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Seinetwegen

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Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall starb. Der tote Vater war die große Leerstelle der Familie. Mutter und Tochter sprachen kaum über ihn. Wenn die Mutter ihn erwähnte, brach die Tochter mit klopfendem Herzen das Gespräch ab. Sie konnte den Schmerz der Mutter nicht ertragen. Jetzt, inzwischen sechzig geworden, fragt sie Was ist aus dem damals erst 28-jährigen E.T. geworden, der den Unfall verursacht hat? Wie hat er die letzten sechzig Jahre gelebt mit dieser Schuld?

„Seinetwegen“ ist der Roman einer Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach E.T., um ihn mit der Geschichte ihrer Familie zu konfrontieren. Ihre Suche führt sie in dunkle, abgründige Gegenden, in denen sie Antworten findet, die neue Fragen aufwerfen. Was macht es mit ihr, dass sie plötzlich mehr weiß über ihn, den Mann, der ihren Vater totgefahren hat, als über den Vater selbst? Und wie kann man heil werden, wenn eine Leerstelle doch immer bleiben wird?

204 pages, Hardcover

Published January 1, 2024

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About the author

Zora del Buono

16 books14 followers

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Community Reviews

5 stars
112 (23%)
4 stars
197 (41%)
3 stars
133 (27%)
2 stars
32 (6%)
1 star
3 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 53 reviews
Profile Image for Anna Carina.
688 reviews357 followers
August 21, 2024
Ich bin etwas bedröppelt. Persönlich kann ich wenig mit dieser Form und der Intention dahinter anfangen. Bücher wie "Apeirogon" habe ich abgebrochen.
Dies hier ist eine Mischung aus der formalen Gestaltung von "Apeirogon" - eine Handlung oder Erzählung mit etlichen Splittern aus Archiveinträgen, Statistiken, Zeitungsartikeln, Recherchen, Funktionsweisen und historischen Einschüben zu verbinden - und der autofiktionalen Erzählweise von Annie Ernaux, zB. über Bilder Assoziationen und Gedanken weiter zu spinnen, Überlegungen anzustellen.
Die warmherzige, sanfte Sprache trägt und verdichtet dieses dokumentarisch, fragmentarisch, assoziative, dezent narrative Unterfangen allerdings sehr gut. Es funktioniert. Zora del Bruno bekommt es hin, die einzelnen Fragmente organisch und harmonisch zu verweben.
Allerdings bleibt für mich die emotionale und narrative Entfaltung auf der Strecke. Für mich gab es leider nur wenige Momente, die eine gewisse Intensität aufbauen konnten.
Es werden 9 Kaffeehausszenen mit Freunden etabliert, in denen wie in einem Podcast über rechierchiertes Material, Hintergründe des eigenen Berufsalltags und Erfahrungen gesprochen werden. Ein Weiterspinnen der Schlagwörter, die die Autorin beschäftigen: Tod, Autounfall, tödliche Unfälle, Autos, Mord, früher Verlust eines Elternteils.
Hierzu werden Referenzen aus der Literatur, Psychologie und Neurowissenschaft untergemischt, die sich aus dem beruflichen Kontext der Freunde ergeben.
Im eigentlichen Miniplot macht sich die Erzählerin auf, den tödlichen Autounfallverursacher ihres Vaters in den 1960er Jahren ausfindig zu machen.
Nebenher erfahren wir, wie sich die Mutter der Protagonistin nach dem Unfall durchschlagen musste. Welche Gesellschaftlichen Hürden entstanden, wie ihre Mutter heute lebt, was solche frühen Verluste mit Kindern und Partnern machen.

„Dass wir an diesen Festtagen immer wieder Dienste übernahmen, hatte nebst der herrlich nüchternen und gänzlich unsentimentalen Art meiner Mutter, die nicht einsah, weshalb man als Atheistin so ein Brimborium um etwas macht, an das man nicht glaubt, einen weiteren Grund, warum
wir arbeiten sollten und die anderen feiern durften: Ihr seid ja keine richtige Familie.“


Sie sinnt darüber nach, ihren Vater nie lebend in Bewegung gekannt zu haben. Versucht Bilder heraufzubeschwören. Malt sich die Situation des Unfalls aus, in die eine Pferdekutsche involviert war und muss sich am Ende den Fakten und Details stellen, die sie herausfindet.

Für mich bleibt das Buch als Gesamtkomposition dennoch, obwohl ich es mochte, nur eine Ideenschmiede. Ein Anreißen von Themen, Gedanken, Szenen, die mir in viel zu wenig narrativ ausgestaltet werden.
Kann mir sehr gut vorstellen, dass alle die Apeirogon mochten und diese Art der Textgestaltung mögen, dem Buch klare 4-5 Sterne abtrotzen können.

Aus meiner Sicht, verdienter Platz auf der Longlist des deutschen Buchpreises 2024.
Profile Image for Paulina.
93 reviews14 followers
December 22, 2024
Konnte mich del Buono’s vorheriger Roman „Die Marschallin“ nicht ganz überzeugen, so hat mich diese autofiktionale Auseinandersetzung mit dem Verkehrsunfall, bei welchem der Vater der Autorin wenige Monate nach ihrer Geburt ums Leben kam, umso mehr begeistert.
Berührend, tröstlich und aus meiner Sicht stilistisch sowie sprachlich brillant. Für mich als Literaturlaiin so völlig zu Recht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gewesen.
Profile Image for Rosa.
80 reviews22 followers
August 26, 2024
#longlistlesen — (9/20)

Boah, irgendwie hat mich das Buch traurig gemacht. Zuerst wollte ich genervt sein, weil die Frau clearly irgendwie die Meisterprokrastinatorin ist, was die Recherche zum „Töter“ ihres Vaters angeht — aber irgendwann wurde mir bewusst, dass das eigentlich ein ganz interessanter Kunstgriff ist.

