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Isidor, une vie juive

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Dr. Isidor Geller hat es geschafft: Er ist Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler und nach zwei gescheiterten Ehen Liebhaber einer wunderschönen Sängerin. Weit ist der Weg, den er aus dem hintersten, ärmlichsten Winkel Galiziens zurückgelegt hat, vom Schtetl in die obersten Kreise Wiens. Ihm kann keiner etwas anhaben, davon ist Isidor überzeugt. Und schon gar nicht diese vulgären Nationalsozialisten.

»Was für Kunst hing im prachtvollen Wiener Domizil meines Urgroßonkels? Mit dieser Frage begann meine Recherche und mündete in eine ganz andere Frage: Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn nichts von ihm übrigbleibt?« Anhand von Familienbriefen und Fotos, alten Dokumenten und Archivfunden zeichnet Shelly Kupferberg die Konturen eines erstaunlichen Werdegangs nach, eines rasanten gesellschaftlichen Aufstiegs. Urgroßonkel Isidor war eine schillernde Figur, ein Macher und ein Lebemann, der den Luxus, die Kunst und besonders die Oper liebte. Auf ihrer Spurensuche, die sie von Ostgalizien nach Wien, von Budapest nach Hollywood und Tel Aviv führt, stößt Shelly Kupferberg auf unzählige Geschichten: aufregende, verblüffende, komische und immer wieder tragische. Die Geschichte von Isidor und den Seinen – ein berührendes Buch über das Schicksal einer jüdischen Familie.

208 pages, Paperback

First published August 24, 2022

8 people are currently reading
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About the author

Shelly Kupferberg

6 books4 followers

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1 star
2 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 56 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews371 followers
September 22, 2022
Ich mag jüdische Familiengeschichten aus aller Welt, insbesondere aus Wien sehr gerne und habe diesbezüglich schon viele gelesen, man kann sogar sagen, dass ich mittlerweile sehr tief in die Materie eingestiegen bin. Dieser Roman beschäftigt sich mit dem Urgroßonkel Isidor der ungenannten Ich-Erzählerin, die auf der Spurensuche nach ihren Wurzeln in Wien auf viele offizielle Dokumente ihres Verwandten im Staatsarchiv gestoßen ist, auf Briefe der Großeltern in Tel Aviv und nun versucht, Isidors Leben in Rückblenden zu rekonstruieren. Die größte Stärke der Geschichte ist die historische Komponente und der Umstand, dass eine berühmte, nicht ganz unbekannte Persönlichkeit, als sie noch eine kleine unbedeutende Sängerin war, in der Story mitspielt. Leider hat diese Stärke in dem Fall meiner Meinung auch eine klitzekleine Kehrseite, die mich bedauerlicherweise ein bisschen wehmütig zurücklässt.

Vor allem die bildungsbürgerlichen assimilierten Juden Wiens hatten vor dem Aufstieg der Nazis meist ein sehr interessantes Leben. Viele emigrierten bettelarm aus Galizien (heutige Ukraine) in die Hauptstadt der K&K Monarchie und hatten unter dem Schutz von Kaiser Franz Josef eine beispiellose Erfolgsstory vorzuweisen, studierten und entfalteten ihre Talente, arbeiteten fleißig, lebten ein fröhliches Leben voller Kunst und trugen maßgeblich zur Entwicklung Wiens als führende Kulturmetropole Europas zu dieser Zeit bei.

Ein derartiger Charakter ist auch der Urgroßonkel der Ich-Erzählerin Dr. Isidor Geller: in Lokutni, in einem kleinen Dorf in der Ukraine geboren, aus der Enge und Armut vor seinem strenggläubigen chassidischen Rabbi-Vater nach Lemberg zu einer ordentlichen weltlichen Ausbildung geflüchtet und in Wien als Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Finanzjongleur, Multimillionär, Opernfreund und Kunstsammler Karriere gemacht. Kurios ist auch das typische galizisch-jüdische Familienmuster, das schon in Joseph Roths Hiob angesprochen wird, in dem der strenggläubige orthodoxe bettelarme Familienpatriarch auf der derzeitigen Situation beharrt und meist verhaftet in den Traditionen und alten Strukturen zurückbleibt. Seine pragmatische Ehefrau und Mutter will, dass es die Kinder besser haben, pocht nicht auf den Glauben, sondern auf Bildung und Aufklärung, wandert aus, assimiliert und integriert sich zusammen mit den Kindern in europäische Gesellschaften. In der Fremde, oft in Wien oder Berlin steigen dann meist eines oder mehrere Kinder in der Gesellschaft zum Bildungsbürgertum oder sogar weiter auf. Wahrscheinlich hat sogar Joseph Roth einen solchen Lebenslauf gehabt, wenngleich er immer die Herkunft väterlicherseits verschleiert hat, die Biografie des Verlegers Joseph Melzer weist auf jeden Fall ein ähnliches Muster auf.

Isidors Familie ergeht es genauso, die Assimilation wird schon dadurch manifestiert, dass er und seine Geschwister nach dem Auszug aus dem Schtetl nach Lemberg zuerst einmal neue Namen annehmen, er hieß eigentlich ursprünglich Israel. Die Mutter reist als Stütze mit allen Geschwistern auf den einzelnen Stationen des Erfolges mit. Der Vater bleibt verbittert im ukrainischen Dorf zurück. Die Geschwister unterstützen sich gegenseitig beim Aufstieg, bei Rückschlägen und Problemen in der Fremde, die sehr schnell zur echten Heimat avanciert, da sich diese Familien so intensiv integrieren. Rund um den Urgroßonkel Geller wird die gesamte Familie und ihr Schicksal aufgestellt.

