Vielleicht ist das einfach mein persönlicher Lesegeschmack (ich mag ungewöhnliche Sprache mehr als funktionale) aber im Gegensatz zum Rest des Buches, wo mir die Form sehr gefiel, empfand ich die Erzählung am Ende fast lieblos hinerzählt, wie eine pflichtbewusst erfüllte Schreibübung. Auf mich wirkte es, als hätte die Autorin noch ein paar Seiten gebraucht und dann eine Idee, die vielleicht auch interessant ist, dann aber zu rational abgearbeitet. Außerdem fand ich die Emotionen der Protagonistin nicht nachvollziehbar, und gemischt mit dem großen Haus in dem die Familie wohnt, las es sich für mich wie eine mäkelige Erzählung eines Adelskindes in einem langatmigen historischen Roman. (Eigentlich will ich nicht, dass es so hart klingt, ich bin nur so verwundert und das platzt jetzt als Ehrlichkeit heraus.)
Als ich dieses letzte Kapitel dann fertig durchgerannt war, hetzte ich direkt weiter zu Goodreads, um zu schauen, ob andere auch so verwirrt waren wie ich. Bis jetzt scheint es nicht so, also nehme ich mal an: Am Ende ist es auch einfach eine willkürliche Hassnische meines persönlichen Geschmacks. Denn ganz am Ende finde ich "Schlafen" von Theresia Enzensberger einen weiteren wunderbaren Baustein dieser Reihe, irgendwie eine schöne "Ergänzung+Opposition=Pendant" zu Svenja Flasspöhlers Streiten, und ein weiteres Stück Inpiration, welches ich - leicht verwirrt und dennoch begeistert - in mein Bücherregal stelle, von wo es nun darauf wartet, verliehen zu werden.
This entire review has been hidden because of spoilers.
3,5 ⭐️ „ich habe schon lange nicht mehr geträumt. nein, das stimmt nicht. ich habe mich schon lange nicht mehr an meine träume erinnert. meine albträume müssen ohne mich auskommen“ teils poetisch, teils sehr umständlich aufgrund vieler studien und daher relativ barrierestark schreibt theresia enzensberger über den schlaf. zuerst steht ein langes wissenschaftliches kapitel, gefolgt von einem essay und einer kurzgeschichte. enzensberger räumt auf - mit kapitalistischen, neoliberalen mythen über das immunsystem, den luxus des schlafs, eugenische und nicht entnazifizierte züge, die sich in neoliberaler politik und unseren ansprüchen an arbeitskraft, lebensstil und leistung widerspiegeln. sehr gefallen hat mir auch die etymologische aufschlüsselung des begriffs „schlaf“ und verbindungen zu dessen gegenteil: dem wach statt indifferent sein, zum woke-sein als methaphorik emanzipatorischer schwarzer aktivist:innen.
ein anderer spannender einblick war ihr schreiben über ihre eigene schlaflosigkeit und der verweis auf alle literarischen insomnien und bekannten schriftsteller:innen, die ebenfalls selten schlafen sowie ihr aufräumen mit dem genie-mythos. auch die einordnung zu „a year of rest and relaxation“, was ich ENDLICH mal lesen muss, war klug formuliert.
trotzdem: an vielen stellen ist „schlafen“ fast schon zu zerdacht oder so akademisch, dass der zugang zu ihren so subversiven thesen erschwert ist, weswegen ich eigentlich 3 ⭐️ geben wollte. dann aber war die letzte kurzgeschichte sprachlich dicht, stark geschrieben & hat mich bis zuletzt ratlos zurückgelassen, it was giving „die verwandlung“ by kafka but make it a 20 something girl? slay.
Gedanken, die ich mir merken möchte: - Zusammenhang chronische Krankheit und Arbeitskraft: "Um überhaupt als chronisch krank anerkannt zu werden, braucht es eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung." (S. 37) - Zusammenhang Leugnung der Relationen der Fürsorge (des Staates), indem man man sie auf das Individuum selbst überträgt: "Diese Leugnung ist ein im Neoliberalismus wie im Patriarchat nicht unbekannter Mechanismus und erstreckt sich auf alle Bedürfnisse unseres Lebens, auch auf die Erholung, auf den Schlaf." (S. 42) - Zusammenhang NS-Ideologie und Kinder im Schlaf/zum Einschlafen Schreien lassen: "Die Ärztin Johanna Haarer, die mit Deutsche Mütter und ihr erstes Kind den bekanntesten Erziehungsratgeber der Nazizeit veröffentlichte und deren Ratschläge noch heute nachwirken, propagierte die Nichtbeachtung als bevorzugte pädagogische Methode." (S. 49) - Basiswissen über das Schlafen: "Der Schlaf besteht aus Zyklen. Innerhalb jedes Zyklus gibt es verschiedene Phasen: Das Erstes kommt die Einschlafphase [...] Darauf folgt der leichte Schlaf, [...] Schließlich sinkt man in den Tiefschlaf [...] Das Finale bildet der Traumschlaf, der bekanntermaßen auch REM-Schlaf genannt wird [...]" (S. 7 f.)
Mich hat nicht alles in dem Essay überzeugt, dennoch durchaus empfehlenswert.
Ein überraschendes Buch. Ich wusste nicht was mich mich erwarten würde und bin ganz fasziniert von den unterschiedlichen Aufmachungen und Enzensbergers Thesen - insbesondere im ersten Teil, in welchem Schlaf in Zusammenhang mit Kapitalismus analysiert wurde. Die letzte Geschichte, fiktiv und vielleicht auch ein Vorgeschmack für mich, ohne vorher von Enzensberger etwas gelesen zu haben, hat mich anfangs sehr angesprochen. Doch lies dies leider sehr schnell wieder nach.
Insgesamt eine 3,5/5 ✨ oder 6/11 ✨
Empfehlenswert für liberale Millenials, die nicht schlafen können?
Leider muss ich den bisherigen Reviews zustimmen: Ich fand das Buch absolut super, bis zu der Kurzgeschichte die ich leider nicht so richtig einordnen konnte.
Ich hätte präferiert, wenn die Kurzgeschichte durch eine Weiterführung der vorherigen Themen ersetzt worden wäre 🥲
[Fast zu] kurzweiliger Essay, in dem sich Theresia Enzensberger an den Schlafphasen entlanghangelnd mit verschiedenen Phänomenen rund um den Schlaf, seinem gesellschaftlichen Stellenwert, Kapitalismuskritik und philosophischen/ literarischen Zugängen zu Schlaf auseinandersetzt. Vielfältig, kreativ und angenehm spannend.
Eigentlich als Büchlein über Schlaf gedacht, liefern die ersten beiden Essays vor allem Kapitalismus- und Gesellschaftskritik. Die Traumerzählung im letzten Kapitel ist ok. Wer sich wirklich vertieft mit dem Thema Schlaf beschäftigen möchte, greift besser zu „Why We Sleep“ von Matthew Walker.
Mir hat das Buch eigentlich supergut gefallen, ich finde, Theresia Enzensberger hat wirklich einen tollen Schreibstil und es waren spannende Denkansätze drinnen. Nur das Ende war für mich persönlich ein wenig abrupt, auch wenn das vielleicht genau so sein soll.