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'Wenn du wüsstest, was ich weiß ...'

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Die Mauer ist gerade erst gefallen. Im mecklenburgischen Neustrelitz verlässt der 19-jährige Charly Hübner sein Elternhaus im Streit. Er findet Zuflucht am Theater und in der Literatur, liest wie besessen und landet nahezu unumgänglich bei den Jahrestagen von Uwe Johnson. Er taucht darin ein – und sehr lange nicht wieder auf.
40 Jahre nach Johnsons Tod und 90 nach dessen Geburt hat Charly Hübner Johnsons Großwerk als Hörbuch eingelesen. Wieder ist er vollkommen darin eingetaucht und war erstaunt, wie aktuell es nach wie vor ist – literarisch und politisch.

Eher durch Zufall landete die wuchtige Buchclubausgabe der Jahrestage in Charly Hübners neuem Zuhause. Ein dicker Wälzer, der trotz der manchmal sperrigen Sprache und verwinkelten Erzählweise einen so noch nie erlebten Sog auf den damaligen Teenager ausübte. Da erzählte jemand aus dem fernen Sehnsuchtsort New York und verband das wie selbstverständlich mit einer Familiensaga in Mecklenburg – Weltliteratur aus der Heimat quasi.
Aus dem Teenager von damals ist einer der beliebtesten Schauspieler des mehr oder weniger vereinten Deutschland geworden – während Johnson mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist. Zu Unrecht, findet Charly Hübner, denn die Lektüre dieses Autors, eines genauen Beobachters seiner Zeit, der wie kein anderer die Sprache und Denkweise der Menschen um ihn herum zu Papier gebracht hat, ist heute noch aktueller denn je.

125 pages, Hardcover

Published January 1, 2024

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Steffi.
1,124 reviews272 followers
August 22, 2024
Man bekommt beim Lesen dieser 120 Seiten gleich Lust, wieder Jahrestage zu lesen – wenn nicht, und darauf macht Hübner deutlich aufmerksam, dafür beim Lesenden so viel Geduld vorauszusetzen wäre. Und Ungeduld ist leider mein zweiter Vorname; die ständig neuen, wachsenden Buchstapel herum rufen mir zu, dass zuerst sie an der Reihe sind, und die Lebenszeit wird kaum für erneute, und noch dazu geduldige Lektüren reichen. Na ja, hier und da ein bisschen in den Jahrestagen blättern, das sollte angesichts des Johnson-Jahres möglich sein und das Buch erlaubt dies.

Mir gefällt gut, wie Hübner insbesondere diesen schwierigen, komplexen Mammutroman Johnsons auf leichte, lebensnahe, Lust machende und persönliche Weise in kleinen Häppchen dem Lesenden kredenzt. Sowohl die Leidenschaft für Johnson, als auch Stil und Kürze des Buches hätten es in meinen Augen zu einem exzellenten Teil der von Volker Weidermann herausgegebenen Reihe „Bücher meines Lebens“ gemacht. Wobei es auch naheliegend ist, dass es bei Suhrkamp erscheint, wie die Werke Johnsons selbst.

Die Aktualität des Erzählten wird immer wieder hervorgehoben. In den Jahrestagen wird der Zeitraum zwischen 1933 und 1968 erzählt, durch die Meldungen der New York Times und die unterschiedlichen Schauplätze ist die Zeitgeschichte immer präsent (Nationalsozialismus, DDR, Kalter Krieg, Rassenunruhen in den USA, Vietnam-Krieg, Prager Frühling). Hübner liest auch auf der Folie heutiger Krisen und fragt sich, wie Johnson auf sie reagiert hätte.

Eine Frage, die ich mir auch stellte. Ich lese gerade Monika Marons Flugasche und die trotzige Wahrheitsliebe der Erzählenden (mit Maron eng verwandt), dieses mit dem Kopf durch die Wand, die Konsequenzen in Kauf nehmend, erkenne ich auch in einer Episode, die Hübner über Johnson erzählt: Er hatte sich als 19-Jähriger mit der Macht angelegt, weil er die Hetze gegen eine evangelische Jugendorganisation scharf kritisierte und bezahlte dafür mit Exmatrikulation und Sperre für andere Hochschulen. Wohin hätte sich Johnson entwickelt? Bei Maron scheint sich diese trotzige Antihaltung verselbstständigt zu haben und äußert sich heute in Islamophobie und ähnlichem.

