Wer am lautesten und aggressivsten auftritt, bekommt am meisten Reichweite. Öffentliche Debatten werden gezielt emotionalisiert, polarisiert und manipuliert, die Stimmung wird dadurch feindseliger. Das ist nicht nur im persönlichen Alltag extrem frustrierend, sondern auch brandgefährlich für unsere Gesellschaft und Demokratie. Bestsellerautorin Ingrid Brodnig zeigt, wie diese Verrohung des Klimas bewusst herbeigeführt wird – zum Beispiel durch Bullshit-Debatten, populistische Diskussionsmuster, Diffamierung und Hetze gegen öffentliche Personen, Fake News und rechtsextreme Kampagnen, angetrieben von Mechanismen sozialer Medien. Sie gibt zahlreiche Tipps und zeigt Strategien, wie wir solche Eskalationsmuster erkennen und mit Klarheit darauf reagieren können. Auch, damit wir wieder Wege finden, respektvoll miteinander zu sprechen und Diskussionen über Meinungsunterschiede hinweg zu führen – online ebenso wie im Umgang mit dem persönlichen Umfeld. Denn davon lebt unsere gemeinsam Lösungen finden zu können. Dieses Buch liefert das Rüstzeug für politisch erhitzte Zeiten. Es hilft uns, selbst einen klaren Kopf zu bewahren, strategisch zu entscheiden, in welche Diskussionen wir Zeit und Energie investieren wollen, und uns selbst politisch nicht entmutigen zu lassen. Und es baut auf der Überzeugung auf, dass jede und jeder Einzelne von uns positiv mitbeeinflussen kann, wie in unserer Gesellschaft miteinander gesprochen wird.
Gute Ansätze! Sie stellt auch die psychologischen Experimente und Effekte vor. Zudem gibt sie, wie bereits im Titel angekündigt, auch Tipps. Dies fand ich sehr interessant. Die verwendete Sprache hat mir nicht immer so gut gefallen.
Der Titel des Buches passt nicht ganz zum saloppen Schreibstil der Journalistin. Gut finde ich, dass sie konkrete Beispiele für ihre Ausführungen findet, wenn auch immer wieder dieselben Akteure vorkommen, so als wären nur Trump, Weidel und Kickl eine Gefahr für die Demokratie. Die auch im Untertitel angepriesenen Strategien haben leider nur geringe Effekte und werden von ihr selbst oft eine Seite später relativiert. Ich stimme ihr aber zu, dass es trotzdem wichtig ist, nichts unversucht zu lassen und Methoden sinnvoll zu kombinieren. Nicht berücksichtigt sie (wie die meisten anderen Autoren von Büchern dieser Art), dass sie erstens nur von jenen gelesen werden, die schon eine kritisch-aufgeklärte Haltung besitzen und zweitens, dass es - so meine Erfahrung - nichts nutzt, mit Menschen zu diskutieren, die nicht diskutieren wollen/können, es aber gerade diese sind, die so gefährlich für eine Demokratie sind.
Wie beim Vorgänger-Band Einspruch ein sehr interessantes Buch, das sich mit den Veränderungen und Tendenzen in öffentlich geführten Debatten und Diskursen. Dabei greift die Autorin auf zahlreiche wissenschaftliche Quellen zurück und bringt Beispiele aus aktuellen Diskussionen. Aber wie beim Vorgänger vermisse auch hier konkretere Praxistipps. Daher gibt's auch hier wieder drei Sterne.
Ingrid Brodnig erklärt, wie mit Sprache politische Spaltung herbeigeführt wird und Menschen zu Feindbildern gemacht werden – und wie dem entgegengewirkt werden kann. Vor allem rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien trennen bewusst in „wir, die Guten, die immer recht haben“ und „die Anderen, die Bösen, die unrecht haben“. Eine derart spaltende Rhetorik und eskalierende Sprache zerstört jeden öffentlichen und sachlichen Diskurs – das lässt sich auch in Österreich sehr gut beobachten. Viele politische Debatten verlaufen aggressiv und unfair.
„[…] Populistische Parteien suggerieren, dass sie die Einzigen wären, die für das Volk sprechen. Zweitens zeichnen sie das Volk als homogene Masse, so als hätten alle Menschen die gleichen Ansichten oder Interessen. Und drittens wird Misstrauen gegenüber Eliten geschürt, indem behauptet wird, diese würden gegen den Willen des Volkes arbeiten. Dementsprechend ist populistische Rhetorik von Elementen wie Anti-Elitismus und Volkszentriertheit geprägt."
Ein Teil des Problems, weshalb eine solche Rhetorik funktioniert und dadurch viel Feindseligkeit existiert, ist die verzerrte Wahrnehmung bei Menschen. In polarisierenden Diskussionen werden oft zuerst Argumente angeführt, die aus Nachrichtensendungen stammen. Doch worauf es wirklich ankommt, ist: Wen kennst du? Was ist ein reales Erlebnis, das du in diesem Zusammenhang gemacht hast? Nicht irgendeine Geschichte aus den Nachrichten, die du gehört hast. Auch die Medien sind daher in der Pflicht, komplexe Themen nicht in einer simplen Schwarz-Weiß-Optik darzustellen.