Nach zwei gescheiterten Ehen lernt Isidor in Wien die kleine ungarische Sängerin und Schauspielerin Ilona Hajmássy kennen, nimmt sich diese zur Geliebten, bezahlt ihre Gesangsausbildung und eine Suite im Hotel Kummer, und fördert aktiv die Karriere der wunderschönen Frau. Als später recht bekannte Staatsopernsängerin und Filmschauspielerin wird sie eines Tages mit 36 anderen Nachwuchsschauspielerinnen vom US-Filmstudio Metro Goldwyn Meyer in Europa rekrutiert, über den Atlantik mit dem Schiff nach Kalifornien verfrachtet und zum Hollywood-Filmstar ausgebildet. Durch eiserne Disziplin schaffen es zwei der 36 Anwärterinnen bis an die Spitze der Hollywood-Riege: Hedy Lamar, vormals Hedwig Maria Kiesler aus Wien und Illona Massy. Ilona versucht Isidor vor den Nazis zu retten und ihn nach Amerika einzuladen, aber dieser ist so überzeugt davon, dass ihm durch seinen Status nichts passieren kann, dass er alle Warnungen von Freunden und Familie in den Wind schlägt. Als einer der ersten wird er beim Anschluss schnell Opfer der Nazis, die es schon lange auf sein Vermögen abgesehen und sein Hauspersonal vorab schon korrumpiert haben. Ein großer Rest der Familie kann sich quasi in letzter Sekunde nach Israel retten und auswandern.

"Gegen den inzwischen zu einem Rassenantisemitismus gewordenen Wahn – man müsse nur ins Deutsche Reich schauen -, gab es Goldfarb zufolge nur eine einzige Lösung: und die hieß Palästina. […]

Isidor schüttelte den Kopf. Von einer Kulturmetropole in die Wüste? Wie konnte man das nur wollen? Den soliden Beruf eines Buchhalters gegen Spaten und Hacke zu tauschen, um den steinharten Boden zu beackern und in Zelten unter den widrigsten Wetterbedingungen in Arbeitskleidung sein Dasein zu fristen? Das war kein Leben!"


Die ganze Geschichte ist es wert, erzählt zu werden, eine interessante Biografie vom Aufstieg und Fall des Dr. Isidor Geller und seiner gesamten Familie. Jetzt muss ich aber noch meinen kleinen Wehmutstropfen ansprechen. Der Roman ist bedauerlicherweise viel zu sachlich im Reportage Stil formuliert. Ich vermisse hier schmerzlich die typische jüdische Fabulierkunst, die ich immer so liebe, den Humor, die blumige Sprache, oft auch versetzt mit jiddischen Formulierungen, die Gschichtln, die Anekdoten, die Übertreibungen und vieles andere mehr, was für mich den typisch jiddischen Stil ausmacht, den ich gar so schätze. Da habe ich in den letzten Jahren einige Romane und Biografien gelesen, die viel mehr die vielgeliebte Erzählform, die für mich einfach unbedingt dazugehört, transportieren: zum Beispiel Viktor von Judith Fanto, alle Bücher von Jessica Durlacher, wie zum Beispiel Der Sohn oder Die Stimme, die Biografie von Joseph Melzer und viele andere mehr.

Fazit: Ein ausgezeichneter Roman fast ohne Fehl und Tadel, der mir aber von der Tonalität her zu sachlich, zu reportagenhaft und zu wenig jüdisch war. Stilistisch fast so kurz und knapp wie ein Ferdinand von Schirach im Krimigenre. Interessant, spannend, lesenswert, aber mein Herz wurde leider nicht berührt.
Profile Image for Elena.
1,041 reviews418 followers
October 22, 2022
"Mein Urgroßonkel war ein Dandy. Sein Name war Isidor. Oder Innozenz. Oder Ignaz. Eigentlich aber hieß er Israel. Doch dieser Name war zu verräterisch. Also Isidor oder Innozenz oder Ignaz. Er war ein Emporkömmling, exzentrisch, ein Parvenü, ein Multimillionär, hier und da ein Hochstapler, ein Mann der Tat und von Welt, er war eigensinnig und voller Stolz." - Shelly Kupferberg, "Isidor"

Schon mit diesen ersten paar Sätzen hatte mich die Journalistin und Autorin Shelly Kupferberg in ihren Bann gezogen. Was darauf folgte war eine wahre Geschichte, die mich regelrecht aufgesogen hat und meine Gedanken auch dominierte, wenn ich gerade nicht am Lesen war. Shelly Kupferberg erzählt in "Isidor - Ein jüdisches Leben" die Geschichte ihres Urgroßonkels Isidor. Dieser Wurde 1886 in Ostgalizien in eine streng jüdisch-orthodoxe Familie hineingeboren. Er und seine Geschwister befreiten sich nach dem Heranwachsen von den beengten Verhältnissen, Isidor lebte zunächst in Lemberg, bevor es ihn in die mondäne europäische Metropole Wien zog. Dort machte er sich schnell einen Namen, mit dem finanziellen Reichtum setzte auch der gesellschaftliche Aufstieg ein. Nach zwei gescheiterten Ehen unterhielt er schließlich eine Affäre mit der aus Ungarn stammenden Sängerin Ilona (auch eine schillernde Persönlichkeit, wie sich im Laufe der Lektüre herausstellen soll!) und lebte das Leben, das er sich gewünscht hatte - bis die Nationalsozialisten in Österreich einfielen.