Nicht zuletzt, weil ich wieder etwas lernen durfte - diesmal über die von mir schändlich geschmähte Schweiz, und irgendwie hat es mir ein wenig geholfen, meine stumme unbegründete Eingeschüchtertheit vor Schweizern zu bewältigen.

Ich möchte jetzt auch nicht allzu viel zu diesem Buch sagen, das man wieder nur mit großer Kulanz als Roman bezeichnen kann. Er war ungewöhnlich, aber gut. Für mich war das Buch mehr eine kleine Slice of Life in das Leben der Schweizer (boah, was hab ich mir den Schweizern), und in die Existenz von alten, kinderlosen Menschen (meine Zukunft, whoop whoop).

Die gesamte Zeit während des Lesens war ich hin und hergerissen zwischen „Girl, you never knew him“ und „okay aber ihre Vaterlosigkeit ist eindeutig mehr für sie als nur die Abwesenheit ihres Vaters“, und irgendwann habe ich mich doch sehr für ihre Entdeckungsreise auf den Spuren ihres Vaters erwärmt.

Bin ehrlicherweise bisschen versucht, jetzt ihre anderen Bücher zu lesen, weil die klingen wie genau der kleine Rundumschlag in eine paneuropäische Familiengeschichte, die ich immer lesen möchte.

Meine Rezension ist so fragmentarisch und unzusammenhängend wie das Buch, ich entschuldige mich.

Fazit: Ungewöhnlich, aber gut. Aber Chancen sehe ich eher wenige.
Profile Image for Papercuts1.
311 reviews97 followers
August 20, 2024
Das war gar nicht meins und auch ganz anders, als ich erwartet hatte. Obwohl mir der Sprachstil gefiel, konnte ich mit der fragmentarischen Struktur und den vielen Tangenten, auf denen die Autorin sich bewegt hat, nichts anfangen. Wirkte wenig zusammenhängend, und oft erschloss sich mir nicht, was eine Anekdote mit dem roten Faden des Buches - der Suche nach dem Unfallverursacher - zu tun hatte.

Auch die sprunghaften Einschübe über Schweizer Geschichte blieben Bruchstücke ohne Gesamtbild. Das liegt allerdings auch an meinem fehlenden Vorwissen über die Historie der Schweiz.

Ich hatte auch erwartet, den Blickwinkel des Verursachers zu erhalten, seine Auseinandersetzung mit Schuld. Der fehlte leider komplett.

Am Schluss schienen sich die Fäden zu verweben und auf eine Begegnung und eine Katharsis hinauszulaufen. Verpuffte dann aber.
Die zwei Sterne vergebe ich ausschließlich für den angenehmen Sprachstil und den passenden Plauderton der Hörbuchsprecherin.

Ich glaube, ich habe einfach eine grundsätzliche Abneigung gegenüber autobiografischen Selbstbetrachtungsbücher entwickelt, in denen sich Autor*innen nur um sich selbst drehen. Andere mögen da etwas draus ziehen können; ich kann es nicht.

Wäre das kein Buchclub-Buch, hätte ich abgebrochen.
Profile Image for Franziska Nyffenegger.
215 reviews51 followers
July 28, 2024
Ich habe ihn gerne gelesen, den Bericht über die Recherche zum frühen (Unfall-)Tod des Vaters. Del Buono erzählt unprätentiös, in teils kurzen, teils längeren Abschnitten davon, wie sie sich auf die Suche macht nach dem Mann, der damals, als sie noch ein Säugling war und der Vater ein erfolgreicher Arzt, den tödlichen Unfall verursacht hat, und auch davon, wie die Mutter in der Demenz verschwindet, wie der alternden Tochter der Vater, an den sie keine Erinnerung hat, doch noch fehlt, wie die Gesellschaft mit Verkehrsunfällen umgeht und dem sinnlosen Tod. Vermutlich könnte ich dem Buch einiges vorwerfen (Schreibschulstil, Schreibschulkonstruktion …), doch ich mag nicht; ich mag, dass es mir gefallen, mich berührt hat.
Profile Image for Madame Rivkele.
44 reviews2 followers
June 18, 2024
In ihrem autobiographischen Roman "Seinetwegen" macht sich Zora del Buono auf die Suche nach dem Mann, der sechzig Jahre zuvor bei einem Autounfall ihren Vater getötet hat. In assoziativ angeordneten Fragmenten nimmt sie ihre Leser:innen mit auf eine Spurensuche. Scheinbar zusammenhangslos berichtet sie, wie sie dabei vorgeht und welche Informationen sie zutage fördert. Langsam nähert sie sich dabei immer weiter dem Unfallgeschehen und dem Töter ihres Vaters an.
"Seinetwegen" ist ein unglaublich berührendes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Der ungewohnte Stil überzeugt durch seine Ausdruckskraft und gibt dem ansonsten eher sachlich gehaltenem Roman den nötigen Touch, der mich als Leserin gefesselt hat.
Besonders hat mich das Cover angesprochen. Die durchscheinende Silhouette eines Mannes, entzieht sich der betrachtenden Person, ist nicht zu greifen und kann sowohl den Vater Zora del Buonos als auch dessen Töter darstellen.
Profile Image for Jodi.
2,295 reviews43 followers
December 30, 2024
Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach dem Töter ihres Vater und findet dabei noch ganz viel mehr. Was dabei Roman, was biographisch ist - das weiss wahrscheinlich allein Zora del Buono. Aber auf jeden Fall habe ich sie gerne dabei begleitet. Mochte das Tempo des Buches, die Art des Erzählens.

