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Ein Sommer in Niendorf

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Ein Mann namens Roth begibt sich für eine längere Auszeit nach Niendorf: Er will ein wichtiges Buch schreiben, eine Abrechnung mit seiner bürgerlichen Familie. In dem geruhsamen Ostseebad gerät er aber bald in den Bann eines trotz seiner furchtbaren Banalität dämonischen Geists: ein Strandkorbverleiher, der Mann ist außerdem Besitzer des örtlichen Spirituosengeschäfts, aufdringlich wie ein Insekt. Doch nach und nach beginnt Roth, seine Nähe zu suchen. Als Dritte stößt Simone hinzu, die Freundin des Schnapshändlers, in jeder Hinsicht eine Nicht-Traumfrau – eigentlich. Und am Ende dieser Sommergeschichte ist Roth seiner alten Welt abhandengekommen, ist er ein ganz anderer …

240 pages, Paperback

First published June 14, 2022

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About the author

Heinz Strunk

27 books243 followers
The musician, actor and writer Heinz Strunk (legal name Mathias Halfpape) was born in Hamburg in 1962. His memoir "Meat is my Veg" has sold half a million copies. It has since been adapted into a prize-winning radio play, an operetta at the Hamburger Schauspielhaus and also a feature film. "The Golden Glove" topped the bestseller lists for months and was nominated for the Leipzig Book Fair Prize 2016. In autumn 2016, he received the Wilhelm Raabe Prize. Strunk is a founding member of the cult comedian trio "Studio Braun" and had his own television show on VIVA.

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Community Reviews

5 stars
364 (17%)
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818 (40%)
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193 (9%)
1 star
71 (3%)
Displaying 1 - 30 of 151 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,054 followers
August 23, 2022
Nominated for the German Book Prize 2022 - yayyy!
A 51-year-old commercial lawyer takes a three-month sabbatical at the Baltic Sea which changes his entire life - in Heinz Strunk's new novel, the self-confident protagonist Roth falls into 1000 pieces, only to put himself back together in a different form. In Niendorf, Roth aims to write a book about his family, who collaborated with the Nazis during the war and experienced a decline in the 1980s. But the endeavor turns out to be more difficult than he had expected, especially as the complete retreat into art does not succeed.

In Niendorf, the reunion with a one-night stand turns out to be disappointing – Roth prefers to simp for a young waitress instead. He has been divorced for a year, his ex-wife has found God, which is a cause of anger for Roth, and he perceives his 20-year-old daughter as a complete failure. After an argument with the ex-wife, a drunken car ride leads to an incident that accelerates the protagonist's downward spiral. Breda, a Niendorf landlord and liquor dealer Breda, acts as a catalyst for Roth's decline.

The novel contains references to Der goldene Handschuh, and also offers many other literary references: the publisher markets the novel as "a kind of North German Death in Venice", and while Strunk himself says that he did not have Thomas Mann's novella in mind when he wrote the text, the Nobel Prize winner appears again and again in the book - the haughty aspiring writer Roth compares himself to the monolith of world literature in various respects. Roth is even hoping for “support from the realm of the dead” from the Group 47.

Heinz Strunk himself can look back on about 20 stays in Niendorf in the last 25 years, he knows the setting of his novel very well. An elderly, kind couple and Breda's girlfriend, a caring geriatric nurse, appear as positive counter-images to the numerous ambivalent characters in his book, which is based on a short story. All three are ultimately decisive for the transformation of the upper-class snob Roth.

"A Summer in Niendorf" is an exciting, densely composed novel that lets an efficiency-driven overachiever compete against his own desire for acceptance and belonging. Heinz Strunk, whose texts are often funny, but also frequently depict realities that are not easy to bear, once again skilfully dissects human longings and abysses - this time with an open, but surprisingly optimistic ending.

You can listen to my radio piece (feat. the author) about the novel here, and my complete interview with Strunk is available here.
Profile Image for Steffi.
1,123 reviews273 followers
June 19, 2022
So eine Zugfahrt ohne Klimaanlage bei großer Hitze kann einen den letzten Nerv kosten. Und wenn dann noch fast alle die Maskenpflicht ignorieren und man selbst die Einzige ist, die sich daran hält... Grrrr! Boah, bin ich auf der 9-stündigen Fahrt gestern zur Misanthropin geworden...

