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256 pages, Hardcover
First published January 1, 1998
'In der Nacht vom 4. auf den 5. März 1933 es war die Nacht ihres 39. Geburtstages - versuchte ein Sturmtrupp der SA in die Familienwohnung der Reifenbergs* am S-Bahnhof Tiergarten einzudringen. Sie hätten einen Haftbefehl von Minister Göring persönlich, erklärte der Anführer. Es gelang, mithilfe der herbeigerufenen Polizei, die Verhaftung abzuwehren, aber Tergit beschloss noch in derselben Nacht das Land zu verlassen. Als langjährige Gerichtsreporterin wusste sie, mit welchen gewalttätigen und völlig skrupellosen Leuten sie es zu tun hatte.' p.229(*Gabriele Tergit was a pseudonym of Elise Reifenberg née Hirschmann)

'Anders als Tergit befürchtet hatte, war sie vom ersten Tag an von diesem unbekannten Land fasziniert, das auf sie einstürmte, an ihr zerrte und sie als Schriftstellerin und Journalistin herausforderte. Sie legte das fast fertige Manuskript der Effingers beiseite und begann, durch das Land zu fahren, mit Bus oder Sammeltaxi, und zu erzählen, was sie sah.' p.232From that moment on she wrote vivid journalistic sketches of her new country. She wrote about traveling, the climate, places she visited, local habits, her own adventures and mainly about people she met. More than sixty of these fascinating texts were now collected in this book.

'Die arabischen Häuser sind geworden aus endloser, nie unterbrochener Tradition. Die jüdischen kommen bestenfalls aus dem Katalog oder dem Wettbewerb: "Siedlungshäuschen zu 50 bis 200LP." Das kann nicht anders sein. Europa dringt in den Orient ein. Kolonialgebiet steht neben Uraltem. Uraltes ist überall schön, Kolonialgebiet ist überall hässlich.' p.20Jews and Arabs live complete parallel lives. One can hardly find a sign of the threat of what is yet to come. Maybe these parallel lives are exactly the reason for the current very sad events. Politics is hardly mentioned in these short texts, but I came across this citation of something someone said to her:
'Das arabische Palästina ist das biblische geblieben durch die Jahrtausende, das jüdische ist russisch.' p.22
'Dort ist Allah und hier ist Erfolg. Dort sind Dornen und hier ist Versuchsland. Dort ist Morgenland, hier nicht Europa, sondern eine Mischung aus Russland und Amerika.' p.24
'"Ich glaube, doch ich glaube an unseren Führer Jabotinsky."Jabotinsky was the leader of what nowadays has become the Likud, the party of Benjamin Netanyahu.
"Aber was will Jabotinsky? Sehen Sie, die Araber..."
"Die Araber, sagt er, aber das ist doch unser Land!"
Und er blickt auf die Fahne, an die er glaubt, und die er hochhält, und für die er sterben wird.' p.150
'Und während ich diese Seite noch einmal durchlese, schreibe ich zum ersten und einzigen Mal in diesem Buch: Wir sind ein wunderbares Volk!' p.130Although she writes ‘We are a wonderful people!’, she writes as if she doesn’t belong there.

