« En étudiant des échantillons de sol récoltés à proximité des métropoles, Henrik avait suivi la progression de la catastrophe. La bactérie, aussi petite qu'utile, était anéantie en périphérie des usines. De sorte que, si des matières en décomposition se retrouvaient dans le sol, elles ne pouvaient plus être transformées en matière vivante. Les plantes et les animaux souffraient de la faim à leur tour. Seuls les humains, dans leurs tours, dans leurs habitats approvisionnés en air purifié, avec leurs aliments artificiels, pouvaient surmonter cela et y survivre. Eux seuls. »
Für bestimmte Bücher braucht es idealistische Verlegerinnen und Verleger, die bereit sind, Risiken einzugehen und keine großen Auflagen erwarten. Bei der Science-Fiction gilt dies in Deutschland besonders für die Herausgabe von Science-Fiction Anthologien und für Neuausgaben klassischer Science-Fiction Romane. Hier haben sich einige Verlage verdient gemacht, wie z.B. Dieter von Reeken mit seiner »Kollektion Laßwitz«. Zuletzt hat sich der Hirnkost Verlag hervorgetan, der unter dem Titel »Wiederentdeckte Schätze der Science Fiction« eine von Hans Frey und Klaus Farin herausgegebene Reihe startete. Im Plan9 Verlag gibt es die Reihe »Vergessene Sterne« und der vorliegende Band ist der erste daraus.
Auf die Autorin wurde ich durch Hans Frey aufmerksam, der sie im zweiten Band seiner Literaturgeschichte der deutschen Science Fiction (Hans Frey: »Aufbruch in den Abgrund«, Memoranda Verlag, 2020) als eine der wenigen Frauen in der deutschen SF der Weimarer Zeit vorstellt (S. 225ff). Beim BuCon 2022 entdeckte ich das schöne Hardcover-Bändchen mit Lesezeichen und habe es mir gleich gekauft.
Der Roman erschien ursprünglich 1920. In der bearbeiteten Neuausgabe umfasst er nur 180 Seiten und schon das erste Kapitel bestätigt meine Einschätzung, dass viele Klassiker auf wenigen Seiten mehr Ideen unterbringen als manche neueren dicken Wälzer. Die Grundlagen der leichten Bearbeitung werden übrigens im Nachwort erläutert und wer das Original ohne Bearbeitung lesen will, wird auf das eBook verwiesen.
Im ersten Kapitel »Kultur« wird die »Weltstadt A 15« beschrieben, eine von dreihundert Weltstädten der Erde. Die Menschen bewegen sich in dieser Stadt mittels sogenannter »Autinos«, kleinen Fahrzeugen, die an den Fußknöcheln befestigt werden und den Besitzer in rasender Eile zu seinem Ziel tragen. Es gibt »keine Sklaven der Arbeit mehr, sondern nur noch Herrscher und Herren«. Jetzt hat man anscheinend auch das letzte Problem gelöst: eine neue Erfindung ermöglicht es, Nahrung für alle Menschen künstlich zu erzeugen. Aber ein Wissenschaftler, Henrik 19530, der einen »Gedankenschreibapparat« verwendet, glaubt, dass diese Erfindung eine große Gefahr in sich birgt. Die Bewohner der Stadt haben alle einen Vornamen und eine Nummer. Sie nennen sich »Einheiten« und je höher die Nummer ist, desto höher ist der soziale Rang. An der Spitze der Gesellschaft der Stadt steht »Nummer 50000«. Bei Henrik 19530 meldet sich ein Vertreter des »Ungeraden Amtes«, erkundigt sich nach seinen Forschungen und wir bemerken, dass der beschriebene Staat seine Bewohner stark zu kontrollieren scheint. Dieses erste Kapitel zeigt auf wenigen Seiten einen gelungenen Weltenbau mit vielen Ideen und Andeutungen. Da ist z.B. noch das »Arachnion«, ein spinnenähnliches, auf Stelzenbeinen laufendes mechanisches Ungetüm, das der Fortbewegung dient. Später wird ein »Bromoglyph« beschrieben, mit dem Zucker, Eiweiß und Fett gemessen werden.
Zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung gibt es eine starke Trennung, die sich auch in der Sprache bemerkbar macht. Die Städter verabscheuen die Landbevölkerung und da man jetzt alle Lebensmittel künstlich erzeugt, wird die Landbevölkerung einfach in die Städte zwangsumgesiedelt. Irritierend (und zeitbedingt) ist der Gebrauch des Wortes »Rasse«. Mehrfach wird die sogenannte »Gehirnrasse« erwähnt und Henrik 19530 denkt über diese Menschen: »Da hatte er seine Gehirnrasse! Achtung vor dem Wissen, Ehrfurcht vor der höheren Einheit! Zuneigung? Nein, Zuneigung nicht.« (S.45). Das Buch beschreibt einen Gegensatz zwischen der »Kultur«, womit die Städte und die Lebensweise darin gemeint sind, und der »Natur«, wozu Tiere und Pflanzen gehören und die nach Ansicht der Städter nicht mehr gebraucht wird. Das einfache Leben in der Natur wird idealisiert.