Dabei habe ich überraschenderweise auch ein paar neue Dinge über die Schweiz erfahren. Ich hätte nie damit gerechnet, in diesem Buch auf queere Themen zu stossen. Und doch ist es passiert.

Es ist ein berührendes Buch. Zumindest war ich emotional involviert, vor allem wenn wir dabei zusehen, wie neben dem Vater nun auch die Mutter mehr und mehr verloren geht. Dabei ist es trotz aller Traurigkeit kein trauriges Buch, sondern ein sehr versöhnliches.

Das ist schön.
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
November 18, 2024
Kurzer Roman nach dem Motto: ich grabe in meiner Vergangenheit. Die Autorin gräbt in der Vergangenheit und sucht den Mann, der ihren Vater, als sie 1 Jahr alt war, bei einem Autounfall tötete. Innovativ stilistisch scheinen mir die psychoanalytischen Kaffeehausgespräche, die immer wieder eingeflochten sind, eine Psychiaterin, ein Kunsthistoriker und die Autorin. Hier wird das Erzählte reflektiert.
Profile Image for c-grwd.
20 reviews
December 31, 2024
In diesem Buch beschreibt die Autorin ihre Geschichte auf eine etwas andere und erfrischende Art. Es wird nur in Sequenzen geschrieben und beinhaltet Recherchen und Fakten bezüglich ihrer Geschichte. Mir hat es leider an Emotionalität gefehlt, vielmehr war es eine Aufzählung ihrer Suchergebnisse. Trotzdem ein toller Schreibstil.
Profile Image for Maria B.
46 reviews8 followers
December 11, 2024
Sehr gut gemeinte 3 von 5.
Die Autorin geht auf die Suche nach Antworten und Fakten zum Tod aufgrund eines unverschuldeten Autounfalls ihres Vaters, bei dem sie erst 8 Monate alt war. Dieser liegt bereits ca 60 Jahre zurück.
Das Buch liest sich recht kurzweilig, es ist wie eine Mischung aus Sachbuch, Roman und Bericht.
Man findet Passagen, in denen Gespräche wiedergegeben werden, Gedanken der Autorin, ihre Überlegungen, zuweilen philosophisch. Es wird geschildert, wohin sie geht, mit wem sie spricht und warum. Es gibt auch immer wieder kurze Ausflüge in ganz andere Gebiete, von der angesprochenen Philosophie, zum Besamen von Kühen, der queeren Communities der 30er bis 60er Jahre, Autos, viel Schweiz-Spezifisches und vieles weiteres.
Am Ende war es weitaus interessanter, als ich anfangs dachte, aber dann doch keine 4, im Vergleich zu anderen Büchern.
50 reviews
September 15, 2024
Sehr gut geschrieben. Mir gefallen die verschiedenen Sichtweisen.
Manchmal wunderte ich mich über gewisse Einschübe. 'Nur' 3 Sterne, da ich davon ausgehe, dass die Geschichte einfach vorbeiplätschert und wenig in Erinnerzng bleiben wird.
Die Einschübe über schweizer Eigenschaften und die Ausdrücke finde ich super.
3 reviews
Read
January 18, 2026
del Buono versucht den Verdacht, dass es sich hier um ein komplett egozentrisches Unterfangen handelt, mit allen Mitteln zu widerlegen. Doch das Buch geht da, wo es Diskurse aufruft (Autounfälle, Verdingkinder, Homosexualität etc.), zu wenig tief, und da, wo die Recherche zur true crime-Ermittlung wird, ist die Spannung ganz ok. Ich bewundere das Handwerk, die Recherche, finde alles sympathisch, und trotzdem bleibe ich nur halbgerührt zurück. Etwas an mir denkt halt doch: Es gehört sich nicht, sich selbst so ins Zentrum zu stellen. Dasselbe könnte ich Frischs Montauk vorwerfen –, aber dort ist die poetische Verdichtung und die Genauigkeit der Beobachtung eine andere.
Profile Image for Bücherbummlerblog.
139 reviews8 followers
September 15, 2024
Zora del Buono ist erst acht Monate alt, als ihr Vater bei einem unverschuldeten Autounfall ums Leben kommt. Jetzt, über 60 Jahre später, muss sie sich auch von ihrer Mutter verabschieden, zumindest von der, die sie gekannt hat, denn ihre Mutter leidet an Demenz. Es mag dieser neue Abschied sein oder vielleicht auch die Freiheit, der Mutter nicht mehr Rechenschaft über ihr Tun geben zu müssen, die del Buono nun dazu veranlasst, sich auf die Spuren des „Töters“ zu machen, des Mannes, der den Autounfall ihres Vaters verursacht und selbst überlebt hat und von dem sie nur die Initialen „E.T.“ kennt. Wer ist dieser Mann und wie ist er all die Jahre mit seiner Schuld umgegangen?

Ich bin eigentlich nicht der größte Fan von Autofiktionen. Zum einen geben sie mir das Gefühl, meine Nase in Dinge zu stecken, die mich nichts angehen, frage ich mich, ob alle Beteiligten damit einverstanden sind, auf diese Weise an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Zum anderen finde ich die unklare Abgrenzung von Fiktion und Realität unbefriedigend. Bei „Seinetwegen“ von Zora del Buono war das anders. Dieses Buch hat sich von vorne bis hinten durch seine ruhige, unaufgeregte Sprache und den respektvollen Umgang mit Thema und Personen rund und richtig angefühlt.