Aber es kommt noch besser: Das Pärchen mir gegenüber war super eklig. Sie war stark übergewichtig (okay, bin ich auch) und trug Kleidung, bei der ihr überall, insbesondere am Bauch, ständig die Wülste hervorquollen, unterhielt sich mit ihrem (durchschnittlich wirkenden) Partner in betonter Babysprache, was diesem wohl gefiel. Die haben da wohl ihren eigenen Fetisch laufen, sei ihnen gegönnt. Aber das Essen! Sie haben sich gegenseitig, laut schmatzend, mit hartgekochten Eiern gefüttert und sich dabei angeschmachtet als sei das ihr Vorspiel. Ich dachte zeitweise wirklich, die fallen gleich im vollbesetzten Abteil übereinander her. ABER SIE HÄTTEN WENIGSTENS MASKEN TRAGEN KÖNNEN!!!

Gerettet hat mich Heinz Strunk, dessen aktuelles Buch ich gerade begann zu lesen. Ich habe mich in meinem (sicher ebenfalls übertriebenen) spontanen Hass auf meine Mitmenschen zumindest nicht allein gefühlt. 😉 Und wie der "Held" des Buches, Georg Roth, finde ich gerade wieder zurück zu Toleranz und Freundlichkeit. Danke für die literarische Begleitung!

Auch darüberhinaus war das eine schöne Lektüre, deutlich besser als sein letztes (aus meiner Sicht schwächstes) Buch. An meine Lieblinge Das Teemännchen und Der goldene Handschuh kommt es aber nicht heran. Kann man aber lesen.
Profile Image for Alexander Carmele.
484 reviews455 followers
January 25, 2025
Eine Lehre vom Zerfall als Kessel Buntes. Guter Fond, aber lieblos abgeschmeckt.

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Heinz Strunk heißt harter Tobak, heißt Elend, Dreck, schmierige Kost, ein Abtauchen in das Elend, Torkeln, in die Abgründe der Gegenwart. Heinz Strunk heißt volle Fahrt voraus, mitten rein statt nur dabei, volle Kanone und Schluss mit Lustig. Sein neuer Roman „Ein Sommer in Niendorf“ setzt dieses Opus konsequent fort. Kein Opus magnum, aber männliches Elend, ohne Zensur pur.

Er tritt in etwas und ist sich sicher, dass es Aas war, obwohl er noch nie in Aas getreten ist. Er stolpert, fängt sich mit einer Hand ab, greift in etwas Weiches, Feuchtes; die Hand rutscht ab, und er schlägt mit voller Wucht aufs Gesicht.

Georg Roth, promoviert, Jurist, gönnt sich eine Auszeit an der Ostsee, nahe Lübeck, um dort eine Lebensbilanz zu ziehen, und zwar in Form eines Romans, im Gepäck vierundvierzig Tonbänder mit der Stimme seines Vaters. Das Ziel: Einen Roman wie Thomas Mann „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“ zu schreiben. Aber aus dem Leben gerissen, zwischen Erschöpfung und Enttäuschung, dass seine Familie und Ehe in die Brüche gegangen ist, kaum Kontakt mit seiner Tochter, geschieden von seiner religiös gewordenen Frau, rutscht Roth in den Alkoholismus ab. Er weiß mit sich nichts anzufangen und säuft und säuft, was das Zeug hält.

Wie sieht er eigentlich mittlerweile aus? Er stellt sich mit dem Gesicht an den Spiegel, bis er mit der Nasenspitze das Glas berührt. Nicht wiederzuerkennen. Er weiß nicht mehr, wer er ist. Er ist irgendetwas anderes geworden. Auf seinem dörrfruchtartigen, papierhäutigen Gesicht hat sich eine seltsame Färbung ausgebreitet, eine kranke Blässe, die Bartstoppeln sind scharf und nagelbretthart. Seine Haare stehen in alle Richtungen ab, wodurch sein Kopf aussieht wie eine Klobürste.

Aus dem Räderwerk seines Alltags entflohen, gerät er in ein neues. Er bandelt mit seinem Vermieter Markus Breda an, sucht letzten, unalkoholisierten Kontakt zu seinen Nachbarn Herr und Frau Klippstein, verliebt sich in eine junge Bedienung in seinem neuen Stammlokal, findet Verständnis und Ruhe bei Bredas Lebensgefährtin Simone und säuft und säuft. Mit der Literatur klappt’s nicht. Mit der Tochter auch nicht. Mit der Ex-Ehefrau schon gar nicht. Im Grunde klappt gar nichts.

Das Treiben draußen auf der Promenade, wie überhaupt alles, geht auch ohne ihn weiter, so wie es weitergeht, wenn er tot ist. Seine Welt zerfällt, im Inneren wie im Äußeren, eine Stahlkugel, deren Schweißnähte sich auflösen. Ihn fasziniert die Vision seines bevorstehenden Untergangs.