Den Versuch der Nazis, alles jüdische Leben zunächst materiell, dann physisch auszulöschen, vereitelt Shelly Kupferberg mit ihrem Werk: Sie schenkt ihrem Urgroßonkel ein spätes Vermächtnis, macht sein Dasein in Galizien und Wien sichtbar - und schafft damit einen Raum für eine Erinnerung, ein Gedenken. Staunend habe ich die Erzählungen von Kupferbergs Urgroßonkel, ihrer Urgroßmutter und ihrem Großvater verfolgt, erschüttert war ich von den vielen Gräueltaten, die die Nationalsozialisten an ihnen und ihren anderen Familienmitgliedern begingen und voller Dankbarkeit war ich für die Autorin, die ihre Familiengeschichte mit uns Lesenden teilt und so einen weiteren großen Beitrag gegen das Vergessen leistet. Von mir gibt es eine ganz, ganz nachdrückliche Leseempfehlung für diese fesselnde Biografie und dieses wichtigte Stück Zeitgeschichte!
Profile Image for Great-O-Khan.
470 reviews128 followers
November 16, 2022
Shelly Kupferberg erzählt die Geschichte ihres Urgroßonkels Dr. Isidor Geller vom traditionellem Leben im osteuropäischen Schtetl, der Zeit in der kulturgetränkten Metropole Wien, vom "Anschluss" Österreichs, der Verhaftung durch die Nazis, dem langsamen Sterben nach der Freilassung. Es ist die wahre Geschichte eines Teiles der Familie der Journalistin. Es ist also kein Roman. Es ist aber auch kein Sachbuch. Man könnte von einer literarischen Biografie sprechen. Ihre Recherchen sind dabei in den Text eingewoben.

Die Geschichte steht im Vordergrund. Die Sprache arbeitet nicht mit starken Metaphern oder großen Bildern. Leise ordnet sie sich der Geschichte unter und stellt sich ganz in deren Dienst. Für mich ist gerade das die große Stärke des Buches. Es mag keine große Weltliteratur sein, aber es beleuchtet eine wichtige Zeit in einer ruhigen und eindrücklich zu lesenden Art und Weise mit sehr viel Atmosphäre.

Absolut empfehlenswert.
Profile Image for Steffi.
1,123 reviews273 followers
May 4, 2023
Es handelt sich gar nicht, wie zunächst angenommen, um einen Roman, sondern um die Recherchen und Erinnerungen Shelly Kupferbergs zu ihrem Urgroßonkel Isidor Geller, der in ärmlichen Verhältnissen in Galizien aufwuchs und nach Wien zog, wo er berufliche Erfolge feierte und sich zum Kunst- und Musikliebhaber entwickelte. Die Geschichte liest sich dennoch wie ein Roman.

Ich habe die Lektüre bei einem Wien-Besuch vor zwei Monaten begonnen und das Buch zwischenzeitlich liegen lassen, kam aber schnell wieder in die Geschichte rein. Was mir vor allem gut gefällt, ist, dass es nicht nur um Isidor geht, sondern auch um Lebensgeschichten der Geschwister, Partner*innen, Geschäftspartner usw. Daraus entsteht ein vielstimmiges Panorama der jüdischen Welt Wiens, den Träumen von Assimilation und Gleichberechtigung sowie deren brutale Zerschlagung durch die Nazis.

Allerdings habe ich vielleicht in der Vergangenheit schon zu viele ähnliche Geschichten gelesen, als dass mir diese hier lange in Erinnerung bleiben wird, bzw. werden sich Motive mit denen anderer Geschichten so vermischen, dass ich bald nicht mehr werde benennen können, woher aufblitzende Assoziationen stammen. Und literarisch ist die Geschichte auch nicht allzu bemerkenswert, sodass meine Bewertung hier nur im Mittelfeld liegen kann.
Profile Image for Jin.
848 reviews148 followers
August 29, 2022
Ich wusste nicht worauf ich mich einlasse und wurde positiv überrascht. Nach der Lektüre habe ich mir dann das Cover nochmal angeschaut und das Cover ist wirklich sehr passend gewählt.

Die Biografie, bzw. Spurensuche, liest sich wie ein Roman und hat es geschafft ein unterhaltsames und informatives Porträt über das jüdische Leben von damals zu schreiben. Mit jeder Seite wurde es beklemmender und herzzerreissender, und das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie hätte ich wohl reagiert, wäre ich an Isidors Stelle?
Ein Buch über ein Stück Lebensgeschichte, was dazu drängt zu erinnern, was tatsächlich im Leben wichtig ist.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Frederike.
182 reviews177 followers
November 12, 2022
4,5 Sterne

Schon immer zog es Isidor in die Welt, wollte er all das entdecken, was ihm bislang verborgen geblieben ist im Schtetl im ostgalizischen Tlumacz. Dafür galt es zunächst seinen religiösen Namen abzulegen, den jüdischen Stempel, den seine Eltern ihm und seinen vier Geschwistern gaben. Und so wurde aus Israel schließlich Isidor, kaum dass er seinen Heimatort 1908 für das Jurastudium gen Wien verließ. Er blühte auf in dieser eleganten Kulturmetropole, war fasziniert ob der feinen Architektur, der opulenten Kunst und dem Betragen der Menschen. Schnell fand er sich in der Gesellschaft ein, besuchte Kaffeehäuser, knüpfte Kontakte – und stieg nach seinem Studium schnell vom Sekretär zum leitendenden Direktor und Kommerzialrat auf. Es ist ein Leben, dessen Erfolg denen amerikanischer Geschichten gleicht, „vom Tellerwäscher zum Millionär“, und eben dies wurde durch geschickte Investitionen und waghalsige Aktienkäufe. Doch die Welt ist im Umbruch, der Krieg verändert das Leben der Menschen. Und während Isidors erste Ehe in die Brüche geht, das gemeinsame Ex Libris das einzige Zeugnis einstiger Zweisamkeit zwischen ihm und der schönen Berta Singer, fragt er sich des Öfteren, ob er nicht doch ein Stück Land in Palästina kaufen sollte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alles zu spät ist. Bis ein Volksentscheid im Jahr 1938 über die Zukunft Österreichs zugunsten der NSDAP entscheiden sollte, Hitler den „Anschluss“ Österreichs an das „Deutsche Reich“ verkündete – und die Gestapo Isidor verhaftete.

