Ein Großteil der Männer wählt eine Partnerin, die sich nicht auf Augenhöhe befindet. Die Idealpartnerin soll nicht nur schlank und blond, sondern körperlich kleiner, jünger, aber auch beruflich und finanziell unterlegen sein. Abweichungen werden nur schwer toleriert, gerade wenn prominente Paare von der ungeschriebenen Regel abweichen. Besonders ausgeprägt zeigt sich das Unterlegenheitsdiktat, wenn bestimmte Männer nur kleine, schlanke, leise wie bescheiden auftretende Asiatinnen als besonders weiblich empfinden. Wie u. a. Film und Literatur unser Bild von Dominanz und Unterwerfung prägen und warum stets Frauen für die Beziehungs-„Arbeit“ zuständig sind, untersucht die französische Journalistin in vier Kapiteln mit zahlreichen Quellenangaben.
Dabei ist nicht zu übersehen, dass heterosexuelle Beziehungen im Patriarchat untrennbar mit Herablassung und offener Frauenfeindlichkeit verbunden sind, wie uns die Ära Trump und die MeToo-Bewegung vor Augen geführt haben. Chollet stellt Autor:innen und Regisseur:innen ein schlechtes Zeugnis aus, die ihrem Publikum entweder Angst um das Glück der Liebenden zumuten oder Dubblebind-Botschaften aussenden wie: du musst auf den Märchenprinzen warten und dich vor all den gewalttätigen Männern hüten, die draußen auf dich lauern. Chollet befasst sich mit sehr jungen Frauen als Trophäen einflussreicher Männer, der toxischen Beziehung zwischen Künstlern und ihren Musen, männlicher Gewalt in unausgewogenen Beziehungen, Groupies von verurteilten Gewalttätern, aber auch mit Künstlerpaaren, die sich vor der Welt zurückziehen und insbesondere das Diktat von Ehe und Familie verweigern. Chollets Zitate und Beispiele stammen aus der (meist französischsprachigen) Sachliteratur, aus Romanen, Serien und aus ihrer eigenen Biografie. Hochinteressant finde ich, dass sie das Kindchenschema in der Wahl einer unterlegen wirkenden asiatischen Partnerin mit dem Frauenbild US-amerikanischer Soldaten verknüpft, sowie es ausweitet auf dunkelhäutige Frauen aus ehemaligen französischen Kolonien. Auffälligen Raum findet im Gewalt-Kapitel das Pressecho nach der Misshandlung Marie Trintignants mit Todesfolge (2003) durch ihren gewalttätigen Partner. Chollet bringt damit ein Paradebeispiel für Täter-Opfer-Umkehr, Identifikation mit dem Täter, Verharmlosung männlicher Gewalt durch Medien – und hier durch ein mildes Gerichtsurteil.
Nach einer eher trockenen Einleitung liest sich Chollets 280-Seiten-Buch flott weg. Essayistisches Schreiben liegt ihr deutlich stärker als die Recherche empirischer Grundlagen. So hinterfragt sie weder die Motive von Teilzeitarbeitenden in Frankreich (die mich interessiert hätten) noch die Entwicklung absoluter Zahlen mit Blick auf die „Mental-Load“ bei berufstätigen Eltern. Auch bei Aussagen US-amerikanischer Student:innen von 1980, der wichtigste Teil ihres Studiums wäre das Daten potentieller Karrieremänner, hinterfragt sie weder die Relevanz amerikanischer Sitten für europäische Leser:innen noch das Alter (!) der Erhebung.
Chollets zentrale Frage bleibt trotz meiner Kritik wichtig: wie gelangen Bilder unterlegener Frauen bereits in die Köpfe von Grundschüler:innen und welche Rolle spielen dabei Autor:innen, Journalist:innen und Filmregisseur:innen?