Die Stärke dieses Romans von Strunk liegt in der dieses Mal, bis auf wenige Ausnahmen, durchgehaltenen Verfolgerperspektive. Der personale Erzähler hängt Roth auf der Schulter und lauscht diesem die Gedanken und Gefühle ab. Wertungen, voyeuristische Einsprengsel geraten kaum dazwischen. Die Erzählperspektive wird eingehalten und so ein stimmiges, brüchiges Leben vorgestellt. Die Abwesenheit jeder Begründung stärkt den Eindruck. Es wird fast über die gesamte Zeit schlicht und schnell erzählt, über Dreckiges, Eitriges schwadroniert. Der körperliche Zerfall, der Alkoholkonsum, die vielen Dönerteller gereichen zu ekelerregenden Ausflügen zwischen Mistkäfern, Blutegeln, herausgequollenen Gedärmen und sich in ihrem Kot windenden Aasleibern.

Heinz Strunk schreibt in der Tradition von Günther Grass, dem Ekel in die Augen schauend, die hässlichsten Wörter, die es gibt, zu suchen, zu finden und anzuwenden, um das Leben in all seiner Erbärmlichkeit dem Publikum vor Augen zu führen. Dem kurzen und knappen Roman gelingt dies ganz gut. Die abrupten, stichwortartigen Beschreibungen, das einfach, in wenigen Absätzen durchgezogene Ende, die etwas Larifari herangezogenen Literatur-Zitate (Bachmann, Celan, Mann) lassen auf ein ungeduldiges Schreiben schließen, auf einen Schriftsteller, der schnell wieder ein Buch beenden möchte, der selbst keine richtige Lust hat, dem Buch den letzten Schliff zu geben.

Ein Rohdiamant ist es nicht. Aber eine lohnenswerte Lektüre über einen drohenden und sich abzeichnenden Zerfall ist es doch. Skizzenhaft ausgeführt, aus dem Ärmel geschüttelt, mit Ekligem und Abscheußlichkeiten abgeschmeckt und garniert unterhält „Ein Sommer in Niendorf“ ganz gut. Wer dasselbe Thema nur mit Tiefgang und weniger Allüren sucht, dem empfehle ich Judith Hermanns „Daheim“ oder, wenn schon, denn schon, Fernanda Melchor „Paradais“ voller Gewalt und Konsequenz.
Profile Image for Berengaria.
975 reviews198 followers
February 2, 2025
3,5 Sterne

Bis circa Seite 100, könnte man meinen, man befindet sich in einem dieser handlungslosen Romane, wo der Ich-Erzähler seine und unsere Zeit mit seinem nichtssagenden Alltagswehwehchen verplempert.

Aber dann passiert etwas völlig unerwartetes und die Geschichte nimmt richtig Fahrt auf, bis zu einem sehr schönen, höchst zufriedenstellenden Ende.

Was ich darin sah: die Geschichte eines Mannes, der sich mit seiner Familiengeschichte auseinandersetzen will, radikal und schonungslos, um endlich Abstand von ihr zu gewinnen und zu sich selbst zu finden.

Nur bei Roth wird es eher zu einer seelischen Entschlackung, denn alles was ihn ankotzt, schwitzt und kotzt er buchstäblich raus. Sein schwacher Vater, sein dominanter Opa, seine missratene Tochter, seine Jesus Freak Ehefrau, kurzum, sein ganzes Roth-ungerechtes Leben geht flöten.

Eigentlich ist das etwas Schönes, das durch viel Unschönes zu Stande kommt. Trotz allem, mir hat's am Ende richtig gut gefallen.
Profile Image for Anna Carina.
688 reviews357 followers
August 23, 2022
4,5⭐️
Glaub das letzte Buch bei dem ich so viel Lachen musste, war auch eins von Strunk.
Er bedient wieder einmalig sämtliche Ressentiments und verzerrt diese im strunkisch grotesk, humoristischen Stile.
Das Hörbuch hat er selbst eingesprochen. Eine wahre Freude ihm bei den Dialekten der Menschen zu lauschen. Insbesondere die Kneipenszenen: so gelungen.
Ich schätze Strunk sehr dafür, ernste und bedrückende Themen, auf diese Art, dem Leser leichter verdaulich zu machen.
Profile Image for nettebuecherkiste.
688 reviews180 followers
November 10, 2022
Bisschen spoilerisch