Ein enorm gutes und lehrreiches Buch. Absolut empfehlens- und lesenswert!
Dieser kurze Read bietet eine Anleitung zum Klarkommen in der heutigen hitzigen und oftmals hasserfüllten Diskussionskultur - überwiegend online, aber auch mit Tipps für schwierige face to face Gespräche.
Ich persönlich habe für mich einige wertvolle Aha-Momente aus dem Buch ziehen können: Dass vor allem Social Media Netzwerke wunderbar über Rage Bait-Beiträge funktionieren, ist nicht neu. Dass allerdings vor allem das Gefühl der Wut am besten und schnellsten (!) mobilisiert werden kann und am Meisten zum Teilen von Postings führt, war mir einigermaßen neu. Dass grundsätzlich nur 25% der Nutzer:innen knapp 85% aller Inhalte verfassen, war für mich nochmal mehr mind-blowing - zu häufig habe ich mich gefragt, ob das, was online geteilt wird und der Hass, den man aus rechten Winkeln des Internets liest, die Einstellung unserer Gesellschaft wirklich widerspiegelt. Diese Statistik hat mich nochmal darin bestätigt, dass zum einen, nein, der Querschnitt der Gesellschaft nicht radikal rechts ist (sondern nur einige wenige Trolls im Internet, die den Großteil von Postings und Hasskommentaren verfassen) und zum anderen, hat mich das Ganze nochmal mehr darin bestärkt, mich mehr offline zu engagieren in gleichgesinnten Communities, um etwas der Ohnmacht, die man so häufig spürt, wenn man vermehrt online unterwegs ist, etwas entgegenzuwirken.
Wenn man doch in den Austausch oder die Konfrontation (online oder offline) treten möchte, so teilt die Autorin einige Tipps, wie man Menschen mit radikaleren Ansichten am besten begegnen kann, ohne zu viel von sich selbst zu verlieren - bspw. kann ein emphatischer Zugang oder ein einfacher Hinweis, dass Aussagen diskriminierend sind, schon helfen, Situationen zu entschärfen.
Insgesamt ein empfehlenswerter Read, wenn ich auch zwei Punkte zu kritisieren habe: 1) Während Brodnig Rassismus oder Sexismus als solche benennt, bezeichnet sie Begriffe wie "Idiot" als Beleidigung statt den Ableismus dahinter als solchen zu identifizieren. Generell findet Ableismus keinen Platz in der Lektüre, obwohl in hitzigen Debatten sehr schnell so ableistischen Begrifflichkeiten gegriffen wird und Menschen mit sichtbarer Behinderung auch häufig Opfer von Online-Hass werden können. 2) Der Autorin ist anzurechnen, dass sie das Gendern in ihrem Buch ernst nimmt, allerdings bleibt es oftmals bei dem binären Benennen von Begrifflichkeiten (bspw. Politikerinnen und Politiker). Dabei geht es beim Gendern nicht nur darum, zwei Geschlechter zu benennen, sondern alle. Einige Male nutzt die Autorin auch den Doppelpunkt zum Gendern, daher entzieht es sich mir, warum das nicht in allen Situationen angewandt wurde.
Alles in allem 4 von 5 ⭐
(Vielen Dank an Netgalley und den Christian Brandstätter Verlag für das Rezensionsexemplar)
Auch nach der Wahl lohnt sich dieses Buch bestimmt. "Wider die Verrohung" von Ingrid Broding hat mir gut gefallen. Es hat mich ein bisschen geerdet und die Spannung etwas herausgenommen. Es war teilweise Wiederholung für mich, aber ich habe auch von einer neuen Emotion namens Kama Muta erfahren. Hier sind einige gute Tipps enthalten, manches davon mache ich tatsächlich bereits, das ein oder andere kann ich in zukünftigen Diskussionen vielleicht anwenden.
4,5 Sternen Tolles Buch über Diskussionskultur mit einigen guten Tipps und über das Entlarven vom Fake News. Die Lektüre war fließend. Ich hätte mir jedoch die Tipps ausführlicher aufgeklärt gewünscht. Die Grafiken hätten auch etwa besser dargestellt werden können. Das Thema finde ich super spannend und deswegen wird dies nicht das letzte Buch, das ich über das Thema lese.
Von Ingrid Brodnig habe ich schon "Einspruch" und "Übermacht im Netz" gelesen. Sehr gute Bücher. Aber das vorliegende Buch bringt nun leider wirklich nichts Neues. Es ist fast ein Kunststück, so wenig Inhalt auf so viele Seiten zu verteilen. Schade.