Voller Wärme und Empathie rekonstruiert Shelly Kupferberg in ihrem Debüt „Isidor. Ein jüdisches Leben“ unter Zuhilfenahme alter Briefe und Dokumente, Fotos und archivierter Berichte den Aufstieg und Fall ihres Urgroßonkels Isidor Geller. In schillernden Farben, lebendig und nahbar lädt sie zu einer Zeitreise, zu einem Blick ins Familienalbum ein, skizziert nicht nur den Werdegang Isidors, sondern auch den seiner Geschwister und Geliebten, seiner Freunde und Bekannten im Kontext des Zweiten Weltkriegs; eben der Menschen, die ihn prägten und begleiteten, ihn zu dem machten, der er war und ist. Denn obwohl er und seine Familie mit der Machtübernahme Hitlers beinahe alles verloren, fliehen, um ihr Leben kämpfen mussten, so bleiben die Erinnerung an sie und ihre Geschichten für immer bestehen.

Kupferberg geht ungemein respektvoll und wertschätzend mit all den Dokumenten, die sie im Zuge ihrer Recherche fand, um, die letztlich ihr Erbe bedeuten, und mit ebendieser Achtung schreibt und beschreibt – oder vielmehr: erschreibt – sie ihre Familie, egal wie tragikomisch, wie deprimierend oder delikat die Anekdoten auch sind. Es ist bemerkenswert, mit welcher Tiefe sie jeden einzelnen Charakter zeichnet, ihnen allen Raum gibt, sich einzufügen. Und so fühlte auch ich mich wie eine Gästin bei einem von Isidors zahlreichen Banketts, eine Passantin, die ihrer Wege auf Wiens Straßen kreuzte. Doch nicht für lange. Vormals beschwingt, frohen Mutes wird die Atmosphäre beklemmender, dunkler, je konkreter der Beginn des Zweiten Weltkriegs wird und seine Bedeutung für das jüdische Leben. Worte, die von Leid und Angst sprechen; Bilder, die bleiben. Die Geschichte einer Familie, eines jüdischen Lebens, die ich nicht vergessen werde.
Profile Image for LeserinLu.
329 reviews39 followers
March 11, 2025
Diesen großartigen Roman habe ich in weniger als einem Tag gelesen, weil er gleichzeitig so spannend, einfühlsam, gut geschrieben und lehrreich ist, dass er am besten von allen gelesen werden sollte!

Die Autorin zeichnet darin die Lebensgeschichte ihres Großonkels Dr. Isidor Geller nach, der es in Wien zu erheblichem Reichtum und Ansehen gebracht hatte. Trotz zahlreicher Kontakte unterschätze er in den 1930er-Jahren jedoch die Gefahr der Nazis. Neben Isidors Leben nimmt Kupferberg auch die Geschichten von Weggefährt:innen und Verwandten in den Blick, sodass man einen Einblick in viele unterschiedliche jüdische Schicksale bekommt. Ich hoffe wirklich, das Buch findet noch viele Leser:innen!
Profile Image for Elke.
387 reviews55 followers
January 15, 2023
Das Buch ist kein Roman. Ein berührender Bericht eines jüdischen Lebens. Das Hörbuch passte gut zu der Chagall Ausstellung, die ich gestern besuchte.
Profile Image for pergamentfalter.
116 reviews21 followers
November 23, 2022
Isidor*

Shelly Kupferberg

Der Roman Isidor erinnert mich tatsächlich an einen dieser Stolpersteine, über die man geht und sich fragt, welches Schicksal hinter dem gesichtslosen Namen steckt. In Isidor nun bekommt dieser Stolperstein die oft vermisste Geschichte, wird dreidimensional und lässt mich verweilen.

Isidor, der gemachte Mann, der nach Liebe Suchende, der Millionär, der Schöngeist... Isidor der Gequälte, der tief Gefallene, der vom Regime Missbrauchte.

Eine Gesellschaft schafft sich kollektive Erinnerungen -
Erinnerungskultur ist ein Begriff, der im Rahmen meines Geschichtsstudiums immer wieder fiel. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können uns an sie erinnern und im besten Fall aus ihr lernen - eine Wiederholung vermeiden. Das kollektive Gedächtnis wird häufig als "ein Kämpfen um die historische Wahrheit bezeichnet"... Diese Wahrheit lässt sich nur rekonstruieren, wenn wir multiperspektivisch verschiedene Erzählungen (Narrationen) betrachten.

Brauchen wir wirklich noch ein Buch über den Nationalsozialismus und seine Verbrechen ?

Ja und nochmals ja... denn nur wenn wir den Diskurs lebendig halten, nur wenn wir die Namen mit Gesichtern und Geschichten verbinden, werden wir erinnern statt verdrängen, fühlen wir uns persönlich betroffen, bekämpfen wir die Entmenschlichung und übernehmen Verantwortung für die Vergangenheit unseres Landes.

Isidor erinnerte mich daran, auch wenn ich stellenweise
Probleme mit der unregelmäßig einfließenden Ebene der forschenden Verwandten hatte. Bis mir auffiel, dass dies vielleicht ein Anreiz sein könnte selbst zu forschen...wer waren unsere Vorfahren...?