Was mich sehr beeindruckt hat, ist, wie del Buono ihr Anliegen von allen Seiten angeht, unterstützt von Fotos, Zeitungsartikeln, Einträgen aus den Duden, Aktenunterlagen, geschichtlichen Exkursion … und nie wird es zu viel, zu spröde, zu ausschweifend. Dieses sich nicht auf ihren Verlust oder die Schuld des Täters Beschränken, das Betrachten aller Facetten eines solchen Ereignisses, fand ich ungemein bereichernd. Am spannendsten war für mich dabei zu beobachten, wie die Vorstellungen, die del Buono 60 Jahre mit sich herumgetragen und entwickelt hat, durch die Konfrontation mit den Ergebnissen ihrer Nachforschungen neue Formen annehmen. Annehmen müssen. Ungreifbar bleibt die Thematik dennoch, und das ist am Ende nur konsequent.

Wer allerdings erwartet, ein hautnahes Bild davon zu bekommen, wie Täter mit ihrer Schuld tatsächlich umgehen, könnte enttäuscht werden. Del Buono ist in dieser Konstellation Opfer bzw. Opfer-Tochter, und bei allen Spekulationen weiß sie das und bleibt in dieser Position. Eine Psychoanalyse des Täters hätte ich weder als angemessen noch als autorisiert empfunden.

Ein intelligenter Schachzug waren für mich auch die neun „Kaffeehausgespräche“, in denen del Buono die unterschiedlichen Aspekte ihres Themas mit erst zwei, später drei Freunden diskutiert. Was erst etwas konstruiert anmuten mag, geht wunderbar auf, gibt der Autorin nicht nur die Möglichkeit, tiefer in die Materie einzutauchen, ohne in endlose Monologe zu verfallen, sondern auch andere Sichtweisen und Facetten mit einfließen zu lassen.

Zusammengefasst: Ich habe „Seinetwegen“ geliebt. Und wenn man den Enthusiasmus nicht direkt aus meinen etwas sperrigen Zeilen herauslesen kann, dann liegt das daran, dass ich immer noch von den Eindrücken geflasht bin und eigentlich mit ihnen allein gelassen werden möchte. Ein Lesehighlight dieses Jahres, eine große Leseempfehlung und mein derzeitiger absoluter Favorit für den Deutschen und den Schweizer Buchpreis 2024.
74 reviews4 followers
June 14, 2024
Spuren der Vergangenheit

In "Seinetwegen" begibt die Schweizer Autorin Zora del Buono sich auf eine Spurensuche, um den Umständen näherzukommen, die zum Tod ihres Vaters geführt haben. Sie war noch ein Kleinkind, als Manfredi del Buono, ein vielversprechender Oberarzt, in einen Autounfall verwickelt wurde und wenige Tage später seinen Verletzungen erlag. Hingegen überlebte der Schuldige des Unfalls, ein junger Mann, der bereits mehrfach mit seiner rücksichtslosen Fahrweise auffällig geworden ist. Beim Gerichtsprozess kommt er vergleichsweise glimpflich davon, während Zora del Buono fortan als Halbwaise aufwächst. Ihre Mutter heiratet kein zweites Mal. In einer literarischen Form beschreibt die Autorin nun, in welchen Verhältnissen sie aufwuchs, was das Fehlen eines Vaters für sie bedeutete, und nähert sich überdies dem Mann an, der für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist - lange sind ihm nur seine Initialen, E.T., bekannt.
Ein vergleichbares autobiografisches Projekt ist mir nicht bekannt, dass eine Autorin den Versuch unternimmt, das Leben eines Fremden zu durchleuchten, der für den Tod des eigenen Vaters verantwortlich ist, darf als neuartig angesehen werden. Demnach war ich äußerst gespannt auf dieses Buch. Die Autorin findet durchaus eine geeignete Form, eigene Überlegungen, Fakten und Tatsachen, Anekdoten aus ihrem Leben, Essays und die Ergebnisse ihrer Recherchen miteinander zu verknüpfen. Obwohl der Text größtenteils aus Fragmenten und Schnipseln besteht, ist ein roter Faden zu erkennen. Auch ohne Kapitelüberschriften wirkt alles geordnet. Die Autorin setzt interessante Schwerpunkte, holt gelegentlich etwas aus, beispielsweise indem sie die Lebensumstände der Italiener in der Schweiz beschreibt wie sie es als Mädchen erlebt hat, bleibt ihrem Kurs jedoch stets treu. Sechzig Jahre nach dem verheerenden Unfall kommt sie E.T. immer näher. Wie ist er all die Jahre mit seiner Schuld umgegangen? Was für ein Leben hat er geführt?
Del Buono gelingt ein solider Text, keine Frage, aber kein Bravourstück. Vielleicht liegt es an meinen zu hohen Erwartungen an dieses Buch, dass es mich am Ende weniger abholen konnte, als erwartet. Trotz der Anstrengungen der Autorin, ihre Familie, ihren Vater und die Zeit, in der sie aufwuchs, zu beschreiben, entsteht nur ein blasses Bild von alledem. Vielleicht war das Thema am Ende doch zu persönlich, sodass del Buono sich scheute, unbekannte Leser tiefer in ihre Familiengeschichte einzuführen. Anstatt einer tiefgreifenden Analyse bieten die 200 Seiten des Buches daher nur einen knappen Abriss.
Profile Image for BetweenLinesAndLife.
455 reviews7 followers
Read
May 12, 2025
Der frühe Vatertod ist für mich ein schwieriges, weil sehr persönliches Thema. Die Überwindung hat sich hier aber gelohnt. Ein Buch, das sich stolz jeder Genreeinordnung entzieht und darin aufgeht. Viele Themen und doch wirkt erstaunlicherweise keines zu viel. Das eine grosse Thema, das rührend aufgearbeitet wurde, ohne je rührselig zu werden.
Viele Stile und alle haben ihren Platz.
Ich möchte das Buch in Menschenhänden drücken und leise flüstern: "wenn du mich ein bisschen verstehen willst, dann lies das." und fühle mich geborgen.
Profile Image for Magnolia .
577 reviews3 followers
August 2, 2024
Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 mit 33 Jahren bei einem Autounfall starb. Und nun, 60 Jahre später, sucht sie nach Antworten, sucht nach dem Unfallverursacher, nach E. T. Mehr weiß sie nicht von ihm und doch hofft sie, ihn zu finden. Der Töter – so nennt sie ihn – war mit seinem Chevrolet unterwegs, als er in einer Rechtskurve ein Pferdefuhrwerk überholt und dabei in den VW kracht, in dem ihr Vater als Beifahrer saß. Am Steuer war Zoras Patenonkel, den seitdem Zweifel plagen, auch wenn er den Unfall nicht hätte verhindern können.