Der Jurist Roth hat sich vor dem geplanten Antritt einer neuen Stelle über den Sommer im Ostseebad Niendorf eine Wohnung gebucht, um dort ein Buch über seine Industriellenfamilie zu verfassen. Dort begegnet er schrulligen Typen, die ihn zunächst nerven, dann aber plötzlich wie selbstverständlich zu Weggefährten werden. Die schriftstellerische Tätigkeit macht keine wirklichen Fortschritte, stattdessen beginnt Roth, massiv zu trinken und sich immer häuslicher in Niendorf einzurichten. So begleiten wir Roth auf seinem vermeintlichen gesellschaftlichen Abstieg. Man könnte sich jetzt fragen, ob er sich nicht vielleicht in diesem neuen Leben wohler fühlt und es mehr genießt als das Leben als erfolgreicher Anwalt, allerdings ist fraglich, ob er mit dem Alkohol die Kurve kriegt. Es sind typisch unsympathische strunk’sche Figuren, mit denen wir es hier zu tun haben, samt aller gesellschaftlichen und moralischen Abgründe. Das liest bzw. hört sich (von Strunk selbst gesprochen) durchaus unterhaltsam, man kann sich in gewissem Maße darüber amüsieren, letztlich reicht das jedoch nicht für ein wirklich lesenswertes Werk. Erwarte nach „Der goldene Handschuh“ immer noch mehr von Strunk.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Hanna.
69 reviews24 followers
June 29, 2022
„Wie es ihm geht? Gute Frage. Als hätte man mir die Venen ausgeschabt, meinen Kopf abgeschraubt und hineingekotzt, müsste er wahrheitsgemäß antworten. Stattdessen macht er eine unspezifische Handbewegung, begleitet von einem unspezifischen Brummen, das alles Mögliche bedeuten könnte.“

Strunk muss man mögen, sonst wird man dieses Buch vielleicht abscheulich finden. Er hat ein Talent dafür, Menschen so zu beschreiben, wie wir sie alle kennen, aber nicht kennen möchten. Der physische und psychische Verfall in diesem Buch ist wohl kaum zu überbieten, ist dabei aber so real und greifbar, dass es einen gleichzeitig lachen und erschaudern lässt. Man ist als Leser gefangen in der absolut abstrusen Gedankenwelt des Protagonisten und erlebt so einen Monolog, der oft gut nachvollziehbar ist, aber oft eben auch dermaßen entgleist, dass man glaubt, etwas überlesen zu haben.

Für mich ein absolutes Sommerbuch, dass einen die Hitze, den Schweiß und die unangenehmen Gerüche richtig nachempfinden lässt. Für Leute, die sich in Niendorf und Umgebung ganz gut auskennen bestimmt besonders amüsant, Ortskenntnis ist aber keine Notwendigkeit. Der rotzige, flappsige Ton ist typisch Norddeutschland und einfach typisch Strunk!
Profile Image for Alexander Günther.
Author 7 books5 followers
June 25, 2024
Nur einem gelingt es, das Gewöhnliche und Widerwärtige in solch großartige Worte zu kleiden. Mal wieder ein Thema, das mich von außen betrachtet null interessierte und schließlich doch komplett fesselte.
Profile Image for Tabitia.
149 reviews8 followers
September 14, 2025
3.5 Sterne. Puh, das war aber mal eine Story.

Hätte mehr Sterne bekommen, wenn die Nebengeschichten (Exfrau, Tochter, Westenmann) nicht so komplett im Sande verlaufen wären und es nicht so unglaublich viel deskriptives Bodyshaming gegeben hätte.

Fazit: Wenn man ein Buch schreiben möchte, dann bloß nicht dafür eine Auszeit in Niendorf nehmen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Mina.
190 reviews23 followers
October 8, 2023
Der Rechtsanwalt Roth nimmt sich drei Monate Auszeit von seiner Kanzlei, um in Niendorf an der Ostsee zur Ruhe zu kommen und ein Buch über seine Familiendynastie zu schreiben. In diesem Rentnerdomizil erhofft er sich einen ungestörten Aufenthalt, macht jedoch gleich zu Beginn Bekanntschaft mit Herrn Breda, dem Hausverwalter der Ferienwohnungen und gleichzeitig Besitzer des lokalen Schnapsladens, der ihn nicht in Ruhe zu lassen scheint. Aus anfänglicher Abneigung wird, je frustrierter Roth mit seinen schriftstellerischen Ambitionen wird, eine Zweckgemeinschaft, durch die der Protagonist immer mehr mental und charakterlich abgleitet.