Welche (mitunter nationasolzialistisch geprägte) Vergangenheit hat die eigene Familie? Waren sie Opfer, Täter, Mitläufer ? Wieviel Schuld bleibt vergraben unter den Trümmern dieser Zeit ?
Profile Image for Armin Klica.
138 reviews28 followers
January 3, 2023
„Es gilt, achtzehn Jahre wieder aufzuholen, die achtzehn Jahre seit seiner Vertreibung durch die Nazis.“
 
„Mein Urgroßonkel war ein Dandy. Sein Name war Isidor.“ Und so beginnt die Geschichte eines jüdischen Lebens. In ihrem Debüt beschreibt die Autorin Shelly Kupferberg das Leben von Dr. Isidor Geller. Aufgewachsen in armes Galizien bis zu der adligen Oberschicht in Wien, musste sich Isidor erkämpfen. Lange Zeit dachte er niemand könne ihm sein Reichtum wegnehmen. So hangelte er sich schließlich von einem Ruhm zum nächsten, flog hoch und stürzte tief. Mehr will ich nicht verraten.
 
Hätte ich gewusst, dass mich diese Geschichte in den Bann zieht, hätte ich an jenem Abend viel früher angefangen zu lesen, um es rechtzeitig vor dem Schlafengehen zu beenden. Shelly wollte ihrem Urgroßonkel aus Bruchstücken, irgendwelche Reste von Dokumentationen und Recherchen eine Geschichte geben – „seine Geschichte“. Wie sonst erklärt sich dieser rasante Aufstieg eines jüdischen Lebens? „Bis zu dem Tag, als Menschen wie er ausgelöscht werden sollten.“
 
Was dem Isidor und der Familie während der NS-Zeit widerfahren ist, versucht Kupferberg aus Zeitungsartikel, Briefen, und weitere Recherchen zu rekonstruieren und formt so die Konturen der vergessenen Familie. Ein Erfolg nach dem anderen machte Isidor blind. Als Österreich sich mit dem Deutschen Reich verbündete, lauerte die Gefahr für jüdische Familien sehr nah. Doch als Isidor die Gefahr der Nazis zu spät erkannte, verrieten ihn das antisemitische Volk schon längst.
Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, erlitt er an die schwere Gewalt, die ihm angetan wurde und starb. Alles, was er hatte, sein „Reichtum“ musste er Stück für Stück an das Deutsche Reich abgeben. Bevor die komplette Familie-Geller ausgelöscht wurde, floh der Neffe Walter nach Palästina.
 
Shelly Kupferberg erzählt mit einem talentierten und respektvollem Schreibstil eine unglaubliche Geschichte eines Aufstiegs bis zur fast kompletten Ausradierung einer Familie. „Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn nichts von ihm übrigbleibt?“
Deswegen sind solche Geschichten wichtig zu erzählen: eine Geschichte gegen den Judenhass, gegen die Nazis, gegen den Hass, gegen das Vergessen.
 
(…) von Wertpapieren, von üppigen Services und Bestecksets, Stilmöbeln, Ölbildern, Kunstgegenständen, kostbaren Teppichen, Pelzen und Schmuck. Alles verschwunden. Beschlagnahmt. Gestohlen. Geraubt. Ein Mensch wurde ausgelöst – zunächst Material, dann physisch. So war es der Plan der Nazis, und so wurde es millionenfach praktiziert.“
Profile Image for Leah.
528 reviews71 followers
January 5, 2023
Kupferberg beschreibt am Ende des Buches, wie der Familie keine Erbstücke bleiben (geraubt, gestohlen oder versteigert), aber wenigstens die Geschichten. Es ist schön, dass sie diese mit uns teilt.

Das Buch erzählt Isidors Geschichte und die seiner ganzen Familie. Dabei bewegen wir uns auch durch Österreichs Geschichte, von der k.u.k Monarchie bis zum Anschluss Österreichs. Nicht nur die vielen Geschichten selbst sind berührend, sondern auch Kupferbergs Erzählweise und ihr unermüdlicher Forscherdrang.
Profile Image for Patricia.
54 reviews2 followers
January 6, 2024
Ich las dieses Buch während eines Aufenthalts in Frankfurt am Main. In der Strassenbahn fragte ein Kind seinen Vater: "Warum hat es hier Polizisten?" Es zeigte auf das Jüdische Museum, an dem wir gerade vorbeifuhren. Der Vater antwortete: "Das ist eine jüdische Einrichtung. Da müssen sie oft Polizei hintun weil es Leute gibt, die dort hingehen, um Böses anzustellen."

Jedes Mal wenn ich Berichte von der NS-Zeit lese, insbesondere wenn es um die frühen Jahre geht, schockiert mich, wie schnell alles geht und dann normal wird. Wie die späteren Opfer der Nazis und andere Nazi-Gegner:innen oft ganz lange hofften, dass es so schlimm nicht kommen kann. Das ist ja klar, wer konnte sich solche Grausamkeit ausmalen! Das konnte und wollte man sich einfach nicht vorstellen.

Wie schnell Leute, die bisher "nur" judenfeindliche Sprüche gerissen hatten, unter der "richtigen" Lenkung völlig verrohten und tätliche Verbrechen begingen. Wie Menschen sogar vorauseilenden Gehorsam leisteten und ihre jüdischen Nachbarn ganz freiwillig erniedrigten. Wie solche Systeme mit ihrer menschenverachtenden Politik das Niedrigste in den Menschen ansprechen und rausholen, teilweise auch ganz ohne Zwang sondern einfach, indem sie die Grenzen des Denk-, Sag- und Machbaren verschieben. Mir ist beim Lesen übel geworden.

Ein gutes Buch, ein Wachrüttler, eine Erinnerung daran, was Hass freisetzen kann und warum es immer wichtig ist, sich für gesellschaftliche Minderheiten einzusetzen.
Profile Image for Thorben.
109 reviews8 followers
November 12, 2023
Hier geht es um Glücksritter, die sich aus der geistigen Enge ihrer Heimat im galizischen Schtetl aufmachen nach Wien - in die Metropole der Moderne, um dort zu scheitern oder zu Multimillionären zu werden.
Hier geht es aber auch um ganz normale Menschen und darum, was diese fähig sind, anderen anzutun und dabei auch die moderne Metropole in einen Abgrund aus fanatischem Hass zu führen.