Als erstes sehe ich im Buch ein inniges Vater-Tochter-Foto, es zeigt den stolzen Vater mit seinem Baby. Viel Zeit miteinander war ihnen nicht vergönnt, wir wissen es.

Schon als Kind fantasiert sie oft, dass sie E. T. finden, ihn zur Rede stellen und damit ihre Mutter rächen will. Sie war damals noch zu jung, der Gedanke verflog und taucht jetzt umso stärker wieder auf. Sie sucht nach ihm, sie sucht nach Antworten. Findet das damalige Urteil, in dem er wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen wird. Zwei Monate Gefängnis und 200 Franken Buße für ein Menschenleben – mehr war da nicht.

Bei ihrer intensiven Suche nach dem Mann, der ihr den Vater genommen hat, schweift sie immer wieder ab, sie schreibt geradezu nüchtern über berühmte Unfallopfer oder thematisiert den Lokführer, der kapituliert, der die Toten nicht mehr aushält. Ich lese von der letzten Hexe Europas, von Herbie, dem tollen Käfer und von noch so viel anderem. Nicht zu jeder Geschichte finde ich den Bezug zum Vater, zum Unfall, zum Töter.

Der autofiktionale Roman fordert schon Aufmerksamkeit, vor allem anfangs war ich ob der vielen Einschübe etwas irritiert. Bald aber konnte ich dem Buch viel abgewinnen. Was macht so ein Verlust mit einem? Wie kann einer mit so einer Schuld weiterleben? Kann er weiterleben? Und warum dauerte das Schweigen zwischen Mutter und Tochter so lange? Es ist ein anrührendes Buch, eine sehr persönliche Spurensuche. Ein Buch, das mich sehr nachdenklich zurücklässt.
123 reviews1 follower
July 18, 2024
Das Buchcover im zarten Blau mit der Silhouette eines Mannes finde ich sehr schön und hat mich neugierig gemacht auf das autofiktionale Werk von Zora del Buono.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Buonos Vater. Seinetwegen schreibt sie diesen Tatsachenroman. Wir erfahren, dass sie keine Erinnerungen an ihn hat, weil er durch einen Verkehrsunfall getötet wurde, als sie acht Monate alt war. Die Mutter hat nicht viel über ihn gesprochen. Erst als sie an Demenz erkrankt, begibt sich die Autorin, die inzwischen 60 Jahre alt ist, auf Spurensuche. „Ich öffne die Kiste mit den Vater-Unterlagen, Briefen, Kondolenzschreiben, Liebesbriefen, die ich aus Mutters Wohnung heimlich zu mir in mein provisorisches Zuhause im Züricher Seefeld genommen habe.“ (S. 25) Sie beginnt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und hat viele Fragen. Vor allem möchte sie wissen, wie der Unfallverursacher mit seiner Schuld leben konnte.
Das Buch besteht aus aneinandergereihten Ausschnitten von Erinnerungen und Gedanken der Autorin. Mal sind es Unfallstatistiken, Definitionen aus Lexika, Kinofilme, Autobeschreibungen und gesellschaftliche Beschreibungen der Schweiz in den 1970er Jahren. Es ist eine sehr sprunghafte und persönliche und anekdotenreiche Aufreihung von Ereignissen hauptsächlich aus der Schweiz, die mir sehr gut gefallen hat. Wie kann eine Aufarbeitung der eigenen Geschichte besser funktionieren? Nicht chronologisch aneinandergereiht, sondern sprunghaft mit vielen Nebenschauplätzen wie ein Tagebuch geschrieben, aber immer sachlich und sprachlich ausgefeilt.
Am Ende findet sie den Autofahrer, der den Verkehrsunfall, bei dem ihr Vater 1963 gestorben ist, verursacht hat. Doch alle Schuldfragen sind verschwunden. Das unverhoffte Ende der Geschichte hat mir sehr gut gefallen.
Meine Leseempfehlung für ein schmales Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte.
(Vielen Dank an den @beck.de Verlag für das Rezensionsexemplar)
Profile Image for Bärbel.
143 reviews1 follower
June 22, 2024
Der Vater der Autorin
starb 33jährig als sie noch ein Baby war als Beifahrer im Auto. Der Unfallverursacher saß in einem entegenkommenden Fahrzeug, hatte fahrlässig überholt und trug die Alleinschuld. Für Zora del Buona war er immer der "Töter", eher ein Monster als ein ebenfalls beklagenswerter Mensch. Sie wusste nichts über ihn und die lebenslang trauernde Mutter schwieg auch weitgehend über die Tragödie.
Als die Autorin 60 jahre alt ist und die Mutter mittlerweile fortgeschritten dement, ohnehin jeder Erinnerung beraubt, macht sich Zora del Buono auf die Suche nach dem damaligen Täter/Töter.
Das Buch ist zunächst eine Art autofikitonaler Essayroman, sie streift, als müsse sie das eigentliche Thema erst vorsichtig umkreisen, anderes: Autos, Schweizer Verhältnisse, (die eigene) Homosexualität, die Demenz. Als die Recherchen dann doch fortschreiten, wird der essayistische Teil weniger.
Wieder einmal - das ging mir sehr bei Natascha Wodins "Sie kam aus Mariupol" bereits ganz arg so - bin ich beeindruckt, wie sehr im Fall der Fälle Archive und Archivare weiterhelfen können und wie gerne und fleißig sie es tun. Toll!
Das Buch liest sich angenehm, eine kluge, sanfte, bisweilen fast sachliche Art mit dem Thema umzugehen. Natascha Wodin etwa kriecht sehr viel mehr in ihre eigene Psyche und die der Verlorenen, riskiert sich vielleicht mehr und offensichtlicher, wenn sie sucht und schreibt. Eine andere autofiktionale Essayistin, die ich sehr mag, Sigrid Nunez, ist indes intellektuell komplizierter und dekonstruktivistischer als Zora del Buono.
Das Buch der Schweizerin ist intellektuell, aber auch klar, vielleicht etwas distanziert. Die Recherche mag mehr Kraft gekostet haben, als hier verraten wird.
Mit dem Buch kann man Eintauchen in die Schweiz der Gegenwart, in eine humanistische Haltung zur Welt und den Menschen und in Aspekte einer weiblichen Autobiographie.
Profile Image for Johanna Berger.
125 reviews5 followers
June 12, 2024
Familiengeschichten sind oft Selbstvergewisserung und Heilung von Verletzungen. Abwesende Väter spielen dabei eine große Rolle.