Heinz Strunk hält auch in “Ein Sommer in Niendorf” seinen altbewährten Stil aufrecht, für den ich ihn liebe. Kein anderer kann Charaktere so schonungslos ehrlich in ihren Unzulänglichkeiten und physischen Eigenheiten darstellen wie Strunk. Seine Texte ziehen ihren Humor aus dem wahrhaftigen Kern der Schilderungen - weil Menschen nun mal so denken, handeln und aussehen. Jede Beschreibung hat vor dem inneren Auge schmerzlichen Wiedererkennungswert, jede Szene nimmt beim Lesen im Kopf Form an. Auch hier empfiehlt sich, wie immer, das von Heinz Strunk selbst gesprochene Hörbuch, das einen noch etwas besser einfinden lässt in die schrulligen Charaktere, in die ikonischen Dialoge, in die Stimmung am Ostseeheilbad Niendorf.

Bisher habe ich “Fleisch ist mein Gemüse”, “Das Teemännchen” und “Es ist immer so schön mit dir” von Strunk gelesen. “Ein Sommer in Niendorf” ist für mich bisher aus literarischer Sicht das beste der genannten, weil Strunk diesen Absturz des Protagonisten so treffend und graduell in all seinen kleinen, “unsicheren Tippelschritten” vorführt. Next: “Der goldene Handschuh” :-)

“Breda, Typ krummer, langer Lulatsch mit Plauze, strohiges Haar, pergamenthäutig, dünne Ärmchen und Beinchen, hat das Äußere eines chronischen Alkoholikers. Unter seinem engen T-Shirt zeichnen sich ein halbes Dutzend Speckrollen und zwei auf den Sauf-Spitzbauch herabhängende Titten ab. Zur Begrüßung schraubt er sich aus seinem Chefsessel und kommt Roth mit unsicheren Tippelschritten entgegen. Irgendwas stimmt mit der Koordination nicht.” (S. 11)
Profile Image for Totarota.
113 reviews9 followers
May 30, 2024
Hier macht Heinz Strunk mal wieder, was er am besten kann: Den gemeinen Alkoholiker in Szene setzen. Diesmal anhand eines 51-jährigen kürzlich geschiedenen Wirtschaftsjuristen namens Roth, der sich den Sommer freigenommen hat („Sabberquartal“), um in einem verschlafenen Ostseekaff (historisch geprägt durch die Gruppe 47, ein Zeichen!) seine Familiengeschichte zu Papier zu bringen - er sieht sich schon als Beststellerautor glänzen. In Niendorf schließt er jedoch erstmal unfreiwillig Freundschaft mit seinem aufdringlichen Vermieter und Schnapsverkäufer Breda und es kommt, wie es kommen muss: Schritt für Schritt driftet Roth in andere Gefilde ab, bis nicht nur alle Pläne vergessen, sondern auch die Rückkehr in das alte Leben nicht mehr vorstellbar ist.

Spaß machen wie üblich Strunks detailverliebte und schonungslos ehrliche Darstellungen allzu realistischer Charaktere, von eigentümlich bis grob widerlich. Dazu mischt sich eine Summe an Anspielungen auf Thomas Mann, die jedenfalls schon mal Vorfreude auf den angekündigten „Zauberberg 2“ weckt.
Profile Image for Pocahontas.
214 reviews10 followers
July 3, 2022
Das neue Buch von Heinz Strunk erzählt eine Art norddeutsches «Tod in Venedig», nur sind die Verlockungen weniger feiner Art als seinerzeit beim Kollegen aus Lübeck. Ein bürgerlicher Held, ein Jurist und Schriftsteller namens Roth, begibt sich für eine längere Auszeit nach Niendorf: Er will ein wichtiges Buch schreiben, eine Abrechnung mit seiner Familie. Am mit Bedacht gewählten Ort – im kleinbürgerlichen Ostseebad wird er seinesgleichen nicht so leicht über den Weg laufen – gerät er aber bald in die Fänge eines trotz seiner penetranten Banalität dämonischen Geists: ein Strandkorbverleiher, der Mann ist außerdem Besitzer des örtlichen Spirituosengeschäfts. Aus Befremden und Belästigtsein wird nach und nach Zufallsgemeinschaft und irgendwann Notwendigkeit. Als Dritte stößt die Freundin des Schnapshändlers hinzu, in jeder Hinsicht eine Nicht-Traumfrau – eigentlich. Und am Ende dieser Sommergeschichte ist Roth seiner alten Welt komplett abhandengekommen, ist er ein ganz anderer …
Meinung
Nein, "ein wunderbares Buch" ist Strunks neues Buch sicherlich nicht. Aber es ist von der ersten bis zur letzten Seite ein großartiges Hörvergnügen.
Sein zu derber Humor ließ mich sehr oft schmunzeln. Seine Beschreibungen der Charaktere fand ich großartig auch wenn diese dabei selten gut wegkommen.
Lest das Buch nicht, hört es!
Ich hatte einen Heidenspaß beim Hören.
Denn Herr Strunk ließt selbst und das mit Inbrunst.
Große Hör Empfehlung
Profile Image for Christiane Fischer.
516 reviews6 followers
September 11, 2022
Roth über seine Tochter:
„Fiona ist, man muss es leider so sagen, missraten, verkorkst und zwar grundlegend verkorkst. Irgend'was ist schiefgelaufen. Beim Gen-Roulette die Null erwischt. Unbekannter Defekt. Seltene Störung, verwobener Webfehler.
Unausstehlich mit 2, unsympathisch mit 4, unerträglich mit 8, zum Kotzen mit 16. (…) In unendlichen Weiten von Fionas Gehirn müssen jede Menge Synapsen verschmokelt sein und jetzt fahren die Transmitter Achterbahn, arrogant, selbstgerecht, humorbefreit und dauerbeleidigt, glaubt sie, das Universum existiere einzig und allein zu dem Zweck, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Im Laufe der Jahre wuchs ihr Missmut, wodurch er so umfassend wurde, dass kein Kraut mehr dagegen gewachsen ist. (…) Und so sass er nach einem knappen halben Jahr wieder seiner Feindin gegenüber, vielleicht die Enttäuschung seines Lebens. Als sie in der Pubertät das Mondkalbstadion erreichte, als aus ihr ein übergewichtiges, pickliges Wesen wurde, die Verhässlichung sie noch unerträglicher machte, fiel endgültig der Vorhang zwischen ihnen.“ (Section 7)