Einzig der dokumentarische Charakter, den die Autorin der Erzählung gibt, und der sich daraus logisch ergibt, dass hier Familienerinnerungen verwoben, Archivakten gewälzt und die wenigen Erbstücke ausgedeutet werden, gibt dem Text einen eher nüchternen Stil. Figuren und Beschreibungen können so weniger lebendig wirken als in einem Roman.

Aber Geschichte ist kein Roman und diese, mag sie auch sachlich erzählt sein, ist tragisch wie hoffnungsvoll und derartige Erinnerungen heute zu bewahren und weiterzuerzählen von unermesslicher Bedeutung.
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews42 followers
September 19, 2022
Isidor - die Erzählung einer jüdischen Familiengeschichte

» »Stil hat man oder hat man nicht«, das habe nichts mit Geld zu tun. Dazu gehöre auch das Speisen mit Gabel und Messer. Und ein ordentliches Trinkgeld, behauptete der junge Israel weltmännisch.« (S.41)

Und Stil, den hat der Kommerzialrat Dr. Isidor Geller (*15.9.1886 | † 17.11. 1938), der in einem kleinen Schtetl in Galizien als Israel mit seinen vier Geschwistern aufgewachsen ist und als junger Mann - umbenannt in Isidor - einen beachtlichen Aufstieg in der k.u.k Metropole Wien macht.

»Isidor lernte rasch, den richtigen Augenblick abzuwarten und sich dann einzubringen. Ohne aufdringlich zu sein - er hatte die Gabe, Menschen für sich zu gewinnen.« (S. 65)

Als Direktor in einer Lederfabrik wird Isidor im 1. Weltkrieg nicht eingezogen und schafft durch geschickten Handel auf dem Schwarzmarkt und Anlage auf dem Aktienmarkt es zu einem beachtlichen Vermögen. In »Isidor« erzählt die Autorin die Lebensgeschichte ihres Urgroßonkels und verbunden damit auch die ihres Großvaters Walters: Von Isidors Werdegang über seine Blütezeit in Wien als Gastgeber großartiger Veranstaltungen in seinem Palais und seine Liebschaft mit der heutigen Hollywood-Star Ilona Hajmássy (später Massey) bis zu seiner Verhaftung nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Wien 1938 und seinem damit einhergehend Untergangs.

Es ist eine interessante Biografie, die Shelly Kupferberg aufwändig recherchiert und zu diesem erzählenden Sachbuch verdichtet hat. Gerne hätte ich am Ende noch mehr von der Lebensgeschichte ihres Großvaters erfahren, da vieles aus seinem Leben ebenfalls miterzählt worden ist. Alles in allem eine klare Leseempfehlung!

»Isidor« ist das Debüt der Journalistin, Moderatorin und Autorin Shelly Kupferberg, das am 24. August 2022 im Diogenes Verlag erscheint.
Profile Image for Julie J..
624 reviews36 followers
May 1, 2023
ENGLISH VERSION BELOW
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"Isidor: ein jüdisches Leben" von Shelly Kupferberg ist berührend und teilweise auch durchaus fesselnd. Das Buch kann als Roman oder als Biografie gelesen werden. Shelly Kupferberg hat in ihrer Familie immer wieder Geschichten über diesen einen Onkel gehört, Isidor. Aus ein wenig Recherche wurde ein ganzes Buch. Dieses portraitiert das Leben eines jüdischen Mannes im 20. Jahrhundert. Isidor, ein Self-Made-Man, ein Lebemann, Kunstliebhaber, Familienmensch. Neben Isidor werden auch die Lebenswege seiner Eltern und Geschwister erzählt.
Shelly Kupferberg hat mich von der ersten Seiten mit ihrem Erzählstil gepackt. Die verwebt Familienanekdoten mit historischen Ereignissen und persönlichen Überlegungen sowie ihrer Recherche.

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"Isidor: A Jewish Life" by Shelly Kupferberg is touching and at times quite captivating. The book can be read as a novel or as a biography. Shelly Kupferberg has always heard stories in her family about this one uncle, Isidor. A little research turned into a whole book. This portrays the life of a Jewish man in the 20th century. Isidor, a self-made man, a bon vivant, art lover, family man. In addition to Isidor, the lives of his parents and siblings are also told.
Shelly Kupferberg gripped me from the first page with her narrative style. She interweaves family anecdotes with historical events and personal reflections as well as her research.
Profile Image for JoBerlin.
359 reviews40 followers
August 23, 2022

Der Journalistin Shelley Kupferberg ist mit diesem Buch ein ganz wunderbares Portrait ihres Uronkels Isidor Geller gelungen. Sie zeigt seinen sagenhaften Weg aus dem ärmlichen Schtetl im polnisch-ukrainischen Galizien bis in höchste Kreise des schillernd-mondänen Wien der Zwischenkriegszeit.
Aber war seine – so scheint es leichterhand betriebene - Assimilation wirklich der richtige Weg? Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wird in seinem Freundeskreis viel darüber diskutiert, manche haben sich bereits zur Auswanderung entschlossen. Doch Isidor bleibt, zu verwurzelt ist er als Kommerzialrat mit verfeinert-intellektuellem Lebensstil in der neuen, der einzigen Heimat. Judenverfolgung und -morde will er nicht wahrhaben, weil doch nicht sein kann, was nicht sein darf und so folgt der schnelle, der unerbittliche Abstieg in die braune Hölle.