Schließlich erfahren wir, was Henrik herausgefunden hat: Die Erfindung der Kunstnahrung hat den »Kreislauf des gesamten Stoffwechsels der Erde« gestört, es wird zu einem gefährlichen Klimawandel kommen, die derzeitige Lebensweise kann nicht mehr aufrechterhalten bleiben, das Leben auf der ganzen Erde ist gefährdet. Er versucht vergeblich, die Menschen zu warnen. Der Roman enthält einige sehr eindringliche Schilderungen von der Flucht der Tiere und der Zerstörung der Natur. Bei der Untersuchung eines Kohleflözes entdeckt der Wissenschaftler eine Art kriechender roter Wolke, die »Feuerseelen«. Hans Frey sagt dazu: »In den "Feuerseelen" - das sind Feuer, die sich im toten Erdreich selbst entzünden - findet die Rache der Erde ihren metaphorischen Ausdruck.« (Frey, »Aufbruch in den Abgrund«, S. 226). Bis auf diese »Feuerseelen« bleibt der Roman auf einer extrapolierten naturwissenschaftlichen Grundlage, ist also Science-Fiction im besten Sinne. Es gibt auch eine genauere Begründung für das zunehmende Sterben von Tieren und Pflanzen, das schließlich die gesamte Zivilisation zu zerstören droht. Die Autorin war Biologin und dies bemerkt man immer wieder. Wie weit sie bei der Schilderung der Gefahr geht soll hier nicht verraten werden.
Sehr gut gefallen haben mir bestimmte Beschreibungen, z.B. der Stadt, einer Expedition in die Natur und den Abstieg in ein Kohleflöz. Außerdem auch kleinere hier und da erwähnte technische Erfindungen.
Die Rolle der Frau ist auch spannend: Früher wurden Frauen anscheinend als »Kameradin« angesehen. Dies gilt heute als altmodisch und ist fast nur noch bei der ach so rückständigen Landbevölkerung der Fall. Bei den Städtern hingegen gibt es »Vertreter der neuen Pädagogik [...], die von Frauen verlangen, so schön und nutzlos wie ein Blume zu sein.« Hiermit sind aber nicht alle einverstanden: »Ich bitte dich, was findest du nur an einem so schweigsamen, törichten, ewig lächelnden Geschöpf?« (S. 28f). Eine der Hauptfiguren hat sich in Aine, die Tochter von Nummer 50000 verliebt. Die Schilderung dieser einseitigen Schwärmerei hat mich eher genervt, das konsequente Ende, das Annie Francé-Harrar für die Beziehung beschreibt, aber positiv überrascht. Eine tragende Frauenrolle gibt es jedoch nicht.
Mir hat die Lektüre viel Spaß gemacht, er lässt sich trotz seines Alters gut lesen und beinhaltet eine aktuelle Warnung. Unangenehm aufgefallen sind mir einige Druckfehler, die meinen Lesefluss störten und ich habe mich gefragt, ob der Text eingescannt wurde. Um auf meinen Anfang zurückzukommen: Es ist an uns, solche Projekte zu unterstützen, damit es sie weiterhin gibt. Und wem das Hardcover zu teuer ist: es gibt auch ein eBook.
Es ist unglaublich spannend zu sehen, welche Gedanken die Autorin dieses ursprünglich 1920 erschienenen Romans sich zu heute aktuellen Themen und Problemen gemacht hat. In "Feuerseelen" geht es unter anderem um die Ausbeutung des Planeten durch den Menschen und die Klimaerwärmung, verpackt in einen fiktiven Science-Fiction-Hintergrund. Der Schreibstil war teilweise gewöhnungsbedürftig und das Gesellschaftsmodell (die Rollenverteilung von Mann und Frau) natürlich nicht mehr zeitgemäß, trotzdem ist "Feuerseelen" ein gut lesbarer Roman. Die Sprache wurde modernisiert und die Inhalte sind aktueller denn je. Die Charaktere sind für den gegebenen Kontext passend und nachvollziehbar und entwickeln teilweise auch ihre eigene Persönlichkeit. Danke an den Plan9 Verlag für das eBook!
Feuerseelen, ursprünglich erschienen in 1920, liegt hier leicht gekürzt und mit modernisiertem Text vor. Es ist die Geschichte eines vermeintlichen Utopia, eine Welt in welcher der technische Forschritt manuelle Arbeit, sowie Ackerbau und Viehzucht überflüssig gemacht hat. Alle Nahrung kann nun aus Sauerstoff gewonnen werden, doch gerade damit weckt man ein Unheil das die ganze Menschheit ins Verderben zu stürzen droht.