Ein Sommer in Niendorf
Heinz Strunk,
gelesen vom Autor

Der alternde Jurist und Schriftsteller Roth mietet sich in einem kleinen Zimmer in Niendorf an der Ostsee ein. Hier möchte er ein Buch bestehend aus Zeitzeugenberichten und Aufzeichnungen seiner Familie schreiben. Er hat sich extra dafür ein Vierteljahr freigenommen und freut sich darauf, einfach mal gar nichts zu tun, sich nur auf seine Familienbiografie zu konzentrieren.
Angekommen in Niendorf und gleich zu Beginn stellt Roth fest, dass der Verwalter seiner angemieteten Wohnung ein Alkoholproblem hat. Dessen Angebote am Mittag mal einen „zu zwitschern“ lehnt er zunächst ab.
Er ist ambitioniert, sein grosses Ziel ist es, mindestens fünf Stunden am Tag zu schreiben, doch schnell stellt er fest, dass seine Familiengeschichte eigentlich nicht spannend, sondern eher langweilig ist.
Immer öfter nimmt er die Trinkangebote seines Verwalters jetzt an und merkt gar nicht, wie er bereits in einem Hamsterrad sitzt, welches sich zu drehen begonnen hat.

Was vielversprechend, mit sarkastischen Humor begann, artete völlig aus.
Während ich am Anfang noch über den Humor lächeln konnte, hätte ich am liebsten 21 Seiten vor Buchende abgebrochen. Roth ist ein Narzisst. Frauen sieht er entweder als Sexobjekte oder wertet diese an ihren nicht perfekten Körpermerkmalen ab:

Roth über eine beleibte Jugendliche am Strand:
„Das Entlein hat ein gelbes dummes Gesicht, voller bläulicher Aknespuren. In ihrem schlappen Badeanzug sieht sie aus, wie eine zerquetschte Nektarine. Schlaffe Arme, schlaffer Mund, schlaffer Blick. Die käserartigen schweren Lieder hängen auf Halbmast. Weil sie aussieht wie sie aussieht, mag sie sich nicht ausziehen. Vielleicht ist sie die Schwester oder Cousine von irgendjemand. Eine, die man aus Mitleid mitnimmt und dann irgendwo vergisst.“ (Section 6)

Beleidigungen, in einer Fäkalsprache, werden hier aneinandergereiht. Weder Niendorf, noch Niendorfer Lokalitäten kommen hier gut weg.

Die Idee, dass ein Hamburger dieses Buch liest, finde ich phänomenal. Aber nicht jeder Autor ist ein guter Hörbuchsprecher.
Strunk rattert in seinem Hamburger Akzent das Buch nur so runter. Man könnte meinen, dass ihm für Schnelligkeit ein Preis in Aussicht gestellt wurde! Ich hoffe, dass es nicht der Deutsche Buchpreis 2022 ist!