Diese Lebensgeschichte fesselt von der ersten Seite an, denn Shelley Kupferberg schreibt einfach meisterhaft. Sie liefert keine schmonzettenhaft ausgeschmückte Leier, verzichtet auf psychologisierende Aufarbeitung und enthält sich der Bewertung von schicksalshaften Entscheidungen ihres Verwandten. Und gerade das macht die Lektüre so wunderbar beglückend. Hier ist nichts überfrachtet, nichts wirkt nachträglich hinzugetan.
Mir hat dieses Buch sehr gefallen – es gehört ganz sicher zu den großen Highlights des Literaturjahres 2022.
Profile Image for Daniela Moritz.
30 reviews2 followers
November 6, 2024
With "Isidor," Shelly Kupferberg has created a memorial to her great-great-uncle and brought back to life the story of a man who had everything taken away by the National Socialists. A touching debut that lucidly describes the processes of expropriation and appropriation between 1933 and 1945, but at times seem a little pale due to its matter-of-fact narrative tone.
Profile Image for mari_liest.
317 reviews
December 27, 2022
„Dabei stoße ich immer wieder auf ihn: den schillernden Onkel Isidor. Ein Lebemann, der laut Familienüberlieferung nie geheiratet haben soll und keine Kinder hatte. Wenig ist von ihm geblieben. Nur ein großer Silberbesteckkasten samt Inhalt für 24 Personen.“

.. ein Satz von vielen, wie @shellykupferberg ihren Urgroßonkel Isidor in Ihrem Buch „Isidor. Ein jüdisches Leben“ beschreibt. Ich durfte der Autorin heuer auf der @buchwien lauschen, als sie von ihrer Recherche zum Buch und über Isidor erzählte. Da war es dann noch interessanter das Buch im Nachgang zu lesen.
Kupferberg recherchierte eine lange Zeit was Dr. Isidor Geller und ihrer Familie während der NS-Zeit alles widerfahren ist. Durch hohe Willenskraft und Unbeirrtheit trieb Isidor seinen sozialen Aufstieg in der K. u K. Hauptstadt voran. Er schaffte es in die „höchsten Kreise“ der Wiener Schickeria, ob kulturell oder gesellschaftlich. Das Leben war gut zu ihm. Bis zu jenem Tag, als Österreichs Anschluss an das Deutsche Reich passiert. Viel zu spät erkennt Isidor die Gefahr der Nazis, während andere jüdische Menschen bereits flohen oder deportiert wurden. Plötzlich ist er ein Feind, Aussätziger, Gejagter und gerät unter die Räder der antisemitischen Bevölkerung, die damit ihre Haut retten will. Zeitgleich aber ihren Freund Isidor verriet. Dies hatte zur Folge, dass Isidor ins Gefängnis geworfen wurde. Nach seiner Entlassung war er verpflichtet seine „Reichtümer“ an das Deutsche Reich zu überschreiben. Isidor verstarb kurz darauf anhand der Gewalttaten, die ihm im Gefängnis angetan wurden. Die Flucht gelang nur Walter, seinem Neffen. Er konnte nach Palästina fliehen.

Anhand von vielen Funden in Archiven, Zeitungsartikeln, Briefen, etc. nehmen wir als Leser*innen Teil am Leben von Isidor, oder Innozenz, oder Ignaz, oder Israel. Unheimlich berührend hat die Autorin die Lebensgeschichte verfasst, blieb immer respektvoll in ihren Beschreibungen.
Was Shelly Kupferberg hier auf Papier brachte, ist eine eindrückliche Lebensgeschichte einer Familie, die dem grausamsten Kapitel der Deutschen Geschichte zuzuschreiben ist. Eine Verbeugung vor Dr. Isidor Geller, der offenbar, trotz aller Widrigkeiten, nie vergaß wer er war und sich bis zum Tage seines Todes treu blieb.
Und was es mit dem silbernen Besteckkasten auf sich hat – das solltet ihr dringend selbst rausfinden: #leseempfehlung #neverforget
Profile Image for Francesco Iorianni.
251 reviews3 followers
January 3, 2023
Das Leben des Urgroßonkels Isidor und seiner Familie wird auf rührender Weise von Shelley Kupferberg beschrieben. Wie sie die Geschichte ihrer Verwandten nachgeht und neue Spuren entdeckt, die zu kuriosen Anekdoten und internationalen Persönlichkeiten führen. Sprachlich eine sehr schöne Komposition über ein tragisches Familieleben.
95 reviews
November 15, 2022
Eine spannende Recherche über die Anfänge des Nationalsozialismus in Österreich aber vor allem die spannende Lebensgeschichte eines Wiender Lebemannes. Kulturbegeistert, anspruchsvoll aber auch anstrengend hat Isidor seine eigene Verletzlichkeit nicht kommen sehen.

Ein Sachbuch in Romanform.
26 reviews
September 28, 2022
Die bittere Geschichte der jüdischen Familien Geller/Grab, sehr gekonnt und ehrfurchtsvoll aufgeschrieben von der heute zum Glück wieder in Berlin leben könnenden Journalistin Shelly Kupferberg. Scheinbar so lange her und ist doch ganz nah!
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414 reviews
March 5, 2023
Die recherchieren Arbeit will ich nicht schmälern, jedoch der Aufstieg kommt mir doch etwas zu sagenhaft und einfach vor.
1 review
November 27, 2025
Am Anfang etwas schleppend, ich habe mich schwer getan, ins Buch zu finden. Je länger man gelesen hat, desto besser wurde es.
3 reviews
June 8, 2024
Beeindruckendes Buch der Ur -Großnichte, die den Spuren des Lebens ihres durch den Naziterror umgekommen Onkels in Wien nachgeht.
2 reviews1 follower
February 20, 2023
Der Inhalt ist super spannend, lehrreich und empfehlenswert, da es eine wahre Geschichte ist!
Nur der Erzählton war für mich nicht persönlich genug und wirkte etwas aufsatzartig. Ich wäre gerne noch mehr auf der Gefühlsebene eingetaucht, da die Geschichte an sich sehr berührend und schockierend ist!
689 reviews11 followers
September 20, 2022
Vom Stetl ins Wiener Großbürgertum

Ein Aufstieg aus ärmlichsten Verhältnissen, Leben in der großbürgerlichen Welt am Wiener Ring, nur um am Ende verfolgt, misshandelt und auf seine jüdische Herkunftsgeschichte reduziert zu werden - die Geschichte von Isidor Geller in Shelly Kupferbergs Doku-Roman "Isidor" steht für einen der sechs Millionen Opfer der Shoah. Die Autorin hat in Archiven nach der Familiengeschichte geschürft und sich vor allem auf die Geschichte ihres Urgroßonkels konzentriert.