'Die Juden aus Polen tragen fantastische Gewänder, Pelzmützen, wie um 1300, bronzefarbene und olivfarbene Samtmäntel wie auf Gemälden von Rembrandt.' p.33
'Der Karmel ist scheinbar, wie auf den Südamerikafahrern, die erste Klasse mit Schwimmbad und Rauchsalon, der Hadar die bürgerliche Mittelklasse, aber Tel Aviv, das ist in vielen Teilen Zwischendeck. Aber das Zwischendeck in Tel Aviv hat das Geld, und auf dem Karmel leben Leute oft von winzigen Beträgen.' p.58
'Tel Aviv ist eine herrliche Stadt, sagt ein anderer. Überall ist Leben, muntere Jugend erfüllt die Straßen, zukunftsbereit, bereit aufzubauen, bereit zu handeln. Überallhin wachsen neue Viertel, Hunderte von neuen Häusern in einem Jahr. Hier wächst eine Stadt im Stil von 1930, weiße flachdachige Häuser, Haus bei Haus, Terrasse und Dach, hier allein ist Leben aus Arbeit und Feiertag gemischt...' p.60
'Man bekommt heute in Tel Aviv alles, was selbst ein verwöhnter Europäer haben will. Vom erstklassigen Optiker bis zum erstklassigen Delikatessengeschäft.' p.63
'Tel Aviv ist die Stadt ohne Hausschlüssel. Alle Häuser sind offen. Die Wohnungstüren haben außen Klinken. Es war noch vor wenigen Jahren nicht üblich, die Tür zuzuschließen.' p.63
'Am Strande von Tel Aviv gehen deutsche Jüdinnen. Alle diese großen, schönen, blonden oder braunen Mädchen, wer hat sie für Jüdinnen gehalten? Ein paar hässliche, klein und dick, mit dicken Nacken und schwarzer Wolle auf dem Kopf, die rechnete man den Juden zu, aber diese, die die Berlinerin und die Wienerin zu einer der schönsten Frauen der Welt machten, die nannte man Deutsche oder Österreicherinnen. Aber sie sind Jüdinnen.' p.68
'Babel ist Tel Aviv, Sprachverwirrung. Hebräisch nur Hilfe, nur Verständigungsmittel, nicht Muttersprache, nicht biegsamer Ausdruck feinster Regungen. Aber der flüssige Zustand hat sein Gutes, noch kann alles aus ihm werden, noch alles aus ihm kommen. Die Stadt Tel Aviv ist aufgeregt wie die Jugend, aufregend wie junger Wein. Sie sitzt da und lernt und erwartet wie der Schulentlassene alles noch vom Leben, alles von der Zukunft. So ein junger Mann ist Tel Aviv, er ist noch nichts, aber er erwartet Unsterblichkeit.' p.70
'Im Toten Meer wächst keine Pflanze, lebt kein Fisch, kein Wurm, keine Alge, nichts, es ist tot, voll mit Phosphor, mit Salz und Schwefel. Auf seinem Grunde - meint die Bibel - liegen Sodom und Gomorrha, volkreiche Städte, vernichtet durch Salz und Schwefel
Aber jetzt ist das Tote Meer kapitalisiert worden a) als chemisches Ausbeutungsobjekt, b) als Vergnügungsplatz.' p.73
'Die Mutter arbeitet nicht durch Aufzucht der Kinder, sondern direkt am Aufbau der Kolonie mit. Sie gibt ihre Kinder ins Kinderhaus. Dort essen und schlafen und leben die Kinder. Man erwartet, dass so unegoistischere Geschöpfe aufwachsen. Man erzählt zum Beweise der neuen Gemeinschaftsgefühle eine wahre Geschichte, die sich auf einer Kwuzah zutrug. Ein Kind sagte, als es Bauchschmerzen hatte: "Unser Bauch tut mir weh."' p.103
'Im Coupé des Schnellzuges Kairo-Haifa, unter dem trüben Licht ausgebrannter elektrischer Birnen, klein und krumm, ab-geschabter brauner Mantel, sitzt ein junger Jude aus Polen, verlassen der Laden, gesprengt die Gettomauern, fährt er in den Ozean der Freiheit, immer wieder bereit, umzuschaffen die Welt, neu zu gestalten das Gesicht der Erde.' p.139
'In der Allenbystraße zu Tel Aviv gibt es einen Karren, auf dem wird von morgens um 5 Uhr an Obst verkauft. Es ist glühend heiß im Sommer, es gießt im Winter, der Mann sitzt an seinem Karren. Nachts, wenn man um 12 Uhr aus der letzten Kinovorstellung kommt, sitzt der Mann immer noch da. Dann muss er noch einpacken. Dieser Mann schrieb einen Brief nach Polen.
"Es geht mir sehr gut hier, ich habe es zu einem Obstladen gebracht. Ich hoffe, ich werde bald meine Familie nachkommen lassen können.
Kurzum, ich bin sehr zufrieden." p.147
'Die Inhaber eines Gemüseladens im neuen Einwandererviertel in Tel Aviv sind etwas ganz Apartes, sie sind Ägypter und sprechen französisch, spaniolisch und arabisch. Es ist auf der Elieser Ben Yehudastraße. Auf der Elieser Ben Yehudastraße haben viele Deutsche kleine Läden, und man spricht mit ihnen deutsch.' p.166
'Er wurde ganz früh Zionist, nationaler Jude. Man schickte ihn in die Talmud-Thora-Schule des benachbarten Städtchens. Aber er lief in den Wald und in den Teich, um zu schwimmen. Später gehörte er zur Selbstwehr. Zum ersten Mal seit Bar Kochba setzten die Juden der Gewalt Gewalt entgegen. Eine der Theorien, um das Mysterium der Erhaltung der Juden zu erklären, ist die Theorie der Gewaltlosigkeit: Sie wehrten sich nicht und wurden so nie ganz vernichtet. Die Selbstwehr, 1903 nach Kischinew gegründet, ist Umsturz in der Geschichte des Judentums.' p.194