Völlig zu Unrecht auf der Longlist!
2/ 5
Profile Image for Katzenkindliest.
575 reviews40 followers
January 29, 2023
Am Anfang fand ich es amüsant, zwischendurch mal ziemlich mühsam, das Ende dann überraschenderweise irgendwie versöhnlich. Über den Umgang mit Alkohol reden wir an dieser Stelle besser nicht...
Heinz Strunk als Vorleser hat mir überwiegend gut gefallen, der norddeutsche Touch passt ja auch gut an die Ostsee. Wenn man allerdings Satzzeichen wie Klammern und Doppelpunkte mitsprechen muss, macht man beim Vorlesen vielleicht nicht alles richtig.
Insgesamt vergebe ich 3 Sterne und freue mich, dass ich das Buch nicht gekauft habe...
Profile Image for MaggyGray.
673 reviews31 followers
July 31, 2023
Dieses Buch habe ich mit spitzen Fingern aufgeschlagen, nachdem sein vorheriges ("Es ist immer so schön mit dir") ein echtes Brechwerk war. Der Sommer in Niendorf war ganz anders, fast schon lustig zu lesen; Strunk zaubert mit Wörtern und Wort-Erfindungen, dass ich dieses Mal fast schon Freude am Lesen hatte.

Aber eben nur fast. Denn wie immer ist auch in dieser Geschichte einfach alles und ausnahmslos ALLES einfach mist / kacke / sch§$'&e / dumm / langweilig / dreckig / geisteskrank usw. usf. Und zwar wirklich alles: die Landschaft, die Ferienwohnung, die Geschäfte, die Bars / Restaurants, wirklich alle Personen (bis auf das ältere Ehepaar in der Ferienwohnung neben Roth, aber die bekommen auch noch ihr Fett weg), die Tiere, das Wetter... Man fühlt regelrecht, wie sich die Mundwinkel bei jeder Seite immer mehr Richtung Erdmittelpunkt bewegen, und am Schluss fragt man sich bei diesem Buch, was uns der Autor damit eigentlich sagen wollte.

Ein Zusatzpunkt für den herrlichen Ausdruck "Bumsheini-Antennen". Allein dafür hat sich diese Geschichte gelohnt.
Profile Image for Steffi.
340 reviews317 followers
July 21, 2022
Now, this is just the antidote to the 19th century love classics I needed!

I just love Heinz Strunk and his 2022 novel 'Sommer in Niendorf' Mir gruselts so vor dieser kunstsprache für ZEIT leser in der die meisten der derzeitigen deutschen romane geschrieben sind und umso mehr SUHLE ich mich in dieser Heinz Strunk welt und sprache, dieses mal social underbelly in einer Ostsee kleinsadt.

I'll leave the whole Thomas Mann references ('Tod in Niendorf') to the feuilleton folks although there is actually some weird Hans Castorp vibe going on there, like in total opposite, Heinz Strunk twist. I think my favorite Heinz Strunk novel so far and also my summer 2022 novel (although this summer is going to be very long, if not for ever).

In the book, there is also one of the best descriptions of one of the worst hook-ups 🫶
Profile Image for Rainer.
108 reviews12 followers
October 25, 2022
«Ein Sommer in Niendorf» handelt davon, wie sich ein Möchtegern-Schriftsteller in einem öden Kaff an der Ostsee in der Unterschicht verliert. Das Buch ist voll von abwertenden Beschreibungen der lokalen Nebenfiguren, unterbrochen nur von ein wenig Selbstironie. Das kommt bei weitem nicht an die Qualität des „Der goldene Handschuh“ heran – auch „Fleisch ist mein Gemüse“ war viel witziger und origineller. «Ein Sommer in Niendorf» hat mich über weite Strecken einfach nur genervt.
101 reviews1 follower
July 29, 2022
Ein Buch vom Heinzer mit Happy End (sogar wortwörtlich!)
Profile Image for Cara Bücherwahn.
99 reviews14 followers
September 20, 2023
Irgendwie war’s mir zu eklig. Ich glaube als Buch wäre es angenehmer gewesen als als Hörbuch.
Profile Image for Gernot1610.
322 reviews7 followers
September 18, 2022
Gehört auf einem Kurztrip nach Warnemünde ... ein Erlebnis!
Profile Image for LisaBlablubb.
48 reviews
June 30, 2022
In weiten Teilen ein klassischer Strunk: die Geschichte eines Verfalls. Gewohnt frauenfeindlicher Protagonist, angekotzt vom Leben und der Welt, resigniert.