Mein Schwerpunkt in dieser Review blendet sicher viele Aspekte aus, aber die Lektüre verbindet sich zu sehr mit meinen aktuell anderen Lektüren und Wahrnehmungen. Auf meinen Nachttisch liegt auch Steffen Maus Ungleich vereint, in der ARD-Mediathek habe ich gerade die Sendung „Wut. Eine Reise durch den zornigen Osten“ angeschaut, in der jemand sagt, die DDR habe ihre Bürger zu „gelernten Skeptikern“ gemacht (was ja erst einmal nichts Schlechtes sein muss), mehrere Wahlen in Ostdeutschland stehen an und was sich abzeichnet macht ratlos, besorgt, fassungslos.

Und irgendwie ist es doch schön, dass ein so schmales Buch, einen gleichermaßen für Literatur entflammt, die Zeitläufte des letzten Jahrhunderts bei Johnson beleuchtet, aber auch die Zeit, in der wir leben, im Blick hat.
Profile Image for Pauline.
3 reviews
February 2, 2025
Dass Uwe Johnson absolut lesenswerte Texte geschrieben hat, ist wohl nichts Neues. Zugegeben hatte ich bedenken, Charly Hübners Text über den seiner Meinung nach „wichtigsten Autor des 20. Jahrhunderts“ zu lesen. Ich habe befürchtet, dass Hübner eine (pseudo-)literaturwissenschaftliche Abhandlung über Johnson’s Sprachgewalt geschrieben hat. Und das hat er - und hat er aber auch wieder nicht. Der Text ist eine abwechslungsreiche Mischung aus Annäherungen an Johnson’s Werk (und ja, hier hilft es vielleicht, den ein oder anderen besprochenen Text bereits zu kennen), aber auch - und hier liegen meiner Meinung nach die Stärken - Anekdoten aus Hübners Leben. Wie ging es Hübner eigentlich mit der Wende? Wann hat er das erste Mal Johnson gelesen? Und, die vielleicht drängendste Frage, die nichts über Hübners Leben, aber viel über unsere Gesellschaft aussagt: Wo lassen sich die von Johnson verhandelten Themen an aktuelles Tagesgeschehen anbinden? Wer Hübner oder Johnson oder beide mag oder motiviert werden will, sich mal wieder die „Jahrestage“ usw vorzunehmen - unbedingt lesen!
Profile Image for Peter.
87 reviews
December 28, 2024
Man sollte sich vorher besser informieren. Das Buch ist kurz und beschäftigt sich intensiv und subjektiv mit Uwe Johnson bzw. der Sicht von Hübner auf ihn. Von Hübner selbst erfährt man nur beiläufig wenig. Ich hatte unter dam Titel mehr über die Zeit nach Johnsons Tod 1984 erwartet, über die Entwicklungen, die er nicht mehr selbst erleben und kommentieren konnte, dass ihm Hübner hierüber "in seiner Denk- und Erzählweise" berichtet. Diese Zeit spielt aber leider nur eine kurze Rolle in dem Buch. Immerhin eine flotte Schreibe.
17 reviews
January 12, 2025
Zeigt viel von Charly Hübner, trägt aber auch zum Verständnis des Romans von Uwe Johnson bei.
20 reviews
December 8, 2024
Charly Hübner setzt sich mit dem Autor seines Lebens dezidiert, sehr facettenreich, wertschätzend und bewundernd auseinander und spannt immer wieder einen Bogen zur heutigen Zeit und zum aktuellen Weltgeschehen.
Er beschreibt die Kunst des Schreibens und Erzählens von Johnson und seinen Weg, sich dieser, teils als sperrig wahrgenommenen Erzählweise, anzunähern.
"Jahrestage" rückt dank des Buches von Hübner sehr viel höher auf meiner Leseliste.
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