Als Kind einer streng orthodoxen Familie in einem galizischen Stetl kannten Isidor und seine Geschwister vor allem Armut und die tiefe Frömmigkeit ihrer Eltern. Intelligent und begabt, konnten zumindest die Brüder aber einen Schulbesuch an einer weltlichen Schule und nicht nur an eine Yeshiva durchsetzen, gar das Gymnasium in der nahen Kleinstadt - und so einen Blick auf die Welt außerhalb religiöser Beschränkungen werfen, feststellen, dass es auch Juden gab, die sich von manchen alten Sitten und Traditionen getrennt hatten und aufgeschlossen für die Moderne waren.

Den jungen Isidor und seine Brüder zieht es, nach "Verweltlichung" ihrer Namen, die allzu sehr an die Chassidische Stetl-Welt erinnerten, nach Wien, das Zentrum von Lebensart und deutschsprachiger Kultur. Es ist Isidor, der am weitesten vorankommt in einer Welt, die noch so manches antisemitische Vorurteil hat, aber erfolgreiche Selfmademänner und zahlungskräftige Mäzene zu schätzen weiß. Neffe Walter, der spätere Großvater der Autorin, ist für Isidor wie ein Sohnersatz.

Ein wenig ist diese Lebens- und Familiengeschichte auch ein Zeitroman der Jeckes, der deutschsprachigen Juden, die in den 1930-er Jahren angesichts zunehmender Verfolgung und in weiser Voraussicht nach Palästina auswanderten, da aber immer fremd blieben und sich einfach nicht mit der rauen Pioniergesellschaft der Kibbuzniks und Zionisten identifizieren konnen. Die Sehnsucht nach den Opern- und Konzertbühnen in Wien oder Berlin, nach den Boulevards und Kaffeehäusern, nach höflichem Umgangston und bürgerlichem Lebensumfeld sollte sie jahrzehntelang begleiten - und im Fall von Isidor war es dieser feste Glaube an die zivilisierte österreichische Gesellschaft, die ihn alle Warnzeichen ignorieren ließ.

Je weiter die Geschichte Isidors voranschreitet, desto düsterer, erwartbarer und tödlicher entwickelt sie sich. Hätte er anders handeln sollen? Sein Leben hätte er retten können. Doch in seiner Fehleinschätzung, es werde schon nicht so schlimm kommen und die Deutschen seien doch schließlich ein Volk voller Kultur, lag Isidor nicht alleine. Die Erinnerungen aus dem Familienarchiv, Bilder aus glücklicheren Zeiten, aber auch Dokumente aus den Archivstudien lassen die Autorin einen Erzählteppich weben, der beispielhaft steht für das Schicksal Zehntausender Wiener Juden. Dass Isidor nicht auf eine Opferrolle reduziert wird, sondern ein ambivalenter und komplexer Charakter ist, dem sich Kupferberg zu nähern versucht, ist ein Gewinn für das Buch.

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653 reviews10 followers
November 26, 2024
Shelly Kupferberg m’a offert une lecture à la fois bouleversante et essentielle. Ce récit, profondément ancré dans l’histoire familiale de l’autrice, m’a transportée au cœur de la Vienne des années 1930, où j’ai découvert la vie fascinante d’Isidor Geller, son arrière-grand-oncle. Homme d’affaires accompli, collectionneur d’art et conseiller gouvernemental, Isidor représentait tout ce que la réussite pouvait offrir à cette époque. Mais en 1938, l’Anschluss a tout détruit : sa fortune, ses relations, sa dignité. Ce que j’ai trouvé particulièrement poignant, c’est la naïveté d’Isidor face à la montée de la haine et de la violence. Il ne pouvait simplement pas croire que tout ce qu’il avait bâti puisse disparaître, trahi jusque dans sa propre maison.
Shelly Kupferberg utilise des lettres, des documents anciens retrouvés dans le grenier familial ainsi que des photos pour reconstituer cette histoire avec chaleur et empathie. Elle ne se contente pas de raconter la vie d'Isidor, mais aussi celle de son grand-père Walter, témoin indirect de ce drame dans le contexte tumultueux de l'époque. Ces archives, miraculeusement conservées, m’ont impressionnée par leur richesse et leur pouvoir évocateur. Elles donnent une profondeur incroyable à cette quête de mémoire.
Ce livre parvient à rendre perceptibles les heures les plus sombres de l’histoire à travers le destin singulier d’un individu. L’autrice tisse une fresque biographique qui dévoile avec finesse le quotidien de l’époque, d’une manière plus vivante et saisissante que bien des ouvrages historiques. Ce récit émouvant rend hommage à Isidor et aux innombrables vies juives anéanties sous le joug nazi. Bien au-delà d’un simple témoignage, il s’impose comme un appel vibrant à préserver la mémoire et à célébrer ces destins brisés, souvent oubliés.
Ce premier ouvrage, profondément touchant et d’une grande portée, mêle intimement mémoire familiale et Histoire universelle. À lire pour comprendre, se souvenir et honorer ceux dont les vies ont été effacées. Bonne lecture.
https://latelierdelitote.canalblog.co...
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