Man merkt dem Werk sein Alter an, trotz aller Modernisierung der Sprache schimmert hier immernoch der selbe sprachliche Geist wie in Metropolis durch. Zum Teil hätten etwas mehr Erklärungen gut getan, so zum Beispiel gelang es mir nie so Recht ein Bild vom gedachten Forbewegungsmittel jener Zukunft, dem Autino, zu bekommen, das die Charaktere scheinbar wie Rollschuhe anschnallen können, und welches so sehr Teil der Gesellschaft geworden ist, dass viele bereits das Gehen verlernt haben. Ein Fakt der zum dramatischen Ende hin für einige Lücken in der inhaltlichen Logik führt.
Dies beiseite ist das ganze ein wieder, oder immernoch, zeitgemäßes Plädoyer für ein Gesellschaft die im Einklang mit der Natur lebt und nicht versucht sich über oder gegen diese zu Erheben.
Les Âmes de feu est un très bon récit de science-fiction, captivant et haletant en plus d’être visionnaire. Sa description précise d’un effondrement écologique est encore très actuelle mais l’autrice y propose en plus un univers intéressant où l’utopie technologique atteint ses limites. Une bien belle découverte d’un texte très réussi qui se lit sans peine.
Auf dieses Buch stiess ich, als ich ziellos durch Netgalley geklickt habe. Zuerst war es das Cover, dann der Titel, die mich fasziniert haben. Dann die Beschreibung, dass es sich um einen vergessenen Klassiker der Sci-Fi handelt. Natürlich habe ich umgehend angefragt und das Buch zugesprochen bekommen. Ich war wirklich neugierig zu erfahren, worauf ich mich da eingelassen hatte.
Schon nach ein paar Sätzen war ich mittendrin. Oftmals vergass ich ganz und gar, dass es sich schon um einen älteren Titel handelt. Der Inhalt von Francé-Harrars Werk ist so brisant und aktuell wie nie. Umso mehr weiss ich es zu schätzen, dass dieses Werk neu aufgelegt worden ist.
Auch sprachlich merkt man dem Titel sein Alter nicht an. Dies liegt jedoch an der leichten Modernisierung, die der Verlag vorgenommen hat. Gleichzeitig ist die Originalversion ebenfalls erhältlich. Leser, die lieber den ursprünglichen Text lesen möchten, können also aufatmen.
An manchen Stellen merkt man doch, dass "Feuerseelen" schon mehrere Jahre auf dem Buckel hat. Zum Beispiel bei der Darstellung der Frau. Aus heutiger Sicht kann man dies jedoch auch so interpretieren, dass die Rolle der Frau wieder auf Repräsentatives degeneriert wurde. Das ist bei diesem Werk durchaus möglich, und im Genre der Sci-Fi sowieso.
Es ist eine kleine, unerwartete Entdeckung, dieses Buch, das ich jedem Fan der Genreklassiker ans Herz legen möchte. Wer sich gerne mit dem Thema Mensch und Natur auseinandersetzt, bekommt hier auch guten Stoff geliefert.
Nun hoffe ich sehr, dass Annie Francé-Harrar bald von noch mehr Lesern wiederentdeckt wird. Zumindest dieses Buch von ihr ist im 21. Jahrhundert unbedingt lesenswert.
Ein unbekannter Sci-Fi-Roman von 1920? Ehrlich gesagt war ich am Anfang ein bisschen skeptisch, ob mich "Feuerseelen" überzeugen kann. Aber keine Sorge: das Buch ist zeitlos und auch der Schreibstil ist zwar nicht immer locker und leicht, wurde aber ein Stück weit an die heutige Zeit angepasst.
Aber nun zur Story: Wunderschöne, kultivierte Städte sind nun die Zentren der Menschen. Doch nicht nur Transport und Leben ist nun äußerst komfortabel, sondern auch der Hunger der Welt konnte dank künstlicher Nahrung besiegt werden! Hendrik 19530, ein neugieriger Forscher, zweifelt jedoch an dem Frieden. Er entdeckt die Gefahren der künstlichen Nahrung, aber leider möchte niemand auf ihn hören...
"Feuerseelen" ist zwar schon über 100 Jahre alt, aber das Thema ist noch genauso aktuell wie damals. Die Folgen von einer Ausbeutung der Erde waren schon damals bekannt und sind auch heute noch brandaktuell. Man merkt, dass die Autorin selbst Wissenschafterin war, denn der Klimawandel und andere Folgen werden glaubhaft und detailliert beschrieben und man kann zeitweise deutliche Parallelen zur heutigen Realität erkennen. Für Sci-Fi-Fans daher eine große Empfehlung!
This book was easy to read, short but nothing outstanding. It was still interesting to read about the potential evolution of the human race at war with nature, but, again, nothing amazing
Malgré un style un peu simpliste - est-ce la VO, la traduction ? - c'est une plongée immersive et une approche originale, pour un texte qui méritait d'être redécouvert.