Zora del Buono hat sich in ihrem autofiktionalen Text „Seinetwegen“ allerdings zunächst nicht auf die Suche nach dem sehr früh verunglückten Vater gemacht, sondern versucht den „Töter“ (so nennt sie ihn) ihres Vaters zu finden. Denjenigen, der für den tödlichen Unfall verantwortlich war, bei dem ihr Vater starb.

Sie erfährt eine Menge über den Mann, aber am Ende auch viel über den Vater und die Umstände seines Todes. Ist da zunächst der Hass auf den Unfallverursacher, der sie mit acht Monaten zur Halbwaisen machte, wird es im Laufe ihrer Nachforschungen Interesse an dessen Leben und sogar Mitleid. Das große Schweigen, das den Tod des Vaters umgeben hat, wird aufgebrochen. Sie nähert sich ihrem Vater und der Vergangenheit an. Die an Demenz erkrankte Mutter kann ihr dabei nicht mehr helfen. „Natürlich stellt sich mir die Frage, warum ich ausgerechnet jetzt, wo es in Mutters Kopf derart wirr zugeht, […] diese Recherche unternehme.“ Sie fragt sich, ob es „die Verlorenheit eines Kindes von sechzig Jahren [sei], das allein zurückgelassen wird, unwiderruflich […]“. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk betonte sie „wie hilfreich es sei, wenn alte Familiengeschichten aufgearbeitet werden [.] Weil „Dinge, die dunkel sind, irgendwie verpuffen, wenn sie ins Helle kommen“.

Der Beweggrund, die Recherche auch zu veröffentlichen, ist ihre Vermutung, dass es „mehr Leute betrifft als angenommen, solche, die aus niedergeschriebenen Erfahrungen einer Fremden ihr eigenen Erleben neu betrachten können – und vice versa“. Eine von vielen Funktionen der Literatur überhaupt!

Zora del Buono schreibt knapp, anekdotisch und tagebuchähnlich über ihre Recherche und streut diverse Statistiken und Informationen über Unfälle im Straßenverkehr ein. Schließlich hat es mehrere tödliche Autounfälle in ihrer Familie gegeben.
Sie erzählt aber auch über ihre Beziehung zur Mutter, ihr Leben in Zürich und Berlin, ihre Reisen. Der Rassismus, unter dem in der Schweiz italienischstämmige Menschen (wie auch ihr Vater und sie) zu leiden hatten, wird sehr deutlich gemacht.

Ihr Buch ist nie rührselig, im Gegenteil oft sehr sachlich und hart im Ton. Ich bin der Recherche gern gefolgt. Sie ist bis auf wenige erzählerische Schlenker richtig spannend erzählt. Nach der „Marschallin“ ein weiteres hochinteressantes Buch über die erstaunliche Familie del Buono.
Profile Image for Elke Sonne.
525 reviews
July 31, 2024
Grandios geschrieben

„Seinetwegen“ ist ein sehr persönlicher Roman der in Berlin lebenden Schweizer Journalistin, Schriftstellerin und Architektin Zora del Buono.

Im Alter von acht Monaten hat die Autorin ihren Vater bei einem Autounfall verloren. Nun – sechzig Jahre später – will sie sich auf die Suche nach dem Unfallverursacher begeben. Dabei nimmt Zora del Buono ihre Leser mit auf eine Reise durch die Zeit und ihre Familiengeschichte. Sie verknüpft historische Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen. Sie erinnert sich an ihre Kindheit, ihre Familie und die Menschen in ihrem Umfeld.