Passagenweise irre stark beobachtet und erzählt, beispielsweise die über das Heranwachsen seiner Tochter. Diese Enttäuschung, die irgendwann in Hass und Verachtung umschlägt, ist eine von Strunks Spezialitäten. Umso bedauerlicher, dass er beim Sommer in Niendorf nicht mit ganzer Kraft ausholt, wie er es im Der goldene Handschuh und auch in seinem letzten Werk, Es ist immer so schön mit dir getan hat. Indem er die heranwachsende Tochter seiner Hauptfigur zur Tierquälerin macht, so die Abneigung des Vaters moralisch objektiv untermauert, setzt er zum Schlag an, zieht dann aber nicht in gewohnter Härte durch. Auch das ungewöhnlich positive Ende erstaunt.

Alles in allem quasi die Strunksche Variante einer Sommerlektüre.
Profile Image for Julia.
663 reviews
Read
October 20, 2022
Ich habe Probleme damit ein Buch zu bewerten, bei dem ich die Protagonisten und/oder Nebenpersonen unsympathisch bis abstoßend finde. Geht mir bei diesem Buch so, aber auch z.B. bei "Lügen über meine Mutter". Ich bin weit entfernt davon nur Wohlfühl-Literatur zu lesen, aber manchmal verschwimmen Abneigung gegen Personen und die Sicht auf die Handlung. Dies hier ist allerdings schon mein zweites Strunk Buch mit dem selben Problem. Ich glaube, wir werden keine Freunde.
Profile Image for Martina.
257 reviews
September 14, 2022
Disappointing! Uninspiring! This book wasn‘t for me. I thought it to be quite boring.
Nominated for the „Deutschen Buchpreis“, though (Longlist). Wouldn‘t be surprised if it made it further.
Profile Image for Lynn.
55 reviews
September 8, 2023
Wird mit „der Tod in Venedig“ verglichen. Hat eine große Ähnlichkeit aber kürzere Sätze und ist für mich dadurch verständlicher.
Profile Image for Manuel.
65 reviews10 followers
March 31, 2023
Dr. Roth fährt in eine ruhige Ostsee Enklave, um in seinem sabbatical Quartal seine Familiengeschichte niederzuschreiben.

Einerseits verabscheut er die Machenschaften seiner Vorfahren, andererseits ist er selbst so durchzogen von alten Bildern und lebt als alter weißer Cis-Mann in seiner eigenen, patriarchal geprägten Welt.

Dass es mit ihm selber an diesem Ort zugrunde geht, freut mich als Leser ein bisschen. Die Geschichte ist mir allerdings zu unausgereift: Was ist mit dem Westenmann? Warum durchläuft er selbst einen Wandel? Ändern sich mit dem Wandel auch seine Ansichten? Was ist mit seinem Familienepos? Warum kommt die Gruppe 47 so oft vor?

Heinz Strunk beobachtet die Situation zwar nur von außen, allerdings macht es nicht unbedingt Freude, wieder mal nur frauenverachtende Gedanken eines alten weißen Mannes zu lesen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
35 reviews
February 8, 2023
Eine Ansammlung von überwiegend unsympathischen Charakteren ( ausgenommen das wie aus der Zeit gefallene ältere Ehehepaar in der Nachbarwohnung) , insbesondere der Protagonist ist ein Ekel, ekelhaft auch sehr viele Details, die man so genau gar nicht beschrieben haben möchte,
der rasante Verfall des Protagonisten ist irgendwie stringent, man hat kein Mitleid mit ihm und wundert sich beinahe, dass er sich noch auf für seine Begriffe sicher eher niedrigem Niveau stabilisieren kann, eigentlich habe ich nur weitergelesen, um das Ende zu erfahren, ansonsten kein Lesevergnügen, ein weiteres Buch über einen Mann in der Midlife crisis, der sich selbst bemitleidet- oder sind mir wesentliche Inhalte verborgen geblieben?
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Daniel.
522 reviews65 followers
January 31, 2023
Ein neues Buch von Heinz Strunk, dass es auf einige Longlists für Buchpreise gebracht hat.
Roth ist eigentlich Jurist und will in einer Auszeit von seinem Job die Familienbiographie schreiben. Er reist nach Niendorf an die Ostsee und mietet sich in ein Appartement ein.
Der Vermieter stellt sich als alkoholkranker Kernasi raus, durch dessen Bekanntschaft sich eine Abwärtsspirale bildet, die Roth komplett einsaugt und aus der es kein Entkommen zu geben scheint....
Derbe, lustig und ziemlich unterhaltsam schreibt Strunz ein kurzes Buch, welches mir sehr gut gefallen hat.
Hätte ich das vor den Ostseeurlauben gewusst, wäre ich mal nach Niendorf gefahren und hätte mich umgesehen.
Displaying 1 - 30 of 151 reviews

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