Die Sprache der Autorin ist intensiv, dicht und klar. Immer wieder schweift sie von ihrem eigentlichen Vorhaben - den Unfallverursacher zu finden - ab, verliert aber niemals den roten Faden. Alles hängt zusammen.

Es ist ein sehr persönlicher Roman, in dem auch Bilder von ihr, ihrer Mutter und ihrem Vater zu finden sind. Die Kindheit der Autorin, das Aufwachsen ohne Vater bleibt leider sehr im Hintergrund und stattdessen steht mehr die Mutter als verwitwete Frau im Vordergrund.

Es geht um Schuld, aber auch um Hoffnung und Liebe. Es ist eine ungewöhnliche Spurensuche, in der sich der unbekannte Unfallverursacher zu einem Menschen mit einer eigenen Persönlichkeit verwandelt.

Die Autorin hat hier viel über sich und ihre Familie preisgegeben und dabei weit mehr als nur ihr persönliches Schicksal erzählt.
Mich hat der Roman beeindruckt und gefesselt.
Profile Image for Karola.
812 reviews7 followers
June 4, 2024
Kein rundes, harmonisches Leseerlebnis.
Im Mittelpunkt steht hier die späte Suche nach 60 Jahren um Informationen rund um den tödlichen Autozusammenstoß des Vaters. Diese mühsame Recherche nach dem damaligen, 1963 verurteilten Fahrer führt ins ländliche Ambiente rund um St. Gallen, Uznach, Kaltbrunn. Bruchstückhaft erfährt man nicht nur mehr über den damals jungen Unfallverursacher E. T., sondern auch die Familiengeschichte der Autorin wird angerissen in einigen Rückblicken. Aufgelockert eingeflochten sind Familienfotos, Kaffeehausgespräche, Informationen zu verschiedenen Unfallstatistiken und ähnlichem, Gedanken zum Weiterleben mit Schuldgefühlen. Angerissen werden auch Exkurse zu Hexenverfolgung, Homosexualität etc., die eher zu sehr von dem unglücklichen Tod des Vaters ablenken, der für die nun 60-jährige Tochter und Autorin wohl immer noch ein Unbekannter ist. Emotional besteht nur ein gutes Verhältnis zur jetzt dementen Mutter, der dieses Buch auch gewidmet ist. Wie der Täter E. T. nun in seinem Leben mit dieser Schuld gelebt hat, wird leider zu kurz rein informativ anhand von Kontakten mit Dritten erwähnt. Zu sprunghaft ist die Aneinanderreihung von Gedanken und Informationen, um einen durchgängigen roten Faden spannen zu können.
Profile Image for Melanie.
459 reviews5 followers
July 30, 2024
Seinetwegen ist ein besonderer Roman, autofiktional und mit einer berührenden Geschichte. Die Autorin macht sich mit 60 Jahren auf die Suche nach dem Mann, der den Unfalltod ihres Vaters,als sie erst 8 Monate alt war, zu verantworten hat. Sie hat ihren Vater zeit ihres Lebens nicht gekannt und nun ist ihre Mutter dement und nicht mehr in der Lage, ihre Fragen, die sie sich niemals getraut hat zu stellen, zu beantworten.
So weit hat mich die Geschichte gereizt - leider ist die Umsetzung für mich nicht so ausgefallen, dass ich sagen kann, dass mir das Buch richtig gut gefällt. Zu viele Anekdoten und Stränge werden angerissen, zu wenig kann ich mit der Ich-Erzählerin mitfühlen, da sie selbst für mein Empfinden streckenweise zu distanziert wirkt.
Das Ende und der letzte Abschnitt des Buches waren besser als der Anfang, aber das reichte nicht aus, um mich so richtig zu überzeugen.
Natürlich ist das immer sehr subjektiv und daher gebe ich eine eingeschränkte Leseempfehlung ab. Der Stil der Autorin ist wirklich gut und das Buch auch optisch schön gestaltet. Nebenbei wird viel Interessantes vermittelt, was mir komplett neu war, und das ist etwas, was ich immer an Lektüre schätze!
Profile Image for Anne Dietrich.
190 reviews
August 2, 2024
Auf Spurensuche

Zora hat ihren Vater nie kennengelernt, da er bereits 1963 als sie gerade einmal acht Monate alt war bei einem Autounfall ums Leben kam. Obwohl nie über den Unfall gesprochen wurde, war die Lücke, die ihr Vater hinterließ für sie ihr Leben lang spürbar. Jahrzehnte später möchte Zora mehr erfahren. Was ist aus dem Täter geworden ?
Sie begibt sich auf Spurensuche und lässt die Vergangenheit Revue passieren.
Auf mich wirkte das Buch leider ein wenig unstrukturiert. Es gibt keine Kapitel und die Autorin springt gedanklich hin und her. Natürlich bringen Erinnerungen Abschweifungen mit sich, aber ich hätte mir ein wenig mehr Struktur gewünscht.
Dennoch liest sich die Zusammenstellung aus Familiengeschichte, aktuellen und historischen Themen interessant. Dabei überwiegt die sachliche Erzählweise und Emotionen kommen leider nur wenig vor. Da hatte ich von einem autobiografischen Roman mehr erwartet.
Dennoch regt dieses recht dünne Buch zum Nachdenken an und hallt nach, was ich wiederum sehr positiv werte.
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September 3, 2024
Spurensuche

Zora del Buonos Buch Seinetwegen ist bei C.H.Beck erschienen und sogar auf die Longlist des Deutschen Buchpreises gekommen.
Es handelt sich um ein autobiografisches Buch, das mit verschiedenen Stilmitteln versucht, den Unfalltod des Vaters zu erklären, Es ist das Buch einer Suche und damit einer Aufarbeitung.
Anfangs hat die Erzählerin nur die Kürzel des Mannes, der den Unfall 1963 verursacht hat, der ihrem Vater das Leben kosten soll, während sie selbst erst wenige Monate alt ist. Der Mann wurde nur zu zwei Monaten Gefängnis und 200 Franken Strafe verurteilt.
Als sie sechzig Jahre später den Namen herausfindet, versucht sie ihn ausfindig zu machen.
Einen großen Teil des Buches nehmen Diskussionen zwischen Zora und ihren Freunden ein. Daher beginnen Kapitel immer wieder mit den Titel „Im Kaffeehaus“. Dabei wird auch erläutert, was es heißt vaterlos aufzuwachsen. Was bei der Nachkriegsgeneration häufig vorkam. Auch von ihren Bekannten ging es manchen so.
Ergänzt wird das Buch von ein paar Fotos der Familie.
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November 25, 2024
Zora del Buono nimmt uns mit auf eine Spurensuche, die 1963 beginnt: Damals verursachte ein Fahrer einen Autounfall, bei dem ihr Vater ums Leben kam. Zora war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal acht Monate alt und kennt weder die Stimme ihres Vaters noch den Menschen, der er war. Mit sechzig Jahren entschliesst sie sich, den Täter zu finden.

Schritt für Schritt tauchen wir ein in die Geschichte und lernen sowohl den Täter als auch ihren Vater immer besser kennen. «Seinetwegen» hat sie das Buch gennant, doch bleibt offen, ob damit ihr Vater oder der Täter gemeint ist. Gleichzeitig finden sich im Buch immer wieder spannende Fakten über Autounfälle, Oldtimer und die Geschichte der Schweiz, was es vielfältig macht.

Anfangs hat Zora nur die Initialen des Täters, doch nach und nach dringt sie immer mehr in seine Geschichte ein. Dabei erkennt sie, dass auch er nur ein Mensch ist – ein ziemlich menschlicher sogar. Doch genügt diese Erkenntnis, um ihre Wut loszulassen? Was braucht es für Zora, um nach all den Jahren wirklich verzeihen zu können? Sie versucht, es in Worte zu fassen.
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March 25, 2025
Berührend

"Davon, dass das Schweigen eine Gemeinschaft äusserlich zusammenhält und innerlich zersetzt."

Zora del Buono ist nur 8 Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall ums Leben kommt. Der damals 28-jährige E.T. hat den Unfall verursacht. Die Familie spricht nicht darüber, Zora kennt ausser den Initialien des Mannes keinerlei Details. Erst Jahrzehnte später, als ihre Mutter schon an Demenz erkrankt ist, macht Zora sich auf die Suche. Wer war E.T.? Hat er Schuld empfunden? Was ist damals genau passiert? Warum wurde nie darüber gesprochen?

Zora del Buono hat für "Seinetwegen" den Schweizer Buchpreis 2024 bekommen. Zurecht, wie ich finde. Ich fand das Buch berührend und es hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Gespräche im Kaffeehaus mit zwei, drei Freunden fand ich spannend - nicht nur Zoras Gedanken, auch die der Freunde und die Jugend der Protagonisten. Die Gespräche mit Menschen, die E.T. kannten, der Unfallort, mehr Details zum Vater und dessen Familie, all das war interessant zu lesen. Ein sehr besonderes Buch.
733 reviews5 followers
June 24, 2024
Meine Meinung:
Dieses Buch ist für mich vielleicht das Überraschungsbuch schlechthin, denn es hat mein Herz berührt und so viel in mir bewegt.
Zum einen hat die Autorin einen sehr bildlichen anschaulichen Schreibstil, der einem als Leser*inn gerade bei den oft sehr emotionalen und zutiefst bewegende Themen, die die Autorin aufzeigt, doch sehr hilfreich.

Was die Autorin schafft, ist dass sie einen auf eine Reise mitnimmt, durch ihre Welt als Tochter, welche ohne Vater aufwächst, die Chance auf ein normales Miteinander genommen durch einen tragischen Unfall. Konfrontiert mit der Suche nach der Wahrheit und dem Mann, der Schuld am Tod ihres Vaters trägt, beschreibt die Autorin eben jene Leerstelle in ihrem Leben. Und dies macht sie auf faszinierende und unheimlich emotionale, aber auch intelligent bedachte Weise.

Ein Buch, welches mich unheimlich bewegt hat und das ich so schnell nicht wieder vergessen werde!
2,281 reviews13 followers
July 11, 2024
Zum Inhalt:
Zorn hat ihren Vater nie wirklich kennengelernt, da er bei einem Verkehrsunfall starb, als sie erst 8 Monate war. Der tote Vater war nur selten Thema zwischen Mutter und Tochter, denn sie konnte den Schmerz der Mutter nicht wirklich ertragen, so blieb er immer eine Art Leerstelle im Leben. Mit Anfang 60 fragt sie sich, was wohl aus dem Unfallverursacher wurde und wie er wohl mit der Sculd gelebt hat.
Meine Meinung:
Mir ist erst im Laufe des Buches klar geworden, dass es ein Buch des eigenen Erlebens ist und nicht reine Fiktion und das gab dem Buch dann doch noch eine völlig andere Note. Ich konnte vieles natürlich nicht wirklich nachvollziehen, da ich die Erlebnisse der Autorin nicht hatte, aber dennoch war es interessant zu lesen, wie sie damit umging und wie sehr es ihr Leben beeinflusst hat. Ich fand das Buch nicht einfach zu lesen, aber das war bei dem Thema auch klar.
Fazit:
Schwierig zu lesen
Displaying 1 - 30 of 53 reviews

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